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Strategien mit denen du Tonausfälle in den Griff bekommst

Wenn der Ton plötzlich ausfällt, zeigt sich, wer am FOH ein guter Troubleshooter ist. Nun sind Tonleute gefragt, die mit Hintergrundwissen souverän handeln können. Und die Bewunderung deiner Band ist dir sicher, wenn du auch in solchen Momenten ruhig und zügig eine Lösung findest, weil du Strategien im Kopf hast, die dir jetzt helfen.

(Bild: Shutterstock, Credits: Scarc)
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Verfolgen des Signalwegs

Zuerst sollte man auf jeden Fall ganz exakt nur das störende Phänomen beschreiben, ohne es vorschnell zu interpretieren. Eine geeignete Beschreibung wäre also nicht
„Das Micro X ist defekt.“
sondern
„Wenn in Micro X gesprochen wird, höre ich es nicht über die Haupt-PA.“
Ein großer Unterschied, wie sich gleich zeigen wird. Dann grenzt man den Bereich im Signalweg ein, in dem die Ursache liegen könnte. Vorausgesetzt, man hat die Funktionsfähigkeit der gesamten PA schon nach dem Hochfahren getestet, werfen erfahrene Tonleute erst mal einen prüfenden Blick übers Pult. Vielleicht fällt dabei schon etwas auf. Ansonsten grenzt man ein, bis zu welchem Punkt das Signal noch anliegt.
Kommt das Signal am Pult an? Falls ja, entfällt schon mal sämtliches Herumsuchen am Mikro. Geht das Signal am gewünschten Ausgang raus? Falls nicht, muss der Fehler also irgendwo dazwischen liegen.
Man prüft also systematisch Schritt für Schritt die Fehlermöglichkeiten in dem eingegrenzten Bereich wie On-Schalter am Kanalzug, Routing, Fader etc. Und siehe da, der Kanal war nicht auf den gewünschten Ausgang geroutet. Liegt kein Signal am Pult an, knöpft man sich den Bereich von der Signalquelle bis zum Pult Schritt für Schritt vor. Durch das Eingrenzen des Bereichs, in dem der Fehler liegt, spart man enorm Zeit und kann sich besser fokussieren. 

Mit der wahrscheinlichsten Ursache beginnen

Um noch effektiver zu arbeiten, kann man innerhalb des eingegrenzten Bereichs nach Wahrscheinlichkeiten vorgehen. Dabei kann man sich von den folgenden Fragen und nicht zuletzt der eigenen Erfahrung leiten lassen:
Welches Element des eingegrenzten Bereichs war in diesem Haus in letzter Zeit schon öfter defekt? Welches Teil ist grundsätzlich für Defekte anfällig, weil es wie zum Beispiel Mikrofonkabel auf der Bühne stark beansprucht wird?
Liegt es nicht an den wahrscheinlichsten Möglichkeiten, arbeitet man wieder Schritt für Schritt weiter.

Wenn der Fehler erst im laufenden Betrieb auftritt

Der laufende Betrieb ist in der Veranstaltungsbranche die Show. Und während dieser möchte man Fehler schnell beheben. Da zuvor alles lief, überlegt man also direkt: Was wurde geändert, nachdem bereits alles funktionierte? Liegt bei eingeschalteter Funkstrecke kein Saxophon-Signal an, könnte man sich fragen, ob die Saxophonistin den Mute-Schalter an ihrem Sender aus Versehen betätigt hat.
Läuft gerade so einiges schief, prüft man, ob im Pult überhaupt die richtige Szene geladen ist. Wurden während der Anmoderation mehrere Mikros verwendet, von denen eines nun als Gesangsmikro dienen soll, hat man bei diesem aber nur schwaches Nutzsignal, prüft man, ob sie vielleicht verwechselt wurden. Wenn die Frage danach, was zuletzt geändert wurde, keine Lösung bringt, arbeitet man rückwärts weiter, also mit Punkt 2, der wahrscheinlichsten Ursache. Erst danach nimmt man sich die Zeit und grenzt im gesamten Signalweg die Fehlerquelle ein. 

Alternativen schaffen bei uneindeutigen Störungen

Es kann vorkommen, dass für ein Problem mehrere Ursachen in Betracht kommen oder dass man, zum Beispiel wenn ein Wackelkontakt nur ab und zu Tonausfälle verursacht, zu keiner Lösung kommt. Dann darf man auch mal einfach das austauschen, was einem schnell möglich ist. Hat man Ersatzkabel, nimmt man sie. Gibt es eine Ersatzfunkstrecke, her damit. Nicht jedes Problem kann man sofort lösen. Nach der Show kann und sollte man dann in Ruhe nach der Ursache suchen. Auch in der größten Hektik gilt jedoch immer: Defektes sofort aussortieren und markieren, sonst stolpert morgen der nächste drüber – oder man selbst.

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von christiane.richwien

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