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Test
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18.12.2012

Yamaha MX49 Test

Synthesizer

MOTIF für Pfennigfuchser

Mit dem MX49 und dem MX61 hat Yamaha zwei neue Synthesizer im Programm, mit denen die bewährte MOTIF-Klangerzeugung endgültig in der Einsteigerklasse angekommen ist. Böse Zungen könnten behaupten, die etwas in die Jahre gekommene MOTIF-Technik würde jetzt zum Schnäppchenpreis verramscht. Aber die Neuen haben einige vielversprechende Features an Bord, die es durchaus Wert sind, sie eines genaueren Blicks zu würdigen. Wir haben ihn für euch riskiert.

Der hier getestete MX49 und der größere MX61 unterscheiden sich nur in der Größe ihrer Tastatur. Neben einer 128-stimmig polyphonen AWM2-Klangerzeugung bringen beide eine umfangreiche Computeranbindung inklusive Audiointerface und Funktionen zur Fernsteuerung einer DAW mit. Außerdem ist die DAW-Software Steinberg Cubase AI 6 im Lieferumfang enthalten. Damit benötigt man außer einem Computer, einem USB-Kabel und einer Abhörmöglichkeit kein weiteres Equipment, um mit der Musikproduktion zu beginnen. Die beiden Neuen könnten aber auch für die Bühne interessant sein, denn sie sind leicht und kompakt und bieten Drehregler zum Live-Schrauben. Ob sich der MX49 in der Praxis bewährt, erfahrt ihr in diesem Test.

Details

Konzept
Der MX49 möchte nicht mit komplizierten Menüs nerven, sondern zum Spielen animieren und Spaß machen. Daher wurde das zugrunde liegende MOTIF-Workstation-Konzept etwas eingedampft und in eine reduzierte, Preset-lastigere Form gegossen. Trotzdem kann man etliche Soundparameter selbst einstellen – eine reine Preset-Schleuder ist der MX also nicht. Bis zu zwei Sounds lassen sich live spielen und mit den Drehreglern nach Lust und Laune verbiegen. Zusätzlich stehen ein Arpeggiator und zahlreiche Rhythmuspatterns zur Verfügung, zu denen man jammen kann.

Als “All-in-one”-Lösung bietet der MX eine Computeranbindung per USB, die weit über das bloße Verschicken von MIDI-Daten hinausgeht. Mit den Drehreglern, Buttons und Transportknöpfen können die DAW-Software und Software-Synths ferngesteuert werden. Dafür stehen etliche vorgefertigte Controller-Mappings für gängige DAWs und Synths bereit, weitere Profile kann man selbst anlegen. Damit ist der MX eine Kombination aus Synthesizer und luxuriösem Controllerkeyboard, wobei beide Funktionen ausdrücklich gleichberechtigt sind.

Die USB-Verbindung kann aber nicht nur MIDI-Daten senden und empfangen, sondern ermöglicht auch das Aufnehmen des MX-Audiosignals auf dem Rechner ohne zusätzliches Equipment. Alle Hörbeispiele in diesem Test wurden auf diese Weise erzeugt. Andersherum kann auch vom Computer kommendes Audio über den MX wiedergegeben werden. Ein Audiointerface ist also gleich mit an Bord, sodass man sich dessen Anschaffung für den Anfang sparen kann – vorausgesetzt, man möchte nur die Klänge des MX auf dem Rechner aufnehmen. Dank eingebautem Audiointerface und Drehreglern wird der MX ganz nebenbei auch zu einer interessanten Alternative für den Live-Einsatz von Computern. Hier hat man Keyboard, Interface, Schraub-Knöpfe und DAW-Transport in einem und kann daher auf zusätzliche Geräte verzichten, die auf der Bühne nur unnötig zu Fehlerquellen werden könnten.

Bedienfeld
Das Bedienfeld beginnt auf der linken Seite mit einem Lautstärkeregler. Rechts daneben liegen vier Potis, mit denen man an Soundparametern wie Filter, Hüllkurve und Effekten schrauben kann. Zwischen den drei Belegungen der Regler schaltet man mit dem KNOB FUNCTION-Taster um. Im dritten Set ist die Zuweisung der Regler 3 und 4 frei wählbar, die restlichen Reglerfunktionen sind voreingestellt. Ein Druck auf den DAW REMOTE-Taster versetzt den MX49 in den Fernsteuerungs-Modus, in dem Transportfunktionen einer DAW und auch (zum Beispiel) Software-Synthesizer fernbedient werden können. Die vier Drehregler können dann vielfältige Funktionen übernehmen – dazu später mehr. Rechts daneben folgen je zwei Taster für Transposition und Oktave (gerade bei einem 49-Tasten-Keyboard nicht unwichtig) sowie die STOP- und PLAY/PAUSE-Buttons für die internen Rhythmuspatterns und die DAW-Steuerung. Danach kommen einige Taster, mit denen man die verschiedenen Bearbeitungs-Menüs aufruft und Performances abspeichert.

Der MX49 besitzt zwei Displays. Eine dreistellige LED-Anzeige gibt jederzeit Auskunft über die Nummer der gewählten Performance. Zum Auswählen einer Performance drückt man auf den darunter liegenden PERFORMANCE SELECT-Taster. Das rechts davon untergebrachte zweizeilige LCD-Display ermöglicht die Auswahl von Klängen im Klartext und zeigt die verschiedenen Menüs an.  Für diese Aufgabe ist es allerdings sehr klein geraten und man muss relativ viel blättern und kryptische Abkürzungen entziffern. Beim Drehen der Echtzeitregler wechselt die Anzeige auf den jeweiligen Parameter und den aktuellen Wert. Die Navigation durch die Menüs erfolgt per DATA-Rad, Cursortastern und ENTER-/EXIT-Knöpfen.

Ganz rechts befinden sich die Kategorie-Taster zur Auswahl von Klängen. Im DAW-Remote-Modus übernehmen diese Knöpfe andere Funktionen wie das Hinzufügen von Spuren, das Aufrufen von Instrumentenfenstern und das Scharfschalten der Automation. Der PART SELECT-Taster ruft ein Menü auf, mit dem sich Einstellungen wie die Lautstärken und Effektanteile der einzelnen Parts und ihre Arpeggiator-Schalter übersichtlich vornehmen lassen. Außerdem kann man hier auch die Parts 3-16 zum direkten Spiel auf der Tastatur auswählen, allerdings immer nur einen zur Zeit. Darüber befinden sich Taster für die Split- und Layer-Modi, den Arpeggiator, die Rhythmuspatterns, den USB-Audioplayer und das Tempo. Der TEMPO-Knopf ruft nicht nur eine Displayseite auf, die die Einstellung des Tempos in BPM ermöglicht, sondern arbeitet gleichzeitig auch als Tap-Button. Das ist vor allem live sehr praktisch!

Anschlüsse
An der Rückseite des MX49 befinden sich neben dem Anschluss für das externe Netzteil ein Stereoausgang (2x Klinke), ein Auxeingang (Miniklinke), dessen Signal dem MX49 beigemischt werden kann (allerdings wird es leider nicht über USB-Audio auf dem Rechner aufgenommen), ein Kopfhörerausgang und zwei Pedaleingänge für Sustain und Expression. Weiter geht's mit einem MIDI-Pärchen (In/Out) und zwei USB-Anschlüssen, von denen einer die Verbindung zu einem Computer übernimmt und der andere auf einen Speicherstick wartet. Von diesem können zum Beispiel WAV- und Mididateien abgespielt werden. Außerdem lassen sich User-Daten darauf sichern.

Klangerzeugung
Der MX49 befindet sich grundsätzlich im 16-fachen Multimode. Ein Single- bzw. Voice-Modus ist nicht vorhanden und alle Bearbeitungsschritte finden auf der Performance-Ebene statt. Zahlenmäßig lässt der MX nichts anbrennen: Es gibt über 1100 in übersichtliche Kategorien sortierte, mit Yamahas AWM2-Verfahren gesampelte Preset-Voices. Außerdem stehen 128 Speicherplätze für User-Voices und 128 Performance-Speicherplätze zur Verfügung. Die ersten beiden Parts einer Performance sind zum Spielen auf der Tastatur gedacht und lassen sich splitten (Splitpunkt einstellbar), layern und per Echtzeitregler steuern, während die Parts 3-16 für die MOTIF-typischen Rhythmuspatterns zuständig sind und natürlich von außen via MIDI angesteuert werden können. Das heißt im Klartext: Wenn man den MX ohne Computer betreibt, befasst man sich im Normalfall nur mit den Parts 1 und 2. Das ist ein stimmiges Konzept für Einsteiger, da man sich nicht mit verschiedenen Modi und Ebenen herumschlagen muss. Man lädt einfach einen oder zwei Sounds und spielt los. Mit den komplexen Innereien des Multimode muss man sich nur beschäftigen, wenn man den MX am Computer betreibt und umfangreiche Arrangements produzieren möchte. Im Umkehrschluss bedeutet die vereinfachte Struktur aber auch, dass der MX49 und sein großer Bruder MX61 weniger flexibel als ihre MOTIF-Eltern sind. So ist es zum Beispiel nicht möglich, ein maßgeschneidertes Setup von drei, vier oder mehr gesplitteten und gelayerten Sounds in verschiedenen Tastaturzonen zu erstellen. Mehr als zwei Sounds gleichzeitig lassen sich nicht auf der Tastatur spielen. Eine vollwertige Workstation ist der MX also nicht.

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