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Chandler Ltd. Germ 500 MkII Test

Praxis

Prinzipbedingt ist die Bedienung der 19“-Einheit etwas komfortabler, da hier schlichtweg mehr Platz für die Bedienelemente zur Verfügung steht. Zudem verfügt der 19“-Preamp im Unterschied zum 500-Modul eben über eine Pegelanzeige, welche unbestritten sowohl fürs Einpegeln während der Aufnahme als auch für die Fehlersuche beim Setup der Aufnahmekette sehr hilfreich ist. Es wäre schön, wenn ein eventuelle künftige MKIII-Version des 500-Moduls wenigstens eine simple Signal-LED bekommen könnte, damit man zumindest sehen kann, ob ein Pegel anliegt oder nicht.

Das „Germ Pre“-Modul kommt im für die Germanium-Reihe typischen Design mit den quietschgelben Potikappen
Das „Germ Pre“-Modul kommt im für die Germanium-Reihe typischen Design mit den quietschgelben Potikappen

Kleine Kritikpunkte an der Ausstattung – keine am Klang

Abgesehen vom fehlenden Trittschallfilter ist dies aber schon der einzige Kritikpunkt, der sich hier überhaupt ausmachen lässt. Denn klanglich kann der Germanium Preamp voll und ganz überzeugen, egal, ob es sich nun um die Rack- oder 500-Variante handelt. Grundsätzlich kann man dem Vorverstärker einen sehr dicken, etwas süßlichen Charakter bescheinigen. Dieser lässt sich jedoch abhängig von den Reglerstellungen in einem nicht unerheblichen Maße den jeweiligen Anforderungen anpassen – die klangliche Bandbreite, die sich hier abrufen lässt, ist nicht von schlechten Eltern.

Per Feedback-Poti von HiFi bis zu dreckigem Rock

Das Feedback-Poti ist eben nicht bloß ein Output-Trimmer, sondern gleichzeitig auch der Schlüssel zu dem ziemlich bunten Strauß an Soundvariationen. Mit viel Gegenkopplung (Poti am Linksanschlag) klingt der Preamp „HiFi-mäßiger“, mit mehr Bässen und Höhen und einem klareren Gesamtsound, reduziert man die Gegenkopplung, so wird der Klang dichter, mittiger, irgendwie singender. Im anderen Extrem, also mit kaum Gegenkopplung, liefert der Germanium sehr rockig-dichte Ergebnisse ab, die sich immer dann anbieten, wenn man einem Signal schon bei der Aufnahme das gewisse Etwas mitgeben möchte.

Thick macht seinem Namen alle Ehre

Der Thick-Schalter kann bereits bei Vocals zu schön warmen Ergebnissen führen, seine volle Funktion entfaltet er jedoch bei Signalen, die von Haus aus noch tiefere Frequenzen anbieten. Der Moogbass beispielswiese bekommt auf diese Weise ordentlich Fundament, da kann man sich jeden dedizierten EQ in der nachfolgenden Kette sparen und trotzdem erdbodenerschütternde Tiefbässe genießen.

Audio Samples
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Vocals wenig Gegenkopplung Vocals viel Gegenkopplung Vocals wenig Gegenkopplung, Thick-Funktion Moog wenig Gegenkopplung Moog viel Gegenkopplung Moog viel Gegenkopplung, Thick-Funktion

DI ist nicht nur Dreingabe

Der zweite Vorname dieses Chandler-Teils lautet „DI“, und diesen Zusatz sollte man nicht vergessen. Der Moogbass im Klangbeispiel wurde durch den Instrumenteneingang aufgenommen, auch für E-Bässe eignet sich dieser Vorverstärker beispielsweise hervorragend. Man könnte sogar so weit gehen und den Chandler ironisch als „Bass-DI mit zusätzlichem Micpreamp“ bezeichen – dies nur, um die Bedeutung dieser Funktion zu unterstreichen…

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