Hersteller_Korg HYBR_Synth
Test
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23.03.2018

Praxis

Klang

Wow! So etwas habe ich selten erlebt: Ich schalte den Prologue ein, haue in die Tasten und bin auf Anhieb fasziniert. Bereits das erstbeste Preset - ein Pad mit sich öffnendem Filter und Reverb - haut mich sofort von den Socken. Was für ein großer Sound! Fangen wir aber erst einmal von vorne an.

Analog drückt. Der Grund-Klang des Prologue unterstreicht, dass Korg dieses Prinzip verstanden hat. Dreieck und Sawtooth bilden bereits clean ein rundes Bass-Fundament, welches am besten im Mono/Unisono-Voice Mode zum Vorschein kommt. Das Filter ist zwar nicht sonderlich wandlungsfähig, dafür allerdings in seinem Sound sehr bestimmt, crispy, und durch die 12dB-Absenkung angenehm smooth im Lautstärke-Verlauf. Es ist außerdem wie auch das interne Delay fähig zur Selbstoszillation. Ab und an wünsche ich mir, das Filter noch ein wenig mehr aufreißen zu können, da es mir dann doch hier und da ein wenig zu brav klingt. Aber es gibt andere Parameter, die dem Prologue seinen Dreck verleihen. Spielt man neben dem Filter mit Drive und Kompression, fängt der Synth ordentlich an zu knurren. Das macht dann wirklich Spaß und ist bei den meisten anderen Synthesizern erst durch das Hinzunehmen externer Effektgeräte (Distortion, Kompressor ...) möglich. Vor allem der Kompressor/Booster gibt Bass-Sounds nochmal einen ordentlichen Schub in den tiefen Frequenzen.

Lässt man die beiden Oszillatoren nun miteinander interagieren, entstehen teils wilde, aggressive Gebilde, die so manchen Wolf zurück in den Wald schicken sollten. Durch die Multi-Engine sind blitzschnell metallische FM-Sounds am Start, die sich dann wiederum mit den VCO‘s mischen lassen.

Eine derartige Abgefahrenheit ist natürlich auch für polyphone Klänge interessant.

Jedoch kann der Prologue auch sanft und warm. Durch die vielen unterschiedlichen Modulations-Möglichkeiten gelingen weiche Pads mit Retro-Touch im Handumdrehen. Mit einem der vielen Reverbs verleiht man den Sounds dann noch zusätzlich Breite, Tiefe und je nach Wunsch auch eine gewisse Mysteriösität. Mit einem Expression-Pedal kann das Filter auch vom Fuß gesteuert werden, was eine intuitive Dynamik-Kontrolle ermöglicht. Leider wurde durch den Verzicht auf eine Aftertouch-Funktion eine wichtige und zeitgemäße Controller-Möglichkeit links liegen gelassen. 

Möchte man seinem Lead-Sound eine ähnliche Tiefe verleihen, muss man sich bei den Effekten zwischen Delay und Reverb entscheiden. Beides gleichzeitig geht nicht. Das ist aber Meckern auf hohem Niveau, da den meisten Synthesizern nicht mal einer der beiden Effekte innewohnt. Die Auswahl der verschiedenen Reverbs ist beeindruckend und sehr geschmackvoll. Das Delay lässt sich problemlos in die Selbst-Oszillation fahren und ermöglicht dadurch ambiente Noise-Flächen. Mit Shortcuts wie dem Portamento oder dem voreingestellten Vibrato-LFO auf dem Mod Wheel, kann dem Lead zusätzliches Leben eingehaucht werden. 

Ich aktiviere den Arpeggiator und suche vergeblich einen Time Divider, um beispielsweise zwischen Achtel- und 16tel-Ebenen zu wechseln. Dennoch arbeitet der Arpeggiator solide und durch die Latch-Funktion erhalten die Hände reichlich Freiheit zum Schrauben. 

Die Hüllkurven des Prologue sind jetzt zackig unterwegs, was auch Drum-Sounds ermöglicht. Das unterstreicht einmal mehr die Allrounder-Qualitäten des Prologue. Mit dem Noise Generator aus der Multi Engine sind Snares, Hi-Hats und Noise-Fahnen schnell gebaut.

Die Multi-Trimbalität des Prologue gibt seiner ohnehin schon bemerkenswerten Klang-Flexibilität einen weiteren Schub. Kaputte, aggressive Bass-Sounds können mit kernigen, dumpfen Sub-Bässen angefüttert werden, die ihnen dann Definition und Druck verleihen. Sehr praktisch ist hier der Balance-Regler, um das beste Verhältnis der beiden Timbres zu finden. Hört selbst:

Die Split-Option erübrigt die Ansammlung mehrerer Synths auf der Live-Bühne: Mit dem Prologue kommt das alles unkompliziert in einem Gerät. Leider sind die Effekte global auf beide Ebenen verteilt, der Pad-Reverb wirkt also auch auf den Bass-Sound.

Kaum zu glauben: Für die aufgenommenen Hörbeispiele kamen keinerlei externe Effekte zum Einsatz. Jeglicher Hall/Delay und auch Kompression wird im Gerät selbst erzeugt. Die unheimliche Wucht des Prologue-Sounds in jeglichen Einsatzgebieten (Pad, Bass, Lead…) ist sehr beeindruckend. Seine Eigenständigkeit wird durch die fabelhaften On-Board-Effekte sinnvoll unterstützt.

Bedienung

Durch die Wahl eines großzügigen Gehäuses und der voll-formatigen Tastatur gewinnt der Korg Prologue in seiner Bedienbarkeit eindeutig gegenüber den zuletzt dominierenden Miniatur-Synths wie beispielsweise Korg‘s Minilogue, der Roland SE-02 oder auch Behringer‘s Model D. Große Potis, ausreichende Abstände und eine solide Verarbeitung machen die Arbeit mit dem Prologue extrem angenehm. Um die Programmierbarkeit und Midi-Kompatibilität des Synths zu bewahren, speichert der Prologue die Poti-Werte dort ab, wo die jeweiligen Regler zuletzt standen. Dadurch kann es passieren, dass man in einem neuen Patch zunächst den alten Poti-Wert erst suchen muss, bevor man den Parameter hörbar bearbeiten kann. Das ist anfangs leicht verwirrend, jedoch gewöhnt man sich schnell an den Workflow. Durch die intelligente Struktur und die vielen Regler können zahlreiche Parameter intuitiv bearbeitet werden, ohne dass man über Hintertürchen in Sub-Menüs nach dem gewünschten Effekt suchen muss. Der Prologue zeigt, wie gewinnbringend es für die Bedienbarkeit und den Workflow sein kann, wenn man bei der Entwicklung eines Synthesizers den Aspekt der Größe zunächst außen vorlässt.

Korg Prologue Sound Demo (No Talking)

Korg Prologue Tutorial Video

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