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18.05.2018

Surviving the Stadtfest: Überlebenstipps für Tontechniker

So läuft das nächste City-Event schön rund

Stadtfeste sind nicht immer gleich, aber oftmals ähnlich, was das Programm und deren generellen Ablauf betrifft. Zudem gibt es regionale Unterschied, die sich nicht nur auf die Auswahl der Fressbuden beschränkt, sondern auch den tontechnischen Part betrifft. Als Exempel für diesen Artikel dient dem Autor ein typisches Stadtfest am linken Niederrhein. Trotz besagter regionaler Unterschiede wird auch der nord- oder süddeutsche Kollege hoffentlich den einen oder anderen Tipp mitnehmen können …

Die Größe eines Stadtfests hängt fast immer mit der Größe der Stadt und des Veranstalters zusammen. Falls ihr als Tontechniker für ein Stadtfest gebucht werdet, dann ist euer Ansprechpartner die ausführende Technikfirma, die letztlich eure Rechnung bezahlt. Stellt ihr allerdings die Tontechnik für das Stadtfest, dann ist euer Ansprechpartner der Veranstalter. Diesen ausfindig und dingfest zu machen, ist die erste Aufgabe. Klingt leichter, als es manchmal ist. Potentielle Veranstalter können sein: Kulturamt der Stadt, ein Werbering, ein regionales Unternehmen, ein Verein oder eine Event-Agentur.

Hochgradiges Konfliktpotenzial entsteht, wenn mehrere Parteien ein Stadtfest betreuen. Ein Beispiel: Das Kulturamt einer Stadt findet den Gedanken eines Stadtfestes charmant, möchte aber weder mit der direkten Ausführung noch mit der Finanzierung etwas zu tun haben. Für den finanziellen Part holt man sich ein Unternehmen oder einen Werbering mit ins Boot und für die künstlerische Ausführung und die Programmgestaltung holt man noch eine Event-Agentur ins Boot.

Das muss nicht zwangsläufig problematisch sein, kann es aber. Als Technikdienstleister ist es für euch wichtig zu wissen: Wer ist mein Ansprechpartner vor Ort, der über die lokalen Gegebenheiten (Strom, Wasser, Parken usw.) Bescheid weiß? Wer organisiert das Bühnenprogramm, wer versorgt euch mit den Technical-Rider der Künstler und ganz wichtig: Wer bezahlt die Rechnung?

Auch nicht unwichtig ist die Intention eines Stadtfests. Steht der Kulturanspruch im Vordergrund oder ist das ausgewiesene Ziel, eher ein kontinuierliches Hintergrundrauschen zum Biertrinken zu erzeugen? Geht es um Letzteres, dann darf man sich beispielsweise nicht wundern, wenn der Bierstand sich den schönen Platz vor der Bühne aussuchen darf und du mit deiner FoH-Bude aus einem Zonenrandgebiet zumindest einen kleinen Blick auf die Bühne werfen darfst.

Die „Grundversorgung“ muss stimmen

Sind die oben genannten Fragen geklärt, sollte spätestens bei eurem Eintreffen die Frage der Grundversorgung geklärt werden. Klar ist es wichtig zu wissen, wo die PA steht und wo der FoH-Platz ist. Aber davor ist es noch wichtiger abzuklären, wo man als Techniker etwas zu essen und zu trinken bekommt. An dieser Stelle die üblichen Catering-Witze überspringen.

Nicht wenige Stadtfeste dauern drei Tage (ein Wochenende) und die Arbeitszeiten sind lange. Brennt im August die Sonne ein Loch in eure FoH-Bude, dann habt ihr hoffentlich Zugriff auf Getränke, um euren Brand zu löschen und somit stets gerüstet zu sein. Daher die Versorgungsfrage gleich beim Eintreffen abklären.

Hausaufgaben gemacht?

Was die Tontechniker betrifft, habt ihr euch natürlich schon im Vorfeld entsprechend Gedanken gemacht. Ihr habt euch ein Programm für alle Tage besorgt, alle Rider der jeweiligen Acts gelesen und danach die benötigte Technik zusammengestellt. Man sollte immer davon ausgehen, dass die Rider nie hundertprozentig stimmen. Daher ist es sinnvoll, stets einige freie Eingangskanäle, einen zusätzlichen Floor-Monitor und einen extra In-Ear-Weg in petto zu haben.

Kommt ein Digitalpult zum Einsatz, sollte man sich eine unkomplizierte, nachvollziehbare Grundszene anlegen, auf die man stets zurückfallen kann. Hyperkomplizierte Routings mit Parallelkompression und abgefahrenem Bus- und Subgruppen Routing, das in einem festen Band-Setup vielleicht ein wenig Performance-Gewinn erzielt, kann auf einer Stadtfest-Baustelle schnell nach hinten losgehen. Zum Beispiel, wenn der Lichtkollege dich beim Toilettengang kurz vertritt, aber die Moderationsfunke nicht an den Start bekommt, weil diese über diverse Mute- und DCA-Gruppen verwaltet wird.

Den FoH Platz einrichten Wenn du als Tontechniker für ein Stadtfest gebucht wirst, solltest du vorab klären, ob du das dortige Mischpult auch sicher bedienen kannst. Ist die Technik spielbereit, geht es an das Feintuning des FoH-Platzes. Dazu gehört nicht nur, die vorgefertigte Mixszene zu laden, sondern sich ebenfalls der Umgebung anzupassen und auch auf das Unvermeidliche vorbereitet zu sein. 

Lässt sich das Mischpult auch mittels WLAN-Router und Tablet-Rechner fernbedienen, dann sollte man auf diese Möglichkeit zurückgreifen und diese Fernsteuerung einrichten. Warum, werden wir noch sehen. Viele Stadtfeste haben den ganzen Tag Programm. Ist das Wetter gut, dürfte die Sonne den FoH-Platz umkreisen, was bei Digitalpulten zu Sichtbehinderungen führen kann. Entweder man stellt das Pult in ein schwarzes FoH-Zelt samt Seitenteilen oder man hat als Minimallösung einen massiven Sonnenschirm am Start. Ohne Sonnenschutz wird es nicht gehen. Was ist mit Gasttechniker? Manchmal führen Bands unvermittelt einen eigenen Tontechniker und einen eigenen FoH-Platz mit. Dafür sollte man ein wenig Stellfläche und Netzversorgung einplanen.

Speed up your workflow

Tempo, Tempo – meist sind die Umbaupausen knapp bemessen (siehe Punkt 6), weshalb es wichtig ist, die integralen Bestandteile der Technik schnell verfügbar zu machen. Ich empfehle die eindeutige Beschriftung aller Monitore, deren Lautsprecherkabel und der dazugehörigen NF-Kabel von der Stagebox zu den Monitoramps. Das mag vielleicht nach einem ausgeprägten Kontrollzwang klingen, hilft in der Praxis aber enorm. Muss man für eine Tanzgruppe alle Monitore abräumen, hat man sie später schneller wieder am Start. Vielleicht bringt eine Band ein eigenes Pult mit, dann wollen die Funken und die Monitore dort angeklemmt werden. Eine eindeutige Beschriftung hilft auch für den Rückbau.

Schnelle Einsatzbereitschaft schafft man bei den Mikrofonstativen, wenn man diese aus den Stativ-Case befreit und schlichtweg in einer dunkeln Bühnenecke über das Geländer hängt. Dort nehmen sie keinen Platz weg und sind außerdem rasch griffbereit, wenn sie benötigt werden.

Singularitäten im Stadtfest Raum-Zeit-Kontinuum

Der Kosmos hält zahlreiche Mysterien für uns bereit. Eines davon betrifft die Running-Order eines typischen Stadtfestes. Hand hoch! Wer von euch kennt nicht den folgenden Auszug aus einem typischen Programmablauf:

17.00 – 18.00: Tanzgruppe „Stolpervogel“

18.00 – 22.00: Die gemeine Coverband

Solch ein Ablauf bringt zwei Erkenntnisse. Erstens: Derjenige, der diesen Ablauf festgelegt hat, hat keinerlei Erfahrung in der Tontechnik. Zweitens: Ihr habt ein Problem!

Tanzgruppen legen verständlicherweise Wert darauf, dass die Bühnenfläche weitestgehend freigeräumt ist. Das betrifft dummerweise auch das tontechnische Equipment. Das bedeutet, nach der Tanzgruppe dürft ihr alles Notwendige (Monitore, Stative, Mikrofone, Bühnenstrom) für die Coverband neu aufbauen, um dann so schnell wie möglich einen Soundcheck durchführen zu können. Falls ihr als Einzelkämpfer-Techniker gebucht seid, dann hilft nur Ruhe zu bewahren. Während die Band ihre Backline aufbaut, versucht den Bandleader zu lokalisieren und fragt nach, ob der Rider korrekt ist.

Als nächstes wird der Bühnenstrom für die Band an den Start gebracht und die Monitore verteilt. Kabel ziehen kostet Zeit. Habt ihr genug Handfunken, so bekommt nicht nur der Lead-Gesang, sondern auch alle übrigen Vocal-Artisten der Einfachheit halber eine Funke. Anschließend verkabelt und mikrofoniert ihr den Rest der Backline. Wenn die Band möglichst schnell spielbereit sein soll, habe ich mit dem Turbo-Soundcheck gute Erfahrungen gemacht.  

Der Turbo-Soundcheck

Wie bereits angedeutet, ist es von Vorteil, auf der Bühne einen Tablet-Rechner zur Fernsteuerung des Mixers zu haben. Erste Amtshandlung ist: Alle Band Eingangskanäle muten, deren Fader runterziehen und für die Zeit des Soundchecks Zuspieler Musik aktivieren (Stichwort: Hintergrundrauschen zum Biertrinken).

Das Publikum wird berieselt und ihr könnt euch dem Soundcheck widmen. Diesen gestalten wir in einem gruppendynamischen Prozess mit der Band zusammen und zwar auf der Bühne. Habt ihr einen zweiten Kollegen am Start, dann kann dieser den Monitormix mit dem Tablet-Rechner auf der Bühne machen, während ihr am FoH-Pult schraubt. Seid ihr auf euch alleine gestellt, habe ich mit der folgenden Vorgehensweise gute Erfahrungen gemacht: Ich erkläre der Band, dass wir nach und nach alle Signale einzeln durchgehen und jeder Musiker einfach mit einer Hand anzeigt, wie und ob er das Signal braucht. Wir starten mit der Fußpauke (Bassdrum). Wir stellen eine passende Mikrofonvorverstärkung ein und jeder Musiker, der die Bassdrum auf seinem Monitor oder InEar-Weg benötigt, hebt die Hand. Die Hand geht erst dann runter, wenn der passende Pegel gefunden ist. Die typischen 24 Inputs einer Coverband sind somit in fünf Minuten ausgepegelt.

Natürlich gibt es noch Nachjustierungen, wenn die Band einen Song zusammen spielt, aber auch das ist aufgrund der Vorarbeit meist nur Minutensache. Ist die Band bereit, einen Song anzuspielen, gehe ich zum FoH-Pult und nutzte die Gelegenheit, den Sound ganz grob auf die Front zu schieben, aber dabei noch auf Änderungswünsche der Band bezüglich des Monitors zu achten. Mit etwas Glück ist man nach einem Song bereits spielbereit. Natürlich steht der FoH-Sound dann noch nicht wirklich. Mit etwas Erfahrung sollte man nach ein, zwei weiteren Songs schon einen ordentlichen Mix vorweisen können. Startet mit gemäßigter Lautstärke und gebt dem Publikum zunächst Vocals und Drums und baut den Rest nach und nach Drumherum.

Die positiven Seiten der Stadtfest-Jobs

Zugegeben, nach den bisherigen Ausführungen könnte meinen, dass der Job als Tontechniker auf einem Stadtfest nur wenig erstrebenswert ist. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Fakt ist: Aufgrund des gemischten Programms und der meisten knappen Umbauzeiten kann man auf diesen Baustellen eine Menge lernen. Schnelle Ergebnisse produzieren, Stressresistenz verbessern, Workflow-Optimierung und ein dreitägiger Crashkurs in Fehlersuche sind nur einige Kernkompetenzen, die sich gewinnbringend auch bei anderen Live-Baustellen (Band-Techniker, Festivals, Tour-Begleitung usw.) einbringen lassen. Einfach mal die Komfortzone verlassen und sich in der Combat-Audio Spielwiese „Stadtfest“ versuchen. 

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