Songwriting-Workshop Modale-Kadenzen #2

Nachdem wir uns in der letzten Folge mit den verschiedenen Kirchentonarten bekannt gemacht und ihre Verwandtschaftsverhältnisse mit der Dur Tonleiter geklärt haben, werden wir uns im Folgenden mit der Frage befassen, wie sich die frischen Farben im musikalischen Alltag einsetzen lassen. Das Wörtchen „Alltag“ möchte ich hier noch einmal betonen, denn modale Elemente finden sich nicht nur im gregorianischen Choral oder der klassischen Musik aus Fernost und wecken nicht zwangsläufig Assoziationen mit Weihrauch oder Räucherstäbchen.

Songwriting-Workshop Modale-Kadenzen #2. (Foto: Bonedo)
Songwriting-Workshop Modale-Kadenzen #2. (Foto: Bonedo)


Die Songs von progressiv angehauchten Bands wie Radiohead, Porcupine Tree und Konsorten sind voll davon, und auch in den Charts sind die Farb-Töne der Kirchentonarten einer der Faktoren, die mit Regelmäßigkeit die Kasse des Komponisten zum Klingeln bringen. Sehen wir uns also einmal genauer an, wie man die verschiedenen Schattierungen auf seine Mischpalette bringt und üben wir die ersten Pinselstriche an der Staffelei. Egal ob Fan von Bob Ross oder Anhänger von Pablo Picasso – jeder kommt dabei auf seine Kosten. Bitte zögere nicht, die erste Folge des Workshops in einem zweiten Browserfenster zu öffnen, um bei Bedarf „nachzuschlagen“.

Alle Noten des Workshops in einem PDF

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Christian Wolff sagt:

#1 - 23.01.2012 um 03:03 Uhr

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Bei dem FleetwoodMac-Beispiel stellt sich die Frage, ob das nicht doch dorisch ist. Man kann ja auch rootless spielen, d.h. auf den Grundton verzichten. Mein Ohr tendiert jedenfalls dazu, einen neuen Grundton dazu zu dichten.

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Aggi Berger sagt:

#2 - 23.01.2012 um 15:24 Uhr

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Hallo Christian, ich nehme an, du meinst den Song "Dreams"? Das Stück ist für mein Gefühl so lydisch, wie es lydischer kaum geht :-) Klar kommt man wo anders hin, wenn man die Basstöne austauscht, aber dann hat man das Stück ja schon grundlegend reharmonisiert - dann ist es natürlich nicht mehr lydisch ;-)Das Stück pendelt zwischen einem F maj 7 und einem G Dur. Wenn du beispielsweise ein D unter das F maj 7 legst, dann hast du eine astreine dorische I - IV Figur mit einem D Moll 7/9 als dorische Tonika.

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Sam sagt:

#3 - 08.03.2012 um 00:32 Uhr

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Hab zuffällig noch ein Song gefunden der eventuell auch zur Modalmusik gehört.Es ist aus der Werbung von der Würtenbergische Versicherung das Stück heißt
"Gymnopédie No. 1" von Erik Satie.Könnte das jemand bestätigen?

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Sam sagt:

#4 - 09.03.2012 um 02:43 Uhr

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Hab hier noch ein paar Modale Songs:pink-"get the party started", Beck-"I'm a Loser Baby", Madonna-"Music" Ich hoffe ich irre mich nicht mein theoretisches Wissen ist nämlich sehr bescheiden.
Gruß

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Aggi Berger sagt:

#5 - 10.03.2012 um 18:56 Uhr

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Hi Sam, danke für deine Beiträge!!! Zu deinem ersten Kommentar: Für mein Empfinden trägt die musikalische Untermalung zum "Fels in der Brandung" definitiv modale Elemente in sich. Es ist aber immer auch eine Frage des Hörens und bestätigen kann es letzten Endes wohl nur jeder für sich selbst. Am Anfang des Stückes, den man ja auch aus der Werbung kennt, pendelt die Harmonik zwischen einem G maj 7 und einem D maj 7. Das könnte man als eine lydische I-V Verbindung sehen oder wenn man will auch im funktionsharmonischen Sinne als eine Akkordfortschreitung in D-Dur, die auf der vierten Stufe beginnt und dann zur Tonika wandert. Beides ist berechtigt und die Frage ist, an welcher Stelle sich das Ohr zuhause fühlt. Im weiteren Verlauf nimmt die Komposition für mein Empfinden einen deutlich modal wirkenden Charakter an, am Ende der Form katapultiert uns dagegen eine ganz eindeutig funktionsharmonische Kadenz aber wieder an den Anfang zurück. Sehr schön finde ich an dieser Stelle, dass diese Kadenz eigentlich auf G-Dur zielt und direkt danach wieder das lydische G zu hören ist. Definitiv ein Hinweis darauf, dass Satie beim Komponieren einen modalen Ansatz verfolgt hat.

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Aggi Berger sagt:

#6 - 10.03.2012 um 18:58 Uhr

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...und es geht noch weiter! Zum zweiten Kommentar: „Get The Party Started“ ist in reinem Moll, der Bass hüpft munter zwischen Grundton und Quarte der Tonart hin und her. Das mag man vielleicht als modal (aeolisch) bezeichnen, da die Harmonik sehr konsequent in dieser einen Farbe bleibt, in diesem Fall würde ich aber keine Erbsen zählen. Der Song ist so simpel gehalten, dass es nicht viel zu Analysieren gibt. „Loser“ von Beck verhält sich ähnlich, im Refrain kommt aber die Farbe von D mixolydisch durch, und im Rest des Songs wird damit auch nicht gebrochen. „Music“ bekommt durch ein einzelnes aber oft wiederholtes Sample (die sehr kurze und leicht orgelartige Synth-Line, die immer auf „3“ beginnt) eine dorische Färbung. Ohne diese kleine Figur würde der Song wohl eher aeolisch bzw. einfach in natürlichem Moll. Zumindest im Fall der letzten beiden Songs würde ich dir also zustimmen :-) Liebe Grüße!

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Sam sagt:

#7 - 29.09.2012 um 01:56 Uhr

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Hi,ich hätte da eventuel noch ein paar modale Songs sie klingen für mich jedenfalls so.
1.Madonna,"La isla Bonita"
2.Gloria Estefan, "Oye mi canto"
3.Sting, "Russians"
4.Sting, "Invisibel sun"
5.Cyndy Lauper, "Time after time"
Liege ich richtig oder falsch?
Gruß Sam

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chris sagt:

#8 - 17.10.2012 um 23:09 Uhr

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Wenn ich mich nicht irre ist das Lied "another Sleep song" von "Graham Nash" eine sehr schoene ausfuehrung des Phrygischen Modus... (Ab-Phrygisch)

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Mario sagt:

#9 - 12.08.2013 um 14:12 Uhr

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Lieber Aggi, vielen Dank für deine Artikel. Für mich persönlich das (musik-theoretisch) mit Abstand erhellendste was mir jemals untergekommen ist. Ich mache selbst sehr viel phrygisch, musste mir das aber irgendwie ein bisschen selbst erarbeiten, bis ich dann mal merkte dass es eben doch auch (oder gerade?) in der sog. popular musik diese modale sichtweise auf die dinge gibt. Diese Sichtweise, bzw. Beschreibingsweise, deckt sich viel mehr mit dem was ich tatsächlich höre, bzw. fühle in der Musik. Ich werde das hier mal weiter verfolgen, vielleicht gibts nochmal hier und da ein paar mehr beispiele?
Gruss,Mario

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BonedoMalte sagt:

#10 - 13.08.2013 um 16:22 Uhr

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Hallo Mario, ersteinmal danke für dein Lob! Freut uns natürlich, dass wir dir weiterhelfen konnten! Hast du schon die anderen Teile der Serie gesehen? Schau mal oben rechts auf der Seite, da kannst du noch weitere Beispiele finden! Viel Spaß weiterhin!

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Mario sagt:

#11 - 19.08.2013 um 11:26 Uhr

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Hier noch ein traumhaft schönes beispiel für ein wunderbar schwebendes mixolydisch, ähnlich "Clocks".The Boxer Rebellion - Diamonts (C mixolydisch)http://www.youtube.com/watc...Strophe: G-moll, D-moll, C-dur (V, II, I)
Refrain: A#-dur, F-dur, C-dur (VII, IV, I)Beide folgen starten sehr mixolydisch, mit akkorden, die die kleine septe beinhalten.Am anfang der refrains wird nur ein ton ein ganzton tiefer verschoben verglichen mit strophe (G->F), wodurch einerseits das mixolydische noch verstärkt wird (A#Dur!), andereseits, dadurch, dass es jetzt ein dur akkord ist, die stimmung sich wunderbar aufhellt, was exakt genauso beim 2ten akkord des refrains so ist (D -> C; dm -> F). Toller song!

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Aggi Berger sagt:

#12 - 19.08.2013 um 16:03 Uhr

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Danke für deinen Beitrag, Mario. Diamonds ist definitiv ein sehr gutes Beispiel zu diesem Thema. Man kann jetzt natürlich anfangen, zu diskutieren, ob die Strophe in C Mixo oder doch in G Dorisch ist, ich kann deine Art zu hören in diesem Fall aber nachvollziehen. Das C-Dur ist durch den ganzen Song hindurch präsent und kann dadurch, dass es länger gehalten wird, prominenter als die Akkorde auf den eigentlich prominenteren Positionen wirken. Es handelt sich hier wohl (wie so oft) um eine Frage der Interpretation :-) Vor allem, und darauf können wir uns wohl einigen, schwebt die Harmonik dieses Songs wunderschön. Liebe Grüße, Aggi Berger

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Mario sagt:

#13 - 21.08.2013 um 15:22 Uhr

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Lieber Aggi, danke für die antwort. Bei Diamonds bleibt für mich C der immer mitschwingende grundakkord, der wohin man es nur auflösen kann, deshalb würde ich mich schwer tun im refrain von G-Dorisch zu sprechen, aber egal:)Noch einer, zufällig heute gefunden (dieser workshop inspiriert mich sehr, wie man merkt!): Tears for fears - Mad World, das ja nun mittlerweile wirklich jeder kennt, ist dorisch, und zwar in allen teilen des songs, würde ich jedenfall sagen.Strophe: am - C - G - D; refr.: am - D(!)

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Aggi Berger sagt:

#14 - 21.08.2013 um 17:28 Uhr

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Hey Mario, sehr schön! Mad World ist wirklich ein wunderschönes Beispiel! In diesem Fall braucht man wohl nicht zu diskutieren - das ist eindeutig ein dorischer Song. Danke dafür! Schön auch, dass dir der Workshop gefällt. Ein Gedanke noch: Man sollte auf Dauer nie vergessen, dass es für die meisten Hörer eigentlich völlig egal ist, ob ein Song nun in G Dorisch oder C Mixo ist. Hauptsache es klingt gut, und das tut es :-)

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Mario sagt:

#15 - 23.08.2013 um 11:46 Uhr

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Hallo Aggi, jetzt ist mir folgende, irgendwie naheliegende frage gekommen: Betrachten wir für den moment mal nur die modi, die eine große sekunde und reine quinten und quarten enthalten. Dies sind dur, mixo, dori, moll. Theoretisch ergeben sich aber 8 modi. Ich hab die mal folgendermaßen benannt: Mixo mit kl. sexte *statt* kl. sept: "M`" ("M-Strich"); Mixo mit kl. sept *und* kl. sext: "M2"; Dorisch mit gr. sept *statt* gr. sext "D`"; Dorisch mit gr. sext *und* gr. sept: "D2". Ich hab mal ein bisschen rumprobiert, mir scheint nach kurzer eingewöhungszeit gewöhnt sich das "ohr" an die skalen, und der song wird ohne "störungen" wahrgenommen. Frage jetzt: Gibt es (pop-)songs die diese tonarten verwenden? Also nicht nur für einen moment (dann ist eine funktionsharmonische sichtweise sicher angemessener), sondern konsequent? Liebe Grüße,Mario

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Mario sagt:

#16 - 23.08.2013 um 13:10 Uhr

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Ich seh gerade, die dorischen varianten nennt man harmonisches/melodisches moll und beides wird gern verwendet und klingt auch gut, das "M`" nennt man harmonisches Dur, wird praktisch nicht verwendet und klingt (wegen dem 3-halbton-schritt) auch ziemlich seltsam. Was bleibt ist das "M2" (Dur mit kl. sext und kl.7). Das hat anscheinend keinen name, klingt aber gut. Comments?

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Haiko sagt:

#17 - 23.08.2013 um 13:19 Uhr

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Hi Mario, Dur b6 und b7 nennt man mixo b13 ( 5. Modus von Melodisch Moll) und Dur b6 mit maj7 nennt man Harmonisch Dur LG Haiko

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Aggi Berger sagt:

#18 - 23.08.2013 um 17:50 Uhr

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Hi Mario, na da gibt aber einer Gas! Kollege Haiko hat ja schon geschrieben, wie deine "selbst erfundenen" Skalen heißen :-) Harmonisch und Melodisch Moll sind in ihrer Grundform natürlich im Pop zu finden, konsequent modale Ansätze mit Modes dieser Skalen findet man dagegen nicht so häufig. Aber hör dir doch mal den Song Uninvited von Alanis Morissette an. Die Strophe ist definitiv in Mixo b13 gehalten, wobei schon im B-Teil modal variiert wird.

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Harald sagt:

#19 - 05.09.2013 um 00:27 Uhr

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Hallo,bei Norwegian Wood ist meiner Ansicht nach ein Fehler. Es handelt sich nicht um H-Mixolydisch, sondern um E-Dorisch bei der Skala. Die passt dann zum H7-Akkord, oder.Harald

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Aggi Berger sagt:

#20 - 05.09.2013 um 10:22 Uhr

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Hallo Harald, wenn ein wie auch immer gearteter H-Akkord ohne Wechsel gehalten wird, dann wird das Ohr ganz sicher mutmaßen, dass es sich um eine H-Tonart handelt. Selbst wenn du einen indischen Morgen-Raga darüber spielst, es wird immer noch nach einer Tonart mit Zentrum H klingen - Wie kommst du gerade auf E Dorisch?

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Harald sagt:

#21 - 06.09.2013 um 22:59 Uhr

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... ich meine wahrscheinlich gar E-dorisch, sondern Dorisch mit dem diatonischen Material von E-Dur, sorry.

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Aggi Berger sagt:

#22 - 07.09.2013 um 12:10 Uhr

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In der Beziehung liegst du richtig. Das Tonmaterial kommt auf jeden Fall aus dem 4#-Bereich. Also E Dur oder C# Moll oder auch F# Dorisch und natürlich wie bei Norwegian Wood H Mixo. Das sind dann alles die gleichen Töne. Das Original ist allerdings in einer anderen Tonart. Für die Sängerin haben wir transponiert. Vielleicht ist ja das der Grund für die Verwirrung :-)

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Slashgad sagt:

#23 - 10.02.2015 um 15:12 Uhr

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Sehr cooler Workshop! Trotz Musikstudium mit Harmonielehre - das ist noch sehr erhellend für mich!
Und super eingesungen die Sachen!Bin wohl etwas spät dran mit meinem Beitrag ...Eine tolle Beispiel für LYDISCH ist FLYING IN A BLUE DREAM von JOE SATRIANI - gut, ist ein Intrumental.Da ist c-lydisch am Start. die #4 bzw #11 (in C das f#) ist da gut zu hören und verbreitet so eine schwebende Stimmung - sehr schön.
Gibt's natürlich vielfach auf YOUTUBE - z.B.: https://www.youtube.com/wat...VG

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Aggi Berger sagt:

#24 - 10.02.2015 um 21:00 Uhr

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Hey Slashgad, danke für deinen Kommentar! Zu spät kann man da glaub ich nicht sein :) Tolles Video übrigens - im Gegensatz zu den Beispielen im Workshop bleibt Mr. Satriani allerdings nicht in einem lydischen Modus mit seinen leitereigenen Akkorden, sondern verschiebt die lydische Skala immer ganz einfach und starr über den nächsten Grundton bzw. Akkord. Sowas hört man ja recht oft in der virtuosen Instrumentalmusik. Um das Konzept in diesem Workshop vorzustellen, wars mir aber ein bisschen zu viel Jazz :)

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Slashgad sagt:

#25 - 10.02.2015 um 22:32 Uhr

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Ja - nicht ganz sooo gutes Beispiel, weil er ja immer alles verschiebt. Aber er sagt es immerhin an hier das "lydisch". Habe ich erst nach meinem Post bemerkt - glücklicher Zufall.Das ist ja toll hier - da kriegt man noch sofort Antwort ,aus berufenem Munde!!!Aber hey !!! das ROCKT doch ganz gut für JAZZ!!! (;-)

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Aggi Berger sagt:

#26 - 11.02.2015 um 01:29 Uhr

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Haha, ja es rockt wirklich gut für Jazz :) Ich finde das Beispiel übrigens überhaupt nicht schlecht. Ist doch ne interessante Zusatzinformation, dass es sowas eben auch gibt.

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