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27.12.2017

Workshop: Griffbrett reinigen und pflegen

Tipps und Tricks zum Thema Griffbrettpflege und Griffbrettreinigung

Anleitungen zum Säubern, Ölen und Pflegen eures Fretboards

Wer sein geliebtes Instrument regelmäßig spielt, der wird früher oder später an einen Punkt gelangen, an welchem er das Griffbrett seines Basses einmal gründlich reinigen und pflegen möchte. Egal, wie pingelig oder wie schlampig man bei diesem Thema auch sein möge: Die Pflege des Griffbretts steht noch mit einem weiteren elementar wichtigen Punkt in direktem Zusammenhang: der Halskrümmung.

Räumen wir doch zu Beginn dieses Workshops daher zunächst erst einmal mit einem Mysterium auf. Es geht um die Frage: "Warum verändern eigentlich Bass- und Gitarrenhälse ihre Krümmung, obwohl sie doch mit einem stabilisierenden Metallstab ausgerüstet sind?"

Selbst Instrumente, die ganz frisch aus dem Werk kommen, hängen oder stehen mitunter mit vollkommen unspielbar krummen Hälsen in den Shops. Nicht selten fragt man sich da: "Ja, sagt mal, Freunde: geht's noch?" Und wieso verändert sich eigentlich die Halskrümmung eines Basses immer wieder beim Wechsel der Jahreszeiten? Wo liegen die Ursachen für diese Phänomene?

Fragen über Fragen, auf die ihr hier die Antworten findet!

Da die meisten Bässe aus Holz bestehen, einem hochgradig mit Feuchtigkeitsaustausch reagierenden Naturstoff, muss man sich zwangsläufig daran gewöhnen, dass ein einmal justierter Bass nicht immer in der gewünschten und eingestellten Position verbleibt. In Extremfällen kann eine Neujustierung sogar eine nahezu tägliche Routine bedeuten!

Ein Gig im Winter mit kalten Außentemperaturen, hoher Luftfeuchtigkeit und warmen Innentemperaturen, die auf Bühnen nicht selten über 40 Grad Celsius bei direkter Scheinwerfereinstrahlung gehen, sowie z.B. trockene Heizungsluft im Backstage-Bereich - all dies kann einem Bass schon mal ordentlich zusetzen!

Vor allem ist es natürlich der Basshals, der im wahrsten Sinne des Wortes am meisten "arbeitet". Hier kommen verschiedene Faktoren zum Tragen, die darüber entscheiden, wie stark das Holz arbeitet, sich also in seiner Form verändert:

Mensur

Die Mensurlänge entscheidet in der Regel auch über die Halslänge, vor allem über die Länge des Griffbretts. Zur Erklärung: Die Mensur bezeichnet die Strecke zwischen den Auflagepunkten der frei schwingenden Saite vom Steg bis zum Sattel. Ob der Korpus dabei bis zum Sattel reicht oder der komplette Hals von Sattel bis zum Steg, ist irrelevant für das Maß der Mensurlänge - entscheidend ist allein die Strecke der frei schwingenden Saite!

Je länger das Griffbrett, desto stärker wirken sich zwangsweise Veränderungen in der Halskrümmung aus, schon alleine wegen der zusätzlichen räumlichen Distanz zwischen Sattel und Halsende. Bei einem Shortscale-Bass sind Veränderungen der Halskrümmung zunächst weniger deutlich spürbar, wenngleich auch nicht minder relevant.

Griffbrett

Das Griffbrettmaterial spielt eine entscheidende Rolle in der Anfälligkeit eines Halses gegen Feuchtigkeit. Zumeist besteht das Griffbrettmaterial ja aus einem anderen Holz als der restliche Hals. Bedenkt man, dass das auf den Hals aufgeleimte Griffbrett ja ein sehr langer und schmalen Holzstreifen mit einer großen Oberfläche ist, so kann man sich in etwa vorstellen, dass an dieser Stelle ein extrem hoher Austausch von Feuchtigkeit stattfindet.

Dabei reagiert der Hals ähnlich wie ein Bi-Metall: Ist das Instrument hoher Feuchtigkeit ausgesetzt, wie es für gewöhnlich auf einer Livebühne mit viel Schweiß und Kondensfeuchtigkeit der Fall ist, so absorbiert das Griffbrett viel Feuchtigkeit und beginnt zu quellen - es dehnt sich also aus. Das Griffbrett quillt dabei stärker als der restliche Hals, der wesentlich mehr Masse besitzt und zudem häufig auch noch lackiert ist. Eine Lackschicht kommt einer Isolationsschicht gleich, die einen Feuchtigkeitsaustausch auf der Halsrückseite verhindert. Quillt also das Griffbett auf und dehnt sich demzufolge aus, so wandert der Hals zwangsläufig in eine nach hinten gerichtete Krümmung, die man auch als "konvex" bezeichnet. Dies kann dazu führen, dass der Bass sogar während eines Gigs eine andere Einstellung annimmt als die zuvor einjustierte!

Ebenso verhält sich die Sache im umgekehrten Fall, wenn man also aus einer feuchten Umgebung in eine sehr trockene kommt. Hier beginnt das Griffbrett, Feuchtigkeit abzugeben und schließlich zu schrumpfen. Zieht sich das Griffbrett zusammen, so beginnt der Hals, sich nach vorne zu krümmen - das Griffbrett wird sozusagen "hohl". In diesem Zustand wird die Krümmung als "konkav" bezeichnet.

Aber bitte jetzt keine Panik, all dies sind vollkommen natürliche Prozesse! Allerdings gibt es durchaus Fälle, in denen schlecht abgelagerte Hölzer verwendet oder Fehler bei der Griffbrettverleimung gemacht wurden. In derartigen Fällen kann ein Hals schon mal stärker arbeiten als die Necks anderer Instrumente. Ich habe einen Bass in meinem Arsenal, der über mehrere Jahre hinweg nahezu täglich neu justiert werden musste, bis das Phänomen irgendwann von selbst verschwand, weil sich das Holz im Laufe der Zeit "beruhigt" hatte.

Lackierung

Besteht der Hals zum Beispiel aus einem einzigen Stück, bei dem das Griffbrett kein separat aufgeleimtes Element darstellt, dann tauchen für gewöhnlich weniger interne Spannungen auf. Einteilige Ahornhälse z.B. arbeiten daher für gewöhnlich weitaus weniger als Hälse mit aufgeleimten Griffbrettern. Selbst aufgeleimte Ahorngriffbretter arbeiten geringfügig weniger, da sie dem Halsholz in der Materialbeschaffenheit stärker ähneln als beispielsweise Ahornhälse mit aufgeleimten Palisandergriffbrettern.

Sogenannte mehrfach gesperrte (laminierte) Hälse, die verschiedene Holzschichten kombinieren, sind zwar stabiler in Hinsicht auf seitliches, korkenzieherartiges Verziehen (Torsion), aber bezüglich der arbeitenden Griffbretter und der entsprechenden Veränderungen der Halskrümmung sind sie ebenso anfällig wie einfachere Konstruktionen.

Wie bereits erwähnt, neigen lackierte Hälse mit unlackierten Griffbrettern zu stärkerem Arbeiten als z.B. Hälse mit lackierten Griffbrettern. Naturbelassene gewachste Hälse können gleichfalls bei extremen Feuchtigkeitsschwankungen arbeiten, denn auch hier das Griffbrett weniger Masse als der Resthals zu bieten hat und daher unterschiedlich stark aufquillt. Solche Instrumente werden meistens nur mit einem Wachsfinish überzogen, welches unbedingt regelmäßig erneuert werden sollte. Die Gründe: zum einen besitzen diese Instrumente in der Regel ein sehr schönes Aussehen und bieten der Greifhand ein sehr "natürliches" Spielgefühl, zum anderen neigen sie aber auch dazu, etwas anfälliger für Feuchtigkeitsaustausch zu sein.

Speziell bei Musikern, die beim Spielen stark schwitzen, setzt sich der Schweiß nach und nach im Holz ab. Durch den Schweiß wird dem Holz ein verstärkendes hygroskopisches Element hinzugefügt: Salz! Unlackierte Hälse, die über Monate und Jahre sehr starken Schweißattacken ausgeliefert waren, beginnen nahezu unerklärlich nach und nach einen regen Feuchtigkeitsaustausch mit der Umgebungsluft und arbeiten für den Besitzer deutlich wahrnehmbar stärker als zu Beginn. Es ist über die rein ästhetischen Belange hinaus daher durchaus sinnvoll, derartige Hälse gut zu pflegen und sie regelmäßig nachzuwachsen, um sie besser zu isolieren.

Holz ist also anfällig für Feuchtigkeitsaustausch! Man bezeichnet diese Eigenschaft als "hygroskopisch". Die Bedingungen für den Austausch von Feuchtigkeit werden durch Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit bestimmt.

Hier könnt ihr sehen, auf welche Weise Holz unter verschiedenen Bedingungen arbeitet:

  • hohe Luftfeuchtigkeit + hohe Temperatur = langsames Aufquellen
  • hohe Luftfeuchtigkeit + niedrige Temperatur = schnelles Aufquellen
  • niedrige Luftfeuchtigkeit + hohe Temperatur = schnelles Schwinden
  • niedrige Luftfeuchtigkeit + niedrige Temperatur = langsames Schwinden

Hausmittel erlaubt - die richtige Griffbrettpflege

Gewöhnlicherweise benötigt ein Griffbrett keine außerordentlich intensive Pflege. Wer jedoch sehr stark schwitzt, sollte das Griffbrett nach dem Spielen routinemäßig leicht abreiben, z.B. mit einem Mikrofasertuch, das einfach zwischen Griffbrett und Saiten einige Male auf- und abgezogen wird. Diese Praxis sollte weitgehend verhindern, dass aggressive Elemente im Schweiß dem Griffbrett zu stark zusetzen und es im Lauf der Jahre porös werden lassen.

Griffbrettbehandlung mit Öl

Ansonsten kann man seinem Griffbrett in längerfristigen Abständen etwas Gutes tun, indem man es mit Öl behandelt, z.B. wenn man ohnehin gerade die Saiten wechselt. Die Ölbehandlung sorgt dafür, dass das Griffbrett nicht all zu stark auf die Feuchtigkeit der Umgebung reagiert und auch weniger Schweißsubstanzen aufnimmt.

Um einem Missverständnis vorzubeugen: Was das Öl jedoch nicht verhindern kann, ist seitliches Schrumpfen, wie es ebenfalls hin und wieder bei Bässen vorkommen kann. Dieses Schrumpfen kann sich durch seitliches Austreten der Bundstäbchen deutlich bemerkbar machen, die dann irgendwann abgeschliffen werden müssen. Die Ursache dafür ist, dass das verwendete Griffbettholz noch nicht voll abgelagert bzw. getrocknet war und nach dem Aufleimen auf den Hals noch weiter trocknet. Doch selbst gut abgelagertes Holz kann noch nachtrocknen, also keine Panik - dieser Vorgang ist im Grunde absolut natürlich. Seitlich austretende Bünde sind außerdem in Sachen Service kein Drama und können problemlos vom Gitarrenbauer nachgeschliffen werden.

Abschließend findet ihr hier im Video ein paar praktische Tipps, wie ihr euer Griffbrett in Eigenregie pflegen könnt:

In diesem Sinne: Immer schön sauber bleiben!

Euer Oliver

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