Hersteller_Reloop
Test
5
24.06.2014

Reloop RP-7000 Test

Direktangetriebener DJ-Plattenspieler

Sweat the Technics?

Reloop RP-7000 DJ-Plattenspieler im bonedo.de-Test: Seit das japanische Unternehmen Technics vor einigen Jahren die Produktion seiner legendären Plattenspieler-Baureihe SL-1200/1210 MKII eingestellt hat, drängen immer wieder mal neue Turntables auf den Markt, um die „Nachfolge“ jenes DJ-Heiligtums anzutreten. Zu nennen sind hier unter anderem DJ Tech SL 1300 MK6 oder Audio Technica AT-LP1240USB, Reloops „midifizierter“ Serato-Turntable RP-8000 und natürlich auch mein heutiger Testkandidat RP-7000: ein direkt angetriebener DJ-Plattenspieler mit kollektorlosem Motor und S-Shaped Tonarm nebst Anti-Skating-Funktion, der im Design stark an das japanische Vorbild erinnert.

Da wir mittlerweile jedoch das Jahr 2014 schreiben und der Technics-Veteran bereits 1982 auf den Markt kam, kann unser Proband selbstverständlich mit einigen Zusatz-Features aufwarten. Dazu zählen drei selektierbare Pitch-Bereiche, eine Rückwärtslauf-Funktion, ein stufenlos verstellbares Drehmoment sowie die flexible Anlauf- und Bremszeit. Obendrein lässt sich der Plattenspieler dank seines eingebauten Phono-Preamps direkt an den Line-Eingang eines Verstärkers anschließen.

Eine prall gefüllte Feature-Liste macht bekanntlich Eindruck und gleichzeitig neugierig- Ob der Reloop RP-7000 jedoch eine echte Alternative zum Technics darstellt, muss er im harten bonedo-Test-Parcours erst einmal beweisen. 429 Euro UVP kostet das gute Stück und was es zu leisten imstande ist, erfahrt ihr nun…

Details

Der RP-7000 wird in einem farbig bedruckten Karton angeliefert. Darin finde ich, staub- und stoßsicher verpackt, den bis auf den separat verpackten Teller und das Tonarm-Gegengewicht bereits vormontierten Plattenspieler – in Begleitung einer weißen Slipmat aus Filz, anstelle der bei Technics üblichen Gummimatte. Bezüglich der Kabel unterscheidet sich mein Testkandidat ebenfalls vom japanischen Urgestein, denn hier sind die Anschlusskabel abnehmbar und daher auch separat verpackt in der Box vorzufinden. Sowohl das Netzkabel (Euro-Stecker/Kleingeräte-Buchse) als auch das sechs Millimeter dicke Stereo-Cinch-Kabel mit seinen vergoldeten Steckern machen einen ziemlich hochwertigen Eindruck. Beide Strippen sind etwa eineinhalb Meter lang und an der Geräteseite mit Winkelsteckern versehen. Eine gedruckte, gut verständliche Bedienungsanleitung in deutscher Sprache liegt dem Paket bei. Eine Abdeckhaube und ein Single-Puck gehören nicht zum Lieferumfang, diese schlagen bei Bedarf mit 50 und 5 Euro zu Buche. Auch ein Tonabnehmersystem wird nicht mitgeliefert, aber das sucht sich der DJ sowieso lieber selbst aus…

Montage und erster Eindruck

Ich beginne mit der Montage des Gerätes und setze den schweren und sehr robust wirkenden Plattenteller auf die Spindel. Er ist nahezu identisch mit dem Technics-Modell, was unter anderem bedeutet, dass das Teil nicht aufgeschraubt wird, sondern sich durch die konisch geformte Spindel, die Öffnung und die Schwerkraft auf dem Plattenspieler positioniert. Der kollektorlose Motor (also ohne Schleifkontakte) und am Plattenteller der Ringmagnet und die kreisförmig angeordneten Spulen am Plattenteller gleichen dem Vorbild fast bis aufs Haar. Das gilt auch für das Lager des Plattentellers. Dieses sitzt bombenfest im Chassis und weist angenehm wenig Spiel aufweist.

Auf den klassischen und sehr robust wirkenden S-förmigen Tonarm aus Aluminium setzte ich nun das Gegengewicht für den Tonabnehmer. Die Tonarm-Lager haben wackeln kein Stück und wissen zu überzeugen. Genau so sollte es bei einem fabrikneuen Turntable sein. Top! Die Nadelleuchte wandert in die fest montierte Cinch-Buchse und ist natürlich drehbar, wodurch sich das helle Licht der LED meinen Anforderungen entsprechend ausrichten lässt.

Sämtliche Tasten wirken robust, sind fest im Chassis befestigt und haben einen angenehmen Druckwiderstand. Die beiden Drehregler zur Regulierung des Drehmoments und der Start-/Bremszeit sind mir persönlich jedoch ein wenig zu klein und fummelig geraten. Zudem sitzen sie etwas wacklig im Gehäuse. Am Pitchfader mit seinen 100 Millimetern Arbeitsweg gibt es nichts auszusetzen.  

Das Anschlussfeld befindet sich auf der Geräterückseite und ist circa 30 Millimeter vertieft montiert. So kommen einem die Kabel nicht in die Quere, wenn man die von Battle-DJs gern genutzte, um 90 Grad gedrehte Turntable-Ausrichtung benutzt. Beim Einbau in ein Case ist das vertiefte Backpanel ebenfalls von Vorteil. An den vergoldeten Buchsen des Anschlussfeldes und dem Phono/Line-Schalter habe ich auch nichts zu beanstanden. Der RP-7000 steht rutschsicher auf vier stabilen Füßen (Durchmesser: 65 Millimeter), die eine effektive Dämpfung von Trittschall ermöglichen sollten. Das Gerät ist sauber verarbeitet und akkurat lackiert. Insgesamt hinterlässt der RP-7000 einen guten ersten Eindruck.

Antrieb/Motor

Genau wie beim Technics wird der Plattenteller auch beim RP-7000 vom Motor direkt angetrieben. Motor und Plattenteller bilden dabei eine Einheit, die zwölf kreisförmig angeordneten Spulen bringen den Ringmagneten (Außendurchmesser circa 95 Millimeter) in Bewegung. Dass der Motor keine Schleifkontakte besitzt, birgt unter anderem den Vorteil, dass der Antrieb des Plattenspielers somit nicht verschleißen kann  – mal abgesehen von den Lagern.

Drehe ich am kreisrunden Power-Schalter, leuchten diverse LEDs und die blaue Stroboskopleuchte auf. Um den Plattenteller in Gang zu setzen, betätige ich eine der beiden großen Start/Stop-Tasten, der Reverse-Button lässt den Plattenteller natürlich rückwärts laufen. Ähnlich wie beim japanischen Vorbild kann ich an den vier Ringen der Stroboskopkränze die vier Pitch-Werte (0/-3,3/+3,3/+7,2 Prozent) ablesen. Mithilfe der beiden Tempo-Tasten selektiere ich eine von drei Geschwindigkeiten (33 1/3, 45 oder 78 RPM) und könnte somit neben regulären Vinyl-Schallplatten (Singles, Alben, Maxis) auf der höchsten Stufe auch die guten, alten Schellackplatten abspielen. Dazu müsste allerdings ein Spezial-Tonabnehmer verwendet werden.

Pitch

Rechts neben dem Tonarm befindet sich der 100-Millimeter-Pitchfader, der anstelle einer einrastenden Mittenstellung eine blaue LED verbaut hat, die aufleuchtet, sobald der Pitch auf Null steht. Der Button „Quarzlock“ deaktiviert die Pitch-Funktion – unabhängig von der Fader-Stellung. Darüber residieren die beiden Tasten zur Selektion der Pitch-Rage. Hier treffe ich die Vorauswahl über den gewünschten Regelbereich (+/-8 oder +/- 16 Prozent.) Betätige ich beide Tasten zusammen, beträgt die Pitch-Range sogar satte 50 Prozent.

Drehmoment und Start-/Stoppzeit regulieren

Mit dem Torque-Drehregler reguliere ich das Drehmoment des Motors stufenlos zwischen 1600 und 4500 g/cm. Stufenlos lassen sich auch die aneinander gekoppelten Anlauf- und Bremszeiten des Plattenspielers („Start/Brake“) justieren, was bei einem Linksanschlag des Drehknopfes zu einer Start-/Stoppzeit von 0,2 Sekunden führt und beim Rechtsanschlag zu 6 Sekunden.

S-Shaped Tonarm

Der Tonarm ist aus Aluminium gefertigt und hat die bewährte S-Form zur Reduzierung des horizontalen Spurfehlwinkels. Der Tonarm ist sehr gut verarbeitet und dem Technics-Vorbild absolut ebenbürtig. Tonarmhöhe, Auflagegewicht sowie Anti-Skating-Funktion lassen sich optimal auf die eigenen Bedürfnisse abstimmen. Wer jetzt nur noch Bahnhof versteht, dem empfehle ich meinen ausführlichen Artikel zum Thema Plattenspieler, in dem diese Begriffe und viele andere interessante Dinge rund um den Turntable ausführlich behandelt werden.

Der RP-7000 wird ohne Tonabnehmer und Headshell geliefert. Letztgenannte Tonabnehmer-Halterung ist im Fachhandel bereits ab etwa 8 Euro zu bekommen, die Nadelsysteme gibt’s ab etwa 30 Euro. Alternativ kann ich aber auch ein Komplettsystem verwenden, beispielsweise aus der Reloop- oder Ortofon-Concorde-Serie, da der Tonarm über den gleichen Überhang wie der Technics und einen Bajonett-Verschluss nach SME-Norm verfügt. Hier findet ihr im Übrigen unseren Tonabnehmer-Testmarathon.

Die Höhe des Tonarms lässt sich auch hier mit einem drehbaren Ring stufenlos verstellen und per Arretierungshebel fixieren. Gegen das beim S-Shaped-Tonarm automatisch entstehende Drifting/Skating hilft die stufenlos über ein Rädchen zwischen 0 und 3 einstellbare Anti-Skating-Funktion. Eine Transportsicherung schützt den Tonarm und den Tonabnehmer auf Reisen. Ich kann die Nadel natürlich mit der Hand auf die Platte setzten oder dies mit dem stabilen Metallarm des Tonarmlifts bewerkstelligen, wobei der Tonabnehmer „butterweich“ auf dem Vinyl aufsetzt oder sich wieder sanft von der Platte erhebt. 

Phono-Preamp

Das Signal des Tonabnehmers, welches durch die Kabel im Inneren des Tonarms weitergeleitet wird, lässt sich an den beiden Cinch-Buchsen am Backpanel direkt abgreifen und durch einen Entzerrer-Vorverstärker im DJ-Mixer weiter verarbeiten. Alternativ habe ich aber auch die Möglichkeit, den internen Phono-Preamp des Plattenspielers über den Schalter am Backpanel zu aktivieren, woraufhin das relativ schwache Signal des Tonabnehmers auf Line-Pegel verstärkt wird und ich den Plattenspieler ohne Umwege an den Line-Input eines Verstärkers anschließen kann. Für beide Anwendungen benötigt unser Testkandidat kein Erdungskabel, folglich gibt es auch keine Erdungsschraube.

Aufbau, Chassis, Materialien

Nicht nur die Technik, sondern auch der gesamte Aufbau des Chassis ähnelt sehr der viel zitierten MKII-Serie, jedoch lässt das mit 9,6 Kilo knapp zwei Kilo leichter ausfallende Gewicht des Plattenspielers der Münsteraner Reloop erahnen, dass es bezüglich der verwendeten Materialien Unterschiede gibt. Hauptverantwortlich dafür ist die Wanne (Unterseite des Chassis), die bei meinem Testkandidaten aus stabilem Kunststoff und nicht aus hartgummiüberzogenem Aluminium gefertigt ist.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare