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18.07.2020

Audiovergleich - Hot Rod/JCM800 Pedale

6 Hot Rod/JCM800 Marshall-Pedale und ihre Sounds

In der aktuellen Folge unserer Reihe, die sich mit "Amp-artigen" Verzerrern beschäftigt, geht es um eine Kategorie, die solche Gitarristen bedient, denen der Marshall Super Lead-Sound noch nicht genug Gain liefert und die sich eine etwas andere, modernere Zerrstruktur wünschen.
Zu diesem Zweck gehen wir in der Marshall-Historie eine knappe Dekade weiter und landen entweder beim Super Lead MkII, oder aber bei einem Marshallsound, der dank Eddie Van Halen auch gerne "Brown Sound" genannt wird. Auch für diese spezielle Klangkategorie bietet der Musikalienmarkt ein breites Portfolio an Pedalen, die den Sound der 100W-Boliden kompakt vor die Gitarristenfüße legen.
Wir haben euch sechs Modelle ausgesucht, die für diesen Zweck einen extrem guten Job abliefern.

Background

In der Geschichte der Marshall-Amps treten im Prinzip drei Modelle ganz besonders hervor, und zwar zum einen der JTM45, gefolgt vom Super Lead und schließlich der Super Lead MkII, der auch kurzerhand als "800er" tituliert wurde.
Wollte man Ende der 70er und auch über die ganzen 80er Jahre hinweg etwas mehr Gain aus dem Amp zaubern, konnte man wie Eddie Van Halen vorgehen, der seinen Mitt-60er Marshall Super Lead bis zum Anschlag aufriss und mit einem Variac die Voltzahl von 110 auf 90 V reduzierte. Hinzu kommt, dass Eddie Humbuckergitarren verwendete und zwei der vier Röhren entfernte. Spekulationen über tatsächliche Modifikationen in seinen Amps wurden von seinem Amp-Techniker Steven Fryette verneint. Das Resultat war ein sehr warmer, dichter Zerrsound, der bis heute als "Brown-Sound" Teil der Gitarrengeschichte ist.

Andere Wege, um an mehr Zerre zu gelangen, war das Kaskadieren der Vorstufe, was bei der JCM800 Serie oder auch beim Randy Rhoads Modell zu finden ist. Wem das Gain jetzt immer noch nicht ausreichte, der konnte sich diversen Modifikationen der Plexis und 800er Modelle bedienen, wobei hier vor allem Amptüftler wie José Arredondo der Tim Caswell hervorgetreten sind. So ist José z.B. für Steve Vais Marshall-Sound auf dem David Lee Roth Album "Eat 'em and Smile" verantwortlich und Tim Caswell für die legendären #39-Modifikation an einem Marshall, der sich in einem Ampverleih befand und gerne von Slash oder George Lynch verwendet wurde. Bei besagtem Modell handelte es sich um einen Marshall Super Lead Tremolo, der mit einer Extra-Röhre ausgestattet war, die für eine zusätzliche Gainstage verwendet wurde.

Man war also in dieser Zeit sehr kreativ, wenn es darum ging, den modernen Rocksound neu zu gestalten. Nicht minder kreativ sind heutzutage jedoch die Pedalhersteller, die uns Gitarristen helfen, den Wunschsound auch für das kleine Gepäck und den kleinen Geldbeutel auf Abruf zu haben:

1. Carl Martin Panama 

Beim Panama ist der Name Programm, der dem Van Halen Klassiker des Albums "1984" entliehen wurde. Hierbei handelt es sich um ein Modell mit extremen Gainreserven und einer Zerrstruktur, die sehr stark an die frühen Van Halen-Platten erinnert. Regelbar ist Gain, Volume und Tone, aber auch das "Damping". Hierbei handelt es sich um die Reaktion der tiefen Frequenz und ob diese etwas tighter und kompakter, oder aber offener daherkommen. Das Pedal verfügt über einen True Bypass.

2. Cmat Mods Brownie

Auch hier lässt der Name bereits vermuten, was sich klanglich in dem braunen Kästchen verbirgt, denn auch der Brownie bietet den klassischen Van Halen-Sound in Bodentreterform an. Regelbar ist das Pedal ganz spartanisch in Lautstärke, Gain und Tone, allerdings kann man den Brownie zwischen 9V und 18V betreiben und die Transistoren lassen sich durch einfaches Umstecken austauschen, möchte man eine andere Zerrcharakteristik oder mehr Gain. Auch dieses Pedal besitzt einen True Bypass.

3. Wampler Pinnacle

Der Pinnacle aus dem Hause Wampler ist sowohl in einer einfachen Ausgabe als auch als Deluxe-Version mit zwei Fußschaltern erhältlich. Die Regeloptionen sind hier mehr als üppig. Zum einen stehen ein Volume- und Gainregler zur Verfügung, und das Pedal besitzt neben dem Tone-Regler noch ein Contour-Poti, das an den Mittenfrequenzen ansetzt. In der Deluxe-Version steht dem User anstelle des Contourreglers ein Dreiband-EQ zur Verfügung und auch ein „Sag"-Regler wurde seitlich angebracht. Zwei Kippschalter wählen zum einen zwischen einem Modern- oder Vintage-Voicing bzw. schalten den Grundsound um, aber aktivieren auch einen "Valve Screamer“-basierten Gainboost mit anderer Zerrstruktur. Letzterer kann an der Deluxe-Version mit dem zweitem Fußschalter angeworfen werden. Das Pedal erlaubt den Betrieb zwischen 9V und 18V und kommt mit einem True Bypass.

  • Affiliate-Link (Deluxe): Wampler Pinnacle Deluxe V2 - (Produktseite auf thomann.de)
  • Test: n/a
  • Ladenpreis: 262,00 Euro/Deluxe Version (Juli 2020)

4. JHS The AT + (@+)

Beim AT+ handelt es sich um das Signature-Pedal von Andy Timmons aus dem Hause JHS. Das Vorgängermodell AT (ohne +) ist mit der Neuauflage klanglich identisch, allerdings kommt die Plusversion mit einem zusätzlich per Fuß aktivierbaren Boost.
Die Basis für das AT war der JHS "Angry Charlie", ein Pedal, das den Klang eines 800er Marshalls in Pedalform bringen sollte und im Prinzip eine Weiterentwicklung bzw. Variation der MI Audio Crunch Box war. Andy konnte jedoch ein paar seiner eigenen Ideen in diesem Modell verwirklichen, wie z.B. einen Dreifachkippschalter, der zwischen drei Gainstufen schaltet. Diese sind symbolisch als 25W-, 50W- oder 100W-Mode bezeichnet und unterscheiden sich in Zerr-, Kompressions- und Lautstärkeverhalten. Das Pedal lässt sich mit einem Gain- und Volume-Poti bearbeiten und besitzt einen EQ- und Air-Regler, die beide für das Einstellen der hohen Frequenzen zuständig sind. Das Pedal kann zwischen 9V und 18V betrieben werden und kommt mit einem True Bypass.

5. Mooer Cruncher

Beim Cruncher verrät sowohl der Name als auch die Farbe, dass Mooer hier ganz klar die MI Audio Crunch Box als Vorlage hatte, jenen legendären australischen Verzerrer, der den Klang des JCM800 auf Bodentretergröße schrumpft und die Blaupause für viele Super Lead MkII-Pedale war. Das chinesische Mooer-Pendant kommt natürlich deutlich preiswerter und steckt in einem Minigehäuse. Regelbar sind, wie bei der Ur-Crunchbox auch, Gain, Volume und Tone. Auch die Mooer-Variante kommt mit einem True Bypass.

6. Catalinbread Dirty Little Secret Red

Das Dirty Little Secret Pedal aus dem Hause Catalinbread war in seiner Standardversion bereits Gegenstand unserer Reihe über die Plexi-Pedale, allerdings haben wir es hier mit einer leicht modifizierten Variante und einer deutlich "heißeren" Auslegung zu tun. Zum einen wurden die Gainstages für mehr Zerre ausgelegt und zum anderen sind die Tiefmitten etwas aufgeklart. Hinzu kommt, dass die EQ-Sektion mehr in die HiFi-Richtung getrimmt wurde.
Intern lässt sich das Pedal zwischen Super Lead- und Super Bass-Mode umschalten. Das Pedal kann zwischen 9V und 18V betrieben werden und besitzt einen True Bypass.

Soundbeispiele:

Für die Soundfiles parke ich die Pedale vor einen halbwegs cleanen Fender Bassman aus dem Jahre 1973. Von dort geht es in eine 4x12" Cabinet IR Celestion Greenbacks.
Vollkommen identische Pedalsettings sind aufgrund unterschiedlicher Potiauslegungen für den Vergleich wenig zielführend und daher setze ich die Pedale auf Werte, die für mich den Sweetspot besonders gut herausarbeiten. Welche dies jeweils sind, kann dem Video entnommen werden.

1. Sound mit Humbucker

Am Anfang hört ihr ein halb-gepicktes Riff, gespielt mit einer Ibanez AZ 2402 in der Stegposition, als Repräsentant der „Superstrat"-Modelle, die in den 80er Jahren so verbreitet waren.

2. Sound mit Humbuckern - Powerchord Riff

Nun folgt eine Ibanez Artist 2619 mit dem Pickup in der Halsposition:

3. Gain Minimum vs. Maximum

Als nächstes hört ihr die Range des Gainpotis. Zum Einsatz kommt ebenfalls eine Ibanez Artist 2619 in der Stegposition:

4. Dynamisches Spiel

In den folgenden Files spiele ich zuerst mit den Fingern gepickt, wobei das Volume-Poti auf 5 steht, dann folgt bei gleichem Setting der Plektrumanschlag, und zum Abschluss drehe ich das Volume-Poti auf 10. Die verwendete Gitarre ist eine Fender Stratocaster in der Stegposition:

5. Songkontext

Zum Abschluss müssen sich die Pedale in einem Backingtrack behaupten. Sowohl auf der linken als auch der rechten Seite sowie im Leadpart ist jeweils das identische Pedal in der Reihenfolge des Artikels. Die Gitarre ist eine Ibanez AZ 2402 in der Stegposition:

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