Vor Kurzem verstarb mit Francis Buchholz der international erfolgreichste deutsche Bassist aller Zeiten. Als Mitglied der Scorpions (1973 bis 1992) verkaufte Francis Buchholz rund 100 Millionen Alben und füllte weltweit Stadien. Anlässlich seines Todes haben wir Francis bereits mit einem ausführlichen Nachruf gewürdigt. Heute werfen wir einen Blick auf sein musikalisches Wirken bei The Scorpions. Der hochgewachsene Bassist mit der blonden Lockenpracht stand zwar stets etwas im Schatten der drei Frontmänner Klaus Meine, Rudolf Schenker und Mathias Jabs, leistete jedoch mit seinem soliden Bassspiel einen enorm wichtigen Beitrag zum Erfolg des Quartetts aus der Leinestadt Hannover. Das legendäre Album „World Wide Live“ ist eine Art „Best Of“ der goldenen Ära der Scorpions. Sieben Songs daraus haben wir zum Anlass genommen, um die Basslines von Francis unter die Lupe zu nehmen.

(Bild: Konstantinos Tsakalidis / Alamy Stock Photo)
- The Scorpions – History
- Was prägt die Basslines der Scorpions und Francis Bucholz?
- Welches Equipment spielte Francis Buchholz?
- Die besten Basslines der Scorpions
- ▶ „Black Out“ – Bassline
- ▶ „Bad Boys Running Wild“ – Bassline
- ▶ „Make It Real“ – Bassline
- ▶ „Big City Nights“ – Bassline
- ▶ „Coast To Coast“ – Bassline
- ▶ „Rock You Like Hurricane“ – Bassline
- ▶ „No One Like You“ – Bassline
The Scorpions – History
Francis Buchholz spielte Anfang der 70er-Jahre in einer Band namens Dawn Road. Sein Gitarrenkollege war ein ehrgeiziger junger Uli Jon Roth. Was den beiden Musikern noch fehlte, waren ein Sänger und ein zweiter Gitarrist.
Wie es der Zufall wollte, war die ursprüngliche Besetzung der bereits existierenden Scorpions zerfallen – übrig geblieben waren lediglich Sänger Klaus Meine und Gitarrist Rudolf Schenker. Da man sich bereits aus der Hannover-Szene kannte, beschloss man im Jahr 1973 kurzerhand, gemeinsame Sache zu machen.

1974 erschien mit „Fly To The Rainbow“ das erste gemeinsame Album. Bis 1980 folgten „In Trance“, „Virgin Killer“, „Taken By Force“, „Lovedrive“ und „Animal Magnetism“. In dieser Zeit erspielten sich The Scorpions in Deutschland sowie großen Teilen Europas und Asiens eine treue Fangemeinde. Und auch in den USA war man bereits auf die vier Hannoveraner aufmerksam geworden.
Zwischendurch erfolgte ein entscheidender Besetzungswechsel: Gitarrist Uli Jon Roth verließ die Band und wurde durch Matthias Jabs ersetzt. Aufgrund stimmlicher Probleme von Klaus Meine stand die Band kurzzeitig sogar vor dem Aus, kam aber mit dem nächsten Album „Blackout“ im Jahr 1982 um so stärker zurück. Dank Singles wie „No One Like You“ kletterten die Scorpions an die Spitze der Charts und das Album wurde in den USA mit Platin ausgezeichnet.
Noch erfolgreicher wurde der Nachfolger „Love At First Sting“. Die Singles „Rock You Like A Hurricane“ und „Still Loving You“ zündeten weltweit und die Platte ist bis heute mit dreifach Platin in den USA und über 10 Millionen verkauften Exemplaren eines der erfolgreichsten Rockalben aller Zeiten. Die anschließende Welttournee war ein riesiger Erfolg und wurde auf dem Live-Album „World Wide Live“ festgehalten.

Wer gedacht hatte, es könne für eine Rockband aus Deutschland nicht noch weiter bergauf gehen, lag falsch: Die Tour zum Album „Savage Amusement“ führte die Scorpions als zweite Band überhaupt in der Sowjetunion, in die sie 1989 zurückkehrten, um beim „Moscow Music Peace Festival“ vor sage und schreibe 260.000 Menschen aufzutreten. Inspiriert von diesen Erlebnissen entstand der mit weitem Abstand erfolgreichste Scorpions-Song: „Wind Of Change“.
1992 wurde Francis Buchholz als Bassist und Geschäftsführer der „Scorpions Musikproduktion GmbH“ entlassen. Anlass waren Ungereimtheiten über 9 Millionen Euro aus den Einnahmen der Band. Nach dem Ausscheiden von Francis Buchholz, der die Band 1992 verließ, wurde Ralph Rieckermann der Bassist der Scorpions. Rieckermann war von 1993 bis 2003 fester Bestandteil der Band und prägte unter anderem die Alben der 1990er-Jahre mit, bevor er durch Paweł Mąciwoda ersetzt wurde.
Was prägt die Basslines der Scorpions und Francis Bucholz?
Francis Buchholz kann man durchaus ohne Übertreibung als “Vorzeige-Bassist” deklarieren: Er war stets in der Lage, sich der musikalischen Situation so anzupassen, dass er das Gesamtbild unterstützte, ohne sich in den Vordergrund zu drängeln. Er entwickelte geschmackvolle und band-dienliche Basslines sowohl zur experimentelleren Phase der Scorpions mit UIi Jon Roth, als auch zur späteren radiotauglicheren Version des Quartetts aus Hannover.
Häufig waren seine bevorzugten Rhythmen eine Mischung aus Viertel- und Achtelnoten und er ließ gerne viel Luft für den Rest der Band. Meist doppelte Francis die Akzente von Drummer Hermann Rarebell, für dessen Fills er aber stets einen Schritt zurück tat.
Francis besaß ein fundiertes harmonisches Wissen um Skalen und Akkorde und nutzte dies für seine Basslines. Zwar beschränkte er sich häufig auf den Grundton und die Oktave der jeweiligen Akkorde (was bei einer Band mit zwei dominanten Gitarristen fraglos am meisten Sinn macht). Für Überleitungen, Fills oder auch manche Basslines griff er aber immer wieder auf Tonleitern zurück. Erstaunlich selten nutzte er die im Rock-Genre häufig überstrapazierte Moll-Pentatonik. Francis klang dadurch immer etwas kultivierter und überlegter als viele Kollegen seiner Zeit.
Welches Equipment spielte Francis Buchholz?
In den frühen Jahren der Scorpions war Francis ausschließlich mit diversen Fender Precision-Bässen zu sehen. Anfang der 80er-Jahre mogelten sich ein Gibson Thunderbird und ein Alembic Exploiter dazu. Später war Francis eng mit der deutschen Marke Warwick verbunden und nutze vor allem diverse Streamer-Modelle.
In TV-Auftritten und Live-Konzerten aus den 70er- und frühen 80er-Jahren sieht man Francis Buchholz hauptsächlich mit Amps und Boxen der britischen Kultmarke Hiwatt. Spätere Videos zeigen ihn mit dem Ampeg SVT, welcher quasi der Industriestandard für Rockbass-Spiel war und ist. Auch Marshall-Verstärker und -Boxen gehörten gelegentlich zu seinen Favoriten. Darüber hinaus war Francis eher Purist und nutzte wenig bis keine Effekte. Die Sättigung und Kompression in seinem Sound stammen hauptsächlich von seinen Röhrenamps.

(Bild zur Verfügung gestellt von Warwick)
Die besten Basslines der Scorpions
Die Reihenfolge der Songs unserer Auswahl richtet sich nach ihrem Vorkommen auf dem „World Wide Live“-Album und nicht nach Schwierigkeitsgrad oder anderen Kriterien.
▶ „Black Out“ – Bassline
▶ „Bad Boys Running Wild“ – Bassline
▶ „Make It Real“ – Bassline
▶ „Big City Nights“ – Bassline
▶ „Coast To Coast“ – Bassline
▶ „Rock You Like Hurricane“ – Bassline
▶ „No One Like You“ – Bassline
R.I.P., Francis Buchholz – danke für deine zeitlosen Basslines!
Thomas Meinlschmidt



