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08.03.2019

Die wichtigsten Hip House Tracks aller Zeiten

DJ Kultur: Wie Hip Hop und Chicago House Produktionen verschmolzen

Seitdem EDM in den USA so eine große Nummer ist, verbünden sich immer mehr Rapper mit DJs und Producern. Die Grenzen zwischen den Stilen verschwimmen augenscheinlich immer mehr. Das ist aber eine gar nicht so neue Erscheinung. Bereits in den 80ern gab es eine Bewegung, die upliftende Dance Music mit Rap kombiniert hat. Unter dem Namen „Hip House“ ist dieser Stil um die Welt gegangen.

Inspiriert durch unseren Schallwandler-Podcast mit Hip House Pionier Tyree Cooper wollen wir ein bisschen in der Vergangenheit wühlen. In diesem Feature erzählen wir euch etwas über die Ursprünge und stellen 15 wichtige Titel vor, die auch heute noch relevant sind.

Quick Facts: Was ist Hip House?

 

Ungefähr ab 1988 sind verschiedene Stücke veröffentlicht worden, auf denen die Stile Hip Hop, Rap und Chicago House miteinander gemischt wurden. In diesem Sinne ist Hip House ein Crossover. Häufige musikalische Stilmittel sind Piano-Akkorde und der Gebrauch von Samples, speziell der Break aus dem Stück „Think“ von Lynn Collins.

Berühmte Vertreter dieses Genres sind die Chicagoer Künstler „Fast“ Eddie Smith und Tyree Cooper. Die New Yorker Hip Hop Formation Jungle Brothers haben mit „I´ll House You“ einen der bekanntesten Hip House Titel veröffentlicht.

Kurze Zusammenfassung über die Entstehung des Hip House

Die US-Stadt Chicago ist berühmt dafür, als Geburtsstätte der House Musik zu gelten. Dieser Stil wurde (genau wie beim fast gleichzeitig entstehenden Detroit Techno) anfangs in erster Linie von afroamerikanischen DJs und Produzenten geprägt. Da in der Community auch Hip Hop sehr populär war, dauerte es nicht lange, bis erste Crossover-Produktionen entstanden. Besonders der DJ „Fast“ Eddie Smith ist hier zu nennen, sein für den Stil namensgebender Track „Hip House“ aus dem Jahr 1988 kombiniert den 303-getränkten Acid House mit Rap.

Das von ihm bereits früher im gleichen Jahr veröffentlichte „Yo Yo Get Funky“ beschert dem damals 19-Jährigen unter der „Obhut“ des damaligen House Moguls „Rocky Jones“ bereits einen weltweiten Clubhit und darf als einer der ersten Hip House Tracks bezeichnet werden. Besonders das unverkennbare Sample des Breaks aus dem Lynn Collins Song „Think“ sticht hier hervor. Dessen „Whoo-Yeah“-Schrei soll fast zu einem Markenzeichen des Hip House werden.

Tyree Cooper – ebenfalls ein junger Producer aus Chicago – veröffentlicht 1988 mit dem Rapper „Kool Rock Steady“ den Track „Turn Up The Bass“. Die Nummer geht direkt durch die Decke und ist als ein weiterer Meilenstein zu nennen.

Tyree Copper erweitert den Sound um eine zusätzliche Ingredienz, die fortan in vielen Tracks zu hören ist: Piano-Akkorde. Laut Wikipedia ist „Turn Up The Bass“ eines der ersten House Stücke, die auf dem damaligen Musiksender MTV als Video gespielt werden.

Unsere Empfehlungen

Das Jahr 1988 wird durch einen weiteren, weltweit bekannten Hip House Titel bestimmt: Die New Yorker Hip Hop Gruppe Jungle Brothers nimmt in Zusammenarbeit mit dem House Produzenten Todd Terry den Smash-Hit „I´ll House You“ auf. Dessen Beats bestehen im Wesentlichen aus dem vorher von Terry produzierten Clubtrack „Can You Party“, der sich wiederum viel mit Samples bei dem Chicago House Hit „Move Your Body“ von Marshall Jefferson bedient. Dieser Track ist ein Paradebeispiel dafür, wie stilistisch offen der frühe Hip Hop Sound war. Die Dominanz von Gangsta Rap ist noch meilenweit entfernt.

Doch genau so schnell, wie diese Welle entstand, verschwand sie auch wieder. Bereits in den frühen 90er Jahren spielte Hip House keine bedeutende Rolle mehr. Trotzdem gibt es immer wieder Produktionen, die den Stil aufgreifen und nicht in der Vergessenheit versinken lassen. Der Liebe zu Hip Hop frönen House Producer aus Chicago weiterhin und das wird in den 90ern speziell im Ghetto House und gegenwärtig in den Stilen Juke und Footwork deutlich.

Die wichtigsten Hip House Tracks aller Zeiten

1) The Beatmasters featuring The Cookie Crew – Rok Da House (1987)

Was ist das denn? Fängt die Story von Hip House nicht erst 1988 an? Wieso ist dann dieser Track dabei? Und dann auch noch aus England, wo doch Chicago die Geburtsstadt ist? Die Antwort: Der Begriff „Hip House“ wurde tatsächlich erst 1988 etabliert. Puristen würden vielleicht sogar sagen, dass das hier kein Hip House ist, obwohl schon wichtige Stilmittel drin sind. Die Klavierakkorde und der housige Beat zum Beispiel. Und im Rap wird die ganze Zeit das „House“ gerockt. Also bitte!

2) Fast Eddie – Yo Yo Get Funky (1988)

Der Track, dessen Erfolg alles losgetreten hat. Achtet auf das „Whoo-Yeah“-Sample aus Lynn Collins „Think“!

3) Tyree Cooper – Turn Up The Bass (Fast Eddie Scratch It Up Mix) (1988)

Kann immer noch jede Tanzfläche rocken, speziell im Remix von Fast Eddie. Alles drin: „Think“-Break und Piano-Akkorde.

4) Jungle Brothers – I´ll House You (1988)

Die Jungs machen eigentlich lupenreinen Hip Hop, haben in Kooperation mit Todd Terry aber einen der größten (Hip) House Tracks aller Zeiten abgeliefert. Mit „What U Waitin´ 4“ versuchen sie es ein Jahr später nochmal mit Clubmusik. Wer auf den Beat steht, sollte auch mal „MAURICE – This Is Acid (A New Dance Craze)“ checken.

5) Double Trouble ft. Rebel MC – Street Tuff (1988)

Es muss nicht nur Chicago oder New York sein. Auch die Briten haben schon vor Grime gerappt. Ob das jetzt wirklich Hip House ist – darüber kann man streiten. Wir betreiben hier aber keine Haarspalterei und packen das Stück in die Liste.

6) Rob Base & DJ EZ Rock – It Takes Two (1988)

1988 – was für ein Jahr! Ist dieser Track nun wirklich Hip House oder doch eher Hip Hop? Oder schon ein Vorreiter für „Baltimore Club“? Wie auch immer, das Sample von Lynn Collins ist auf jeden Fall wieder drin

7) Mike Dunn – So Let It Be Houze! (1988)

Eine Bassline, die ganz schwer an den Anfang von Michael Jacksons „Don´t Stop `Til You Get Enough“ erinnert, housige Beats und Rap. Fertig ist ein Hip House Klassiker.

8) K. Alexi Shelby And MCD-TA Of The K.A. Posse – Dig This (1989)

Wahnsinnige Mischung aus Hip Hop und House. Der Beat ist sehr roh – typisch für Chicago! Hier ist übrigens auch ein Sample von dem Titel „The Champ“ der Gruppe „The Mohawks“ zu hören. Dieser Schrei ist mit „Here Comes The Hotstepper“ von Ini Kamoze musikalisch verewigt worden.

9) Doug Lazy – Let It Roll (1989)

Den Beat hören wir ein Jahr später bei Snap! und ihrem Hit „The Power“ wieder. Und den Bass bei unzähligen 90er House Tunes.

10) Mr. Lee – Get Busy (1989)

Und wieder mal ein Track aus Chicago. Und wieder mal ein internationaler Hit.

11) Tony Scott – That´s How I´m Living (1989)

Tony Scott kommt nicht aus Chicago, nicht aus Detroit und auch nicht aus London. Nein, der Rapper und Musiker wurde unter dem Namen Peter van den Bosch in den Niederlanden geboren. In Europa war die Nummer ein Clubhit! Achtet auf die „Eurodance“ Bassline!

12) Monie Love – Grandpa´s Party (1989)

Während einige „Push It“ von Salt-n-Pepa als Hip House Stück betrachten, ordnen wir es trotz des sehr durchaus tanzbaren Grooves eher dem Hip Hop zu. Monie Love ist auch eher als Hip Hop Künstlerin anzusehen, dieser Track ist aber ganz klar Hip House.

13) Deskee – Let There Be House (1990)

Sehr interessanter Titel, denn Derrick Crumpley ist zwar Amerikaner, lebt aber zur Zeit dieser Produktion bereits einige Jahre in Deutschland. Maximilian Lenz, auch bekannt als WestBam hatte hier auch seine Finger im Spiel. Deshalb hier auch im WestBam Remix.

14) 2 in a Room – Wiggle it (1990)

Der Beat läutet soundtechnisch bereits die 90er ein. Hier kann man wie bei Doug Lazy schon erkennen, dass auch Eurodance seine Wurzeln im House hat.

15) Rare Arts – Boriqua Posse (1991)

Erinnert stilistisch stark an den New York House Sound von Tod Terry. Bringt ähnlich wie „Wiggle It“ Einflüsse von Latin ins Spiel.

Die Erben des Hip House:

Diese Stücke könnten – je nach Definition – mal mehr, mal weniger als Hip House bezeichnet werden. Diese Liste kann beliebig erweitert werden, wenn man die Kombination von Rap und Dance als Hip House bezeichnen will.

  • Heavy D & The Boys – Now That We Found Love ft. Aron Hall
  • Missy Elliot – 4 My People ft. Eve
  • Armand Van Helden – Full Moon (feat. Common)
  • Playgroup feat. KC Flightt – Front 2 Back
  • Shamir – On The Regular
  • Azealia Banks – 212 ft. Lazy Jay
  • Dizzee Rascal & Calvin Harris – Dance Wiv Me
  • The Chemical Brothers – Go 

Eure Meinung

Welche Tracks würdet ihr in diese Liste mit aufnehmen? Welche Titel gehören eurer Meinung nach nicht in die Top 15? Kommentare sind willkommen!

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