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21.10.2019

Keyboard spielen in der Band, was muss ich können?

Erste Hilfe für eine erfolgreiche Bandprobe als Keyboarder

Bescheid wissen, was man für die erste Bandprobe als Keyboarder können sollte

Die erste Bandprobe ist für jeden Musiker ein besonderes Erlebnis, stellt doch jeder sein Können dem Anderen zur Schau. Im Ensemble mit Schlagzeug, Bass und Gitarre schlüpft man heutzutage gerade als Keyboarder in die Rolle eines Universalgenies, das eine Reihe von Dingen beherrschen muss, um das gemeinsame Ziel, das Miteinander in der Gruppe zu spielen, zu einem Erfolg werden zu lassen. Keyboards sind heutzutage wahre Multitalente, was klangliche Flexibilität angeht, aber nichts klingt perfekt, wenn es nicht richtig beherrscht wird. Und das fängt bereits beim Spielen an.

Aber was sollte ein Keyboarder an Wissen und Können für die erste geneinsame Probe in der Band mitbringen? Wie viel der Musiktheorie muss er beherrschen? Woher erhält man Noten oder Ideen für verschiedene Sounds?

All das, und vieles mehr, klären wir nun im folgenden Leitfaden.

Sicherheit im Umgang mit verschiedenen Tonarten

Wenn man alleine am Klavier sitzt und für sich spielt, oder ein Stück komponiert, kann man dafür immer seine Lieblingstonart wählen. Und wenn man ein Stück nach Noten lernt, lassen sich bestimmte Tonarten ja leicht vermeiden. Spielt man dagegen in einer Band, ist das in der Regel nicht mehr möglich. An der Gitarre zum Beispiel bringt eine Transposition in eine andere Tonart meistens sehr viele Barré-Griffe mit sich. Viele Gitarristen haben damit große Probleme, oder können solche Griffe erst gar nicht spielen. Oder vielleicht kann der Sänger der Band den Coversong nicht in der originalen Tonart singen, weil sein Stimmumfang dafür einfach nicht ausreicht. Da bleibt dem Keyboarder oft einfach nichts Anderes übrig, als nachzugeben.

 

Was bedeutet Barré?

Barré (auch: Barree) oder Quergriff ist eine Spieltechnik auf der Gitarre, oder anderen Saiteninstrumenten, bei der mit einem Finger mehrere oder alle Saiten gleichzeitig gedrückt werden.

Es kann also nicht schaden, wenn du übst, verschiedene Stücke oder kurze Ideen auch in anderen Tonarten zu spielen. Zumindest sollte dir der Quintenzirkel nicht ganz fremd sein und du solltest auch alle Tonleitern konstruieren und spielen können, denn so kannst du herausfinden, welche Töne in einer Tonart überhaupt möglich sind. Und du solltest wissen, wie man schnell jeden Akkord aufbaut und ihn spielt. Das wird dir in jeder Bandprobe das Leben retten. Ich konnte das in meiner ersten Probe damals nicht und musste mir deshalb vom Bassisten die Töne eines H-Moll-Akkords nennen lassen, weil ich ihn nicht selbst konstruieren konnte. 

Akkordisches Spiel

Akkorde sind am Klavier extrem wichtig. Auch für den Keyboarder in einer Band, denn meistens spielt man einen Akkord, entweder als Arpeggio mit einem Piano-Sound, simultan mit einem Pad-Sound, oder nur in der linken Hand, während die rechte Hand eine Melodie dazu spielt.

Somit ist es nicht nur wichtig, dass du die einzelnen Akkorde konstruieren kannst. Es ist ebenfalls wichtig, dass du weißt, welche Akkorde in einer Tonart vorkommen können, welche man nacheinander spielen kann, und wo du sie auf der Tastatur findest. Das nennt man auch akkordisches Spiel und am schnellsten lernst du das über Kadenzen oder andere Akkordverbindungen, wie man sie in ganz vielen Songs findet.    

Rhythmische Sicherheit

Auch die rhythmische Sicherheit ist in einem Ensemble sehr wichtig. Spielt man alleine Klavier, kann man natürlich problemlos das Tempo variieren, ohne, dass es gleich auffällt. Hat man bei einem Stück zum Beispiel eine schwere Stelle, verlangsamt man das Tempo einfach, und nimmt nach der Stelle wieder an Fahrt auf. Geschickt gemacht fällt das meistens gar nicht auf. In einer Band ist das natürlich völlig anders. Verlangsamt nur einer der Musiker das Tempo, passt plötzlich nichts mehr zusammen. Aber nicht nur der Rhythmus. Bei einem Taktwechsel kann es dann auch dazu kommen, dass der Gitarrist bereits im nächsten Takt ist und schon den neuen Akkord spielt, der Keyboarder ist aber noch bei der letzten Harmonie. Eine solch extreme Verschiebung hört dann wirklich jeder.

Rhythmische Stabilität ist deshalb bei jedem Musiker der Band sehr wichtig, damit alle Musiker zusammen gut klingen. Zum einen ist es natürlich wichtig, dass du Rhythmus gut lesen und entschlüsseln kannst, falls ihr in eurer Band nach Noten spielt. Zum anderen solltest du daran arbeiten, ein Metrum gut halten zu können, also immer bei einem bestimmten Tempo zu bleiben, egal, was du gerade spielst. Dafür kannst du einfach ein Metronom zur Hand nehmen und deinen Keyboard-Part zum immer gleichbleibenden Klick des Metronoms spielen. Schau dabei auch mal aus dem Fenster und denke an etwas völlig Anderes. Wenn dir das gelingt, ohne, schneller oder langsamer zu werden, kannst du das Tempo dann auch in den Bandproben problemlos und gleichmäßig halten.

Klangauswahl / Eigene Sounds kreieren

Wenn es um die Soundvielfalt geht, die du als Keyboarder in dein Bandprojekt mitbringen möchtest, sind vor allem das Genre oder die Art der Musik wichtig, die ihr machen wollt. In einer Funk-Band oder einem Jazz-Trio kommst du mit nur wenigen, möglichst organisch klingenden Piano-, E-Piano- und Orgel-Sounds aus, denn bei solcher Musik geht es eher darum, was und wie gut du es spielst. Handelt es sich bei deiner Band aber um eine Coverband, wirst du sicher auch auf Pad- und Synth-Sounds zurückgreifen, man denke zum Beispiel nur an „The Final Countdown“ von Europe oder „Jump“ von Van Halen, zwei Klassiker, um die eigentlich keine Coverband herum kommt.

Europe - The Final Countdown (Official Video)

Van Halen - Jump

Wollt ihr allerdings Synth-Pop im Stil von Chvrches machen, brauchst du schon einen leistungsfähigen Synthesizer, oder eine ausgewachsene Workstation. Damit kannst du dann auch leicht eigene Sounds kreieren. Das ist dann besonders wichtig, wenn ihr auch eigene Songs schreiben wollt. Was ein Keyboarder außer dem passenden Instrument sonst noch benötigt, findest du hier.

Woher weiß man, was man spielen soll?

Wer noch nicht so lange Klavier oder Keyboard spielt, wird sich wahrscheinlich auch fragen, was genau er in einer Bandprobe eigentlich spielen soll? Am Klavier ist man es natürlich gewöhnt, nach Noten zu spielen. Was also tun, wenn die erste Probe ansteht?

Heutzutage gibt es unglaublich viel Notenmaterial für jedes Instrument im Internet. Zum einen gibt es sie kostenlos, andere muss man kaufen. Selbst für Ensembles und Bands findet man dort arrangierte Stücke, die man einfach so nachspielen kann. So hat sich z. B. jemand die Mühe gemacht, die komplexe Musik der Progressive Rockband Dream Theater aufzuschreiben.

Außerdem gibt es auch viele MIDI-Files im Internet, die man in einer Musiksoftware öffnen kann und di dort auch als Noten angezeigt werden. Eine solche Software bietet oft auch Möglichkeit Audio- in MIDI-Dateien zu wandeln. Auf diese Weise lassen sich eigene MIDI-Dateien erstellen, die man sich dann in notierter Form anzeigen lassen kann. Außerdem bietet gerade YouTube unzählige Tutorials zu jeglicher Art von Musik, bei denen genau gezeigt wird, welche Tasten und Töne gespielt werden müssen.

The Dance Of Eternity - Dream Theater | Sibelius Transcription

Bohemian Rhapsody - Queen - Klavier lernen - einfach

Wenn aber das alles nichts hilft und du einfach keine Noten vom Keyboard-Part eines bestimmten Songs oder Stückes finden kannst, bleibt dir immer noch, die entsprechenden Noten aus der Aufnahme „heraus“ zu hören. Das ist eine weit verbreitete Technik unter Musikern, die man anfangs allerdings trainieren muss. Mit etwas Übung aber wirst du damit zu guten Ergebnissen kommen. Zusätzlich schulst du dabei dein musikalisches Gehör. Irgendwann kannst du dann sogar etwas nachspielen, auch wenn du es nur einmal gehört hast.

Wenn es nur um eine Begleitung geht und du gar keine konkrete Melodie, sondern nur die Akkorde und Harmonien benötigst, kannst du dir auch ein Leadsheet schreiben. Dabei werden nur die Melodie und die dazugehörigen Harmonien notiert. Diese Form der Notation wird besonders im Jazz genutzt, da der Rest von den Bandmusikern improvisiert wird. 

Richtige Lautstärke finden

Die richtige Lautstärke in einer Bandprobe zu finden ist fast für jeden Anfänger ein Problem. Anfangs spielen die meisten zu laut. Manchmal liegt das auch am Schlagzeuger. Spielt der selbst nämlich sehr laut, müssen natürlich auch alle anderen Instrumente nachlegen, um noch gehört zu werden.

Eine Band ist immer eine Gemeinschaft ist, in welcher jeder Musiker seine besondere Rolle spielt. Und hier kommt die Frage: Welche Rolle spielt dein Instrument in den Parts der unterschiedlichen Titel. Spielt ihr zum Beispiel eine ruhige Ballade, sind Klavierakkorde die Begleitung, Die Begleitung muss sich dann dem Sänger und seiner Melodie unterordnen. Oder, wenn ein Gitarrist gerade sein Solo spielt, solltest du, und am besten auch die restliche Band leiser spielen, damit das Solo richtig zur Geltung kommt. Genau wie bei einem Klavierstück, bei dem du die Begleitung in der linken Hand leiser spielst, als die Melodie in der rechten. 

Schlusswort

Du siehst, als Keyboarder in einer Band gibt es viel lernen und zu wissen. Natürlich ist das alles am Anfang nicht ganz leicht, aber mit etwas Übung wirst du alle Aufgaben meistern. Und dann steht einer erfolgreichen Bandprobe nichts mehr im Wege.

Viel Spaß beim gemeinsamen Musizieren.

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