Bass
Test
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27.07.2021

Kaufberater & Vergleichstest: Recording Preamps für Bass

Outboard-Preamps für E-Bass - das sind die besten Vorverstärker für E-Bass!

Bass-Preamps im Direktvergleich

Heutzutage ist es ja relativ einfach und günstig geworden, seinen Bass zu Hause aufzunehmen. Einen Computer oder Laptop besitzt mittlerweile nahezu jeder, und ein vernünftiges Audiointerface, um das eigene Bassspiel in den Rechner zu bekommen, gibt es bereits ab knapp unter 100,- Euro. Steckt man den Bass nun in dieses Interface und drückt auf Aufnahme, so tritt für gewöhnlich schnell Ernüchterung ein: Der Unterschied zum gewohnten Klangbild des Verstärkers ist doch ... immens! Um dennoch seinen Traumsound für die Ewigkeit zu konservieren, gibt es zwei Ansätze: Entweder formt man sein Signal mit entsprechenden Equipment außerhalb des Computers, oder man bearbeitet das Basssignal nach der Aufnahme mithilfe einer Software. Natürlich kann man auch beide Ansätze parallel verfolgen. Hier und heute rücken wir jedoch jene hilfreichen kleinen Tools in den Fokus, mit denen der Klang des Basses von außen aufgewertet werden kann: Die Rede ist von Bass-Preamps in praktischer Desktopgröße!

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Ausgangslage und Voraussetzungen

Der Königsweg wäre ohne Frage, seinen eigenen Bassverstärker zu Hause mit mehreren Mikrofonen und einem D.I.-Ausgang abzunehmen, diese Signale dann in gute Studio-Preamps zu schicken - und letztlich nur noch auf Aufnahme zu drücken. Dieser Satz beinhaltet allerdings für die meisten von uns prompt mehrere Ausschlusskriterien: Das fängt mit den Räumlichkeiten an, die, wenn sie nicht akustisch optimiert wurden, mehr kaputtmachen, als dass sie zu einem guten Sound beitragen.

Zudem kosten vernünftige Mikros und Preamps eine ganze Stange Geld und man muss zudem einiges in Sachen Know-How mitbringen, damit der Basssound am Ende so gut klingt, wie man es sich wünscht.

Zum Glück gibt aber ja auch noch eine viel einfachere und günstigere Lösung: Kleine Bass-Preamp-Pedale, welche nicht nur für den Livebereich, sondern speziell auch für Recording-Zwecke designed wurden.

Wir haben uns daher nach Produkten mit den folgenden Features umgesehen:

  • Kompakte "All In One"-Lösung: Wir wollen es ja einfach haben und nicht mehrere Geräte mit mehreren Netzteilen und umständlicher Verkabelung auf dem Desktop liegen haben.
  • Analoge Preampsektion mit Equalizer für klangliche Flexibilität
  • Onboard-Verzerrung: Der größte Teil des Markts orientiert sich nach wie vor am Klassiker "Ampeg SVT", entsprechende verzerrte Sounds werden folglich am häufigsten gesucht.
  • Hochwertiger D.I.-Ausgang, wenn möglich mit Cab Sim, also der Simulation eines Bass-Lautsprechers inklusive dessen klanglichen Verhaltens (z. B. leichte natürliche Kompression)
  • Preis bis maximal 500,- Euro

Natürlich gibt es noch die digitale Fraktion der Amp-Modeller, wie Kemper, Neural DSP Quad Cortex, etc. Diese bieten natürlich eine erstaunliche Funktionsvielfalt, widersprechen aber unserem Ansatz, eine überschaubare und kompakte "All In One"-Lösung zu haben. Aller Erfahrung nach wird diese von den meisten bevorzugt. Zudem liegt man bei beiden genannten Geräten schnell jenseits der 1.500-Euro-Marke!

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Vorteile von Outboard Bass Preamps

Hand aufs Herz: Die meisten von uns drehen doch immer noch lieber an Knöpfen herum, als eine Computer-Maus zu bewegen, oder? Mit Outboard-Equipment ist man in der Tat zumeist schneller vertraut, da es dem gewohnten Bassamp doch sehr nahekommt. Der analoge Sound, bei dem das Signal tatsächlich durch diverse Bauteile wie Ausgangsübertrager etc. läuft, klingt für viele auch immer noch "wärmer" und "angenehmer", als wenn eine Software im Nachgang im Klang etwas berechnet.

Einen Preamp kann man natürlich zu verschiedenen Zwecken nutzen und jederzeit überall mit hinnehmen: Zur Probe, zum Gig mit In Ear Monitoring, etc. Arbeitet man hauptsächlich mit analogem Outboard-Equipment, muss man vor der Aufnahme wie in guten alten Tagen eine kreative Entscheidung treffen: "Was ist der beste Basssound für den Song?" Diese Tatsache empfinde ich persönlich zwar als Vorteil - sie führt uns aber leider auch direkt zu den Nachteilen!

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Nachteile von Outboard Bass Preamps

Hat man einen Track mit meinem Basssound erst einmal aufgenommen, so lässt sich der Klang hinterher nur sehr schwer korrigieren - erst recht übrigens, wenn wir von einem verzerrten Signal reden! Verzerrung kann man nicht einfach wieder reduzieren oder mit einem Handgriff entfernen.

Natürlich kann man hier ggf. mit einem Equalizer und Kompressor nachträglich eingreifen, das Leben wäre aber deutlich einfacher, wenn man ein neutrales Signal hätte. Einen Preamp kann man immer nur für eine Spur direkt bei der Aufnahme verwenden. Eine Software hingegen lässt sich problemlos innerhalb eines Songs beliebig oft und auf mehreren Spuren einsetzten. Das Limit liegt hier allein in der Rechenkapazität des verwendeten Computers!

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Versuchsaufbau zum Vergleich von Bass Preamps

Zu einigen der Preamps gibt es bereits ausführliche Testberichte, daher soll es heute nicht darum gehen, die Geräte erneut intensiv auf Herz und Nieren zu prüfen und zu beschreiben. Vielmehr soll es eine klangliche Gegenüberstellung sein, die den grundlegenden Soundcharakter der Preamps, der Verzerrung und der Cab Sim aufzeigen soll.

Übrigens sind die Anforderungen für Recording in nahezu allen Punkten identisch mit denen für Gigs mit In Ear Monitoring. Mit einem der hier untersuchten Preamps schlägt man also durchaus zwei Fliegen mit einer Klappe!

Ich habe folgende vier unterschiedliche Klangbeispiele aufgenommen:

  1. Fingerstyle clean
  2. Slap clean
  3. Plektrum Rock mit milder Verzerrung
  4. Plektrum Heavy Riff mit heftiger Verzerrung und Mid Scoop

Exakt diese vier Beispiele habe ich für jeden Kandidaten verwendet. Damit ist die bestmögliche Vergleichbarkeit gegeben, da die menschliche Komponente eliminiert ist. Ziel ist es, die unterschiedlichen Charaktere der Preamps und ihrer Verzerrung darzustellen und nicht der Versuch, einen bestimmten Sound mit allen Geräten nachzubauen.

Video mit Soundfiles aller Preamp-Testkandidaten

In diesem Video bekommt ihr nun einen Eindruck aller von uns verglichenen Bass Preamps. Die Soundfiles folgen direkt aufeinander in der Art, dass zunächst Klangbeispiel 1 über alle Preamps gespielt wird, danach Klangbeispiel 2, und so weiter. Auf diese Art kann man die Sounds ideal miteinander vergleichen.

Alle getesteten Outboard Bass Preamps mit Specs im Einzelnen

Hier findet ihr ein Bild sowie die wichtigsten Features der Testkandidaten. Die Beschreibungs-Liste ließe sich natürlich noch lange forsetzen, soll aber nur einen groben Überblick für euch zur Orientierung bieten. Alle Preise sind Stand Juni 2021.

Einige Produkte hatten wir bereits im ausführlichen Test - wenn dies der Fall ist, so findet ihr den jeweiligen Test unter der Kurzbeschreibung.

Nux Melvin Lee Davis Preamp

  • 1 Kanal
  • Dreiband-Equalizer
  • schaltbares Drive
  • schaltbare Cab Sim, kann per USB konfiguriert werden
  • Aux In, Kopfhörer Out
  • Preis: 142,- Euro

Produktseite auf thomann.de

Hier geht's zum ausführlichen Test!

Fender Downtown

  • 1 Kanal
  • Dreiband-Equalizer
  • schaltbares Drive mit Cab Sim
  • schaltbarer Kompressor
  • Aux In, Kopfhörer Out
  • Preis: 175,- Euro

Produktseite auf thomann.de

Tech21 VT DI

  • Ampeg-Derivat
  • 1 Kanal
  • Dreiband-Equalizer
  • Drive, Charakter, Blend-Regler
  • schaltbare Cab Sim
  • Phantomspeisung möglich
  • Preis: 249,- Euro

Produktseite auf thomann.de

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Two Notes Le Bass

  • Röhrenpreamp
  • 2 Kanäle
  • Zwei- und Dreiband-Equalizer
  • schaltbare Cab Sim
  • Preis: 285,- Euro

Produktseite auf thomann.de

DSM & Humboldt Bass Simplifier

  • Ampeg-Derivat
  • Röhrenpreamp
  • 1 Kanal Dreiband-Equalizer
  • Blend-Regler
  • regelbare und umfangreich konfigurierbare Cab Sim
  • Preis: 327,- Euro

Produktseite auf thomann.de

Radial Bassbone OD

  • 2 getrennte Kanäle
  • Dreiband-Equalizer
  • schaltbares Drive
  • Preis: ca. 329,- Euro

EBS Micro Bass 3

  • 1 Clean- und 1 Drive-Kanal (können getrennt oder zusammen genutzt werden)
  • Dreiband-Equalizer mit parametrischen Mitten
  • Character-, Bright-Schalter
  • regelbarer Kompressor
  • Aux In, Kopfhörer Out
  • Tuner
  • Preis: 369,- Euro

Produktseite auf thomann.de

Hier geht's zum ausführlichen Test!

MarkBass Vintage Pre

  • Röhrenpreamp
  • 1 Kanal
  • Vierband-Equalizer
  • schaltbares Drive mit zwei Charakteren
  • Booster Aux In, Kopfhörer Out
  • Digitale Ausgänge
  • Preis: 379,- Euro

Produktseite auf thomann.de

Hier geht's zum ausführlichen Test!

Orange Bass Butler

  • 2 Kanäle
  • Zwei- und Dreiband-Equalizer
  • Kompressor
  • 2 D.I. Outs mit Cab Sim
  • Preis: 369,- Euro

Produktseite auf thomann.de

Hier geht's zum ausführlichen Test!

Darkglass Vintage Ultra V2

  • 1 Kanal
  • Vierband-Equalizer mit wählbarer Mittenfrequenz
  • schaltbares Drive mit Level- und Blend-Regler
  • Aux In, Kopfhörer Out
  • schaltbare Cab Sim, kann per USB konfiguriert werden
  • Preis: 459,- Euro

Produktseite auf thomann.de

Fazit

Zunächst einmal kann man festhalten, dass mit allen Kandidaten (etwas Einarbeitungszeit vorausgesetzt) ein gutes bis sehr gutes Ergebnis beim Thema Recording zu erzielen ist, zumindest bei den cleanen Sounds. Die Spreu vom Weizen trennt sich, wenn man über 240,- Euro auf den Tisch legt: Ab dieser Schallmauer bemerkt man klanglich einen deutlichen Qualitätssprung, vor allem bei den Themen Verzerrung und Cab Sim. Von dort bis hin zum teuersten Pedal spielt sich alles auf einem vergleichbaren hohem Niveau ab, und die Unterschiede sind eher geschmacklicher Natur oder liegen auf Seiten der Ausstattung. Hier sollte man selbst entscheiden, ob man für seine individuellen Anforderungen einen Spezialisten à la Orange Bass Butler oder ein wandelbares Klangchamäleon wie den EBS Microbass 3 sein Eigen nenne möchte. Eine Daseinsberechtigung haben fraglos alle Produkte, und wirklich "daneben" greifen kann man eigentlich nicht.

Bis zum nächsten Mal,

euer Thomas Meinlschmidt

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