Eurorack-Module
Test
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05.03.2019

Praxis

Erster Eindruck

Das kleine Platinchen wirkt ziemlich zerbrechlich und, anders als die superrobuste Acid8, würde ich die „Mü-Acid“ nicht so einfach unverpackt in den Rucksack stecken.  Auch solch nackten Schaltern stehe immer mit etwas Skepsis gegenüber und traue ihnen, im Gegensatz zu Schaltern in Gehäusen, weniger Robustheit zu. Natürlich ist das haptische Erlebnis solch eines Knöpfchens nicht mit dem Druck auf einen großen satten Button vergleichbar, aber die Schalter haben einen angenehm klaren Druckpunkt und lassen sich einwandfrei bedienen.

Ähnlich ist das mit den Schaftreglern, die wir so ja auch von anderen Synths wie der Korg Volca-Serie gewohnt sind. Diese funktionieren hier präzise und wackeln nicht. Die Twisted Electrons µAcid8 kann sowohl mit Batterien, als auch per micro-USB-Kabel mit Strom betrieben werden. Wer die „große“ Acid8 kennt, wird beim kleinen Bruder etwas umdenken müssen, aber die grundsätzlichen Bedienschritte sind durchaus ähnlich und passen gedruckt auf die Vor-und-Rückseite eines Blattes Papier.

Bedienung: Don’t Touch That Button!

Wenn der Sequenzer nicht läuft, ist die µAcid8 im Aufnahmemodus. Soll heißen: Sobald ein Button auf dem stilisierten Keyboard gedrückt wird, ist die Note programmiert! Das ist wichtig zu wissen, denn beim Patternumschalten ruiniert man sich schon mal die Sequenz, wenn man einfach auf eine der beiden Patterntasten (vorheriges oder nächstes Pattern) drückt.

Merke: Alle Sekundärfunktionen des Keyboards werden mit gehaltener Shift-Taste ausgeführt. Das muss man erst einmal verinnerlichen.

Step-Recording bei laufender Sequenz ist einfach: Step anwählen (natürlich mit gedrückter Shift-Taste), dann die gewünschten Noten und „Rest-Pausen“ eintippen, fertig. Aber auch im Play-Betrieb lassen sich Noten live hinzufügen: Shift halten, Play drücken, schon blinken alle Keyboard-LEDs erwartungsfroh und die Finger dürfen losspielen.

Änderung der Sequenz in Echtzeit

Wie schon der Acid8 MKII bietet auch der µAcid8 einige Möglichkeiten zur Sequenzveränderung in Echtzeit. So kann die Sequenz gekürzt werden, um ungerade Sequenzen zu spielen. Auch lassen sich z. B. Schritte überspringen (Skip Step), wenn man User „Run“ gedrückt hält und „Rest“ drückt.

Aber Achtung: Nicht aus Versehen „Shift“ gedrückt halten, denn dann wird beim Drücken von „Rest“ die Sequenz gelöscht. Die Tücken kleiner Geräte mit Doppelfunktionen sollten auch beim µAcid8 beachtet werden und für die spezielleren Funktionen man muss sich einiges merken, oder aber stets das Verpackungsbeiblatt zur Hand haben.

Transpose-Automation

Die Transpose-Funktion ist ebenfalls sehr interessant geraten: Bis zu 16 Transpositionen können für ein Pattern programmiert werden. Auch hier Obacht: Diese Transponierung ist global und bleibt auch noch nach dem Löschen des Patterns erhalten. Glück, wenn das Löschen versehentlich geschah (siehe oben), Pech, wenn bewusst deleted wurde, dann muss auch die Transponierung nachträglich überschrieben werden.

Hier wird der µAcid8 dann auch etwas unübersichtlich und man kann fast schon ahnen, mit welcher Wonne Twisted Electrons noch dieses und jenes Double-Feature nachträglich einprogrammiert hat, einfach, weil es geht. Dem User bieten sich dadurch noch mehr Möglichkeiten, auf Kosten einer nicht immer ganz unfallfreien Bedienung. Hat man den µAcid8 jedoch einmal komplett verinnerlicht, ist er ein super-potentes Soundtool, zum Preis eines Plug-ins.

Plug-in

Apropos Plug-in: Der µAcid8 ist nicht nur ein deftiger Hardware-Kumpan, er kann sogar in die DAW eingebunden werden. Danke USB-Verbindung erscheint das Teil in den MIDI-Präferenzen und dank downloadbarem Mac-AU oder Windows VST Control Plug-ins lässt sich der Winzling tight mit der DAW synchronisieren oder auch per MIDI-Noten spielen. Leider lassen sich die Parameter-Veränderungen des Plug-ins nicht in der DAW aufzeichnen. Dafür lassen sich sämtliche Parameter per MIDI CC Controllern fernsteuern.

Ich persönlich finde das aber schon zu weit gegriffen: Am meisten macht die µAcid8 Spaß, wenn sie im Sync zur DAW läuft und spontan auf der Platine programmiert wird. Passt die Sequenz zur Session in der DAW, kann sie mit den Möglichkeiten der DAW gut ins Arrangement eingebettet werden. Eine Supersache, um Spontanität und schrägen Sound in den DAW-Alltag zu bringen.

Trigger

Das Triggern von externen Clocks funktioniert gut. Ich habe den µAcid8 sowohl mit der Roland TR-8S als auch - wie auch später im Video zu sehen – mit dem Roland SBX-1 angetriggert und problemlos im Sync gehalten. Allerdings steigt er beim Retrigger dort wieder ein, wo er beim letzten Stop pausiert hat, also nicht zwangsläufig auf dem Downbeat. Das kann zu interessanten rhythmischen Verschiebungen führen oder zu unerwünschtem Chaos, ganz nach Sichtweise des Betrachters.

Mit einem beherzten Druck auf die Run-Taste lässt sich die Acid-Platine jedoch auf dem gewünschten Downbeat neu einstarten. Über USB funktionierte die Synchronisation im Test zufriedenstellend: Tight zur DAW (Ableton) und Start auf dem Downbeat.

Verwendung mit Traktor

Ich habe auch versucht, den µAcid8 zu meinem Traktor-Set mitlaufen zu lassen, also per USB-Kabel am Laptop angeschlossen und durch die virtuelle MIDI-Clock synchronisiert.
Leider produziert eine solche Verbindung pulsierende Störgeräusche am Audioausgang der µAcid8, so dass ich dieses Thema nicht weiter verfolgt habe.

Sound

Das Wichtigste zum Schluss: Der Kleine klingt klasse!

In den Soundbeispielen wähle ich jede der verfügbaren zwölf Wellenformen an und der kräftige Rechteck 2 sowie der staubige Dreieck 3 sind für mich schon ganz klare Favoriten. Trotz des LoFi-8-Bit-Charmes geht der Bass ziemlich tief runter und hat einen Punch, den man dem Winzling nicht zutraut. Dabei bleibt der Sound stets kontrollierbar und Reglerbewegungen vorhersehbar. Man weiß also schnell was man tut und kann die knarzigen Sounds beim Modulieren nach Gusto formen. So hat der Producer schnell und spontan eine unverkennbar prägnante Bassline oder Melodie-Sequenz in die DAW gezaubert.

Die Schattenseite ist der Rauschspannungsabstand. Die µAcid8 hat eine recht niedrige Ausgangslautstärke und gibt ein digitales modulierendes aliasing-artiges Rauschen von sich. Ich habe das ebenfalls in den Soundbeispielen aufgezeichnet und – ACHTUNG! – im letzten Beispiel um 36 dB verstärkt.

Als hochprofessionelle Soundquelle fällt die µAcid8 damit leider aus. Für noisige, schräge und experimentelle Musikstile ist sie aber ein empfehlenswertes Tool für sehr kleines Geld.

Audiobeispiele zu Twisted Electrons µAcid8 

Video: Twisted Electrons µAcid8 (no talking)

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