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Ableton Live 11 Lite Test

Lite 11 ist die kleinste Version der nonlinearen DAW und hat nun versionstechnisch zu den im April erschienen Intro-, Standard- und Suite-Ausgaben von Live 11 aufgeschlossen. Was drin ist in der Mini-Version und was damit alles möglich ist, haben wir getestet.

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Für alle, die eine frühere Version von Lite nutzen, gleich zu Beginn die gute Nachricht: Das Upgrade zu Live Lite 11 ist kostenlos! Für sie und für alle Neulinge ist die Lite-Version von Ableton Live die Möglichkeit in die beliebte DAW reinzuschnuppern. Wer unerfahren im Produzieren am Rechner ist, bekommt mit der kleinen Lite-Version die Gelegenheit, die DAW auszuprobieren, ohne gleich die Urlaubskasse plündern zu müssen. Auch für alle, die mit dem Gedanken spielen auf die DAW umzusteigen, bietet sich die Lite-Version an, erst einmal den Workflow zu testen. 

Die wichtigsten Neuerungen in den großen Versionen waren MPE, Comping (bequemes Zusammenschneiden mehrerer Aufnahmedurchläufe), neue Clip-Optionen und einige neue Devices. Je weiter runter man in der Hierarchie der vier Versionen geht (Suite > Standard > Intro > Lite), desto weniger bekommen User davon ab. Einiges ist aber auch in Lite gelandet.

Details

Nachdem der 2,5 Gigabyte große Download erfolgt und installiert ist, begrüßt euch Ableton Live Lite 11 nach dem Start mit einer Autorisierungsaufforderung. Folgt ihr dieser, wird noch einmal euer Browser und darin euer Account auf Ableton.com geöffnet. Mit dem Link wird dann die DAW freigeschaltet. Das ist wichtig, da ihr sonst weder speichern noch exportieren könnt. Neben dem Programm wird noch gut 1 Gigabyte an Sounds aus der Core-Library von Ableton installiert. 

Diese Sounds reagieren auf MPE-Modulation.

Wer Ableton kennt, wird kaum eine Veränderung in der ersten Ansicht von Live Lite 11 bemerken. Die Veränderung steckt im Detail. Die volle MPE-Funktionalität der großen Versionen ist nun zum Beispiel auch in Live Lite 11 dabei. Außerdem 25 auf MPE-Signale angepasste Presets. Die Vielfalt an zusätzlichen Spielarten, die Controller wie das Sensel Morph oder Roli Seaboard mit den entsprechenden Software-Instrumenten und Presets erlauben, geht weit über das „On/Off“-Gefühl bei MIDI-Noten hinaus. 

MPE und neue Scale-Funktion in Clips

Wer unseren MPE-Workshop verfolgt hat, weiß, dass es für Experimente im Modulationswunderland von MPE allerdings nicht zwingend einen entsprechenden Controller braucht. Auch in Live Lite 11 gibt es in MIDI-Clips die neue Expressions-Ansicht. Dort können bei jeder MIDI-Note eigene Modulationskurven für Pitchbend, Slide (Timbre bei manchen Controllern) und Pressure bei Stiftwerkzeug oder Maus eingezeichnet werden. 

Fotostrecke: 2 Bilder MPE Magie: Individuelles Pitchbend pro Note sowie individuelle Modulationssignale
Fotostrecke

Auch die Scale-Anzeige in der Piano-Roll ist in der Mini-Version von Ableton gelandet. In jedem MIDI-Clip kann in der Clip-Ansicht links der „Scale“-Button aktivert und eine Tonart eingestellt werden. Nun sind die leitereigenen Noten in der Piano-Roll entsprechend eingefärbt. Das Setzen und Korrigieren von MIDI-Noten ist damit für alle, denen das Anwenden von Harmonielehre schwerfällt, um einiges einfacher. 

Tempo Follower und Follow Actions

In Ableton Live Lite ist auch der Tempo Follower dabei. Mit dieser Funktion ist das Tempo von Ableton nicht mehr starr und vielleicht automatisiert. Es folgt vielmehr dem Audiosignal, dessen Routing man vorher in den Optionen entsprechend konfiguriert hat. Die Drums können nun frei und fließend Tempowechsel einleiten, Ableton wird diesem folgen. Das macht die DAW um einiges live-tauglicher. Auch sind nun 16 Szenen (also Zeilen) in der Session View möglich, was auch wieder mehr Sounds und größere Live-Tauglichkeit bedeutet. 

Fotostrecke: 2 Bilder In den Einstellungen kann noch bestimmt werden, welchem Mikrofon-Eingang der Tempo Follower zuhört.
Fotostrecke

Auch die neuen Erweiterungen der „Follow Actions“ haben es bis in die Lite Version geschafft. „Jump“ erlaubt das Springen nicht nur zum nächsten oder einem zufälligen Clip, sondern einem genau definierten. So kann man beispielsweise kurz in die Melodievariation in Zeile 7 springen, dann wieder zurück. Und Szenen, also ganze Zeilen in der Session View, können nun auch per Follow Action gewechselt werden. 

Racks: Mehr Makros und Variationen

Bei den Racks ist auch einiges neu. Insgesamt bis zu sechzehn Makros (statt acht) können nun in jedem Rack (Instrument, Effect und MIDI) genutzt werden. „Bis zu“ bedeutet in diesem Fall, das auf Wunsch auch alle ungenutzten Makros ausgeblendet werden können. Makros werden in Abletons Racks mit Funktionen der in Racks abgelegten Devices und Plugins verbunden, entweder nur mit einzelnen oder gleich mit mehreren gleichzeitig (beispielsweise die Dry/Wet-Regler mehrerer Effekte hintereinander). 

Sechzehn Makros: Zwischen ihren zwei verschiedenen Einstellungen links bei den Variationen kann mit einem Klick gewechselt werden

Auch neu bei Racks: Makrovariationen. Das sind quasi Rack-Presets. Stellt man die Makros auf eine gewünschte Position (mit besonders wenig Effekten beispielsweise) und speichert diese Variation ab, kann man danach eine zweite Einstellung ebenfalls abspeichern. So kann live wie im Studio schnell zwischen voreingestellten Variationen umgeschaltet werden. 

Kleine Neuheiten und große Einschränkungen

Abgerundet wird Live Lite 11 mit einer Vielzahl kleinerer Neuerungen. Aus den großen Versionen sind nun Limiter und Saturator dabei. Dazu kommen neu „Phaser-Flanger“ und „Chorus-Ensemble, die besagte Effekte in einem kombinieren, „Expression Control“, mit dem MIDI- und MPE-Signale für Modulationszwecke „Redux“, der Bitcrusher von Ableton wurde leicht verbessert (Dry/Wet-Regler). Weiter ist nun der Groove-Pool dabei. Mit ihm können verschiedene Swing-Pattern auf starre MIDI-Noten gelegt werden.

Groove-Pool und die fünf neuen Devices in Live Lite 11

Als kleinste Version von Ableton Live fehlt der Lite-Version vieles, manches ist in sehr abgespeckter Form dabei. So sind weiterhin nur maximal acht Spuren erlaubt. Die Anzahl der Szenen (also Zeilen) in der Session View hat man von acht auf sechzehn verdoppelt. Ableton-Super-User werden da vielleicht die Nase rümpfen, aber für sehr viele, die reinschnuppern, Ableton vielleicht im Bandkontext ausprobieren oder einfach ab und zu Musik machen wollen, sind diese Möglichkeiten mehr als angemessen.

Kein Comping und viel Freeware

Natürlich fehlen fast alle Instrumente und auchviele Effekte der großen Versionen sind nicht mit dabei. Aber bei der Anzahl und Qualität heutiger Freeware-Plugins ist das an ganz vielen Punkten einfach zu kompensieren. Was die Menge an fertigen Sounds und Drumkits betrifft, ist die Lite-Version mit gut 1 GB sogar noch einmal schmaler als das kleine Ableton Live Intro (5 GB Sounds). Aber auch hier gilt: Samples gibt es in unzähligen Newslettern von Sample-Firmen für schmale Taler, kleine Aufnahmen können mit jedem Smartphone gemacht werden. 

Comping ist in der Lite-Version nicht dabei.

Einer der größten Wermutstropfen ist das Fehlen der neuen Comping-Funktion. War es doch bei allen drei anderen Versionen DAS neue Feature. Mehrere Aufnahmedurchläufe (Takes) zu einem perfekten zusammenzuschneiden ist eine der gängigsten Praktiken in heutigen Produktionen. Den einen perfekten Take von Anfang bis Ende schaffen Ausnahmetalente wie David Bowie. Normalsterbliche wiederholen jede Stelle einige Male und schneiden dann den perfekten Comp zusammen. Man könnte das Fehlen der Comping-Funktion als kreative Herausforderung sehen, ganz nachvollziehbar ist es nicht. 

Fazit

In Ableton Live Lite 11 steckt viel drin. Gerade wer die Lite bei einem MIDI-Controller bekommen haben, wird in der abgespeckten DAW einen perfekten Einstieg ins Produzieren finden. Gegenüber den größeren Versionen ist vor allem die stark begrenzte Anzahl an Spuren und das Fehlen von Comping ein Manko. Mini-Versionen von DAWs genauso abzuspecken wie es Ableton bei Lite tut, ist Standard in der Branche. Steinberg und Bitwig machen es ähnlich. Bei Ableton Live Lite 11 gibt es aber viele Sounds und tolle Möglichkeiten zum Sounddesign, dass man kaum mehr verlangen kann.

Pro

  • (kostenlose) Einsteigerversion in Ableton Live
  • Simpler-Instrument für kreatives Sampeln
  • MPE-fähig mit 25 fertigen Presets zum direkten Anwenden
  • Neue Follow Action-Features und Tempo Follow (mehr Möglichkeiten auf der Bühne)
  • Scale-Setting in Clips: Tonart-Hilfe
  • Mehr Makros: bis zu 16

Contra

  • Kein Comping
  • Spurenmaximum von 8

Features

  • DAW für Windows und Mac
  • 8 Audio- und MIDI-Spuren
  • 16 Szenen
  • 2 Send- und Return-Spuren
  • 8 Mono-Audio-Eingänge und Mono-Audio-Ausgänge
  • 4 Software-Instrumente: Simpler, Drum Rack, Impulse und Instrument Rack
  • 16 Audio-Effekte
  • 11 MIDI-Effekte
  • 40 Instrument-Presets
  • 226 Audio-Effekt-Presets
  • 94 MIDI-Effekt-Presets
  • 101 Drum-MIDI-Clips
  • 242 Tonale MIDI-Clips
  • 274 Instrument-Racks, darunter 25 MPE-Presets
  • 78 Drum-Racks
  • 134 Audio-Effect-Racks
  • 18 MIDI-Effect-Racks
  • Session View für das Sammeln von Ideen
  • Enge Anbindung an Ableton Controller Push
  • Datei-Export: Wav und MP3
  • Datei-Import: WAV, MP3, AIFF, und Ogg Vorbis

Preis

  • kostenlos (Nur in Bundles mit MIDI-Controllern, Hardware-Synthesizern oder anderer Software erhältlich)
  • Upgrade zu Ableton Live 11 Standard: EUR 299,­–
  • Upgrade zu Ableton Live 11 Standard: EUR 529,–
Unser Fazit:
Sternbewertung 4,0 / 5
Pro
  • bietet den klassischen Ableton-Live-Workflow
  • Drittanbieter-Plugins werden erkannt
  • reichlich beatbasierter Content
Contra
  • Kein Contra
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von Tobias Homburger

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