Behringer Model D Test

It‘s a Boog! Kaum ein Hersteller, kaum ein Synthesizer hat die Musikergemeinde in den letzten Monaten so gespaltet – und für so viel Gesprächsstoff und Streitpotenzial gesorgt.

Behringer Model D Test in Kooperation mit Telekom Electronic Beats. (Foto: Bonedo)
Behringer Model D Test in Kooperation mit Telekom Electronic Beats. (Foto: Bonedo)


Die Rede ist von Uli Behringer und seinem Model D – einem Moog Minimoog Klon in Roland Boutique Formfaktor bzw. für das Eurorack. Und da wir in Kooperation mit Electronic Beats gearbeitet haben, gibt es auch noch ein Video mit Peter Van Hoesen.

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Details

Allgemeines


Der Behringer Model D ist ein monophoner Mono-Desktop-Synthesizer ohne Klaviatur. Es handelt sich um einen Klon des berühmtesten Synth aller Zeiten, dem Moog Minimoog Model D

Der Behringer ist deutlich kleiner als das Original - die Parallelen sind aber eindeutig erkennbar.
Der Behringer ist deutlich kleiner als das Original – die Parallelen sind aber eindeutig erkennbar.

Das solide Metallgehäuse ist 3HE hoch und lässt sich auch ins Eurorack schrauben. Das ist praktisch, zumal das klassische Layout um zahlreiche Patch-Punkte ergänzt wurde. Ansonsten neigt das trapezförmige Gehäuse die Bedienfront leicht zum Nutzer, wiegt ca. 1,5 kg und misst 37 cm in der Breite.

3 OSCs


Drei Oszillatoren waren früher nicht bei jeden Standard-Sound en vogue. In Kombination mit dem Mixer – speziell den On/Off-Schaltern – war das eigentlich eher als eine Art vorsintflutliche Presetbank gedacht. Somit musste man den Oszi nicht für den nächsten Song komplett verstellen, sondern nur entsprechend den einen aus-, den anderen einschalten und ein wenig am Filter nachkorrigieren. Aber das nur am Rande.
Es gibt jedenfalls drei Oszillatoren mit jeweils fünf verschiedenen RANGEs bzw. Fußlagen (Lo, 32′, 16′, 8′, 4′ und 2′) sowie sechs verschiedenen WAVEFORMs (2x Dreieck, 1x Sägezahn, 3x Pulsweite). Sync gibt es nicht, genauso wenig wie PW-Modulation – alles wie beim Original – dafür aber Fine-Tuning für OSC2 und OSC3 sowie die Möglichkeit OSC3 als Modulator bzw. LFO zu nutzen.

Klassischer könnte der Aufbau nicht sein: 3 OSCs, ein Mixer, ein Filter sowie zwei Envelopes.
Klassischer könnte der Aufbau nicht sein: 3 OSCs, ein Mixer, ein Filter sowie zwei Envelopes.

Möchte man den Pitch der OSCs modulieren, aktiviert man den OSCILLATOR MODULATION Schalter. Möchte man den OSC3 davon ausnehmen – weil man ihn als weiteren LFO benutzt – aktiviert man OSC3 CONTROL. Simpel, aber effektiv.

Mix it up!


Der Mixer lässt es zu, alle drei OSCs in ihrer Intensität zu regeln sowie über ein paar ON-Schalter zu- bzw. abzuschalten. Gleiches gilt für den Rauschgenerator (Pink und White) und den External-In, welcher auch genutzt werden kann, um den Output hinzuzumischen und den Filter überfahren zu können. Wie auch bei der Neuausgabe muss hierfür nicht extra ein Kabel gesteckt werden, da diese Funktion bereits vorgepatchted ist. 

Ladder to heaven


Das Filter des Moog ist sein Markenzeichen, die Moogsche Filterkaskade klingt nämlich einfach nur lecker. So auch beim Boog. CUTOFF, EMPHASIS und AMOUNT regeln das Filter, gesteuert wird es von einem einfachen ADS-Envelope, genau wie die Volumen-Hüllkurve. Die beiden obligatorischen KEYBOARD-CONTROL-Schalter steuern, wie stark das Filter aufgeht, wenn höhere Noten gespielt werden. Zwei hoch zwei macht vier – es gibt also vier Intensitäten, genau wie beim Moog. Gleiches gilt auch für den FILTER-MODULATION-Schalter, mit dem die Cutoff-Regelung von den MODIFIERS übernommen werden kann. 

Eleven is one more than ten – trotz fehlender Performance-Sektion


Eine Besonderheit des Boog ist allerdings der umschaltbare FILTER-MODE zwischen High und Low, was bedeutet, dass anstatt dem üblichen Lowpass auch ein Lowcut benutzt werden kann. Das wird alle Techhouse-Produzenten freuen!

Fotostrecke: 2 Bilder Die Performance-Sektion gibt es beim Klon nicht, genau wie die Klaviatur …
Fotostrecke

Ebenfalls umfangreicher als beim Moog fällt der Decay-Taster aus, welcher aufgrund der fehlenden Tastatur gänzlich woanders positioniert wurde. Beim Boog lässt sich das Decay sogar für Filter und Amp getrennt deaktivieren, was eine gelungene Ergänzung aber auch keine Revolution ist. Und wo wir gerade bei den Modifikationen sind: Auch die LFO-Rate und der Mod-Depth-Schalter des Moog-Keyboards – genannt PERFORMANCE – müssen zwangsläufig anders positioniert werden und sind somit in die CONTROLLERS-Sektion nach oben gewandert.  

Modulation und Controllers

Der grundsätzliche Signalfluss des Synths sollte klar sein. Ich möchte trotzdem nochmal die Modulationsmöglichkeiten zusammenfassen: Es gibt fünf Quellen: Oscillator 3, Filter Envelope, Noise und LFO. Statt Noise kann auch ein CV-Eingang namens „Mod.Source“ genutzt werden – das wäre Nummer fünf. Die Ziele sind simpel und effektiv: Oscillator Modulation und Filter Modulation.

Gemixt werden die Quellen mit „Modulation Mix“. Zu beachten gilt, dass entweder OSC3 oder Filter EG bzw. entweder Noise/Mod.Source oder LFO zur Verfügung stehen. Die beiden Umschalter sind unter dem Mix-Regler beheimatet. Beim alten Minimoog gab es diese nicht – genau wie die vielen neuen CV-Eingänge. Der Boog orientiert sich also nicht am alten Moog, sondern an dem verbesserten Reissue der letzten Jahre. Ein Tune- und ein Glide-Regler runden die „Controllers“ ab – einen Glide-Schalter gibt es nicht.

Verschiedenes


Der Behringer bietet ganz klassisch einen High-und Low-Out auf großer Klinke sowie zusätzlich einen Miniklinke-Ausgang auf der Front. Der kopfhörerausgang ist ebenfalls in 3,5 mm gehalten. Neben den zahlreichen CV/gate Eingängen gibt es auch ein MIDI I/O sowie einen USB-MIDI-Anschluss. Das notwendige Netzteil gehört zum Lieferumfang

Fotostrecke: 2 Bilder Neben den beiden großen Klinke-Ausgängen auf der Rückseite gibt es auch noch einen Miniklinke-Ausgang auf der Front.
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Spankous sagt:

#1 - 16.02.2018 um 11:43 Uhr

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Carsten Trotzkowski sagt:

#2 - 17.02.2018 um 17:08 Uhr

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Schön geschriebener Artikel mit einem interessanten Vergleich.
Bei E-Gitarren fängt ja auch so mancher mit billigen "Kopien" an (oder hat damit sogar Spaß und Erfolg), und wenn man dann nach 2000 Gigs genug Euronen verdient hat, kauft man sich für das authentische Feeling und staunende Kumpels das alte Original-Schätzchen - oder man stellt eben für sich rein pragmatisch fest, daß es dem Publikum spätens im Mix und in einer per Streaming komprimierten Musikwelt herzlich egal ist, ob es nun das Original, ein Clone, ein Plugin, Plugout oder Unfall hört...

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Thomas Columbo sagt:

#3 - 02.03.2018 um 00:04 Uhr

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Sehr guter Test, kann mich den Pro´s und Con´s voll anschliessen, für 350 EUR kann man nix falsch machen, doch brauchen tue ich so ein Teil überhaupt nicht. Hab zwar keinen Model D, nur nen Voyager Signature, der ist aber ein ziemliches Pfund in Sachen Haptik...Ansonsten Kompliment an den Tester, der nicht nur bei diesem Produkt hervorragende Arbeit leistet!

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Anderson sagt:

#4 - 15.10.2018 um 04:43 Uhr

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Ich finde ehrlich gesagt die persönliche Philosophie des Autors unangebracht. Wenn man persönlich ein Problem mit dem Gerät hat sollte man es nicht in ein Bericht miteinfließen lassen oder schlecht machen.
Sachlich und Neutral wäre da schon professioneller gewesen.
Wenn man darüber hinweg sieht ist es durchaus ein guter und informativer Bericht.

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Marco Heger sagt:

#5 - 25.11.2018 um 08:42 Uhr

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Tolles Gerät, inzwischen ist es für 299€ zu haben. Keiner konnte es bisher erfolgreich kopieren ausser Moog selbst und die verlangen 3500€ für ihre eigene Fälschung. Neeeeee da kauf ich mir lieber den original Boog! Hahaha

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Analog Loop sagt:

#6 - 27.08.2019 um 11:59 Uhr

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Behringer Model D Sound Presets (Techno, Trance, House) + Preset Editor + Ableton Template
https://gumroad.com/l/behri...
demo https://www.youtube.com/wat...What's inside?
1. 30 really interesting patches for Model D
+ Bonus:
2. Behringer Model D patch editor and saver for Windows and Mac (free)
3. My Ableton template for Model D for recording without any hardware latency.

Profilbild von Leslie Freak

Leslie Freak sagt:

#7 - 30.06.2020 um 12:29 Uhr

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scheinbar mittlerweile ein Journalisten-Problem oder soll ich sagen der Journalisten-Job!? Die Kraft der Worte sollt man nie unterschätzen und genau deuten. Der Autor versucht hier neutralität zu vermitteln. Er ist aber definitiv nicht neutral. Genauso wie in der politischen Medien-Welt mittlerweile wird versucht mitgeschickt angeordneten Worten eine Botschaft zu hinterlassen und den potenziellen Käufer zu beeinflussen! Das ist NICHT schön, schon gar nicht für einen Journalisten. Das ist der Autor doch!?
Wer sagt er habe versucht neutral an die Sache heranzugehen und gleichzeitig im Text schreibt das Gerät klingt super aber doch "steril" und "nagelnd" ! Sowas geht überhaupt nicht. Sorry, keine gute journalistische Arbeit. Nagelnd und steril ist sowas von negativ behaftet daß es im Kontext zu "Uli, toll gemacht" eigentlich eine Unverschämtheit ist. Für wie blöd muß man den Leser halten?

    Profilbild von Felix Klostermann

    Felix Klostermann sagt:

    #7.1 - 02.07.2020 um 23:20 Uhr

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    Grüß dich Leslie, vielen Dank für deinen Kommentar - auch wenn er mich ein wenig verwirrt. Steril und nagelnd sind negativ besetzt, das hast du wohl richtig erkannt - denn im Verhältnis zu echten Moog kling der Boog eben auch „schlechter“ - allerdings in Nuancen. Neutralität bezog sich ohnehin vor allem drauf den Klang losgelöst vom Markennamen zu bewerten. Und Gott bewahre, dass wir hier emotionslos werden - denn was ist Musik ohne Emotionen oder der Test eine Musikinstruments, der sich wie ein Telefonbuch liest?! LG, Felix

    Antwort auf #7 von Leslie Freak

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Marco Heger sagt:

#8 - 12.04.2021 um 03:40 Uhr

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Inzwischen sind viele Jahre ins Land gegangen und das Modell D steht hier immer noch rum und dudelt fröhlich ohne zu nageln oder sonst welche zicken. Er ist ein zeitloses Arbeitstier genau so wie sein Vorbild das es inzwischen nur noch gebraucht gibt, frag mich nur warum wenn dieses Moog doch nicht nagelt und sterilisiert? Ich konnte meinen Boog unsterilisiert und nicht nagelnd betreiben. Inzwischen gibt's auch viele Brüder Schwestern und Cousins und Cousinen vom Ulli die monophon in vielen Tonstudios clonieren und intonieren. Und das zu Bestpreisen. Für mich steht immer die Musik im Vordergrund und nicht das Gerät, und schon garantiert gar nicht das Firmenlogo oder das ehemalige Preisschild! Die Geräte klingen so geil, warum sollte ich mir für ein Hobby mehr Geld ausgeben. Ausserdem Musik und Geld haben so eine ganz schlechte Beziehung, da arbeite ich lieber was anständiges und habe auch die Garantie, dass ich gut leben kann und nicht auf alles mögliche verzichten muss. Und seit Corona ist ohnehin die Hölle los. Tja Menschheit, ihr glaubt ihr seid immer die schlausten und dann kommt so ein kleines Virus und bügelt euch platt! Gepaart mit dieser Regierung wird es nicht mehr lange dauern? Die Religionen und Sekten haben endlich ein gefundenes Fressen für ihre apokalyptischen Wahnideen und schickt ein teufelsvirus uhhhh das vertieft den Glauben. Ich habe mich eher an den Musikvirus gehalten, bollert im Kopf und macht glücklich ohne zu ruinieren.

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