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Welche DAW, Audio-Interface & Plugins sind Apple M1 kompatibel oder nativ?

Knapp 2 Jahre gibt es nun Apple-Rechner mit M1- und mittlerweile schon die M2-CPU. Was funktioniert bereits mit den neuen ARM-Prozessoren? Welche Tools laufen im Native-Modus mit entsprechendem Geschwindigkeitsgewinn? Wir haben die wichtigsten DAWs, Interfaces und Plugins auf ihre M1-Native-Kompatibilität untersucht. Doch vorab noch etwas Hintergrundwissen!

Apple M1 Review

Dass Apple in der Musikproduktion allein wegen Core-Audio, den geringeren und damit weniger Fehler-anfälligen Hardware-Kombinationen sowie der schickeren GUI nicht wegzudenken ist, steht außer Zweifel. Doch wenn Apple die CPU-Plattform wieder auf den Kopf stellt, muss auch der größte Fanboy genauer hinschauen!

Der Umstieg zu M1-CPUs ist vergleichbar mit dem letzten großen Wechsel aus dem Jahre 2006 – von der PowerPC-Architektur zu den nun wieder „alten“ Intel-Prozessoren. Bereits damals mussten Programme und Treiber angepasst und neu programmiert werden. Zwar bot Apple schon da mit Rosetta 1 ein Tool an, mit dem die meisten Programme und Plugins „übersetzt“ werden konnten, besonders lange erlaubte Apple den „Pfusch“ aber auch nicht. 

Fakt ist: Von den krassen M1 Performance-Vorteilen, die beworben werden, bleibt nicht nicht viel über, wenn im Hintergrund eine Übersetzung laufen muss, weil alte CPU-Befehlssätze nicht mehr genutzt werden können – und die neuen noch nicht vom alten Code angesprochen werden. Das mag für kleine Tools nicht weiter ins Gewicht fallen, im Audio und Video-Sektor wo Echtzeit-Performance gefragt ist, ist es allerdings ein No-Go. 

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Zumal Misch-Betrieb in den wenigsten DAWs richtig zuverlässig funktioniert. Wenn ihr also die M1-native Variante euer DAW nutzen wollt, dann sollten besser auch alle Plugins nativ sein – alte und neue Plugins kombinieren ist nicht die beste Idee.

Eine kleine Ausnahme stellt Bitwig dar, da es die verschiedenen Plugins in einer Sandbox laufen lässt. Überhaupt ist Bitwig zu loben, da sich diese Berliner mit als erster DAW-Hersteller überhaupt, um die neuen Architektur-Anpassungen effektiv bemüht haben.

Es liegt es nun an den anderen Herstellern, die neuen Möglichkeiten sowohl effektiv zu nutzen als auch alte Produkte entsprechend zu aktualisieren. Ferner sollte eine Übersetzung nicht nur Notwendiges fixen sondern gleich eine optimale Neuausrichtung zum Ziel haben – ohne Crash und/oder nervige CPU-Spikes, die allzu oft ein Indiz für halbherzige Portierungen waren.

Dass sich das auch nicht bei allen Produkten lohnt liegt auf der Hand und mit einem möglichen Upgrade zur neusten Version ist das sicherlich auch verschmerzbar – wenn es denn kommt. Denn, wer nicht mitzieht, landet früher oder später im digitale Nirvana der Bedeutungslosigkeit.

Inhalte

  1. Apple Silicon M1: Was ist neu?
  2. Gut oder richtig gut: Rosetta 2 vs. M1-Native
  3. AU Backe – “Intel-VST” im Nachteil ?
  4. Welche DAW ist Apple M1 kompatibel oder nativ?
  5. Software Instrumente: Welche Plugins laufen über M1 Native?
  6. Audio-Effekte und Mixing Tools: Welche Plugins sind M1 kompatibel oder nativ?
  7. Paid Upgrade – Nur die nächste Generation wird Apple Silicon Native
  8. Audio-Interfaces und Hardware: Welche Treiber sind M1 kompatibel oder nativ?
  9. Class compliant – oder Class Complaining?
  10. MIDI Controller, andere Hardware – MPC & Maschine sind nicht soweit
  11. Fazit
Hello and Goodbye: Der erste iMac mit Intel-CPU erschien 2006 (Quelle: apple-history.com)

Apple Silicon M1: Was ist neu?

Die CPUs der Apple-Silicon-Familie (M1, M1 Pro, M1 Max, M1 Ultra und M2) gehören zu der Gattung der System-on-a-Chip-Prozessoren (SoC). Diese vereinen in ihrer Architektur neben der CPU zusätzliche Komponenten wie Controller, Arbeitsspeicher, Grafikchips und mehr. Das bringt große Geschwindigkeitsvorteile, denn stark vereinfacht gesagt sind die Wege kürzer.

Nicht nur Apple nutzt die sogenannte ARM-Architektur, sondern auch andere Herstelle. ARM wiederum ist ein britisches Unternehmen, das selbst keine CPUs herstellt, sondern nur Lizenzen für die von ihnen entwickelte Layouts verkauft. 

Welche DAW, Audio-Interface & Plugins sind Apple M1 kompatibel oder nativ?
Logo des M1, Quelle: Apple

Das Besondere aller „ARMs“ und damit auch der M1/M2-Prozessoren ist nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern vor allem ihre Energieeffizienz. Dass bei Prozessoren für die mobile Nutzung Energieeffizienz wichtig ist, leuchtet ein. Aber auch bei Performance-Desktop-Maschinen ist das nicht ganz unerheblich, da deren Kühlung mittlerweile auch ein Problem wird.

Somit ist bei der M1/M2-Familie Energieverbrauch und Hitzeentwicklung bei Volllast weitaus geringer als bei der Konkurrenz und die Geräte auch deutlich kleiner. Ferner gehen die Lüfter in Macs mit Apple Silicon nicht so oft bzw. schnell – sehr wichtig für störungsfreies Arbeiten im Studio.

In der kleinsten M1-CPU sind acht Prozessorkerne, vier High-Performance-Kerne und vier Energiesparkerne. Letztere verbrauchen nur ein Zehntel der Energie im Vergleich zu den High-Performance-Kernen.

Prozessor Apple M1
Der Apple M1 in Großaufnahme. Über 16 Milliarden Transistoren sind auf dem Chip. Quelle: Apple.

Die Betriebssysteme Big Sur und Monterey sind grundsätzlich darauf optimiert, jeweils die Kerne zu nutzen, deren Leistung für die gerade laufende Anwendung ausreicht. Aber auch die Programmierer einer DAW müssen darauf entsprechend Rücksicht nehmen und ihre Engines entsprechend anpassen.

Bei den größeren Versionen M1 Pro, M1 Max und M1 Ultra gibt es entsprechend noch mehr Kerne und damit noch mehr Leistung. Auf dem Chips ist außerdem eine je nach Version variierende Anzahl an GPU-Kernen für die Grafik. Seit kurzem ist die zweite Generation, M2, dazugekommen. Von dieser gibt es bisher nur die Basisversion, die zwei GPU-Kerne mehr als die erste Generation mitbringt und wieder acht CPU-Kerne besitzt. Grundsätzlich sind GPUs, und damit auch die Anzahl der GPU-Cores, für die Musikproduktion aber unerheblich.

Wichtig ist aber immer der Arbeitsspeicher (zwischen sechzehn und 128 Gigabyte) und dieser ist nun ebenfalls fest verlötet – später upgraden ist also nicht möglich! CPU und Grafik teilen sich den RAM, Apple nennt diese Technologie Unified Memory. Zudem ist eine sogenannte Neural Engine für KI-gestützte Prozesse an Bord. Ferner sind die Controller für den SSD-Speicher, die Thunderbolt-Anschlüsse und die PCIe-4-Archtiktur direkt auf dem Chip.

Gut oder richtig gut: Rosetta 2 vs. M1-Native

Fragt man sich: Ist meine DAW oder mein Audio-Interface kompatibel mit M1, ist die Antwort fast immer „ja!“. Kompatibel heißt in diesem Fall, dass Programm, Plugin oder Treiber auf einem entsprechenden System laufen. Zumindest die neueste Versionen fast jeder aktuellen DAW läuft im Rosetta-2-Modus ohne Probleme.

ABER: Beim Einsatz von Software auf Apple-Silicon-Systemen unterscheidet man grundsätzlich zwischen „Intel-Emulation“ mit Rosetta 2 und dem Native-Mode. Rosetta 2 ist dabei ein von Apple zur Verfügung gestelltes Framework, um “alte” und für Intel-Systeme kompilierte Mac-Software in den neuen Betriebssystemen Big Sur und Monterey und mit den neuen CPUs dennoch lauffähig zu machen.

Die Nutzung dieses Framework bedeutet aber leider auch dass man kaum bis gar nicht in den Genuss von Apples versprochenem Geschwindigkeitszuwachs kommt. Der Mac hat durch die zusätzliche Umwandlung salopp gesagt auch mehr zu tun – und Fehler-anfällig wird das Ganze natürlich auch.

Fünf Infoboxen in MacOS.
Aktiviert man den Rosetta-Modus, kann die DAW auch ältere VSTs laden.

EBENFALLS WICHTIG: Nicht-native DAWs laufen auf der neuen M1-Plattform grundsätzlich im Rosetta-2-Modus und können die meisten Plugins, auch wenn sie älter sind, so weiterhin nutzen. Ist eine DAW allerdings auf M1 Native umgestellt, müssen auch die Plugins nun M1-fähig sein. Plugins, die kein Update auf den „Native“-Modus bekommen haben, werden in der M-1 DAW nicht mehr angezeigt.

Um geliebte „Vintage-Plugins“ weiter nutzen zu können – für den Fall, dass der Hersteller kein entsprechendes Update liefert – gibt es Workarounds, der Königsweg ist das aber nicht: So kann man bei einigen DAWs, die im Native-Modus laufen, auch den alten Rosetta-2-Modus erzwingen. Allerdings nur bei denen, die als sogenannte Universal-App (Universal Binary 2) geliefert werden.

Dazu muss man das Symbol der DAW im Programme-Ordner mit rechts anklicken, „Informationen“ wählen und dann im Info-Fenster den Haken bei „Mit Rosetta öffnen“ setzen . Nun werden viele der älteren VST-Plugins, die noch nicht im Native-Modus laufen, wieder geladen. Aber: Rosetta 2 kostet in diesen Fall ordentlich Leistung, die eure DAW nicht mehr für kreative Aufgab en über habt. Eine Session die auf meinem M1 nativ ungefähr 5% Leistung benötigt, braucht mit Rosetta schnell mal um die 30%!

Ob eure DAW überhaupt als Universal-App vorhanden ist, seht ihr ebenfalls im „Information“-Fenster. Dort sollte hinter dem Programm-Name oben „(Universal)“ stehen. Bei der ersten Ausführung einer Software im Rosetta-Modus wird euch MacOS ohnehin zunächst erstmal fragen, ob Rosetta 2 installiert werden soll. Das muss bei späteren Programmstarts nicht mehr gemacht werden. 

AU Backe – “Intel-VST” im Nachteil ?

Apple hat bei der Implementierung von Rosetta 2 in einem Punkt zumindest ein bisschen an Musikproduzierende gedacht: Das bedeutet, dass unter anderem die AU-fähigen DAWs Logic, Ableton Live, Studio One, Reaper, FL Studio, Digital Performer und Tracktion Waveform im Native-Modus laufen und trotzdem alte AU-Plugins laden können sollten. 

Datei-Browser von Ableton Live
Paradebeispiel Native Instruments: Durch den AU-Wrapper sind in Ableton 11.1 alle NI-Plugins nutzbar. Bei VST weiter nur Kontakt.

Die Betonung liegt auf sollten: Falls ein Plugin mal nicht angezeigt wird oder es Probleme beim Laden gibt, probiert die DAW zunächst im Rosetta-Modus zu starten und alle Plugins nochmal scannen zu lassen. Zurück im Native-Modus sollten ältere Plugins angezeigt werden – wenn nicht: Pech gehabt!

Hat man nur VST2 bzw. VST3 auf seinem System installiert, nutzt man also beispielsweise Bitwig oder Cubase, sieht es noch schlechter aus. In DAWs wie Ableton 11.1, die VST und AU Formate unterstützen, wird einem auffallen, dass im VST-Bereich und im Native-Modus nun sehr viele Plugins fehlen. Bitwig wiederum hat einen mächtigen „Plugin-Wrapper“ eingebaut, der Intel-kompatible und M1-fähige VST2/3-Plugins gemeinsam laden kann. Das funktioniert grundsätzlich, wie stabil und performant das Ganze allerdings ist, steht auf einem anderen Blatt.

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