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MXR Bass Distortion M85 Test

Praxis

Das prinzipielle Konzept des MXR Bass Distortion M85-Pedals besteht daraus, zwei wirklich drastische und unterschiedliche Fuzzsounds zu präsentieren und diese bei Belieben mit dem trocknen, unbearbeiteten Signal zu mischen. Im Idealfall bleiben so selbst bei noch so stark verzerrten Sounds immer noch ein sattes Bassfundament und tonale Ortungsmöglichkeit erhalten. Beim Test gefielen mir die Overdrive-Sounds jedoch schon ohne Anteil des trockenen Direktsignales außerordentlich gut. Interessanterweise empfand ich sogar die Beimischung des Direktsignals als eher nachteilig. Das hat mich erstaunt, und ich frage mich, ob das wirklich dem Sinne des Erfinders entspricht oder eventuell bei dem vorliegenden Testgerät vielleicht eventuell sogar ein Defekt vorlag.

Oliver Poschmann gefiel der Effektsound ohne Beimischung des unverzerrten Originalklanges am besten.
Oliver Poschmann gefiel der Effektsound ohne Beimischung des unverzerrten Originalklanges am besten.

Doch gehen wir der Reihe nach vor: Zunächst präsentiere ich ausschließlich das Effektsignal: die Lautstärke gesteuert über den WET-Regler, der Zerrgrad über den Distortion-Regler, im Soundcharakter veränderbar über den Tone-Regler. Zwei Clipping-Dioden Typen stehen hier wie angesprochen per Druckschalter zur Auswahl: LED und Silizium.
Der Charakter der LED-Diode wirkt tonal fundierter; er mischt mehr Grundtonanteil bei und wirkt insgesamt voluminöser. Ist die Silizium-Diode angewählt, so wirkt der Sound harscher, bissiger und stärker komprimiert. Beide Sounds sind für sich gesehen bereits sehr stark variierbar, wenn man den Tone-Regler verändert. Nach links gedreht wird der Sound muffiger und höhenärmer, während er nach rechts gedreht höhenlastiger und schärfer wird.
Hier ein paar Beispiele:

Audio Samples
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Pick, True Bypass Pick, LED-Modus, Dry-Regler aus, Wet: 12 Uhr, Tone: 5 Uhr, Dist: 8 Uhr Pick, Silizium-Modus, Dry-Regler aus, Wet: 12 Uhr, Tone: 5 Uhr, Dist: 8 Uhr Pick, LED-Modus, Dry-Regler aus, Wet: 12 Uhr, Tone: 12 Uhr, Dist: 8 Uhr Pick, Silizium-Modus, Dry-Regler aus, Wet: 12 Uhr, Tone: 12 Uhr, Dist: 8 Uhr Pick, LED-Modus, Dry-Regler aus, Wet: 2 Uhr, Tone: 2 Uhr, Dist: 2 Uhr Pick, Silizium-Modus, Dry-Regler aus, Wet: 2 Uhr, Tone: 2 Uhr, Dist: 2 Uhr

Regelt man nun den Dry-Anteil hinzu, dann hat man nicht das Gefühl, dass sich die zwei Signalpfade gut mischen. Dies ist erfahrungsgemäß immer eine schwierige Angelegenheit, und je drastischer ein Fuzz-Sound wird, desto problematischer wird es auch, hier eine homogen klingende Balance zu finden. Dieses Phänomen kennt man auch von einigen anderen Fuzz-Pedalen, die ein Mischverhältnis zwischen trockenem und verzerrtem Signal gestatten. Man hört dann häufig zwei deutlich getrennte Parallelsignale, aber keinen vollständig homogenen Sound. Nach meiner Erfahrung funktioniert die Mischung weniger gut, wenn die Overdrivesounds überdimensional stark verzerren und nach Transistor klingen. Röhrenähnliche Overdrives hingegen verhalten sich gutmütiger im Mischverhältnis zum trockenen Signal. Nichtsdestotrotz klingt das Mischverhältnis, sofern der Direktsound nur minimal hinzugeregelt wird, durchaus reizvoll.

Audio Samples
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Pick, LED-Modus, Dry-Regler: 2 Uhr, Wet: 9 Uhr, Tone: 2 Uhr, Dist: 2 Uhr
Dunlop Manufacturing, besser bekannt unter dem Namen Jim Dunlop, erwarb die Firma MXR bereits im Jahre 1987.
Dunlop Manufacturing, besser bekannt unter dem Namen Jim Dunlop, erwarb die Firma MXR bereits im Jahre 1987.

Ich fand jedoch, wie eingangs erwähnt, dass der DRY-Anteil, sobald er dem Gesamtsignal stärker hinzugemischt wurde, stellenweise so klang, als würden sich Phasenprobleme ergeben, sodass sich gewisse Signalanteile auszulöschen begannen und Lautstärkeschwankungen erzeugten. Allerdings muss ich fairerweise gestehen, dass ich bei diesem Verzerrer die Möglichkeit einer Parallelpfad-Mischung gar nicht vermissen würde, wenn sie nicht vorhanden wäre, den die Fuzz-Sounds sind wirklich schon sehr fett!
Hier noch einmal zwei Varianten ohne hinzugemischtes Direktsignal:

Audio Samples
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Finger, Silizium-Modus, Dry-Regler aus, Wet: 2 Uhr, Tone: 7 Uhr, Dist: 2 Uhr Finger, Silizium-Modus, Dry-Regler aus, Wet: 2 Uhr, Tone: 1 Uhr, Dist: 2 Uhr

Hier nun zwei Beispiele mit zugemischtem Direktsignal (Dry), ca. im Verhältnis 50/50. Im Silizium-Modus hört man starke Phasenauslöschungen, im zweiten Beispiel mit LED-Modus wirken sie weniger stark, aber dennoch sind deutlich Lautstärkeschwankungen im Signal hörbar.

Audio Samples
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Finger, Silizium-Modus, Dry-Regler: 12 Uhr, Wet: 11 Uhr, Tone: 10 Uhr, Dist: 2 Uhr Finger, LED-Modus, Dry-Regler: 12 Uhr, Wet: 11 Uhr, Tone: 10 Uhr, Dist: 2 Uhr

Das Phänomen tritt umso stärker auf, wenn man den trockenen Anteil des Signals höher einstellt. Bei geringerem Anteil im Verhältnis hört man keinerlei bzw. nur wenig wahrnehmbare Artefakte.
Ungeachtet dieser sonderbaren Erscheinung jedoch unterm Strich sehr begeistert von den Fuzz-Sounds des MXR Bass Distortion M85. Sie haben Druck, besitzen Ecken und Kanten, und klingen wirklich eigenständig! Dabei habe ich keine Favoriten zwischen den beiden Clipping-Dioden Einstellungen – ich finde sie beide fantastisch:

Audio Samples
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Finger, LED-Modus, Dry-Regler aus, Wet: 9 Uhr, Tone: 10 Uhr, Dist: 2 Uhr Finger, Silizium-Modus, Dry-Regler aus, Wet: 9 Uhr, Tone: 10 Uhr, Dist: 2 Uhr Pick (aggressiv), LED-Modus, Dry-Regler aus, Wet: 9 Uhr, Tone: 5 Uhr, Dist: 9 Uhr Pick (aggressiv), Silizium-Modus, Dry-Regler aus, Wet: 9 Uhr, Tone: 10 Uhr, Dist: 2 Uhr
Kommentieren
Profilbild von Marco Minner

Marco Minner sagt:

#1 - 22.10.2015 um 17:30 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Der "Silikon"-Modus soll bestimmt "Silizium"-Modus heißen! (Sillcon im engl. = Silizium, Sillicone = Silikon)...

    Profilbild von Oliver (BONEDO - Red. Bass)

    Oliver (BONEDO - Red. Bass) sagt:

    #1.1 - 23.10.2015 um 14:12 Uhr

    Empfehlungen Icon 0

    Hallo Marco,das ist absolut korrekt. Danke für den Hinweis. Das kommt davon, wenn man seinen Text durch ein Rechtschreibkorrekturprogramm laufen lässt, das heimlich alle "c" Buchstaben im Wort Silicon "fehlverdeutschend" in "k" umwandelt und ich das dann beim Gegenprüfen nicht mehr registriert habe, Sabotage. Wir ändern das redaktionell in Kürze.Der betreffende Modus heißt in der Tat "Silicon" Mode und bedeutet, wie Du richtig bemerkt hast Silizium. Die Verwendung dieses Modus hat also keine schönheitschirurgischen Auswirkungen - wenngleich das berühmte "Silicon" Valley, ob seiner Lage in Kalifornien, der Heimat vieler silikonbehandelter Hollywood Stars, ja auch durchaus "Silikon" Valley heißen könnte :-).Verzeih den Kalauer, ich konnte nicht widerstehen ....herzliche GrüßeOliver (BONEDO - Red. Bass)

    Antwort auf #1 von Marco Minner

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