Gutes Pressematerial – 10 Tipps für bessere Micro-PR

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist besonders für selbstständige Musiker/innen und Bands wichtig, um auf neue und anstehende Veröffentlichungen aufmerksam zu machen. Aber auch für ein erfolgreiches Booking sind Stimmen in Online- und Printmagazinen sowie Beiträge im Radio, Podcasts oder vielleicht sogar im Fernsehen bedeutungs- und wertvoll.

(Teaserbild: Shutterstock / BrAt82)
(Teaserbild: Shutterstock / BrAt82)


Für einen Bericht in der Presse muss man heute vor allem eines haben: Eine gute Pressemappe. Aber was genau benötigen die Ansprechpersonen in den Redaktionen, um schnell einen ansprechenden Artikel oder eine kurze Review schreiben zu können? Wir haben euch 10 Tipps für einen guten Presseversand zusammengestellt. Ob dieser wirklich zu einem positiven Artikel in den Medien führt, ist natürlich den Journalist/innen überlassen. Aber sicherlich erhöht ihr so eure Chance Gehör zu finden.
Ich führe seit knapp zehn Jahren das Onlinemagazin MUSICSPOTS. Nachdem die Artikel anfangs vor allem eines waren: persönlich geschriebene Blogposts zu Alben oder Künstler/innen, die ich nebenbei gehört habe, hat sich MUSICSPOTS über die Jahre gewandelt und vergrößert. Im Wechsel schreiben wir inzwischen als dreiköpfiges Team bis zu 15 Artikel im Monat. Diese sind immer mit Sorgfalt und Leidenschaft geschrieben und werden in Deutsch und Englisch veröffentlicht. Wir erhalten bis zu hundert E-Mails in der Woche und der tägliche Blick in das Redaktionspostfach zeigt uns: Wer beachtet werden will, muss direkt auf den Punkt kommen.

Inhalte

  1. Alles auf einen Blick
  2. Kenn deine Redaktion – die richtige Ansprache
  3. Release Friday – jede Woche neu
  4. Social Links und Kontakt
  5. Respektiere Absagen
  6. Support Your Local Music Magazin!
  7. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte
  8. Der Link zum Song
  9. Ein gutes Intro ist alles
  10. Pflegt euer Netzwerk

Hier sind 10 Tipps, wie ihr Redaktionen davon überzeugen könnt, über euch zu berichten.

1. Alles auf einen Blick

Bei den zahlreichen E-Mails, die Redaktionen heutzutage bekommen, kann man jeder E-Mail maximal zwei bis drei Minuten widmen. Darum muss wirklich alles sitzen und alle Infos sollten parat sein:

  • Name des Acts
  • Datum der Veröffentlichung
  • Genre und Inhalt der Musik
  • Presse- oder Bandinfo
  • Direkter Link zur Veröffentlichung
  • Kontakt für Rückfragen

2. Kenn deine Redaktion – die richtige Ansprache

Wenn der Adressat das Gefühl hat, persönlich angesprochen zu werden, hilft dies vielleicht noch, das letzte Zögern zu beseitigen. Wer von einem „Liebe Redaktion“ in eine „Liebe Redaktion XY“ oder sogar in die namentliche Ansprache wechselt, zeigt, dass man sich mit der Redaktion und den Menschen, die man zur Berichterstattung erreichen will, beschäftigt hat. Wenn ihr noch einen Schritt weitergehen möchtet, zieht ihr in der Einleitung eine Verbindung zu einem gelesenen Artikel oder ihr sagt direkt, warum eure Musik gerade in diesem Medium besprochen werden muss.

3. Release Friday – jede Woche neu

Dein wichtiger Tag ist der Releasetag. Umso wichtiger ist es, diesen festzulegen und allen davon zu erzählen. Mit zunehmender Anzahl der digitalen Veröffentlichungen, die zum Großteil aus eigener Kraft erfolgen, weicht der Freitag als Releasetag für neue Musik immer weiter auf. Mehr und mehr Musiker/innen versuchen durch Veröffentlichungen an anderen Tagen die Aufmerksamkeit der Medien für sich zu gewinnen.
Ich persönlich mag diese vorgezogenen Releasetage nicht. Für MUSICSPOTS planen wir gern langfristig und featuren neue Musik weiterhin gewohnt am Freitag. Auch Plattformen wie Spotifystellen immer freitags neuen Playlisten zusammen, die uns dann auf unseren Musicspots Algorithmus angepasste News präsentieren, was wir als Quelle für neue Artikel zusätzlich nutzen.

4. Social Links und Kontakt

Halte all deine Informationen immer online griffbereit. Durch die Zwangspause aufgrund von Corona fand vieles digital statt und fehlende Konzerte machten es Musikerinnen und Musikern besonders schwer, ihre Musik zu präsentieren. Daher ist es umso wichtiger, auf Plattformen wie Spotify und YouTube sowie Social Media zu finden zu sein und mit einer gepflegten, aktuellen Webseite zu glänzen. Biete Presse und Booker/innen auch stets überall eine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme an. Tipp: Eine klassische E-Mail ist immer noch der richtige Weg.

5. Respektiere Absagen

Eine Absage tut immer weh. Besonders nach der ersten Aussendung für die Debüt-Single kann sich das wie ein Rückschlag anfühlen. Mit Blick auf die Vielzahl der Anfragen an Redaktionen solltest du dies jedoch nicht persönlich nehmen. Schau, ob deine Musik wirklich in das Portfolio des Magazins, der Radiosendung oder des Podcast passt. Möglicherweise gibt es weitere Magazine, Radiosender oder Berichtformate für deine Veröffentlichungen.

6. Support Your Local Music Magazin!

Gerade unabhängige Onlinemedien werden in Zeiten zunehmender Releases von Anfragen überhäuft. Das zu bewerkstellen ist nicht nur schwierig, sondern manchmal unmöglich. Viele Magazine oder Podcasts stellen ihre redaktionellen Tätigkeiten nach zwei bis drei Jahren wieder ein. Gerade diese sind aber für kleinere Bands und Solokünstler/innen wichtig. Unterstützt daher eure Lieblingsredaktionen. Viele kleine Medien freuen sich über eine Einladung zu Konzerten oder Verlosungen von Tickets oder CDs. Der Kontakt in die Redaktion sollte auf jeden Fall von unabhängigen Musiker/innen gut gepflegt werden. Durch die Vereinbarung von Kooperationen oder Medienpartnerschaften können ab und an exklusive Berichterstattungen ermöglicht werden. Viele Onlinemagazine bieten den Support via Steady oder Patreon an, denn nur so können sie ihren Leser/innen unabhängige und werbefreie Artikel bieten.

7. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Fotos sind heutzutage wichtiger denn je, um Berichterstattungen anzukündigen. Investiert in gute Fotografen und bietet der Presse unbedingt verschiedene Formate und Motive an. Auch wenn sich derzeit alles scheinbar um das quadratische Format für Instagram dreht, so benötigen viele Medien weitere Bildformate. Für eine Online-Veröffentlichung wird vor allem das Querformat benötigt, während man beim Print auch Bilder im Hochformat abdrucken kann. Mein Tipp wäre hier die Zusammenstellung eines Pakets von Motiven im Hoch- und Querformat. Achtet auf genügend (Weiß-)Raum und stellt die Bilder in ausreichender Auflösung zur Verfügung. Bei Bedarf können die Bilder so noch beschnitten werden ohne das Wichtigste zu entfernen. Zusätzlich sollte der Fotocredit (Name des/der Fotografen/in) direkt im Dateinamen stehen und unter dem Pressetext genannt werden.

8. Der Link zum Song

Für Kreative, die täglich mit großen Sounddateien arbeiten, ist es sicher schwer vorstellbar: Viele Redaktionen haben einen begrenzten Speicherplatz und können größere Datenmengen nicht empfangen. Tut euren Ansprechpersonen den Gefallen und schickt keine Vorabversionen von Songs als WAV-Dateien per Mail. Ich persönlich nehme zum Beispiel keine automatischen Wetransfer-Downloadlinks oder E-Mails über 8 MB an. Für eine erste Bemusterung reichen mir ein guter Text und ein Link zu einem nicht gelisteten Soundcloud-, Dropbox- oder Youtube-File völlig aus.

9. Ein gutes Intro ist alles

Ähnlich dem Opener auf dem Konzert solltest du direkt in der E-Mail Aufmerksamkeit erregen. Musiker/innen und Bands dürfen gern authentisch und cool rüberkommen, dabei aber die Professionalität nicht aus den Augen verlieren. Sicher ist es wichtig, bei einer fröhlichen, lockeren Single nicht nur durch Fakten zu glänzen. Finde wie bei einem Elevator Pitch, also einer einminütigen Vorstellung, in der du dein Gegenüber überzeugen willst, die richtige Balance zwischen Business-Talk und Authentizität.
Damit ihr seht, wie es hinter den Kulissen aussieht, möchte ich euch noch einen exklusiven Blick in das MUSICSPOTS Postfach geben. Wir sammeln hier immer E-Mails, die unter dem Stichwort „Wilde Promo-Anfragen“ zwischen Kopfschütteln, Lachen und Sprachlosigkeit im Papierkorb enden.
Via Mail: „mit guter Laune in den Alltag … etwas Spaß in diesen nervigen Lockdown- Phasen : )“
„Hey, wir haben heute unsere neue Single ‚xxx‘ veröffentlicht. Würdet ihr eventuell in Betracht ziehen der Welt davon zu erzählen? Das wär der Knaller! Viele Grüße xxx”
Via Instagram: „Hey hey die Platte ist raus und ich lass mal den Link da und freu mich was von euch zu hören“
Via WhatsApp: „Hey Du! Hier ist der Presave-Link zu unserer Single xxx die wir diesen Freitag releasen. Als Band ist es mega wichtig, die fiesen Algorithmen auf unsere Seite zu bringen. Du hilfst uns wirklich sehr, wenn Du Dir eine Minute Zeit nimmst und den Song abspeicherst. Gerne kannst du uns dann auch direkt auf Spotify folgen und uns zu einer deiner Playlists hinzufügen. Ganz lieben Dank.”
Dieses sind alles direkte Anfragen von Musiker/innen und Bands. Und selbst nach einem Erstkontakt für einen anderen Release möchte ich persönlich nicht ungefragt für zukünftige Releases in Whatsapp-Verteilern landen.
Wir bei MUSICSPOTS planen mit ca. drei Wochen Vorlauf fast alle Berichte über neue Musik, Konzerte, Videos und über das Business generell. Wir freuen uns über richtig gute Pressekits ebenso wie über die Bereitschaft uns zu unterstützen und mit uns weiter zu wachsen. Somit ist mein letzter Tipp vielleicht auch wieder der Wichtigste:

10. Pflegt euer Netzwerk

Haltet zu euren Fans und den Medien regelmäßig direkten Kontakt und versorgt sie immer wieder mit guten kleinen News abseits der normalen Release-Aussendungen. Bietet besondere Interviews, extra Fotos und einen Blick hinter die Kulissen an und lasst die Redaktionen die Geschichten zu eurer Musik erzählen, die sonst noch keiner erzählt hat.

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von Carolin Schwarz

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