ANZEIGE

Toontrack Superior Drummer 2 Test

Details

Facts zu Lieferumfang und Installation
Der Superior Drummer 2 läuft als VST-, AU- und RTAS-Plug-in in allen gängigen Host-Sequencern auf allen gängigen Plattformen, also PC, PPC (Mac) und Intel-Mac. Das Komplettpaket besteht aus dem S2 selbst, einem als EZplayer Pro betitelten MIDI-Organizer und einem MINI-Host, der eine Standalone-Anwendung des Plug-ins ermöglicht und auf den Namen Toontrack Solo hört. All das findet sich auf insgesamt fünf DVDs und nimmt auf der Festplatte knapp 25 Gigabyte in Anspruch. Damit ist der S2 sogar etwas schlanker als der um ca. 10 GB stattlichere Vorgänger, was laut Toontrack einer eigens für diesen Zweck entwickelten Form von Datenkompression zu verdanken ist. Diese “Toontrack Percussive Compression” spart bis zu 70% Festplattenplatz und Arbeitsspeicher, indem sie die Audiofiles im Moment des Abspielens extrahiert, ohne dabei erwähnenswerte Prozessorlast zu verursachen. Ein feines Konzept, das inzwischen auch bei anderen virtuellen Instrumenten Verwendung findet und sich bei großen Libraries gerne weiter durchsetzen darf.

ToontrackS2_02Box

Als potentieller Käufer hat man die Wahl, sich für eine Download-Version oder die klassische Variante in der guten alten Pappschachtel zu entscheiden. Was all das ein wenig nivelliert ist die Tatsache, dass auch für die volle Nutzung der digitalen Variante zusätzliche Installer-DVDs benötigt werden – der Download ist wegen der stattlichen Datenmenge auf die wichtigsten Sounds reduziert. Die für eine Nutzung der vollen Library benötigten DVDs erreichen auch den Online-Kunden auf dem Postweg. Empfehlenswert ist diese Möglichkeit also vor allem für diejenigen, die einen engen Terminplan haben, möglicherweise auf eine Deadline zusteuern und schnellstmöglich loslegen müssen oder einfach tierisch ungeduldig sind.

Wie viele andere Plug-ins müssen der S2 und auch der EZplayer Pro zunächst mit der Seriennummer für einen Account auf der Hersteller-Website aktiviert und über ein Challenge/Response-Verfahren autorisiert werden. Toontrack räumt dem Anwender dabei zwei gleichzeitig aktive Installationen auf verschiedenen Systemen ein. So kann man die Software beispielsweise auf einem Desktop-PC und einem Notebook verwenden. Auf virtuelle Behördengänge hat in der Regel niemand wirklich Lust, und gerade deshalb ist es umso erfreulicher, dass die gesamte Prozedur für unseren Test wie am Schnürchen lief.

Sobald Aktivierung und Autorisierung abgeschlossen sind, empfiehlt es sich, die neusten Updates herunterzuladen. Auch eine Sammlung von MIDI-Files, die von der Studiodrummer-Koryphäe Nir Zidkyahu (kurz: Nir Z – Genesis, John Mayer, etc.) eingespielt wurden, ist hier verfügbar. All das ist auf der Website übersichtlich gestaltet und passiert im Handumdrehen.

New York, New York – Die Library des S2
Zwei Vorteile von virtuellen Instant-Drummern sind, dass weder sie im Timing, noch wir das Equipment schleppen. Gerade bei umfangreich ausgestatteten Trommlern werden die vorbelasteten Musiker-Bandscheiben uns den zweiten Punkt danken. Was die Ausstattung an schwerem Gerät angeht, zeigt sich die als „The New York Studio Legacy Series Vol. 1“ betitelte Core-Library aber ohnehin übersichtlich – auch im Vergleich zum ursprünglichen Superior Drummer, der weit mehr einzelne Trommeln im Gepäck hatte. Hier stößt man zum ersten Mal auf die Philosophie „Ein Studio – Ein Drumset“, auf die wir später noch zurückkommen werden.

Sehen wir uns die Inventarliste unseres Superior Drummers einmal genauer an: Den Kernsound bildet ein Kit aus der New Yorker Trommelschmiede GMS, das in den New Yorker Avatar Studios aufgenommen wurde. Die je nach Setup bis zu fünf Toms und zwei Bassdrums liegen größtenteils in je zwei Versionen vor, die sich durch die Fellauswahl (Coated und Clear) unterscheiden. Für Nicht-Schlagzeuger: Ein beschichtetes Coated-Fell klingt weich und singend, während sich die durchsichtige Clear-Variante kräftiger und attackreicher verhält. Für die Snaredrum, die gerne als der am meisten charakterformende Teil eines Drumsets bezeichnet wird, stehen insgesamt sieben Instrumente zur Auswahl. Neben vier Modellen, die ebenfalls aus dem Hause GMS stammen, präsentieren sich drei der großen Klassiker: eine Ludwig Black Beauty, eine Slingerland aus den 70ern und eine Rogers Holz-Snare. Das Beckensortiment liefert eine umfangreiche Auswahl an Hi-Hats, Rides, Crashes und Effekt-Cymbals und liest sich fast wie ein Produktkatalog des Herstellers Sabian. Hier findet man wirklich alles, was das Studiodrummer-Herz (eines Sabian-Endorsers) begehrt. Als kleinen Bonus gibt es auch noch eine Cowbell.

Bevor wir uns die Funktionalität des S2 genauer ansehen, machen wir einen kleinen Querschnitt durch die Library, bei dem mitgelieferte MIDI-Files zum Einsatz kommen. Neben dem Standard-Repertoire von Nir Zidkyahu habe ich im zweiten Track auch eine Passage aus dem nagelneuen Songwriters Drumpack verwendet, der statt zwei- bis viertaktigen Loops ganze Songteile anbietet und von dem schwedischen Trommler Ricard „Huxflux“ Nettermalm eingespielt wurde. Die Leute bei Toontrack scheinen Drummer mit lustigen Namen zu mögen!

So kann der Arbeitsplatz eines virtuellen Trommlers aussehen.
So kann der Arbeitsplatz eines virtuellen Trommlers aussehen.

Die Audiofiles im Player sind der Einfachheit halber nach den Snaredrums im Drum-Setup benannt, aber auch sonst ändert sich einiges: Im Laufe der ersten drei Beispiele kommen alle Bassdrums und Hi-Hats zum Einsatz. Außerdem verwendet der rockige Groove (Slingerland) statt Coated-Fellen die aggressiveren Clear-Felle auf den Toms. Zum Abschluss gibt es noch einen Vergleich zum Vorgänger, der auf dem MIDI-Arrangement des ersten Tracks beruht, und auch eine Gegenüberstellung zu FXpansions BFD2 bietet sich an. Ihr hört den unverfremdeten Sound der Libraries. Bei keinem der Beispiele wurden zusätzliche Effekte verwendet.

Audio Samples
0:00
Ludwig Black Beauty GMS Piccolo Slingerland DFH Superior 1 BFD 2

Der Sound der Core-Library wirkt im Gegensatz zu BFD2 und auch zum DFH Superior sehr viel aufgeräumter und durchsetzungsfähiger – oder schlicht und einfach fetter. Mit gutem Gewissen möchte ich unterstellen, dass hier die eine oder andere Effektkette eingeschleift wurde, um den Klang der Samples gehörig aufzupolieren. Ob das nun gefällt oder nicht, ist eine Frage des Geschmacks. Richtigen „Schmutz“, wie mit dem roheren BFD2, wird man mit dem S2 nur schwer in seine Tracks bekommen. Die britische Variante von FXpansion ist also definitiv näher an einem echten Ergebnis nach einer „normalen“ Schlagzeugaufnahme. Der andererseits große Vorteil des vorbearbeiteten S2-Sounds ist, dass man ähnlich wie beim EZdrummer nicht viel drehen und putzen muss, um einen knackigen Grundklang zu erhalten, denn der ist von vornherein da, und zwar inklusive aller Übersprechungen, Spielweisen und Dynamikabstufungen.

Stichwort Dynamikabstufungen! Hier hat Toontrack sich ein eigenes Konzept einfallen lassen. Die Anschläge auf den Trommeln und Becken sind nicht ausschließlich aufeinanderfolgend von leise bis laut angeordnet, sondern in drei Kategorien unterteilt: Soft, Gradient und Hard. Die eben beschriebene lineare Anordnung findet sich nur im mittleren Bereich (Gradient) und zwar mit bis zu 15 Schritten. Alle extrem leisen und lauten Schläge greifen auf einen Pool von bis zu 25 alternativen Multisamples zu, die nach einem System abgespielt werden, das einen unerwünschten Machinegun-Effekt praktisch unmöglich macht. Eine sehr sinnvolle und praxisorientierte Struktur, die der Wahrnehmung beim Hörer recht nahe kommen sollte, da das Ohr gerade in den extrem leisen Bereichen die feinen Unterschiede nicht mehr deutlich wahrnimmt. Trotzdem darf man nun die Angaben von oben nicht einfach für jede Trommel und jedes Becken zusammenzählen, denn die Instrumente unterscheiden sich in ihrem dynamischen Detail sehr deutlich voneinander. Crashbecken kommen zum Teil mit gerade einmal sechs bis sieben Layern aus, während die Bassdrums und Toms vor allem im Hard-Bereich sehr umfangreich gesampelt sind und die Snaredrums je nach Instrument zwischen insgesamt 33 und 59 Layern liegen.

Zur Demonstration gibt es nun ein Crescendo auf der Rogers Snare durch den gesamten Bereich der Velocity-Werte. Gegen Ende ist ein deutlicher Sprung zu hören. Das liegt nicht etwa daran, dass ein Layer gewechselt wird, sondern passiert, weil die Snaredrum bei maximalem Anschlagwert die Spieltechnik auf Rimshots ändert. Die lauten Kantenschläge, bei denen der Drummer zusätzlich zum Fell auch den Metallrahmen der Snaredrum trifft, haben verständlicherweise einen ganz anderen Klangcharakter.

Audio Samples
0:00
Snare Crescendo Rods Besen Mallets

Alternativ zu den normalen Drumsticks können wir unserem Drummer entweder Besen, Rods oder Mallets in die Hand drücken. Der Bassdrum-Beater lässt sich für die Core-Library zwischen weichem Filz und hartem Plastik umschalten, und der Snareteppich, der für den typischen „schnarrenden“ Klang einer Snaredrum verantwortlich ist, lässt sich ebenfalls vom Resonanzfell der Trommel lösen. Auch wenn nicht jedes Instrument in Verbindung mit jedem Stick und jedem Schlagfell in der Library zu finden ist, kommt der S2 trotzdem zu einer opulenten Bandbreite an Sounds. In den folgenden Audios gibt es einige der möglichen Kombinationen zu hören. Im letzten Beispiel (Mallets) ist der Snareteppich gelöst.

Wem die Standard-Ausstattung nicht ausreicht, der kann den S2 weiter ausbauen. Momentan bietet Toontrack selbst drei verschiedene Erweiterungspacks an, eine weitere wurde jüngst angekündigt, und auch eine Drittanbieter-Library ist auf dem Markt. Diese klingen zum Teil roher und unbehandelter als die Core-Library (v.a. das Metal Foundry SDX) und wurden jeweils in unterschiedlichen Studios aufgenommen. Abgesehen davon hat das Interface des S2 keinerlei Berührungsängste mit anderen Produkten der schwedischen Drumsound-Spezialisten und importiert problemlos Drumsets aus der Vorgängerversion und dem EZdrummer. So wird das Plug-in zur Verwaltungsoberfläche des kompletten Toontrack-Fuhrparks. Vorbildlich!

Optional erhältliche Erweiterungen zu S2

Kommentieren
Profilbild von Hansmann

Hansmann sagt:

#1 - 19.06.2013 um 03:41 Uhr

0

Super Bericht, bzw. super Tutorial! Vor allem die Videos sind sehr schön gemacht und super erklärt!

Profilbild von Sebastian

Sebastian sagt:

#2 - 20.06.2013 um 17:12 Uhr

0

Ein wirklich hervorragender Test, der eigentlich mehr ein Tutorial ist!
Habe sowohl den Text, als auch die Videos als äußerst hilfreich empfunden. Hiermit konnte ich die Möglichkeiten des Programms noch besser nutzen.
Vielen Dank Alexander Berger!

Profilbild von Stefan

Stefan sagt:

#3 - 30.01.2014 um 23:57 Uhr

0

sehr schön erklärt, jedoch habe ich nach der Installation des SP 2.0 das Problem das sämtliche Soundfiles in Grooves bzw. allgemein in der Library fehlen. Woran liegt das und wie kann ich es beheben?

Profilbild von Aggi Berger

Aggi Berger sagt:

#4 - 31.01.2014 um 05:18 Uhr

0

Hi Stefan, soweit ich mich erinnere, vollzieht sich die Installation in zwei Schritten: Zuerst das Plug-in, danach wird ein eigener Installer für den Content gestartet. Falls das nicht das Problem ist, und du den Content bereits installiert hast, guck doch mal auf die Settings-Seite auf der Plug-in Oberfläche und sieh nach, ob die Pfade zu den Library-Ordnern stimmen. Vielleicht hilft das. Liebe Grüße, Aggi Berger.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.