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Stacking Overdrive Pedals

Mittlerweile gibt es eine immense Anzahl an Overdrive- und Distortion-Pedalen auf dem Markt und ein Ende scheint nicht in Sicht. Logisch, denn viele Gitarristen erzeugen ihren Zerrsound mit Pedalen, die sie vor einen relativ unverzerrt eingestellten Amp schalten und aktivieren je nach Einsatzbereich eines davon für den typischen Sound.

Stacking_Overdive_Pedals_Teaser


Aber was ist eigentlich mit der Kombination von Distortion-, Overdrive- oder Fuzz-Effekten? Auch das ist natürlich möglich, und deshalb widmen wir uns in diesem Workshop dem Thema “Stacking Overdrive Pedals”, was nichts anderes bedeutet als das Hintereinanderschalten von Verzerrern.

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Inhalte

  1. Booster & Overdrive
  2. Booster & Distortion
  3. Booster & Fuzz
  4. Overdrive & Overdrive
  5. Overdrive & Overdrive (4-Sound Setup)
  6. Overdrive & Distortion
  7. Overdrive & Fuzz

Seit Jahrzehnten ist das Vorschalten eines Overdrives vor einen bereits verzerrten (Röhren-) Verstärker eine bekannte und bewährte Technik, will man einen Gitarrenamp zu höherer Verzerrung bewegen. Diese Art der Klanggestaltung wurde eher aus der Not geboren, denn in den 70er Jahren gab es noch keine High-Gain-Verstärker, wie wir sie heute im Angebot haben. Damals stammte ca. 90 Prozent (oder vielleicht auch mehr) der weltweiten Gitarrenamp-Verzerrung von Röhrenverstärkern aus dem Vereinigten Königreich, und das zum Teil erst bei recht hoher Lautstärke. Auch als die ersten JCM800 Amps mit etwas höherem Zerrgrad und Master-Volume auf den Markt kamen, war das irgendwann nicht mehr ausreichend für den Bedarf an Verzerrung und es gab mehr oder weniger nur zwei Möglichkeiten: Entweder suchte man einen Amp-Techniker auf, der den Verstärker ordentlich frisierte und zu höheren Zerrgraden bewegte – so fingen übrigens High-Gain-Spezialisten wie Bogner oder Soldano an. Die andere Variante war simpler und günstiger: Einfach ein Boost- oder Overdrive-Pedal vor den Amp schnallen und schon gab und gibt es mehr Zerre. Ein probates Mittel, das mehr denn je seine Berechtigung hat, zumal heute, wie schon erwähnt, vielfach cleane oder nur wenig angezerrte Amps zum Einsatz kommen. Dabei sollte man einige Grundsätze beachten, denn nicht jeder Zerrgenerator eignet sich zum Anblasen eines Amps. Entsprechendes gilt auch für die Kombination von Overdrive- und/oder Distortion-Pedalen, was wir nun in unterschiedlichen Situationen und Kombinationen genauer beleuchten wollen.

Booster & Overdrive

Bei dieser Kombination erzeugt das Overdrive-Pedal eine leichte Übersteuerung, die noch dynamisch an der Gitarre regelbar ist, während der Booster für mehr Gain sorgen soll. Hier wird der Booster vor das Overdrive-Pedal geschaltet – würde man ihn nämlich dahinter setzen, wäre lediglich das Signal lauter und nicht höher verzerrt. Bei Letzterem spricht man auch von einem Lead-Boost, die Variante mit Booster vor dem Overdrive-Pedal wird normalerweise als Gain-Boost bezeichnet. Der Booster sorgt dabei für einen höheren Pegel, mit dem der Overdrive heißer angefahren wird. Deshalb kommen die meisten Boost-Pedale auch mit nur einem Level-Regler aus und eventuell einer Klangregelung zum Anpassen der Klangfarbe. Ich habe für die Aufnahmen einen MXR Microamp (Boost) und einen Okko Diablo mit relativ moderatem Gain (11 Uhr) benutzt. Hier sind die Ergebnisse, zuerst der Okko allein, dann mit dem Microamp in unterschiedlichen Einstellungen (9, 12, 15, 17 Uhr)

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Booster > Overdrive

Aktiviert man den Boost, liegt bei dieser Kombination und Einstellung des Overdrives der Sweetspot des Boosts zwischen 11 und 15 Uhr. Bei höheren Settings wird es etwas matschig, vor allem im Bassbereich. Grundsätzlich wichtig ist, dass man den Overdrive im Zerrgrad nicht so hoch einstellt. Hier muss man eine gute Balance finden, die natürlich von den eingesetzten Pedalen abhängt, welchen Eingangspegel sie verkraften können und wie es klingt. Manche lassen sich auch ganz schlecht “anboosten”, was am Aufbau ihrer Schaltung liegt. Beim Thema Overdrive streitet sich die Fachwelt ohnehin, denn für viele zählen nur die Schaltungen von Pedalen wie dem Tube Screamer, Boss OD-1 und deren detailgetreue Replikationen zur Gruppe der echten Overdrive-Pedale. Diese lassen das Direktsignal nur minimal durch, was man unter Umständen hören kann, wenn man einen Tube Screamer an einen unverzerrt eingestellten Amp anschließt. Hängt man nun einen Booster vor ein solches “reinrassiges” Overdrive-Pedal, wird der Sound eher lauter als dass er, wie eben gehört, einen höheren Zerrgrad ausspuckt. Der Vorteil dieser Overdrive-Pedale ist aber die Funktion als Boost mit regelbarem Zerrgrad vor einem angezerrten Amp oder auch vor einem (nicht “reinrassigen”) Overdrive-Pedal. Das hört ihr dann später.

Die moderne Version des Boss OD-1 ist das Modell OD-1X
Die moderne Version des Boss OD-1 ist das Modell OD-1X

Booster & Distortion

Jetzt geht es kerniger zur Sache, ein Distortion-Sound wird angefönt – ebenfalls mit dem MXR Microamp. Als Distortion habe ich den klassischen Boss DS-1 ausgewählt, und auch hier war ich mit dem Gain-Regler etwas sparsam, damit noch Luft nach oben bleibt, wenn der Boost hinzukommt. Dieser sorgt zum einen für etwas mehr Sustain und Kompression, aber bei höheren Settings geht das Ganze dann schon mehr in Richtung Fuzz. Das wird vor allem bei den Powerchords auf den tiefen Saiten deutlich. Auch hier hört ihr zuerst den Distortion allein, danach mit Booster und den Level-Einstellungen 11, 14 und 16 Uhr.

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Booster > Distortion

Booster & Fuzz

Ähnliche Wirkung zeigt ein Fuzz mit vorgeschaltetem Booster. Aber hier ist Vorsicht angesagt, denn einige Vintage-Fuzz-Pedale bevorzugen die Pole-Position direkt hinter der Gitarre, weil der Eingang auf das hochohmige Signal der Gitarre abgestimmt ist. Wenn dort etwas anderes anliegt, ist der Sound deutlich verändert. Das Boss FZ-5 Pedal war in dieser Hinsicht kooperativ und verstand sich gut mit dem Microamp. Beim Fuzz war der Gain-Regler recht niedrig auf 10 Uhr eingestellt, was trotzdem für eine ordentliche Säge reichte, aber mit dem Microamp ließ sich der Sound zunehmend dreckiger gestalten. Hier ist das Beispiel, zuerst nur der Fuzz, dann mit dem Booster und drei unterschiedlichen Einstellungen (12, 15, 17 Uhr).

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Booster > Fuzz
Ibanez TS808 Original Tube Screamer
Ibanez TS808 Original Tube Screamer

Overdrive & Overdrive

Jetzt kommt die bereits erwähnte Variante mit dem Tube Screamer als Overdrive/Booster vor einem Overdrive-Pedal (Okko Diablo). Der Diablo tritt wieder mit einem moderaten Gainsetting (11 Uhr) an und beim Tube Screamer habe ich drei unterschiedliche Einstellungen ausprobiert: Zuerst eine moderate Boost-Funktion, bei der ich den Overdrive-Regler komplett zurückgedreht und den Level-Regler leicht erhöht (13 Uhr) habe, um den Diablo etwas heißer anzufahren, aber ohne zusätzliche Zerre aus dem Tube Screamer. In der zweiten Runde gibt es mehr Feuer und Level ist voll aufgedreht, Overdrive immer noch auf Minimum. Der darf dann in der dritten Runde ran, mit mittlerer Einstellung (12 Uhr) und Level immer noch auf Maximum. Der Tone ist leicht zurückgenommen auf 10 Uhr. Hierbei macht der Tube Screamer einen glänzenden Job, es klingt natürlich und der Gain Boost lässt sich sehr feinfühlig einstellen.

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Overdrive > Overdrive

Overdrive & Overdrive (4-Sound Setup)

Aus zwei Pedalen können natürlich vier Sounds entstehen, das folgt als Nächstes. Dafür sind der bereits bekannte Okko Diablo und ein Boss SD-1 (Nachfolger des OD-1) im Einsatz. Der SD-1 wird mit recht moderatem Gain und etwas höherem Pegel eingestellt, der Diablo darf die heißere Variante mit mehr Gain spielen. Wenn ihr zwei Overdrive-Pedale habt und die in dieser Form nutzen möchtet, müsst ihr erst einmal die Reihenfolge austesten. Das erste Pedal sollte die geringere Verzerrung haben, das zweite etwas mehr. Bei dieser Kombination mit dem SD-1 als “reinrassigem” Overdrive war die Reihenfolge klar – der Diablo kommt an die zweite Stelle. Jetzt habe ich vier Sounds:
1. Clean (kein Pedal eingeschaltet)
2. leichte Übersteuerung (SD-1 eingeschaltet)
3. höhere Übersteuerung (Diablo eingeschaltet)
4. Vollgas (beide Pedale eingeschaltet)

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Overdrive > Overdrive (4-Sound Setup)

Wichtig dabei ist, dass man die Grenze austestet, wann und bei welchem Gain-Setting die beiden Pedale gemeinsam einen matschigen Sound erzeugen. In diesem Fall etwas Gain an einem oder beiden Pedalen zurücknehmen.

Overdrive & Distortion

Jetzt bekommt der Distortion-Sound noch etwas Feuer und anstatt des Boosters ist nun ein vorgeschalteter Overdrive am Start. Im Einsatz sind der Boss DS-1 und der Ibanez Tubescreamer und die beiden harmonieren sehr gut miteinander. Ich habe statt des Tubescreamers auch einen Nobels ODR-1 ausprobiert, was auch gut funktioniert hat, aber mit dem Tubescreamer war der Klang doch noch eine Ecke offener. Auch hierbei gilt die Regel, dass der Distortion nicht allzu heftig eingestellt sein sollte und beim Overdrive dürfen fürs Erste Gain- oder Drive-Regler ebenfalls weit unten bleiben. Hier sollte man mit Volume- oder Level-Regler höhere Settings ausprobieren, womit man die transparenteste Version des Boost-Signals erhält. Soll es mehr brutzeln, dann gerne den Drive-Regler weiter aufdrehen. Hier sind wieder drei Einstellungen mit dem Tubescreamer: Gain 7 & Level 14, dann Gain 7 und Level 17. Zum Abschluss Gain 11 und Level 17. Der Tone-Regler ist auf 10 Uhr geparkt und vorweg kommt das Distortion-Signal ohne Tubescreamer.

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Overdrive > Distortion

Overdrive & Fuzz

Ein Fuzz kann natürlich auch mit einem Overdrive-Pedal bedient werden, vorausgesetzt es verträgt sich mit vorgeschalteten Pedalen. In dieser Konstellation sind natürlich noch etwas dreckigere Sounds möglich, wenn man den Drive-Regler am Overdrive noch entsprechend einsetzt. Pauschale Angaben lassen sich aber auch hier nicht machen, denn was mit einem Pedal funktioniert, muss noch lange nicht mit einem anderen gelingen. Hier ist einfach ausprobieren angesagt. Die Kombination von Boss FZ-5 und Ibanez Tubescreamer hat mir einen cremigeren Ton mit sattem Sustain serviert, perfekt für Lead-Lines mit ordentlicher Säge. Auch hier kommt wieder zuerst der Fuzz-Sound ohne Overdrive, dann mit Tubescreamer und Gain auf 7 sowie Level auf 14 Uhr. Danach bleibt Gain auf 7 und Level wandert auf 17 Uhr, und zum Schluss steht Gain auf 11 und Level bleibt auf 17 Uhr. Der Tone-Regler ist weit zurückgenommen auf steht auf ca. 9 Uhr.

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Overdrive > Fuzz

Fazit

Ein sehr spannendes Feld und viele Möglichkeiten, Zerr-Erfahrung zu sammeln, bietet das Hintereinanderschalten von Overdrive-, Distortion- oder Fuzz-Pedalen und natürlich Boostern. Wichtig dabei ist, dass man Pedale findet, die miteinander harmonieren und die man mit entsprechendem Fingerspitzengefühl einstellt. Dabei gilt: Weniger ist mehr, oder, je mehr, desto weniger, was sich auf die Anzahl der Pedale und den Zerrgrad bezieht. Es ist auch möglich, drei Overdrives oder Booster, Overdrive und Distortion hintereinander zu schalten. Aber bei dieser Variante muss mit dezenten Gain-Settings gearbeitet werden. Außerdem wird irgendwann – je nach Pedal und Gain – das Grundrauschen recht hoch. Wer empfindlich ist, braucht in diesem Fall unter Umständen noch ein Noise-Gate hinter den Overdrives. Meine favorisierten Einstellungen sind so, dass ich das letzte Pedal in der Kette ganz normal auf moderaten Zerrgrad einstelle und den Pegel auch so wähle, dass er etwas lauter als der unverzerrte Bypass-Sound ist. Bei den Pedalen davor arbeite ich primär mit dem Level-Regler und mische noch etwas Drive hinzu, falls ich noch mehr Dreck benötige. Der Tone-Regler wird eher neutral eingestellt, meist sogar noch etwas zurückgenommen – alles Erfahrungswerte mit meinem Zerr-Pedal-Arsenal, das mit anderen Pedalen sehr unterschiedlich ausfallen kann. Aber bekanntlich sind auch die Geschmäcker verschieden.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren und Tüfteln!

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von Thomas Dill

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