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Rickenbacker 4003S/5 Test

Praxis

Ricks sind relativ handliche Instrumente – und auch der neue Fünfsaiter zeigt sich in der Handhabung überraschend wendig und angenehm! Der Korpus ist sehr flach und für mein Gefühl kaum größer als bei den Viersaiter-Modellen. Zudem erfordert der schmale und schlanke Hals keine lange Umgewöhnungszeit – für eingefleischte Rickenbacker-Spieler wird sich der Bass trotz zusätzlicher Saite auf Anhieb vertraut anfühlen!
Arrangieren muss man sich allerdings mit der leichten Kopflastigkeit: Mein 4,3 kg schwerer Testbass pendelt sich am Gurt eher in der Waagerechten ein. Mit einem breiten und rutschsichern Gurt relativiert sich dieses leichte Ungleichgewicht allerdings etwas, sodass sich der Bass auch über längere Zeiträume angenehm spielen lässt.

Mit einer gewissen Kopflastigkeit muss man bei diesem Modell leben - echte Fans wird das jedoch kaum stören!
Mit einer gewissen Kopflastigkeit muss man bei diesem Modell leben – echte Fans wird das jedoch kaum stören!

In Sachen Spielkomfort gibt es beim 4003S/5 prinzipiell also nichts zu meckern. Allerdings musste ich am Werks-Setup einige Parameter nach meinem Gusto optimieren, denn sowohl die Saitenabstände als auch die Saitenhöhen waren etwas ungleich justiert. Die Mängel konnte ich zwar mit wenigen Handgriffen beseitigen, doch stellte ich danach darüber hinaus fest, dass die H-Saite nur dumpfe und leblose Töne von sich gab. Dieses Problem konnte ich mit einer neuen Saite aus meinem Vorrat zwar beseitigen, doch wäre es schön, wenn diese Arbeiten bereits vom Hersteller erledigt würden.

Aber kommen wir doch wieder zu den positiven Seiten und hören uns an, was der 4003S/5 klanglich so zu bieten hat. Schon ohne Amp macht mein Testexemplar einen tollen Eindruck: Der Sound ist klar und alle Töne schwingen gleichmäßig aus. Von Deadspots fehlt hier jede Spur – sicherlich nicht zuletzt aufgrund des durchgehenden Halses.
Im ersten Clip hört ihr beide Tonabnehmer mit voller Lautstärke und komplett geöffneten Tonblenden. Keine Frage, der 4003S/5 liefert den klassischen Rickenbacker-Sound. In meiner Wahrnehmung klingt der Fünfsaiter allerdings nicht ganz so strahlend und drahtig wie ein viersaitiges Modell. Von der H-Saite darf man außerdem keinen extrem transparenten, pianoartigen Sound erwarten: Die tiefen Töne werden, bedingt durch etwas verkürzte 33,25″-Mensur, etwas kompakter abgebildet.

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Beide Pickups, Tonpotis offen

Wenn man den vorderen Tonabnehmer in der Lautstärke etwas zurückregelt, so wird der Sound deutlich straffer und aggressiver:

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Beide Pickups, Hals-PU: 80%, Bridge-PU: 100%, Tonpotis: offen

Für den nächsten Clip habe ich meinen Testkandidaten standesgemäß mit dem Plektrum bearbeitet. Beide Tonabnehmer sind abermals gleich laut und die Tone-Regler stehen auf Rechtsanschlag. Damit ihr einen Eindruck davon bekommt, wie der Bass über ein großes Bass-Rig klingen könnte, habe ich in der Nacharbeitung eine Ampeg-SVT-Simulation verwendet.

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Beide Pickups, Tonpotis: 100%, Pickstyle via Ampeg SVT

Jetzt regeln wir einmal den Halstonabnehmer komplett zurück und hören uns den Stegtonabnehmer im Solomodus an. Im ersten Beispiel ist Tonblende voll offen, im zweiten nur zu etwa 20%. Der Sound geht nun sehr in Richtung Jazz Bass – erfeulicherweise liefert der hintere Singlecoil ausreichend tiefe Frequenzen für einen tragfähig-bandtauglichen Sound – hier ist keinerlei EQ-Unterstützung erforderlich!

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Bridge-PU, Tonpoti: offen Bridge-PU, Tonpoti: 20%
Klanglich präsentiert sich ein 4003 erstaunlich vielseitig - sogar einige typische "Jazz Bass"- und "Precision"-Sounds rücken in greifbare Nähe!
Klanglich präsentiert sich ein 4003 erstaunlich vielseitig – sogar einige typische “Jazz Bass”- und “Precision”-Sounds rücken in greifbare Nähe!

Der Halstonabnehmer sitzt beim Rickenbacker sehr weit vorne und liefert dementsprechend starke Tiefbässe. Die Reise geht mit dieser Einstellung zweifellos in Richtung Precision-Bass, der Sound ist jedoch hohler und offener. Wenn man die Höhen mit der Tonblende deutlich absenkt, wirkt der Sound fast schon Synth-mäßig.

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Neck-PU, Tonpoti: 100% Neck-PU, Tonpoti: 20%
Schon im Jahr 1987 gab es - wenn auch nicht allzu lange - die ersten Fünfsaiter-Bässe von Rickenbacker!
Schon im Jahr 1987 gab es – wenn auch nicht allzu lange – die ersten Fünfsaiter-Bässe von Rickenbacker!
Kommentieren
Profilbild von Till

Till sagt:

#1 - 30.12.2020 um 14:25 Uhr

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Ich steh zwar auf den Rickenbacker Klang und Stil, aber für die genannten Setup- und Veratbeitungsmängel würde ich ja locker noch nen Stern abziehen beim Blick aufs Preisschild. Für so einen Betrag kann man sich bei so manchem Instrumentenbauer ein Brett auf den Leib schneidern lassen

    Profilbild von lars.bonedo

    lars.bonedo sagt:

    #1.1 - 31.12.2020 um 12:31 Uhr

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    Hallo, lieber Till!Über die Vergabe der Punkte/Sterne entscheiden bei uns allein die Autoren der Tests - insofern ist das natürlich rein subjektiv!
    Aber du hast natürlich Recht damit, dass es hierzulande Bassbauer gibt, die einem für einen vergleichbaren Betrag ein perfekt gebautes Instrument eigens an den Leib schneidern - inklusive der Berücksichtigung zahlreicher Kunden-Sonderwünsche.
    Andererseits schwingt bei einer Company wie Rickenbacker stets eine Menge History und "Mojo" mit - der spezielle Ricky-Sound mit seinem hohen Wiedererkennungswert ist einfach weltbekannt und auch irgendwie zeitlos, was wiederum bei einem Boutique-Instrument nicht automatisch gegeben ist.
    Ich denke, letztlich muss jeder selbst entscheiden, wie wichtig oder unwichtig ihm die verschiedenen Parameter sind. Wobei es natürlich trotzdem zu begrüßen wäre, wenn die Lackierungen und das Werks-Setup bei Rickenbacker allesamt perfekt ausgeführt würden! :-)Guten Rutsch und alles Gute für 2021, Lars Lehmann

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