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Soundcheck vor Publikum

Alle Bands kennen sie: Die Gründe, die zu einer Kollision der Soundcheck- und Einlasszeit führen und dennoch treten sie immer und wieder auf. Man ist zu spät dran, weil jemand aus der Band verpennt hat, zu langsam oder nicht tetrisgenau eingeladen wurde, Equipment noch spontan ausgeliehen werden musste, zu viele Pinkelpausen toleriert wurden oder weil man sich zu lange bei Rasthofrestaurants wie der goldenen Möwe aufgehalten hat.

(Bild: © Shutterstock, Foto von Karin Hildebrand Lau)
(Bild: © Shutterstock, Foto von Karin Hildebrand Lau)

Auch die Parkplatzsuche in der Hauptstadt dauert ab und an länger als die eigentliche Fahrt dorthin. Und manchmal liegt es einfach daran, dass die nächste Fähre erst in zwei Stunden fährt. In den ganz seltenen Fällen trifft das Unmögliche ein und es läuft alles glatt; es kommt einem nichts dazwischen. Dann kann man trotzdem zu spät am Veranstaltungsort sein, weil man schlichtweg zu spät dran war.
Genauso gut kann es vorkommen, dass es vor Ort zu Verspätungen kommt. Kleinere Läden (Cafés, Bars) werden häufig ehrenamtlich betrieben. Mancherorts hat eine Person mehrere Funktionen inne. Es verschiebt sich der Get-In, da der Inhaber bis 16.00 Uhr hauptberuflich noch anderweitig unterwegs war. Die Person, die euch reinlässt, mischt euch auch und hat erst noch andere wichtige Angelegenheiten im Zusammenhang des Konzertes abzuarbeiten. Gelegentlich kommt es auch vor, dass die anwesende Person erst seit kurzem dort arbeitet und weder euren Tech-Rider gelesen hat noch weiß, wie der zeitliche Rahmen aussieht. Kommuniziert auf Augenhöhe und bietet eure Hilfe an. Ihr möchtet alle einen gelungenen Konzertabend erleben. Wenn ihr das Booking selbst macht, fragt immer nach, ab wann jemand frühestens vor Ort sein kann. Oftmals kann die Get-In- und Soundcheck-Zeit nach vorne geschoben werden.
Wenn sich also der Timetable mal wieder verselbstständigt und die ersten Leute reinkommen und ihr mitten im Soundcheck seid, verändert sich die Situation unmittelbar: Ihr fühlt euch beobachtet und unbeholfen. Wie könnt ihr in dem Moment mit der Situation souverän und cool umgehen?

5 Tipps & Tricks

1. Stärke zeigen: Als Band eine Einheit bilden und bleiben.

Seid euren Bandmitgliedern gegenüber loyal! Gebt also niemandem die alleinige Schuld an der gerade entstandenen Kollision von Soundcheck und Einlass. Nach außen hin existiert nur die Kollektivschuld. Bleibt professionell und selbstbewusst, strahlt Ruhe und Gelassenheit aus.

2. Soundcheck beschleunigen

Für den Soundcheck gilt der Grundsatz: So kurz wie möglich, so lange wie nötig. Klare und direkte Kommunikation innerhalb der Band und mit dem Tontechniker sind essentiell. Absprachen treffen und Prioritäten setzen: Welches Signal ist für einen guten Bandsound unerlässlich und muss noch gecheckt werden, wie filigran und differenziert muss ein Monitorsound bei der Venue- und Bühnengröße sein? Welche Instrumente hört man auf der Bühne bereits gut genug…usw.
Wichtig ist es, in so einer Situation zu lernen, seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche zurückzunehmen und gemeinsam zu entscheiden, wie man die verbleibende Zeit effizient nutzen kann – ohne lange Diskussionen. Entscheidungsfreudige Musiker sind hier klar im Vorteil. Kompromisse eingehen und Abstriche machen zu können, ist ein Zeichen von Professionalität und sozialer Kompetenz. Wenn nach euch noch eine andere Band den Sound checken muss, ist dieser Aspekt umso wichtiger.
Falls die Zuständigkeiten innerhalb der Band nicht geklärt sein sollten, bestimmt jemanden, der während des Soundchecks die Änderungswünsche der mikrolosen Bandmitglieder an den Techniker weitergibt.

3. Souverän bleiben

Lasst euch nicht unter Druck setzen – weder vom Publikum oder dem Tontechniker noch von den Bandmitgliedern. Fühlt euch nicht angegriffen, sondern fahrt zügig und konzentriert fort und blendet das Publikum aus. Das gilt nicht nur für den eigenen Soundcheck, sondern auch für den der anderen – niemand sollte abgelenkt werden. Der Grundgeräuschpegel ist bei anwesendem Publikum schon laut genug. Ein höflicher und respektvoller Umgangston ist immens wichtig – besonders in Stresssituationen.

4. Selbstironie

Nehmt euch selbst nicht so ernst: Geht schlagfertig und witzig mit der Situation um, das lockert die Stimmung auf und ihr könnt eurer inneren Anspannung entgegensteuern.
“Herzlich Willkommen beim Soundcheck, hereinspaziert. Macht es euch gemütlich. Da vorne könnt ihr alkoholische Erfrischungsgetränke zu euch nehmen. Wir sind die Band XY. Ihr seid live dabei.” Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Sagt nichts, was nicht zu euch passt. Verstellt oder versteckt euch nicht hinter einer Sprache, die ihr nicht sprecht. Das richtige Maß ist entscheidend. Im Laufe der Zeit entwickelt man ein Gefühl für die bestimmten Situationen, die ungeplant und unvorhersehbar eintreffen. Vertraut auf euer Empfinden und Etikette.
Sollte man noch in seinem Tourbus-Gammeloutfit stecken und ungeschminkt mit ungewollt zerzaustem Dutt rumlaufen: Steht darüber, auch wenn es euch unangenehm ist und ihr euch gerade unwohl fühlt. Manchmal hilft ein lockerer Spruch, um nicht zu hastig oder nervös zu werden.

5. Selbstbeherrschung

Ganz wichtig ist, nicht die Nerven zu verlieren oder den innerlichen Pessimisten herauszulassen. Den Kopf in den Sand stecken verbessert die Aussicht nämlich nicht. Also bewahrt euch eine positive und zuversichtliche Grundhaltung und schiebt Zweifel und Sorgen beiseite. Regt euch nicht über etwas auf, das ihr ohnehin nicht mehr ändern könnt. Alles, was jemand aus der Band sagt oder tut, fällt auf die ganze Band zurück. Seid euch eurer Verantwortung bewusst und bewahrt einen kühlen Kopf.

  • Welche skurrilen Soundchecksituationen vor Publikum habt ihr schon erlebt?
  • Habt ihr noch weitere Tipps und Tricks entwickelt, um kompetent und cool zu bleiben?

Schreibt sie gerne in die Kommentare. Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen.
Weiterhin viel Freude auf den großen und kleinen Brettern, die die Bühne bedeuten.
Barbara

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(Bild: © Shutterstock, Foto von Karin Hildebrand Lau)

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von barbara.greshake

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Profilbild von Christiane Thomassen

Christiane Thomassen sagt:

#1 - 09.01.2022 um 12:38 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Vor 10 Jahren in Oberhausen:
Jamiroquai kam mur der gesamten Vans aus London zu spät angeflogen. Der arme Beatboxer (Vorgruppe, der sehr gut war), hat sich fast um den Verstand geboxt.
Dann kam Jamiroquai und hat ohne Songcheck sein Programm abgenudelt. Du hast keinen Song mehr erkannt (nicht mal virtual insanity). Der reinste Ohrenkrebs (und wir standen direkt vorm Mischpult). Ich habe das Ganze als unglaublich ignorant empfunden. Wir sind - mit etlichen anderen frustrierten Besuchern - rausgegangen.

Profilbild von Kai Calvato

Kai Calvato sagt:

#2 - 10.01.2022 um 09:36 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Den Artikel sehe ich ja jetzt erst.... Ich hab mal vor Jahren auf einem Stadtfest die Band "3 vom Rhein" gemischt. Beim Aufbau meinte die Band "Wir grooven einfach ein bissl zusammen, mach du währenddessen den Sound". Hab ich getan, während die Band mörderisch abgroovte. Das hab ich so zum ersten mal gemacht, hat aber sehr gut funktioniert und ich fand das ne tolle Idee der Band, anstatt das Publikum mit "Bassdrum! OK, jetzt Snare!" zu langweilen.

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