Software Recording DAW
Feature
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15.11.2019

Kostenlose und günstige DAWs - Produzieren mit schmalen Taler

Muss eine günstige Musiksoftware auch gleich billig sein?

Die besten Free-DAWs und Budget-DAWs im Vergleich

Kein Studio, und sei es noch so klein, kommt heutzutage ohne Digital Audio Workstation aus. Die DAW ist nicht mehr wegzudenkender Kern der heutigen Musikproduktion. Egal, ob du nur Beats auf deinem Laptop machen, einen Chor aufnehmen oder ein Blues-Album mischen willst – ohne aktuelle Musiksoftware wird das schwer bis gar unmöglich. 

Leider kosten professionelle DAWs schon mal einen hohen dreistelligen Betrag. Für Schüler, Studierende oder andere Personen mit kleinem Geldbeutel kann das schwierig werden. Vielleicht willst du aber auch erst einmal ein bisschen in die Welt der digitalen Musikproduktion hineinschnuppern und dich deshalb nicht auf eine derart hohe Investition einlassen. Leider kosten gute Dinge immer viel Geld. Und im Leben gibt es nichts umsonst. Oder etwa doch?  

Für Ausprobierer und notorische Sparfüchse haben wir die besten kostenlosen und kostengünstigen DAWs zusammengesucht. Uns war aber nicht nur der Preis wichtig, sondern auch, dass die Software was zu bieten hat. Denn wenn es um technische Möglichkeiten für die Umsetzung von guter Musik geht, ist Geiz nun einfach mal so gar nicht geil. 

Grundlagen: Was sollte eine DAW können?

DAWs sind komplexe Programme, die unterschiedlichsten Funktionen für Musikproduktion und Tonaufnahme anbieten. Verschiedene Programme sind darüber hinaus auf bestimmte Kernanwendungen ausgelegt oder gar Stilrichtungen optimiert. Ableton Live beispielsweise, wie der Name schon sagt, ist besonders für Livemusiker und DJs ausgelegt. Pro Tools hingegen eher für das klassische Recording und Mixing. Für welchen Anwendungszweck sich die folgenden DAW-Vorschläge besonders gut eignen, sehen wir uns im Folgenden genauer an. Zuerst klären wir aber, welche grundlegenden Funktionen jede DAW haben sollte.

Audio

Audiodateien sind in jeder Produktion wichtig. Und Audiodateien brauchen Audiospuren. Zum einen kann man auf Audiospuren über ein Mikrofon zum Beispiel Stimme oder Instrumente aufnehmen. Zum anderen lassen sich auch bereits vorhandene Audiodateien, sogenannte Samples, auf die Audiospuren legen, wie es besonders oft mit Schlagzeugklängen gemacht wird.

MIDI

MIDI ist eine einfache Programmiersprache, deren Zweck es ursprünglich war, mehrere Keyboards zusammenschließen zu können. Und auch heute noch werden Keyboards und Computer damit so verbunden, dass man seine Kompositionen über ein an den Computer angeschlossenes Keyboard einspielen und aufnehmen kann. Die zugrundeliegenden Noten können später auch verschoben, gekürzt oder an einen anderen Ort geschoben werden.

Synthesizer

Mit einem Computer kann von der eigentlichen Aufnahme abgesehen noch auf zwei weitere Arten Musik erzeugt werden. Eine der beiden Möglichkeiten besteht darin, dass der Computer dies über einen Synthesizer tut. Dann wird der Klang quasi errechnet.

Sampler und Sounds

Die zweite Möglichkeit zur Musikerzeugung ist ein Sampler. Dieser nutzt vorhandene Audiodateien und legt diese auf die Tasten eines Keyboards. Dabei wird das sogenannte Sample bei jeder höheren Taste um einen Halbton nach oben gepitcht. So kann man ein gesampeltes Instrument über ein an den Computer angeschlossenes Keyboard spielen, als hätte man das Original direkt vor sich.

Effekte 

Effekte werden genutzt, um ein Signal zu verändern. Über einen EQ kann man zum Beispiel verschiedene Frequenzen absenken oder entfernen. Man kann ein Instrument aber auch verzerren oder ihm Hall verleihen. Effekte sind bei jeder Audioproduktion sehr wichtig.

Drittanbieter-Plugins 

Darunter versteht man Plugins, die von externen Anbietern angeboten werden und mit der eigentlichen DAW nichts zu tun haben, darin aber genutzt werden können. Genau wie unter den DAWs gibt es auch hier eine riesige Auswahl an Freeware-Plugins. Manche der in diesem Artikel vorgestellten DAWs lassen aber keine Verwendung solcher Drittanbieter-Plugins zu. Damit ist man dann, was Instrumente und Effekte anbelangt, immer auf die Optionen festgelegt, die mit der DAW selbst angeliefert werden.

Kostenlose Spielwiesen für Einsteiger und Fortgeschrittene

In der ersten Kategorie zeigen wir zwei DAWs, die komplett kostenlos und dabei trotzdem Vollversionen sind. Es handelt sich also um eine vollständige Musiksoftware, die keinerlei Einschränkungen aufweist. Deshalb kann man grundsätzlich auch professionelle Produktionen damit durchführen – oder sie zumindest damit vorbereiten. Egal also, ob ihr anfangen wollt, eure ersten Beats zu bauen, einfach mal einen Software-Synthesizer ausprobieren wollt, oder ob ihr eure ersten eigenen Demos mit Gesang und Gitarre aufnehmen wollt – hier seid ihr genau richtig!

Ohne Einschränkungen und kostenlos – Tracktion 7 

Tracktion wurde nach Version 7 umbenannt und heißt inzwischen Waveform. Diese Namensänderung nahm der Hersteller zum Anlass, die alte Version 7 nun als Freeware anzubieten. Tracktion 7 gehört damit zu den wenigen kostenlosen Vollversion-DAWs, die es derzeit gibt.

Die Anzahl der Audio- und MIDI-Spuren ist dort nicht begrenzt. Instrumente und Loop-Content sind zwar nicht vorhanden, dafür gibt es aber einen Sampler, mit dem man eigenen Sample-Content und Instrumente erstellen kann. Bei den Effekten findet man eine Grundausstattung vor, mit der man ziemlich weit kommen dürfte. Da Drittanbieter-Plugins erfreulicherweise ebenfalls unterstützt werden, ist Tracktion quasi unendlich erweiterbar – sogar mit Freeware

Theoretisch lässt sich mit Tracktion 7 jede musikalische Idee umsetzen. An manchen Stellen wirkt die Software jedoch etwas altbacken und mutet teilweise umständlich an. Aber wie sagt man so schön: Einem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul!

Unsere kostenlose Empfehlung für Apple User – Garage Band

Die zweite kostenlose DAW heißt Garage Band - und die gibt es sogar für iOS. Alle Mac-User haben Zugang zu dieser Freeware-DAW und man sollte sie wirklich nicht unterschätzen. Garage Band ist natürlich nicht so umfangreich ausgestattet wie der große Bruder Logic Pro – die Optik und die Qualität sind aber der eindeutige Beweis für eine enge Verwandtschaft. Somit lassen sich mit Garage Band wirklich ordentliche Produktionen durchziehen.

Auch bei Garage Band ist die Anzahl für Audio- und MIDI-Spuren nicht begrenzt. Die implementierten Instrumente, die mitunter auch Synthesizer enthalten, klingen wirklich toll.

Die Effekte teilen offensichtlich die gleiche DNA mit Logic, selbst wenn die Auswahl bei Garage Band natürlich etwas eingeschränkt ist. Es gibt die Standardeffekte für Kompression, Hall, Delay und Verzerrung sowie Chorus, Flanger und Phaser. Drittanbieter-Plugins werden erfreulicherweise auch erkannt, dafür sucht man vergeblich nach einem Mixer, was spätestens ab semiprofessionellen Produktionen zum Problem werden dürfte.

Prinzipiell gilt hier das Gleiche wie schon bei Tracktion. Auch Garage Band ist kostenfrei, jede Kritik ist also Jammern auf hohem Niveau. Zum Einstieg in Logic ist Garage Band dank der engen Verwandtschaft mehr als geeignet. Und auch kleinere Projekte, wie etwa eigene Musik zu einem kurzen Video zu komponieren und zu produzieren, lassen sich leicht und schnell umsetzen. Wer aber hoch hinaus will, wird Garage Band früher oder später aber den Rücken kehren müssen. Wer außerdem vorher einen PC hatte und jetzt auf dem neu erworbenen Mac-Book auch Musik machen möchte, wird sich definitiv erst an den anderen Workflow gewöhnen müssen.

Recording-Tools für Singer-Songwriter und Bands

Die folgenden drei DAWs gehören in ihrer jeweiligen Vollversion zum Besten, was der Markt zu bieten hat. Die kostenlosen Versionen der Bestseller sind dementsprechend abgespeckt worden. Allem voran können leider keine Drittanbieter-Plugins genutzt werden, sodass man auf interne Inhalte begrenzt bleibt. Besonders die fehlenden virtuellen Instrumente wird man bei Kompositionen oder komplexeren Produktionen schmerzlich vermissen.

Sehr wohl eignen sich die nächsten drei Programme aber für Aufnahmen jeglicher Art sowie für deren Bearbeitung. So kann zum Beispiel ein Singer-Songwriter das Songmaterial absolut professionell aufnehmen und bearbeiten und Bands  können eigene Songs völlig ohne finanziellen Aufwand recorden, und das immer und immer wieder. Wenn die jeweilige DAW langfristig überzeugt, kann später natürlich ohne Weiteres auf eine Version mit wesentlich mehr Funktionen upgegradet werden!

Unsere Empfehlung für kostenloses Recording I – Pro Tools First

Pro Tools gehört in vielen Bereichen zum absoluten Industriestandard. Deshalb nutzen auch so gut wie alle professionellen Mixing-Artists und quasi die gesamte Filmindustrie Pro Tools. Dadurch können Sessions ganz leicht untereinander ausgetauscht werden. Wer Pro Tools früh beherrscht, hat es also später einmal leicht!

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Industriestandard Pro Tools - hier der Test zur kostenpflichtigen Version

Hier findet ihr einen umfangreichen Workshop zu Pro Tools

Die Anzahl der Audio- und MIDI-Spuren ist in Pro Tools First auf jeweils 16 Stück begrenzt, was aber für professionelle Demos vollkommen ausreichend sein sollte. Es gibt außerdem einen Synthesizer, den Xpand2, der mit mehr als 2.500 Presets durchaus üppig ausgestattet ist. Die darin enthaltenen Instrumente klingen solide, eignen sich aber eher zum Ausschmücken von Produktionen und weniger als Hauptelemente. Dafür sind die meisten zu brav. 

Die mitgelieferten Samples dagegen sind insgesamt 3,1 GB groß und klingen wirklich sehr gut. Von der Blues-Band, über Streicher bis hin zu Dubstep-Drums sind viele Styles vorhanden und können durchaus als Basis für Produktionen dienen. Acht grundlegende Effekte wie EQ, Kompressor, Reverb und Delay stehen dort zur Verfügung. Das ist zwar nicht viel, reicht aber in den meisten Fällen absolut aus. Außerdem ist die Qualität dieser Effekte hervorragend, weshalb sie auch in vielen professionellen Produktionen eingesetzt werden. Drittanbieter-Plugins werden nicht erkannt.

Wenn es um die Verarbeitung von Audio geht, ist Pro Tools eines der besten Programme überhaupt. Bei Kompositionen mit hohem MIDI-Anteil wird es allerdings wegen der hohen Komplexität kaum verwendet. Mit den vorhandenen Sounds und ohne Drittanbieter-Plugins wird das bei Pro Tools First ohnehin schwierig.

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Unsere Empfehlung für kostenloses Recording II – Studio One Prime

Presonus Studio One hat gerade seinen zehnten Geburtstag gefeiert und ist damit noch relativ jung. Bei dieser DAW steht die schnelle und einfache Bedienung im Vordergrund. Die konsequente Drag-and-drop-Funktionalität, der flexible Mixer und die Möglichkeit, komplexeste Bearbeitungsvorgänge über Macros zusammen-zufassen, machen Studio One zu einer der besten DAWs.

Bei Studio One Prime ist die Anzahl der möglichen Audio- und MIDI-Spuren nicht begrenzt. Das ist für eine Freeware-DAW sehr ungewöhnlich. 

Einen Synthesizer gibt es nicht, dafür liefert der interne Sampler „Presence“ vom Akkordeon bis hin zum Schlagzeug viele verschiedene Instrumente (1,68 GB), die gut und sehr realistisch klingen. Jede Menge Loops und Sounds (785 MB) runden den Sound-Pool von Studio One Prime ab. Mit diesem Soundpaket werden die ersten Produktionen definitiv gelingen.

Neun interne Effekte sind freigeschaltet, damit hat man eine Grundausstattung vom gut klingenden Channel-Strip über Delay, Reverb, Filter und Verzerrer. Auch das wird für die ersten Schritte und für anfängliche Produktionen definitv reichen. Drittanbieter-Plugins werden auch leider hier nicht erkannt.

Studio One Prime ist durch seine Begrenzungen nur bedingt als Kompositionstool geeignet, dazu sind einfach zu wenige Instrumente mit an Bord und die Drittanbieter-Plugins fehlen. Die nicht vorhandene Begrenzung bei Audiospuren macht Studio One Prime aber zum perfekten Recording-Tool ohne Grenzen. Damit lassen sich auch die umfangreichsten Projekte bewerkstelligen, völlig kostenlos. 

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Unsere Empfehlung beim Kauf von Steinberg/Yamaha Hardware – Cubase AI

Cubase ist eine professionelle DAW der ersten Stunde. Besonders viele PC-basierte Filmkomponisten nutzen Cubase heutzutage, darunter auch die Legende Hans Zimmer, Harry Gregson-Williams und Junkie XL. Die abgespeckte Version Cubase AI ist nicht kostenlos, du erhältst sie aber u. a. beim Kauf einer der beiden Audio-Interfaces UR22 Mk2 und AXR4 von Steinberg, oder des Mischpults MG12XUK von Mutterkonzern Yamaha sowie vielen weiteren Produkten.

Bei Cubase AI können bis zu 32 Audio- und 16 MIDI-Spuren erstellt werden. Es gibt keine virtuellen Instrumente, mit Halion aber einen Sampler, über den man viele Instrumente aus den verschiedensten Kategorien spielen kann. Diese klingen gut, aber nicht hervorragend. Ganz im Gegensatz zu den ebenfalls vorhandenen Audio-Samples. Allerdings lassen diese sich eben schwerer in Kompositionen unterbringen.

Ein vollwertiger Synthesizer wäre aber schon schön gewesen. Schließlich hat man beim Kauf der Hardware ja auch Geld investiert, um an Cubase AI zu kommen. Und im Falle des AXR4-Interfaces sogar eine ganze Menge davon. Dafür sind 28 Effekte freigeschaltet. Die sehen nicht nur gut aus und bieten nicht nur mannigfaltige Sounddesign-Möglichkeiten, vor allem klingen sie auch gut. Dazu kommt, dass Drittanbieter-Plugins bei Cubase AI, so wie in jeder anderen Version, unterstützt werden. Das ist nicht nur lobenswert, sondern bei gedrosselter Software zudem recht selten. So ist man also nicht auf die vorgegebene Ausstattung begrenzt und kann den begrenzten Funktionsumfang mit Freeware oder Plugins anderer Hersteller erweitern. 

Die Qualität von Cubase als DAW steht völlig außer Frage. Und auch wenn die Ausstattung in dieser Version durchschnittlich ist, kommt man durch die Integration von Drittanbieter-Plugins damit sehr weit. Ein Upgrade auf eine andere Version kann so ziemlich lange hinausgezögert werden oder ist je nach Verwendungszweck unter Umständen gar nicht nötig.

Günstige Einsteigerversionen für Produzenten und Beat-Maker

Was tun wenn du deine Musik nicht nur aufnehmen, sondern gleich komplett am Computer produzieren möchtest? Vielleicht willst du ja einen EDM-Song oder einen Hip-Hop-Beat produzieren. Dann brauchst du einfach viele interne Sounds, sei es aus einem Sampler oder einem virtuellen Instrument. Und genau da kommen die DAWs unserer dritten Kategorie ins Spiel. Diese bieten wesentlich mehr interne Sounds und auch Drittanbieter-Plugins werden unterstützt – ebenso wie Freeware.  

Unsere Empfehlung beim Kauf von MIDI-Controllern – Ableton Lite und Intro

Ableton Live 10 wird besonders gerne von Produzenten elektronischer Musik und von DJs verwendet. Ursprünglich als Tool für die Bühne entwickelt, hat es sich zu einer der meist genutzten, professionellen DAWs weltweit entwickelt. Auch Ableton Live Lite gibt es beim Kauf von so mancher Hardware kostenlos dazu, zum Beispiel beim Novation Launchkey Mini Mk3, beim Audio-Interface Focusrite Scarlett Solo 3rd Generation oder beim MIDI-Controller Keylab Essential 61 von Arturia.

Bei Ableton Live Lite sind bis zu acht Audio- und MIDI-Spuren gleichzeitig möglich. Synthesizer sind nicht an Bord, dafür aber gleich drei verschiedene Sampler, mit denen sich viele Drum-Sounds, Instrumente und Loops abspielen lassen, die praktischerweise ebenfalls im Lieferumfang enthalten sind.

Dazu kommen 12 Effekte, darunter aber nicht nur die Standards wie Reverb, Delay oder Kompressor, sondern man findet dort auch Außergewöhnliches wie das Multipurpose-Utility-Tool, ein Plugin, mit dem sich die Bit- und Sample-Rate für Lo-Fi-Effekte herabsetzen lässt, sowie ein weiteres Tool, mit dem man dem Signal Artefakte und Lärm hinzufügen kann. Drittanbieter-Plugins werden zusätzlich unterstützt, sodass ihr euch ohne Probleme ein paar gute Freeware-Synths und -Effekte dazuholen könnt. 

Die nächstgrößere Version ist Ableton Live Intro. Sie muss unabhängig von der Hardware gekauft werden. Mit ihr sind 16 Audio- und MIDI-Spuren möglich. Neben den gleichen Samplern wie in der Lite-Version stehen dieses Mal gleich 5 GB an verschiedenen Sounds zur Verfügung. Mit 21 Effekten gibt es fast doppelt so viele Sounddesign-Möglichkeiten, aber immer noch keinen eigenen Synth. Schade, aber dafür werden auch hier Drittanbieter-Plugins unterstützt.

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Eine günstige Alternative für Beats – FL Fruity

FL Studio in der Trial-Version haben wir in diesem Artikel absichtlich nicht aufgeführt, da man dort keine Arrangements abspeichern kann – und das ist ein No-Go, denn so lässt sich nicht vernünftig arbeiten. Wer also FL Studio nutzen möchte, muss mindestens die abgespeckte Version von FL Fruity kaufen.

Dafür lässt FL Fruity Audio- und MIDI-Spuren aber unbegrenzt zu. Außerdem erhält man fast 20 Synthesizer, die man hervorragend für Hip-Hop-Beats nutzen kann. Ob es darüber hinaus noch weitere Einsatzmöglichkeiten gibt, ist zu bezweifeln. Dazu kommen sage und schreibe 60 Effekte, darunter auch die weit über die Grenzen von FL Studio bekannten „Gross Beat“ und „Sound Goodizer“. Letzterer ist einer von sieben Dynamikeffekten, langweilig wird es da auf keinen Fall. Und selbst Drittanbieter-Plugins werden erkannt. 

 

FL Studio bietet also eine sehr gute Ausstattung für ein Programm unter 100 Euro, ist aber definitiv nur etwas für Beat-Schrauber. Für andere Anwendungszwecke ist das Programm im Workflow einfach zu umständlich. Natürlich hat FL Studio auch gute Features und vielleicht sogar Vorteile gegenüber anderen DAWs. Aber da es inzwischen so viele Alternativen gibt, die leichter zu bedienen sind, wird es FL Studio nicht leicht haben, sich bei ambitionierten Producern durchzusetzen.

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Eine günstige Alternative für Tüftler – Cockos Reaper

Reaper steht für Rapid Environment for Audio Prototyping and Efficient Recording und ist der Underdog unter den DAWs. Hinter diesem komplizierten Namen steckt eine vollwertige DAW, die optisch besonders wandlungsfähig ist. So kann der Nutzer das GUI komplett selbst gestalten. 

Da es sich bei Reaper bereits zu diesem Preis um eine Vollversion handelt, gibt es weder bei Audio- noch bei MIDI-Spuren Einschränkungen. Neben mehreren Software-Synthesizern, wie zum Beispiel ReaSynth oder ReaSynDr, und einem Sample-Player gehören auch die verschiedensten Effekte zum Lieferumfang. Neben den üblichen Verdächtigen wie Kompressor, EQ, Hall und Delay, findet man auch einen Vocoder, ein Pitch-Korrektur-Tool und ein Gate. Und auch Drittanbieter-Plugins werden erkannt. Loops oder Sounds sind allerdings nicht im Lieferumfang enthalten.

Reaper ist aber eher etwas für Tüftler und solche, die ihre DAW komplett an ihre Wünsche und ihren Workflow anpassen wollen – denn genau das geht nämlich ziemlich gut mit Reaper.

Eine günstige Alternative II – Studio One Artist 

Zum Schluss begegnet uns noch einmal Studio One in der Artistversion. Auch hier ist die Spurenanzahl nicht begrenzt. Außerdem erhält man 5 Instrumente und 31 Effekte. Damit lassen sich dann schon ausgefeiltere Produktionen umsetzen. Die Unterstützung von Drittanbieter-Plugins muss allerdings als Add-On hinzu gekauft werden. Das ist nicht wirklich nachvollziehbar.

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Schlusswort

Wie du siehst, gibt es viele Optionen, für die man kein, oder nur sehr wenig Geld ausgeben muss. Das wichtigste ist allerdings, dass du dich mit deiner DAW wohlfühlst und einen schnellen Workflow erreichen kannst. Fassen wir noch einmal zusammen.

Das kostenlose Tracktion 7 ist wirklich nur zum Ausprobieren geeignet. Aus heutiger Sicht ist das Konzept und das GUI aber etwas rückständig und es sieht auch einfach nicht so gut aus. Im Prinzip lässt sich jegliche Art von Musik produzieren, aber es macht einfach nicht so großen Spaß. Garage Band ist für Mac-User kostenlos und bestens geeignet, kleine bis mittlere Projekte vertonen, oder einfach mal einen lässigen Funk-Beat produzieren wollen. Die Sounds und Effekte sind gut, ohne Mixer sind komplexere Mischaufgaben aber nicht mehr zu bewerkstelligen.

Pro Tools First ist, was die Audiobearbeitung angeht, absolute Spitze. Wer professionell arbeiten möchte, kommt schon wegen der Austauschbarkeit der Projekte um diese DAW nicht herum. Viele andere Produktionen können aber einfacher und schneller mit anderen Programmen durchgeführt werden. Das Fehlen von Effekten und Sounds macht das Upgrade auf eine teure Version ab einem gewissen Produktionsniveau unausweichlich.

Studio One Prime ist ebenfalls ein tolles Tool für alle, die viel aufnehmen wollen und wenig MIDI brauchen. Die internen Sounds und Instrumente klingen super, genau wie die freigeschalteten Effekte. Die nicht vorhandene Begrenzung von Spuren ist neben dem angenehmen Workflow das Highlight von Prime. Die Artistversion bietet wesentlich mehr Sounds und Effekte, enttäuscht allerdings ein wenig, weil auch damit Drittanbieter-Plugins in die Ferne rücken. Cubase ist und bleibt gut. Und auch wenn die Ausstattung der AI-Version durchschnittlich und für Kompositionen oder Produktionen eher weniger einsetzbar ist, bietet diese Version im Vergleich zu anderen gedrosselten DAWs einen riesigen Vorteil - sie ermöglicht die Verwendung von Drittanbieter-Plugins. Damit ist man keineswegs an den gebotenen Umfang gebunden. Cubase AI ist somit für mehr als nur die ersten Produktionsschritte geeignet.

Ableton Live gehört nicht umsonst zu den meist benutzten DAWs. Der Workflow ist top und vor allem ist in jeder Version die Verwendung von Drittanbieter-Plugins möglich. Das ist lobenswert. Lite und Intro unterscheiden sich im Wesentlichen nur durch die Anzahl der möglichen Spuren und die Menge an Effekten und den Sample-Content. Letzterer ist eindeutig auf elektronische Musik ausgelegt. FL Fruity ist zwar überdurchschnittlich gut ausgestattet, wirkt aber ein bisschen umständlich und komplex. Man kann aber offensichtlich gut arbeiten, das beweisen viele Produzenten, besonders aus dem Hip-Hop. Die Frage ist einfach, warum kompliziert, wenn es auch einfacher geht?

Reaper ist was für Tüftler und Individualisten, die das komplette GUI ihrer DAW selbst einrichten und gestalten wollen. Die Ausstattung ist eher dürftig. Grundsätzlich ist mit Reaper musikalisch aber alles möglich. 

Wofür du dich auch entscheidest, wir wünschen dir viel Spaß beim Umsetzen deiner musikalischen Ideen mit der DAW deiner Wahl.

Features

DAW \ Feature

Audio

MIDI

Drittanbieter

Funktionen

Tracktion 7

Unbegrenzt

Unbegrenzt

Ja

Unbegrenzt

Garage Band

Unbegrenzt

Unbegrenzt

Ja

Kein Mixer

Pro Tools First

16

16

Nein

8 Effekte, insgesamt 23 Plugins

Studio One Prime

Unbegrenzt

Unbegrenzt

Nein

9 Effekte - 1 Instrument

Cubase AI

32

16

Ja

28 Effekte - 2 Instrumente

Ableton Lite

8

8

Ja

4 Instrumente - 12 Effekte

Ableton Live Intro

16

16

Ja

4 Instrumente - 21 Effekte

FL Fruity

Unbegrenzt

Unbegrenzt

Ja

Effekte und Instrumente teilweise inaktiv

Reaper

Unbegrenzt

Unbegrenzt

Ja

Unbegrenzt

Studio One Artist

Unbegrenzt

Unbegrenzt

Nur als Addon

31 Effekte - 5 Instrumente

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