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Warner fordert Geld für “Jerusalem Challenge”-Videos von Polizei und Krankenhauspersonal

Die sogenannte “Jerusalema Challenge” sollte im vergangenen Jahr den tristen Corona-Alltag aufhellen und mit spaßigen Tanz-Videos weltweit für Abwechslung in Risikogruppen und systemrelevanten Arbeitsfeldern sorgen. Nun folgt der Rattenschwanz: Ein Major-Label verlangt Geld für die Nutzung des Songs. 

FOTO: Screenshot aus dem angehängten Video
FOTO: Screenshot aus dem angehängten Video


Auf “Happy” folgt “Jerusalema”. Mit Sicherheit erinnert ihr euch an die unzähligen Tanz-Videos zu Pharrell Williams Smash-Hit “Happy” von vor gut sechs Jahren. Damals hatten unzählige Menschen auf der ganzen Welt, inspiriert von dem Musikvideo zu dem Nummer Eins Hit, teils sehr aufwendige Kurzfilme aufgenommen, in dem sie zu der Musik tanzten. Ganze Firmen, Feuerwehrstationen und auch Staatsregierungen nahmen an der Challenge teil, um sich selbst zu präsentieren, PR zu machen oder einfach nur Spaß zu haben. 
Gleiches geschah im vergangenen, von der Corona-Krise geprägten Jahr 2020 mit dem Song “Jerusalema” von Master KG. Der aus Südafrika stammende Sänger erreichte mit seiner Nummer millionen Menschen auf der ganzen Welt. Auf YouTube hat das zugehörige Video mittlerweile über 330 Millionen Klicks. Selbst das Staatsoberhaupt von Südafrika, Cyril Ramaphosa, animierte seine Bürger, zu dem Song zu tanzen. In Deutschland veröffentlichten etliche Polzeistationen, Krankenhausbelegschaften und andere große und kleine Firmen Videos zur “Jerusalema Challenge”. Es sollte vor allem darum gehen, in Zeiten der Krise auch mal fröhliche Botschaften in die Welt zu senden. 
Einige Monate nach der Video-Flut könnte die Challenge jedoch ein sehr kostspieliges Nachspiel haben. Denn: Warner Music, also das Label hinter Master KG, fordert nun die Lizenzgebühren für sämtliche Videos ein! Eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums bestätigte dies bereits. Auf dem YouTube-Kanal des Ministeriums findet sich noch immer ein Tanz-Video, welches die Polizei-Dienststelle Märkischer Kreis zeigt. Mittlerweile lässt sich unter dem Video die offizielle Lizensierung der Musik an Warner Music erkennen. Man habe sich mit dem Major-Label auf eine nicht genannte Summe geeinigt, um den Image-Film online lassen zu dürfen, erläuterte die Sprecherin. 
Gegenüber Focus Online lässt sich eine Sprecherin von Warner Music mit den Worten “wir lieben die Tatsache, dass die Fans hinter “Jerusalema” stehen. Aber wenn Organisationen in Deutschland den Song nutzen, um sich selbst zu promoten, sollten sie sich unserer Meinung nach eine Synchronisationslizenz sichern,” zitieren. Gerade in Zeiten der Corona-Krise sei es umso wichtiger, Künstlerinnen und Künstler fair zu bezahlen und zu unterstützen, heißt es in dem Statement weiter. 
Für viele Firmen und vor allem auch Krankenhäuser kam eine solche Zahlung jedoch nicht in Frage. Das Video des Düsseldorfer Uni-Klinikums haben die Verantwortlichen deshalb vom Netz genommen. Dies genügte der Plattenfirma zunächst um keine weiteren Zahlungen zu verlangen und auch die erste Rechnungsstellung nicht weiter zu verfolgen. 
Am Ende ist es schon fraglich, warum man zunächst eine Tanz-Challenge zu einem Musik-Video bewirbt, damit der Song zum Hit wird und Viral geht, nur um dann die kostenlose PR den Fans nachträglich in Rechnung zu stellen. Auf der einen Seite ist es nur logisch, dass Musiker fair für ihre Musik bezahlt werden. Ob “Jerusalema” jemals zu einem Hit dieser Größenordnung geworden wäre, wenn die Challenge von Anfang an Geld und damit eine vermutlich sehr hohe Anzahl an Teilnehmern gekostet hätte, bleibt höchst fraglich. Genauso kann man sich wiederum darüber streiten, ob es tatsächlich nötig war, Steuergelder für derartige Polizei-PR-Videos auszugeben, wie es das NRW Innenministerium nun getan hat. Schließlich sollte die PR-Abteilung des Ministerium doch eigentlich gewusst haben, wie man Musik korrekt lizensiert, oder? 

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von Niklas Wilhelm

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