Die besten Sänger aller Zeiten – Kurt Cobain

Als Nirvana im Herbst 1991 das Album Nevermind veröffentlichten, wurde die Musikszene Seattles endgültig zum weltweiten soziokulturellen Phänomen. Der Sound namens Grunge sprach einer Generation von unverstandenen jungen Menschen aus der Seele. Und im Zentrum dieser Bewegung stand Kurt Cobain. Der Songwriter aus Washington faszinierte Generationen von Menschen und Musiker*innen mit seinen Songs, in denen er Schmerz mit Humor, Poesie mit Groteske und Noise-Punk mit Pop verband. Die von Cobains Familie autorisierte Dokumentation Montage of Heck erlaubt einen seltenen intimen Blick in das kurze Leben und die Karriere des Mannes, der Songs wie Smells like Teen Spirit und Heart Shaped Box schrieb – und zeigt, wie eng bei ihm Kreativität und Zerissenheit verbunden waren.

Alamy, Fabio Diena

Triggerwarnung: Drogenmissbrauch, Suizid

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Vom hyperaktiven Scheidungskind zum drogenabhängigen Teenager

Kurt Donald Cobain wurde am 20. Februar 1967 in Aberdeen, Washington, geboren – einer damals gut situierten, mittelständischen Arbeiterstadt im Nordwesten der USA. Schon in seiner Kindheit hat er eine Reihe von Schwierigkeiten, wie depressive Verstimmungen und Mobbing in der Schule. Seine erst 19-jährige Mutter Wendy Fradenburg beschreibt ihn als hyperaktiv und schwer zu bändigen, der ebenfalls sehr junge Vater Donald Leland Cobain kam damit nicht gut zurecht.

Er machte Kurt schlecht und lächerlich und der schämte sich dann. Es hat ihn sehr verletzt, so blamiert zu werden.“

Von seinen Eltern missverstanden und von der Scheidung seiner Eltern überfordert, wurde Cobain im Alter von neun Jahren von einem Familienmitglied zum nächsten weitergereicht, doch niemand fand einen guten Umgang mit ihm. So landete er letztendlich, gegen ihren Willen, wieder bei seiner Mutter. Kurt selbst beschreibt diesen Lebensabschnitt so:

In der 8. Klasse hatte meine Mutter keine andere Wahl, als mich aufzunehmen, denn mein Vater packte meine Sachen und setzte mich bei ihr ab. Sie war sauer. Ich hatte ziemliche Komplexe. Und dann entdeckte ich die ultimative Form des Ausdrucks: Marihuana. Ich konnte den ganzen Tag lang meinen Sorgen entfliehen, ohne regelmäßige Nervenzusammenbrüche. Mir war alles egal. Ich beschloss, innerhalb des nächsten Monats meine Selbstmordpläne umzusetzen. (…) Ich bekiffte und betrank mich, ging runter zu den Gleisen, legte mich hin, legte mir zwei große Stücke Beton auf Brust und Beine und wartete auf den 23 Uhr-Zug. Er kam näher und näher und fuhr auf dem Nebengleis an mir vorbei, statt über mich drüber.“

Hat Punk-Rock Kurt Cobain gerettet?

Schließlich fand Kurt etwas, das ihm Halt gab: Punk-Rock. Buzz Osborne, der später als Sänger und Gitarrist der Punk-Band The Melvins bekannt wurde, gab Cobain Mixtapes mit den angesagten Punk-Bands der damaligen Zeit. Cobain vertiefte sich in die Musik, sang und spielte mit seinem Tape-Deck mit.

 „Das hat mich total umgehauen. Das traf meine Gefühle zu Gesellschaft und Politik, meine Wut und Entfremdung. Und mir wurde klar, dass es das war, was ich schon immer tun wollte.“

Bald begann er, selbst Musik zu machen. Zusammen mit dem Bassisten Krist Novoselic und – nach einigen Besetzungswechseln – dem Schlagzeuger Chad Channing gründete er die Band Nirvana. Seine damalige Partnerin Tracy Markanter erinnert sich an ihn als sehr ambitioniert und zielstrebig. Sie unterstützte Cobain sogar finanziell, als er sich dazu entschied, seinen Nebenjob aufzugeben und sich voll und ganz der Musik zu widmen.

Doch als Nirvana regelmäßig zu touren begannen, litt Cobain unter starken Magenschmerzen, übergab sich regelmäßig und spuckte beim Singen Blut. Seine Antwort auf die Schmerzen: Heroin.

„Fünf Jahre lang hatten mich ständige Bauchschmerzen so weit gebracht, dass ich mich umbringen wollte. Die Schmerzen wurden immer schlimmer, weil ich weder regelmäßig noch vernünftig aß.“

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Wie wurden Nirvana über Nacht zum weltweiten Phänomen?

1989 erschien das erste Album Bleach und verschaffte Nirvana eine erste Fanbase in der Punk-Szene. Auch auf einer kurzen Europatournee waren die Konzerte gut besucht. Während der Arbeit an dem zweiten Album gab es einige Veränderungen. Dave Grohl, heute vor allem als Frontmann der Foo Fighters bekannt, trat der Band als Drummer bei. Die Demoaufnahmen der neuen Songs brachten der Band einen Plattenvertrag bei Geffen Recordsein.

Mit Nevermind, von Butch Vigproduziert, gelang der große Durchbruch. Der Sound war druckvoller, die Songs eingängiger, und die Band eingespielter. In Kombination mit den charakteristischen Melodien und besonderen Texten von Cobain ergab sich ein Album, das die Massen begeisterte. Das Label hatte mit nur 50.000 verkauften LPs gerechnet und musste kurz nach Release alle anderen Tonträgerproduktionen stoppen, um die Nachfrage zu bewältigen.

Der endgültige Auslöser zum Hype um Nirvana war das Musikvideo zur Single Smells Like Teen Spirit, das auf MTV rauf und runter lief. Bereits nach wenigen Wochen waren eine Million Vinyl verkauft, nach vier Monaten verdrängte Nevermind sogar Michael Jackson von der Chartspitze. Aus dem kleinen Punk-Trio aus Washington war die bekannteste Band der Welt geworden.

Grunge war der Sound der Zeit und Nirvana die Band der Stunde?

Kurt Cobain wurde von der Musikpresse als die Stimme einer ganzen Generation gefeiert und galt als Symbolfigur des Grunge. Dieses neue, rohe und ehrliche Genre prägten unter anderem Soundgarden, Alice in Chains und Pearl Jam.

Doch trotz der Ambitionen Cobains und seiner Kollegen, mit ihrer Musik viele Menschen zu erreichen und ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, sagte er kurz vor dem großen Durchbruch in einem Interview:

„Ich finde es peinlich, dass so viele so viel erwarten. Wie oberflächlich, über eine Band zu sagen, dass sie die nächste Sensation sind. Denn das ist gar nicht unser Ziel. Man drückt uns diesen Stempel auf, ohne dass wir das wollen. (…) Darauf sind wir nicht vorbereitet. Und das werden wir auch nicht sein. Wir sind bereit, unsere Karrieren zu zerstören, wenn das passiert.“

Mit dem plötzlichen Erfolg konnte die Band nicht besonders gut umgehen. So reagierten die drei jungen Männer eher mit Skepsis und Zurückhaltung als mit Größenwahn und Euphorie. In einem anderen Interview-Ausschnitt, bei dem sie auf die überschwänglichen Kritiken zu ihrem Album angesprochen werden, gibt es lediglich eine kleine Tirade von Drummer Dave Grohl, man solle nicht alles glauben, was man liest, vor allem nicht Musikkritikern. Bassist Krist Novoselic sprach von Musik als persönliche Erfahrung und Kurt Cobain reagierte nur mit einem herzhaften Gähnen. Novoselic nannte den plötzlichen Erfolg sogar “irgendwie traumatisch“. Um mit dem Druck, dem Stress und seinem weiter unbehandelten Schmerzproblem umzugehen, verließ sich Cobain immer häufiger auf Heroin.

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Wie haben sich die öffentliche Aufmerksamkeit und die wachsende Popularität auf Kurt Cobains persönliches Wohlbefinden ausgewirkt?

1989 lernte Kurt Cobain die Musikerin Courtney Love kennen, Sängerin und Songwriterin der Band Hole. Drei Jahre später heirateten sie und bekamen ihre Tochter Frances Bean Cobain. Ihre Beziehung war intensiv und ist bis heute viel diskutiert. Die Dokumentation Montage of Heck zeigt, dass sie auch sehr von Liebe und Zuneigung geprägt war. Doch auch Drogen spielten eine große Rolle.

Mit wachsender Popularität rückte auch das Privatleben der Bandmitglieder stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. Unter der Zurschaustellung, Beurteilung und Stigmatisierung litt Cobain sehr. Auf die Frage, ob er befürchte, dass das schwierige Verhältnis zu seinen Eltern einen negativen Einfluss auf seinen Umgang mit seiner eigenen Tochter haben könne, sagte Cobain:

„Nein, mein Vater und ich sind grundverschiedene Menschen. Ich weiß, dass ich viel mehr Zuneigung zeigen kann als mein Dad. Selbst wenn Courtney und ich uns scheiden lassen würden, würde ich nie wollen, dass wir in eine Situation kommen, wo die Atmosphäre zwischen uns vor Frances negativ ist. Wenn wir zu etwas fest entschlossen sind, dann, dass wir Frances so viel Liebe geben, wie wir können. Wenn mich etwas davon abhält, diese Rock’n’Roll-Sache weiter zu verfolgen, dann ist sie es, denn ich will nicht, dass sie darunter leidet. Ich weiß nicht, was in den nächsten Jahren passieren wird. Das macht mir irgendwie Angst.“

Derweil nahm der Heroin-Konsum, dem Love und Cobain unter anderem zusammen frönten, stetig zu und Kurts gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich rapide.

In Utero – Ist Album Nr.3 Nirvanas Meisterwerk?

Nach einer längeren Schaffenspause fanden Nirvana wieder zusammen, um ihr drittes Album In Utero aufzunehmen. Während Bleach vor allem Punk-, Metal- und Noise-Elemente enthielt und Nevermind eher melodisch und eingängig war, vereinte das dritte Album beide Welten. Bis heute wird In Utero von Fans als Meisterstück gefeiert.

Gemeinsam mit dem Produzenten Steve Albini kehrte Nirvana zu einem härteren und experimentelleren Soundbild zurück. Damit wollten sie ein klares künstlerisches Statement setzen, das sich von ihrem fremdgeformten Image als Rockstars distanzierte.

In Utero erschien im Herbst 1993. Die anschließende Tournee begann im Oktober desselben Jahres. Im Rahmen der Tour entstand auch der legendäre MTV-Unplugged-Auftritt, bei dem Cobains angeschlagener Gesundheitszustand bereits unübersehbar war.

Die Tour musste im März 1994 aufgrund seiner anhaltenden Drogen- und Magenprobleme unterbrochen werden. Nach einem gescheiterten Suizidversuch in Rom und einem abgebrochenen Entzug wurde Cobain Anfang April 1994 tot in seinem Haus in Seattle aufgefunden. Er hinterließ einen Abschiedsbrief.

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Wie gelang es Nirvana, Musik zu schaffen, die ein breites Publikum ansprach? Von Noise-Punk bis Pop-Poesie

Warum gerade Nirvana aus der Seattle-Szene zu einer Weltsensation wurde, lässt sich nur mutmaßen. Sicher ist: Der Stil von Kurt Cobains Songs hatte etwas Einzigartiges, der Nirvana deutlich von anderen Musiker*innen unterschied. Nirvanas Sound und Songwriting erreichte nicht nur Genre-Fans, sondern eine breite Masse an Menschen.

Kurt Cobains Texte waren zwar zumeist düster, melancholisch und emotional stark aufgeladen, enthielten jedoch oft eine Art nihilistisch-humoristischen Unterton. Ab Nevermind waren die Songs sehr eingängig arrangiert und von einer fast schon unschuldig schön beatlesquen Melodik gespickt. Zusammen mit dem punkigen Sound der Band entstand eine gleichermaßen raue wie zugängliche Attitüde, die sich deutlich abhob.

Dieser Kontrast ist auf allen Ebenen ihrer Musik zu finden: Hart und laut gespielte Drums, die aber in ihren Grundzügen simpel und klar strukturiert sind; melodische Basslinien, wie bei McCartney, aber ohne zu weit in die Progressivität abzudriften; laute und aggressive Gitarrensounds, aber simple und eingängige Akkordfolgen, die stets von einem unerwarteten Akkord oder Riff unterbrochen werden. Dazu kommen Cobains rohe und unprätentiöse Vocals, die von eingängigen Melodien und Rhythmen getragen werden. Dunkle Themen, aber mit Humor und Leichtigkeit.

Von SM57 bis U87 – Welche Mikros benutzte Kurt Cobain?

Wie werden Nirvana Songs am besten eingefangen: simpel und ungeschönt!

Kurt Cobains Lieblingsmikrofone im Studio waren das Shure SM57 und Shure SM58 – diese nutzte er auch auf der Bühne.

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Zwar kamen gelegentlich auch andere Mikrofone zum Einsatz, wie zum Beispiel das Sennheiser MD441, das Neumann U87 und das AKG C414, seine Favoriten blieben aber einfache Shure-Mics.

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Genau so hielt es Cobain mit seinem Gitarrenequipment: Eine Fender-Gitarre mit lauten Humbuckern (z. B. eine Jaguar) ein lauter, cleaner Amp – häufig ein Twin Reverb, ein Chorus-Effekt oder EHX Small Clone – und ein oder zwei Distortionpedals (z. B. das Boss DS-1 oder das Proco RAT) waren alles, was Cobain brauchte, um seinen charakteristischen Sound zu formen.

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Verwendete Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Cobain
https://de.wikipedia.org/wiki/Grunge
https://de.wikipedia.org/wiki/Nirvana_(US-amerikanische_Band)
https://www.arte.tv/de/videos/060140-000-A/kurt-cobain-montage-of-heck/

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