ANZEIGE

Drawmer 1972 Test 

Drawmer zählt seit den frühen 80er Jahren zu den klassischen Herstellern von (überwiegend) analogem Studioequipment. Im Gegensatz zu den röhrenbasierten Geräten der 60s-Serie dient die Transistortechnik der 70er Jahre als Inspirationsgeber für die von uns bereits getesteten Studio-Tools 19701973197419761978 – sowie nun auch den 1972!  Beim Drawmer 1972 in diesem Test handelt es sich um den zweiten Mikrofonvorverstärker innerhalb der Serie.

Zweikanal Preamp Made In UK

Anders als der „1970 Dual FET Compressor and Preamplifier“ verfügt der Drawmer 1972 über keinen Kompressor, allerdings geizt das neue Modell nicht mit hochinteressanten Features. Um welche es sich hierbei handelt und was es sonst noch über den neuen Dual Mic/Line/Instrument Preamplifier zu berichten gibt, erfahrt ihr in unserem Drawmer 1972 Test! 

Mehr zum Thema Mic Preamps erfahrt ihr übrigens in unserem Kaufberater!

Quick Facts zum Drawmer 1972

  • zwei Mic Preamps mit 66 dB Gain
  • Line und Instrument Inputs
  • stufenlos regelbarer Low Cut und High Cut
  • zwei kombinierbare Tilt EQs zum Cut/Boost ab 500 Hz
  • Upward-Expander zur Anhebung von leisen Signalanteilen

DETAILS

Drawmer 1972 Test: Konzept und Features

Der Drawmer 1972 besitzt zwei unabhängige identische Kanäle, die neben Instrumenten- und Line-Signalen primär für Mikrofone konzipiert wurden. Dabei stehen dem Anwender diverse Features zur Mikrofonanpassung und Klangformung, die den Funktionsumfang eines gewöhnlichen Mic Pres übertreffen. Der Reihe nach:

Input Select

Per Eingangswahlschalter stehen die sechs Optionen „INST.“, „LINE (-24 dB)“, „2.4 kOhm“, „600 Ohm“, „200 Ohm“ und „Mic +48V“ zur Verfügung. Demnach lassen sich für die Verwendung dynamischer Mikrofone verschiedene Impedanzen anwählen. Inwieweit dies das Klang- und Rauschverhalten beeinflusst, sehen (und hören) wir im Praxisteil dieses Reviews. Außerdem lässt sich für jeden Kanal eine Phasendrehung aktivieren. Ein typisches Anwendungsbeispiel hierfür ist die Aufnahme einer Snaredrum mit 2 Mikrofonen (oben/unten).

Input Wahlschalter
Drawmer 1972 Test: Input Select 

Pegel und Metering

Der Drawmer 1972 besitzt Anpassungsmöglichkeiten sowohl für den Input als auch den Ausgangspegel. Letzteres ist praktisch, um beispielsweise Pegelveränderungen durch die nachfolgend beschriebenen Klangformungsoptionen auszugleichen. Der Input Gain lässt sich in 6dB-Schritten von 0 bis 66 dB anwählen. Eine 4-stufige Input-LED hilft, eine geeignete Einstellung zu finden. Der stufenlos regelbare Ausgangspegel (± 12 dB) wird von einem hintergrundbeleuchteten VU-Meter angezeigt. Der +10dB-Button bietet hierzu eine interessante Option für Engineers, die gerne ein etwas heißeres Signal fahren, indem er die Anzeige um 10 dB reduziert. Bei einem Ausgangspegel von 10 dB zeigt das VU-Meter nun 0 dB an, anstatt möglicherweise kontinuierlich auf Anschlag zu stehen. 

VU Anzeige
Output Trim (± 12 dB) und das beleuchtete VU-Meter 

Klangformung

Es gibt Ausnahmen, aber für meinen Geschmack gehört ein Low Cut zu einem vollwertigen Mikrofonvorverstärker. Der Drawmer 1972 geht hier noch einen entscheidenden Schritt weiter, indem sein Low-Cut von 15 bis 350 Hz stufenlos durchstimmbar ist! Außerdem verfügt der 1972 sogar über ein High-Cut-Filter, ein etwas ungewöhnliches Feature in dieser Gerätegattung. Hier beträgt der ebenfalls stufenlos regelbare Bereich 1,5 bis 20 kHz. Laut Hersteller bietet sich die Verwendung beispielsweise zur technischen Säuberung unnötiger Frequenzanteile und Rauschen bei einer Bassaufnahme an. Der kreative und experimentelle Einsatz beider Filter unterliegt jedoch keinen Gesetzen! 

Doch damit nicht genug: Hinter dem Filter befinden sich unter dem Namen „Shape“ zwei Tilt-EQs. Deren Einsatzfrequenz liegt bei jeweils 500 Hz und sorgt einzeln oder kombiniert eingesetzt für eine subtile Färbung, wie das folgende Diagramm (zweite Abbildung der Fotostrecke) veranschaulicht.

Filter HPF und LPF
Fotostrecke: 3 Bilder Drawmer 1972 im Test: Je Kanal zwei Filter und zwei Tilt EQs

„Lift“

Dieses ungewöhnliche Feature ist quasi ein 1-Knob-Upward-Compressor, der Folgendes bewirkt: Leise Signale werden lauter, und zwar bis zu 10 dB entsprechend der folgenden Grafik. Der Sinn ist die unauffällige Eingrenzung einer (erwarteten) zu hohen Dynamik während einer Aufnahme oder Performance, ohne dass laute Signalanteile herunter geregelt werden. Allerdings werden vorhandene Rauschanteile an leisen Stellen ebenfalls angehoben wie bei einem klassischen (Downward-) Kompressor.

Upward Expander / Rotationspunkt
Wirkungsweise der Lift-Funktion (Quelle: Drawmer)

Anschlüsse

Mit Ausnahme der vorderseitigen 6,35-mm-Klinkenbuchse zum direkten Anschließen von Bass, Gitarre und Co., befinden sich alle Anschlüsse an der Geräterückseite. Je Kanal verfügt der Drawmer 1972 über jeweils eine XLR-Buchse als Mikrofonein- und -ausgang sowie eine Combobuchse (XLR/Klinke) für Line-Signale. Weiterhin befindet sich der Kaltgeräteanschluss an der (in Einbaurichtung) rechten Gehäuseseite.

XLR und Combo
Die rückseitigen Audioanschlüsse des Drawmer 1972

Verarbeitung

Der 19-Zoll-Preamp beansprucht eine Höheneinheit im Rack und wiegt 2,6 kg. Das im zeitlosen Studiolook gestaltete 1972 ist ein Drawmer-Gerät durch und durch und verzichtet auf irgendwelche Design-Eskapaden. „Handmade in UK“: Das Gehäuse besteht aus Stahl, während die Frontplatte aus Aluminium gefertigt ist. Alle Anschlüsse und Bedienelemente sind derart solide verbaut, dass ich nicht daran zweifle, dass Drawmers neues Profi-Tool auch in 30 Jahren noch seinen Dienst verrichtet. Mehr zur Bedienung der erstklassigen Hardware folgt im Praxisteil.

Schalter / Innenseite
Fotostrecke: 3 Bilder Die stabilen Bedienelemente sind solide mit dem Innenleben verschraubt.
Kommentieren
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.