GForce Oberheim Matrix-12 Test – König der Matrix

Mit dem Matrix-12 widmet sich GForce dem König der Oberheim-Matrix-Synthesizer. Die britische Softwareschmiede hat bereits mehrfach bewiesen, dass sie den Klangcharakter legendärer Vintage-Synthesizer überzeugend reproduzieren kann. Zuletzt hatten wir den GForce Prophet-5 im Test, der mich ebenso überzeugt hat wie der GForce MAP und der GForce ImpOSCar 3.

GForce Oberheim 12: Test.
Der GForce Matrix-12 setzt unter den bisherigen Oberheim-Emulationen neue Maßstäbe.
Unser Fazit:
5 / 5
Pro
  • Offizielle Emulation, entwickelt mit Marcus Ryle
  • Authentischer Oberheim-Sound
  • Zwölfstimmige Architektur mit umfangreicher Modulationsmatrix
  • Drag-and-Drop-Modulation
  • MPE-Support
  • Gute Preset-Library
  • Fairer Preis
Contra
  • kein Contra

GForce Oberheim Matrix-12 Highlights

  • GForce präsentiert die offizielle Emulation der Oberheim-Klassiker Matrix-12 und Xpander, entwickelt in Zusammenarbeit mit Marcus Ryle.
  • Das Flow-Diagramm und der Visualizer sorgen für deutlich mehr Übersicht, während sich die Modulationsmatrix wesentlich intuitiver bedienen lässt als beim Original.
  • Zusätzliche Erweiterungen machen das Plugin vielseitiger. Dazu zählen Micro-Arpeggiatoren, MPE-Unterstützung, vier globale Makros und integrierte Effekte.

Der neue GForce Oberheim Matrix-12 emuliert neben dem namensgebenden Synthesizer auch den 1984 erschienenen, tastenlosen Oberheim XPander. Bei der Entwicklung der Software arbeitete GForce mit Marcus Ryle zusammen, der bereits an den Originalinstrumenten beteiligt war.

Damit trägt das Plugin auch den offiziellen Segen der originalen Herstellerfirma. Das Herzstück des Matrix-12 ist und bleibt die beeindruckende Modulationsmatrix, über die man zahlreiche Parameter flexibel miteinander verknüpfen kann.

Da ich mir Ende der 1980er-Jahre nur einen Matrix-6 leisten konnte und man heute kaum noch eines dieser erstklassigen Vintage-Instrumente von Oberheim auf dem Gebrauchtmarkt findet, bin ich gespannt, wie sich das Flaggschiff Matrix-12 aus dem Jahr 1985 nun als Plugin auf meinem Mac Studio schlägt. Wird der neue Oberheim Matrix-12 es ordentlich krachen lassen?

DETAILS & PRAXIS

GForce Matrix-12 mit klassischer Stimmenarchitektur

Beim grundlegenden Aufbau bleibt GForce seinem Hardware-Vorbild treu. Alle zwölf Stimmen verfügen über zwei virtuell-analoge Oszillatoren mit Dreieck-, Sägezahn- und Pulswellenformen. Der zweite Oszillator bietet darüber hinaus Rauschen und Hard Sync. Für die anschließende Klangformung gibt es insgesamt 15 Filtermodi. Dazu zählen verschiedene Tiefpassvarianten mit einem bis vier Polen sowie Hochpass, Bandpass, Notch und weitere Filterkombinationen. Zwei seriell geschaltete VCAs schließen den Signalweg ab.

GForce Oberheim 12: Test.
Die umfangreiche und flexible Struktur des Matrix-12 – hier als Flow-Diagramm.

Auch bei der Modulationsarchitektur schöpft GForce aus dem Vollen: Fünf Hüllkurven, fünf LFOs, vier Rampengeneratoren, drei Tracker und ein Lag-Prozessor stehen pro Stimme bereit. Hinzu kommen ein eigener Vibrato-Generator und zahlreiche weitere Modulationsquellen wie Velocity, Pressure, Pitch Bend und Modulationsrad.

Darüber hinaus unterstützt die Plugin-Version des Matrix-12 Release Velocity und MPE. Letzteres eröffnet zusätzliche Möglichkeiten für ein ausdrucksstarkes, polyphones Spiel. Das gab es beim ursprünglichen Hardware-Synthesizer noch nicht. 

Ist der neue Oberheim Matrix-12 gut bedienbar?

Der Matrix-12 lässt sich nicht nur gut bedienen, sondern liegt hierin sogar der eigentliche Mehrwert: GForce hat den Workflow des Matrix-12 ziemlich effizient überarbeitet. Mit der praktischen Drag-and-Drop-Modulation, dem Flow-Diagramm des Signalwegs und der Signalquellen, der umfangreichen Mod Matrix und dem Visualizer mit Oszilloskop-Ansicht für jedes Modul ist das gesamte Modulationssystem endlich überschaubar.

GForce Oberheim 12: Matrix.
Endlich überschaubar: die Modulationsmatrix des Oberheim Matrix-12

Funktionen wie das individuelle Laden, Kopieren und Sperren einzelner Stimmen, das „Relative Edit“ und eine vollständig skalierbare Benutzeroberfläche machen die Bearbeitung aller zwölf Stimmen schnell und direkt. Einfach ist das Ganze deshalb aber nicht: Das freie Patching via Matrix ist eine Kunst für sich und der Matrix-12 bleibt auch als Plugin der komplexeste Oberheim-Instrument überhaupt.

GForce Oberheim 12: Voices.
Nicht nur komplette Patches, auch einzelne Voices lassen sich untereinander kopieren.

Wer mehr über die historischen Vorbilder erfahren möchte, sollte sich das Feature Vintage Synth: Oberheim Matrix 12 / XPander keinesfalls entgehen lassen.

Multi-Modus: Zwölf Stimmen, sechs Keyboard-Zonen

Im Single-Modus arbeiten alle zwölf Stimmen als polyphones Instrument mit Unisono, Detune und Spread. Richtig spannend wird es aber erst im Multi-Modus: Jede Stimme entwickelt sich hier zu einem eigenständigen Klang. Dafür bieten sechs überlappbare Keyboard-Zonen individuelle Stimmenzuweisungen, MIDI-Kanäle und Micro-Arpeggiatoren. Einzelne Stimmen könnt ihr separat solo schalten, kopieren, sperren oder aus anderen Patches laden. Mit Relative Edit bearbeitet man alle Stimmen einer Zone gemeinsam.

GForce Oberheim 12: Multi.
Der Voice-Mixer sorgt für Übersicht: alle Stimmen des GForce Matrix-12 samt Zone Control auf einen Blick.

Effekte gibt es beim GForce Matrix-12 nicht viele – das Delay und der Reverb passen dafür aber klanglich gut zum klassischen Matrix-Sound. Im Multi-Modus findet ihr für jeden einzelnen Klang individuelle FX-Sends. So könnt ihr bereits innerhalb eines Presets Klänge räumlich staffeln.

GForce Oberheim 12: Effekte.
Aufs Wesentliche reduziert: ein Blick auf die Effektsektion des GForce Oberheim Matrix-12.

Wie authentisch klingt der GForce Matrix-12?

Ein paar Factory Presets genügen, um festzustellen: Der charakteristische Oberheim-Sound sitzt. Der GForce Matrix-12 klingt mal warm, mal kraftvoll und dabei angenehm organisch. Besonders bei breiten Pads, schwebenden Flächen und druckvollen Bässen kommt der typische Vintage-Charakter zur Geltung.

Für diesen Test habe ich zwölf Presets ausgewählt, die euch einen kleinen Einblick in die klangliche Bandbreite des GForce Matrix-12 geben. Die mitgelieferte Library umfasst insgesamt mehr als 570 Sounds: Neben 380 neuen Kreationen sind außerdem 190 originale Patches des Matrix-12 und XPander mit an Bord.

GForce Oberheim 12: Browser.
Enorm praktisch: Der Preset-Browser erleichtert die Suche nach passenden Sounds, die sich über die vier Makro-Regler schnell anpassen lassen.

Praktisch sind die vier Makro-Regler: Sie erlauben den direkten Zugriff auf wichtige Klang- und Effektparameter. So passen auch weniger erfahrene Anwender vorhandene Presets schnell an den eigenen Geschmack an, ohne sich erst intensiv mit der Modulationsmatrix beschäftigen zu müssen.

Audio Samples
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Plinky Keys of Noise Vesper Heart XPander Bass 2026 Bandy Sweeper Ripper Pad Plout Unfolding Love In a System Velvet Pad Digital Dreams Bring Your A Game Lead Eternity In Pace Substantial Bass

GForce Matrix-12 versus Oberheim Matrix-12

Wie schon vermutet, gibt es derzeit kaum Alternativen zum neuen Software-Synthesizer von GForce. Lediglich der Arturia Matrix-12 V kommt hier in Betracht. Er punktet zwar mit zwei flexibleren Insert-Effekts und lässt sich zudem als FX-Plugin Arturia Filter M12 verwenden, kommt dafür aber an den Sound und Charme des GForce Matrix-12 definitiv nicht heran. Bereits nach wenigen Minuten, in denen ich beide Plugins abwechselnd mit den Factory Sounds angespielt hatte, stand meine Wahl fest: Ich würde mich ganz klar für den GForce Matrix-12 entscheiden, der obendrein auch noch etwas günstiger zu haben ist.

GForce Oberheim 12: Arturia.
Der einzige direkte Konkurrent zum GForce Matrix-12 kommt von Arturia.

Sind OB-X-Emulationen eine gute Alternative?

Definitiv! Wer vor allem nach dem klassichen Oberheim-Sound ohne extravagante Modulation-Matrix sucht, ist mit einer Emulation der OB-X-Modelle gut bedient. In unserem Feature Oberheim OB-X & OB-Xa – Soft-Synths im Vergleich stellen wir euch passende Plugins vor. Mein Tipp ist der GForce OB-X: Er bietet den Vorteil einer deutlich simpleren Bedienoberfläche. Preislich fällt der Unterschied dagegen weniger ins Gewicht.

Fazit: Oberheim Matrix-12 von GForce

Mit dem Oberheim Matrix-12 ist GForce eine authentische Software-Emulation des Kult-Synthesizers gelungen. Das Plugin punktet mit einem kraftvollen, warmen und lebendigen Klangcharakter und bildet die außergewöhnlich umfangreiche Modulationsarchitektur des Originals überzeugend nach.

Besonders gut gefällt mir das überarbeitete Bedienkonzept mit Flow-Diagramm, Visualizer und Drag-and-Drop-Modulation – es macht vor allem die komplexe Modulationsarchitektur deutlich zugänglicher. Hinzu kommen praktische Erweiterungen wie MPE-Unterstützung, Micro-Arpeggiatoren, vier Makro-Regler und eine umfangreiche Preset-Library.

Natürlich bleibt der Matrix-12 auch als Software-Instrument ein anspruchsvoller Synthesizer, der eine intensive Einarbeitung verlangt. Wer sich jedoch auf seine Möglichkeiten einlässt, bekommt ein außergewöhnlich vielseitiges Sounddesign-Werkzeug mit echtem Oberheim-Charakter.

Der GForce Matrix-12 überzeugt mit hoher Klangqualität, einem hohen Funktionsumfangs und einem attraktiven Preis. Damit ist er eine klare Empfehlung für Vintage-Synth-Fans und ambitionierte Sounddesigner – fünf Sterne für eine rundum überzeugende Emulation!

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