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Sound-Workshop: Stimmbare Kickdrum Jason Derulo feat. Snoop Dogg „Wiggle“

In dieser Folge des Sound der Woche Workshops zeigen wir, wie man eine stimmbare Kickdrum programmiert, wie sie zum Beispiel im Hit „Wiggle“ von Jason Derulo feat. Snoop Dogg vorkommt. Die an die legendäre Roland TR-808 erinnernde Bassdrum lässt sich wie ein Bass spielen und verleiht dem Track ein solides Fundament.

(Foto: Ben Watts / Warner Music. Montage: bonedo.de)
(Foto: Ben Watts / Warner Music. Montage: bonedo.de)


Erfahrene Produzenten wissen, dass es den Sound runder und fetter machen kann, wenn die Stimmung der Bassdrum zur Tonart des Tracks passt. Manchmal ersetzt eine stimmbare und auf der Tastatur spielbare Kick den Bass gleich ganz. Besonders die analoge Bassdrum aus der TR-808 eignet sich wegen ihres bei Bedarf langen Ausklangs und der Sinus-ähnlichen Klangfarbe gut dafür. In diesem Workshop basteln wir einen ähnlichen Sound.
Damit alle mitschrauben können, habe ich wieder den kostenlosen Softwaresynthesizer u-he Tyrell N6 verwendet, der für fast alle Systeme und Plugin-Formate erhältlich ist. Wir beginnen mit dem Default-Sound, der beim Start des Tyrell automatisch geladen ist und natürlich noch überhaupt nicht nach Bassdrum klingt:

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Schritt 1: Default-Sound

Um auf einem analogen oder virtuell-analogen Synthesizer eine Bassdrum zu programmieren, gibt es im Prinzip zwei Möglichkeiten: Entweder, man verwendet Oszillatoren mit Sinus- oder ersatzweise Dreieckschwingungen, oder man macht sich die Eigenschwingung (Selbstoszillation) des Filters zunutze. Für unseren Sound werden wir eine Kombination beider Verfahren anwenden. Ich empfehle zum Thema analoge Drumsounds auch unseren Novation Bass Station II Workshop Soundprogrammierung – ein Synth, der so etwas auch sehr gut kann.
Als erstes solltet ihr rechts oben bei MODE „mono“ auswählen, denn eine polyphone Bassdrum würde zu matschigen Frequenzüberlagerungen führen. Dann regelt ihr im Mixer erstmal alle Klangquellen ganz herunter – wir werden uns zuerst um das selbstoszillierende Filter kümmern. In der Filtersektion dreht ihr die Resonanz RES ganz auf und regelt den Cutoff CUT auf 72.00. Das sollte so klingen, egal welche Note ihr auf der Tastatur spielt:

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Schritt 2: Eigenschwingung des Filters

Um den Sound tonal spielen zu können, müssen wir nun noch das Filter-Keytracking mit dem Regler KEYFOLLOW ganz aufdrehen. Jetzt wird der Cutoff von den auf der Tastatur gespielten Noten beeinflusst. Mit dem Cutoff-Regler kann man den Sound so stimmen, dass beim Spielen der Taste „A“ auch wirklich ein A erklingt. Beim eben eingestellten Wert von 72.00 passt es ganz gut.
Übrigens könnte man an dieser Stelle mit der Filterhüllkurve leicht eine abfallende Stimmung der Bassdrum einstellen, wie sie auch gern verwendet wird. Da unser Sound aber gleichzeitig die Funktion eines Basses übernehmen soll, wäre das in diesem Fall eher kontraproduktiv.

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Schritt 3: Filter-Keytracking

Zur Unterstützung fügen wir nun noch Oszillator 1 mit einer Dreieckschwingung hinzu. Regelt in der Oszillatorsektion SHAPE 1 auf Dreieck (2.00) – ihr könnt hiermit gern experimentieren. Im Mixer wird OSC1 ganz aufgedreht.

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Schritt 4: Zusätzlicher Dreieck-Oszillator

Jetzt müssen wir noch die Amp-Hüllkurve ENV1 einstellen. Sie bekommt folgende Werte: ATTACK = 5.00, DECAY = 40.00, SUSTAIN = 0, RELEASE = 40.00. Eigentlich würde man hier die Attack-Zeit auf Null lassen, aber dann erzeugt der Tyrell ein unschönes Knacken, deshalb habe ich sie leicht erhöht. Dabei geht ein bisschen Punch verloren, das wir uns gleich in der Nachbearbeitung zurückholen.

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Schritt 5: Amp-Hüllkurve

In der DAW habe ich den Sound noch durch ein Enveloper- bzw. Transient-Designer-Plugin geschickt, um die Attackphase etwas zu betonen. Außerdem kommt ein Bitcrusher-Effekt zum Einsatz, der den Klang leicht anzerrt.

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Schritt 6: Fertiger Sound mit Enveloper und Bitcrusher

Das Preset für den Tyrell könnt ihr euch hier herunterladen. Wo es gespeichert werden muss, steht hier.

Fotostrecke: 2 Bilder “Wiggle” – der fertige Sound im Tyrell
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(Foto: Ben Watts / Warner Music. Montage: bonedo.de)

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von Lasse Eilers

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