Test: Warm Audio Dirty Boy Jr. Booster, Fuzz und Overdrive Preamp – Drei Boutique-Klassiker für kleines Geld

Mit dem Warm Audio Dirty Boy Jr. Booster, Dirty Boy Jr. Fuzz und Dirty Boy Jr. Overdrive Preamp präsentiert der Pedalspezialist aus dem texanischen Austin drei Bodentreter, die auf den Schaltungen des amerikanischen Herstellers Dirty Boy basieren. Die ursprünglich von Alex Saraceno, dem Vater des Gitarristen Blues Saraceno, entwickelten Pedale genießen in Insiderkreisen einen ausgezeichneten Ruf. Allerdings waren sie bislang nur zu entsprechenden Boutique-Preisen erhältlich. In Zusammenarbeit mit Warm Audio erscheinen die drei Klassiker nun in kompakteren Gehäusen und sind dabei deutlich erschwinglicher als die Originale.

Warm Audio Dirty Boy Jr. Booster, Fuzz und Overdrive Preamp bonedo Test
Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • Soundqualität
  • Verarbeitung
  • eigenständige Klangcharaktere
  • Flexibilität des Overdrive-Preamps
Contra
  • Booster: kein Unity-Gain möglich

Warm Audio Dirty Boy Jr. – Das Wichtigste in Kürze

  • Was sind die Warm Audio Dirty Boy Jr.-Pedale? Der Dirty Boy Jr. Booster, das Fuzz und der Overdrive-Preamp sind drei analoge Effektpedale, die auf den Dirty-Boy-Modellen Ball Buster, Afro Fuzz und Preamp basieren.
  • Wer steckt hinter Dirty Boy Pedals? Dirty Boy wurde von Alex Saraceno gegründet, der sowohl Verstärker als auch Effektpedale herstellte. Später übernahm der Entwickler Danny Gomez die Marke und initiierte die Zusammenarbeit mit Warm Audio.
  • Welche Besonderheiten gibt es? Der Booster bietet eine dreistufige Frequenzanpassung, das Fuzz einen sechsstufigen Frequency-Schalter und der Overdrive-Preamp einen Variac-Regler sowie einen separaten Speaker-Emulated-Ausgang.
  • Für wen eignen sich die Pedale? Die Dirty Boy Jr.-Pedale richten sich an Player, die sich im Blues, Rock und Hardrock heimisch fühlen.
  • Was sagt der Test? Die Warm Audio Dirty Boy Jr.-Pedale überzeugen mit charakterstarken Sounds, tadelloser Verarbeitung und jeder Menge Boutique-Vibe zum fairen Preis. Während Booster und Fuzz mit eigenständigem Klangcharakter und flexiblen Regelmöglichkeiten punkten, entpuppt sich der dynamische und vielseitige Overdrive-Preamp als Highlight des Trios. Das fehlende Unity-Gain beim Booster kann je nach Einsatz eine kleine Einschränkung mit sich bringen.

Wie sind die Warm Audio Dirty Boy Jr.-Pedale aufgebaut?

Alle drei Pedale stecken in kompakten und sehr robusten Metallgehäusen mit den Maßen 125 × 70 × 52 mm (TxBxH). Der Dirty Boy Jr. Booster basiert auf dem Ball Buster und bietet Regler für Drive, Bass und Treble. Hinzu kommt ein dreistufiger Freq-Schalter, der die Basswiedergabe beeinflusst. Die Schaltung liefert eine Pegelanhebung bis zu 10 dB, kann bei höheren Gain-Einstellungen aber auch eigenständige Overdrive-Sounds erzeugen. 

Der Booster aus der Serie bietet Regler für Drive, Bass und Treble sowie einen dreistufigen Freq-Schalter, der die Basswiedergabe beeinflusst.

Das Dirty Boy Jr. Fuzz orientiert sich am Afro Fuzz, dessen Wurzeln wiederum beim Fuzz Face liegen. Die Bedienung erfolgt über Level und Fuzz sowie einen sechsstufigen Frequency-Schalter. 

Die Bedienelemente des Dirty Boy Jr. Fuzz im Detail.

Etwas umfangreicher präsentiert sich der Dirty Boy Jr. Overdrive Preamp, der auf dem gleichnamigen Dirty-Boy-Klassiker basiert. Hier stehen Gain, Tone und Volume sowie ein zusätzlicher Variac-Regler bereit. Neben dem normalen Ausgang ist ein separater Emulated-Out mit integrierter Lautsprechersimulation an Bord. Damit lässt sich das Pedal auch direkt an ein Audiointerface oder Mischpult anschließen. Alle drei Kandidaten sind mit einem True-Bypass ausgestattet.

Beim Dirty Boy Jr. Overdrive Preamp ist neben dem normalen Ausgang ein separater Emulated-Out mit integrierter Lautsprechersimulation an Bord.

So werden die Warm Audio Dirty Boy Jr.-Pedale in der Praxis getestet

Für die Soundfiles spiele ich die Pedale über meinen cleanen Fender Bassman von 1973 sowie einen Marshall Plexi, die über die Impulse-Response einer 4×12″-Box mit Celestion Greenbacks laufen. Den Emulated-Out des Overdrive-Preamps verbinde ich direkt mit dem Audiointerface, einer RME Fireface UFX.

Dirty Boy Jr. Booster – vom charakterstarken Boost bis zum britischen Overdrive

Der Dirty Boy Jr. Booster verfolgt ein etwas anderes Konzept als ein herkömmlicher Clean-Booster. Die Klangfärbung fällt deutlich aus, allerdings im durchaus positiven Sinne: Der Sound gewinnt an Autorität und Durchsetzungskraft. Unity-Gain ist hier nicht möglich, und selbst bei minimalen Einstellungen wird die Vorstufe meines Amps bereits ordentlich angeblasen. Das ist grundsätzlich auch ok, schließlich gehört genau das zu den Aufgaben eines Boosters. Allerdings lässt sich der Soundcharakter des Pedals nicht ohne gleichzeitige Pegelanhebung nutzen. 

Niedrige Drive-Werte sorgen bereits für einen merklichen Boost, während höhere Einstellungen eine kräftige Sättigung und Kompression erzeugen, die stellenweise schon in Richtung Fuzz tendieren. Damit bewegt sich das Pedal klanglich zwischen einem klassischen Booster und einem Overdrive und spielt aus meiner Sicht vor bereits zerrenden Amps seine größten Stärken aus. Besonders clever ist die Kombination aus Bass- und Treble-Regler sowie dem dreistufigen Freq-Schalter. Letzterer liefert in der linken High-Position den straffsten Bassbereich, die Mittelstellung klingt weitgehend neutral, während rechts in der Low-Position das kräftigste Bassfundament bereitsteht. Gerade vor einem crunchigen Amp kann man so das Low-End gezielt formen, während Bass und Treble die Feinarbeit übernehmen. Der Dirty Boy Jr. ist somit weniger ein transparenter Lautmacher als vielmehr ein charakterstarker Booster, der dem Sound eine ganz eigene, leicht britische Note verleiht.

Audio Samples
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Pedal Off/On – Mid Setting – Les Paul Low Boost – Stratocaster High Boost – Marshall Plexi – Les Paul Freq Check – Les Paul

Dirty Boy Jr. Fuzz – klassische Vintage-Zerre mit flexibler Klangregelung

Das Dirty Boy Jr. Fuzz orientiert sich klanglich am klassischen Fuzz Face, erweitert dessen Möglichkeiten jedoch immens. Das ursprüngliche Dirty Boy Afro Fuzz setzt auf eine Kombination aus Germanium- und Siliziumtransistoren. Inwieweit diese Bestückung auch für die Warm-Audio-Version übernommen wurde, lässt sich nicht eindeutig belegen. Klanglich erinnert der Grundcharakter jedenfalls stark an die klassische Vorlage und reicht von warmen, leicht mittig geprägten Sounds über raue Vintage-Fuzz-Töne bis hin zu sahnigen Leads. Besonders bei höheren Fuzz-Werten liefert das Pedal eine satte Verzerrung mit viel Sustain, ohne dabei an Transparenz zu verlieren. 

Die große Besonderheit und zugleich der wesentliche Unterschied zum klassischen Fuzz Face ist der sechsstufige Frequency-Regler. Während die ersten Positionen mit einem kräftigen Bassfundament punkten, wird der Klang mit aufsteigender Reglerstellung schlanker, bissiger und teilweise auch deutlich mittenärmer. Wie bei vielen Fuzz-Pedalen steht und fällt der Sound auch hier mit dem nachgeschalteten Amp. Für meinen Geschmack funktioniert das Dirty Boy Jr. Fuzz am besten vor Verstärkern, die bereits zerren oder zumindest am Edge of Breakup stehen. Hier verschmelzen Pedal- und Amp-Gain zu einem dichten, eigenständigen Zerrcharakter. Extreme, abgehackte Gated-Fuzz-Sounds stehen nicht auf der Speisekarte. Wer ein ausgesprochen musikalisches Vintage-Fuzz sucht, findet hier ein Modell, das dank des Frequency-Reglers deutlich vielseitiger ausfällt als viele klassische Zweiknopf-Kandidaten.

Audio Samples
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Pedal Off/On – Mid Setting – Stratocaster Medium Fuzz – Les Paul High Fuzz – Stratocaster Freq Check – Les Paul

Dirty Boy Jr. Overdrive Preamp – Röhrenamp-Feeling aus der Tretmine?

Der Dirty Boy Jr. Overdrive Preamp ist für mich die größte Überraschung des Dirty Boy Jr. Trios und hat deutlich mehr auf dem Kasten, als das kompakte Gehäuse vermuten lässt. Klanglich stand hier eindeutig eine britische Gain-Textur Pate, wobei das Spektrum von leicht angezerrten Crunch-Sounds über Classic-Rock bis hin zu kräftigen Medium-Gain-Brettern reicht. Die Dynamik ist vorbildlich, und das Pedal reagiert sensibel auf Spielnuancen und auf das Volume-Poti der Gitarre. Gerade bei niedrigen Gain-Werten vergisst man fast, dass hier ein Overdrive-Pedal am Werk ist. Dreht man den Gain-Regler hingegen voll auf, kann es auch bissig und sogar leicht fuzzig werden. 

Ein außergewöhnliches Feature, das man sonst eher von bestimmten Fuzz-Pedalen kennt, ist der Variac-Regler, der das Verhalten einer reduzierten Versorgungsspannung simuliert. Dreht man ihn zurück, nehmen Kompression und der typische Sag-Effekt zu, wodurch sich das Spielgefühl zunehmend weicher gestaltet. Bei niedrigen Variac-Werten kippt der Klang schließlich in eine raue, beinahe kaputte Gated-Fuzz-Zerre. In der Minimalstellung verstummt das Pedal vollständig, was natürlich die Frage aufwirft, welchen praktischen Nutzen diese Einstellung haben soll. Dennoch eröffnet der Regler eine erstaunliche Bandbreite, auch wenn die klanglichen Veränderungen nicht über den gesamten Regelweg gleichermaßen stark ausfallen. 

Eine weitere Besonderheit sind die Anschlussmöglichkeiten: Das Pedal funktioniert auch hervorragend als Preamp vor einer Endstufe und verfügt zudem über einen Emulated-Out mit analoger Speakersimulation, die eine geschlossene 4×12″-Box mit Celestion Greenbacks nachbildet. Klanglich liefert die Simulation einen ansprechenden Grundsound, der für meinen Geschmack allerdings nicht ganz an die Qualität moderner IR-basierter Lösungen heranreicht. 

Alles in allem präsentiert sich der Dirty Boy Jr. Overdrive Preamp als ausgezeichnetes Zerr-Aggregat mit hoher Flexibilität, überzeugender Dynamik und einem eigenständigen Klangcharakter.

Audio Samples
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Pedal Off/On – Mid Setting – Les Paul Low Gain – Stratocaster High Gain – Les Paul Variac Check  In Amp Return – Peavey Classic 50 – Stratocaster Emulated Out – Les Paul

Fazit

Mit der Dirty Boy Jr.-Serie macht Warm Audio drei interessante Boutique-Schaltungen einem größeren Publikum zugänglich. Alle drei Kandidaten punkten mit tadelloser Verarbeitung, eigenständigem „Modern-Vintage“-Charakter und einem durchweg hohen Soundniveau. Der Booster ist alles andere als ein transparenter Lautmacher, sondern überzeugt mit kräftiger Sättigung, eigenem Charme und flexibler Klangformung. Hier muss man sich lediglich der Tatsache bewusst sein, dass Unity Gain nicht möglich ist. 

Das Fuzz liefert authentische Vintage-Sounds und hebt sich dank des sechsstufigen Frequency-Reglers von vielen klassischen Vertretern seiner Gattung ab. 

Die größte Überraschung ist für mich jedoch der Overdrive-Preamp, der mit vorbildlicher Dynamik, vielseitigen Zerrsounds und dem ungewöhnlichen Variac-Regler glänzt. Auch die zusätzliche analoge Speakersimulation und die Option, das Pedal direkt vor einer Endstufe zu betreiben, erweitern seine Einsatzmöglichkeiten sinnvoll. Unterm Strich bietet das Trio jede Menge Boutique-Flair zu vergleichsweise moderaten Preisen. Wer charakterstarke Zerrpedale abseits des üblichen Mainstreams sucht, sollte hier unbedingt ein Ohr riskieren.

Artikelbild
Dirty Boy Jr. Overdrive
Für 189,00€ bei
  • Hersteller: Warm Audio
  • Name: Dirty Boy Jr. Booster, Dirty Boy Jr. Fuzz, Dirty Boy Jr. Overdrive Preamp
  • Typ: Verzerrer, Booster
  • Regler: Drive, Bass, Treble, Freq (Booster); Fuzz, Level, Frequency (Fuzz); Gain, Tone, Volume, Variac (Overdrive Preamp)
  • Schalter: On/Off (Fußschalter)
  • Anschlüsse: In- & Output (je 6,3 mm Klinke), Emulated Out (nur Overdrive-Preamp), Netzteileingang (9 V)
  • True Bypass: ja
  • Batteriebetrieb: nein
  • Stromaufnahme: k. A.
  • Abmessungen: 125 × 70 × 52 mm (T × B × H)
  • Preis: 179,00 Euro (Fuzz), 189,00 Euro (Booster und Overdrive Preamp) (Stand: November 2026)

Herstellerseite: https://warmaudio.com/

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