Welches Tonmaterial, welche Rhythmik, welche Akkorde und welches Equipment lassen Basslines eigentlich nach Metal klingen? Diese Aspekte sind extrem wichtig, wenn man Basslines für die eigene Band bzw. die eigenen Songs entwickelt oder auf der Suche nach dem nächsten ultimativen Riff ist. In diesem ersten Teil zum Thema „Metal-Bass lernen“ werfen wir einen Blick auf authentisches Tonmaterial und beliebte Rhythmen. Im zweiten Teil geht es dann um für Metal besonders geeignetes Equipment.

(Bild: ZUMA Press, Inc. / Alamy Stock Photo)
- Warum klingt Metal eigentlich „böse“?
- Welches Tonmaterial klingt nach Metal?
- Welche Rhythmik und welche Grooves klingen nach Metal?
- ▶ Durchgehende Achtel / Sechzehntel / Triolen
- ▶ Galopping Horse
- ▶ Blast- oder Grindbeats
- ▶ Unisono-Akzente für maximalen Druck
- ▶ Simpler Drumbeat – komplexes Riff
- ▶ Komplexer Drumbeat – Lange Töne
- ▶ Rhythmische Überlagerungen
- ▶ Ungerade Taktarten
- ▶ 6/8-Takt mit Subdivisions
Warum klingt Metal eigentlich „böse“?
Warum klingt Metal eigentlich so „böse“, „aggressiv“, „dunkel“, „brutal“, „depressiv“? Zunächst eine allgemeine Bemerkung aus Sicht der Musiktheorie bzw. Harmonielehre. Dieser Blickwinkel wird ja gerne mal als „verkopft“ bezeichnet und als konträr zu „Feeling“ dargestellt, vor allem im Bereich Rock/Metal.
Das ist natürlich kompletter Blödsinn, denn Musiktheorie ist nichts anderes als niedergeschriebene Praxis. Niemand hat Regeln aufgestellt und behauptet, alleine danach müsse nun musiziert werden. Das Umgekehrte ist der Fall: Man hat in bereits bestehender Musik wiederkehrende Muster entdeckt und diese dann dokumentiert, um sie allgemeingültig zugänglich zu machen.
Das gilt selbstverständlich auch für das Genre Metal, welches über Jahre und Jahrzehnte organisch entstanden ist. Und siehe da: Auch dieses Genre besitzt wiederkehrende Merkmale, die identitätsstiftend sind. Und um diese Merkmale geht es heute.
Dass Metal nach den genannten Attributen klingt, hängt mit unterschiedlichen Faktoren zusammen: Tonmaterial, Rhythmik, Sound, Dynamik – und natürlich mit der emotionalen Tiefe, welche die Musiker in den Song geben. Letztere lässt sich nicht analysieren, die übrigen Aspekte aber schon. Sich dieser stilistischen Merkmale bewusst zu sein, kann daher eine große Hilfe bei der Suche nach Inspiration für den nächsten Song oder das nächste Riff sein.

(Bild: Cinematic / Alamy Stock Photo)
Welches Tonmaterial klingt nach Metal?
Eines kurz vorweg: Natürlich wird im Metal-Bassspiel noch weitaus mehr Tonmaterial verwendet, als die in diesem Workshop aufgeführten Optionen. Die aufgezählten Punkte sind aber sehr gebräuchlich und damit auch prägend für das gesamte harte Genre.
Hier ist ein PDF mit den verschiedenen Optionen inklusive kurzer Songbeispiele. Davon gäbe es natürlich noch unzählige mehr, das Sheet sollte aber als Startpunkt für eure eigene Recherche ausreichen.
- Tritonus: Dieses Intervall klingt einfach böse, mysteriös, etc. und ist daher extrem beliebt in Metal
- Halbton: Ähnliches gilt für den Halbton, wirkt er doch stets leicht dissonant, irgendwie „evil“ und dunkel.
- Moll-Pentatonik bzw. Bluestonleiter: Dieser Klassiker funktioniert in den allermeisten Genres, durch die verminderte Quinte beziehungsweise übermäßige Quarte, welche wieder einen Tritonus zum Grundton darstellt, ist sie auch für Metal wie gemacht.
- Moll-Tonleiter + b5: Metal besitzt häufig etwas Melancholisches/Depressives, und hier ist die natürliche Molltonleiter (Aeolisch) bestens geeignet. Sie kommt oft in Reinform vor, gerne schleicht sich aber auch hier wieder die verminderte Quinte ein.
- Chromatik: Chromatik erzeugt einen Eindruck von Atonalität, was bedeutet, dass wir uns nicht in einer bestimmten Tonart befinden, sondern im tonalen Chaos. Dies erzeugt eine Art „destruktive Stimmung“ – und eignet sich daher perfekt für Metal.
- Phrygisch: Dieser Modus ist im Prinzip eine natürliche Molltonleiter mit einer kleinen None gleich zu Beginn. Vom Grundton zur zweiten Stufe ist es nur ein Halbton, von dem wir bereits wissen, wie gut er in diesem Genre funktioniert.
- Harmonisch Moll, Phrygisch Dominant: Metal und Klassik gehen schon immer gerne Hand in Hand. Aus der Klassik bedient man sich der Harmonischen Moll-Tonleiter, welche sich zur Natürlichen Moll-Tonleiter durch eine erhöhte Septime unterscheidet. Noch interessanter wird es, wenn man Harmonisch Moll von der fünften Stufe spielt. A Harmonisch Moll beginnt somit ab dem E. Auf diese Weise entsteht die sogenannte Phrygisch-Dominant-Skala. Sie transportiert einen mysteriösen, orientalisch anmutenden Charakter, der in vielen Metalsongs zu hören ist.
- Pedalton über ein Riff: Hier geht es weniger um spezifisches Tonmaterial, sondern um einen kleinen harmonischen Kniff. Über einige Gitarrenriffs kann man als Bassist nämlich ganz wunderbar nur den Grundton als sogenannten „Pedalton“ spielen – zumindest für eine Weile. Dies erzeugt Reibung und Spannung, was gern genommene Effekte im Metal sind.
- Power Chords: Power Chords, also das gleichzeitige Spiel von Grundton, Quinte und der optionalen Oktave, machen den Sound einfach richtig rund und fett – und wer möchte das nicht im Metal?

Welche Rhythmik und welche Grooves klingen nach Metal?
Selbstverständlich gibt es nicht nur wichtiges Tonmaterial, sondern auch stilprägende Rhythmen und typische Grooves im Metal-Genre. Bei diesem Workshopteil habe ich mich für eigene Soundbeispiele entschieden, da sich die aufgeführten Punkte mitunter lediglich an einigen bestimmten Stellen innerhalb eines Songs vorkommen, und ich möchte euch gerne die lästige Suche ersparen.
In der hier verlinkten PDF-Datei findet ihr schon mal alle Noten/TABs zu den hier nachfolgend aufgezählten Beispielen auf einen Blick:
▶ Durchgehende Achtel / Sechzehntel / Triolen
Was in vielen anderen Genres gilt, trifft natürlich auch auf Metal zu: Durchgehende Achtel, Sechzehntel oder Triolen sorgen für ordentlich Schub und ein solides Fundament. Häufig werden sie auch als Kontrast zu komplexen Riffs eingesetzt.
▶ Galopping Horse
In den 80er- und 90er-Jahren zwar deutlich populärer, aber dennoch nach wie vor relevant ist der „Galopping Horse“-Rhythmus, der aus einer Achtel und zwei Sechzehntel pro Viertel besteht. Diese rhythmische Figur hört sich ähnlich wie ein galoppierendes Pferd an.

(Bild: Gonzales Photo / Alamy Stock Foto)
▶ Blast- oder Grindbeats
Bei Blast- oder Grindbeats spielen Snare und Bassdrum in sehr hoher Frequenz (häufig sogar gleichzeitig) und erzeugen mit 16tel, 32tel oder Sechzehnteltriolen eine „Wall Of Sound“.
Je nach Tempo werden Snare und Bassdrum von uns am Bass gedoppelt oder der Bass bleibt eine Ebene darunter. Spielen die Drums zum Beispiel 32tel, kann man sich gerne 16tel-Noten begnügen. Dies klingt häufig wesentlich transparenter.
▶ Unisono-Akzente für maximalen Druck
Fett, druckvoll, brachial, etc. wollen alle Metalbands klingen. Ein Weg in Richtung dieses Ziels ist, so viele Akzente wie möglich zusammen zu spielen, um maximalen Druck zu erzeugen. Bassdrum bzw. Snare, Gitarre und Bass spielen also den gleichen Rhythmus.

▶ Simpler Drumbeat – komplexes Riff
Ein interessanter und sehr transparent klingender Ansatz ist ein Kontrast zwischen Schlagzeug sowie der Gitarre bzw. dem Bass in Bezug auf die Menge der gespielten Töne.
Während die Saiteninstrumente z. B. ein sehr dichtes und/oder komplexes Riff spielen, kontrastiert das Schlagzeug das musikalische Geschehen mit einem eher simpel gehaltenen Groove. Die Gefahr, dass das Arrangement zu überladen klingt, wird auf diese Weise sehr geschickt umgangen.
▶ Komplexer Drumbeat – Lange Töne
Natürlich funktioniert auch das Gegenteil: Hier spielen die Drums einen recht dichten und komplexen Groove, während wir mithilfe von langen Noten Ruhe ins Spiel bringen.

▶ Rhythmische Überlagerungen
Die Viertelpulsschläge innerhalb eines Taktes werden von den Instrumenten nahezu immer in noch wesentlich kleinere Einheiten unterteilt, also Achtel, Triolen oder – wie in unserem Beispiel – Sechzehntel-Noten. Pro Viertelschlag ergeben sich hier vier Sechzehntel.
Spielen und wiederholen wir nun einen Rhythmus, der kürzer oder länger ist als diese Vierergruppe (z. B. drei, fünf oder sechs Sechzehntel), so verschieben und überlagern sich automatisch unsere gespielten Akzente mit denen des natürlichen (Viertel-)Pulses.
Dies führt zu einer rhythmischen Spannung, die für Verwirrung und eine Art „destruktiven Effekt“ sorgt. Manchmal schließt sich uns auch das Schlagzeug noch an, in meinem Beispiel markiert es jedoch schlicht den Puls.
▶ Ungerade Taktarten
Ungerade Taktarten gepaart mit harten Riffs erzeugen ebenfalls den soeben beschriebenen “destruktiven Effekt”, was im Metal ja durchaus gewollt sein kann. Teilweise werden sie an einen 4/4-Takt angehängt, so dass z. B. drei 4/4-Takte und ein 7/8-Takt eine Gruppe ergeben. An anderer Stelle stehen dafür gleich ganze Parts in einer ungeraden Taktart. Für mein Beispiel habe ich mir einen 7/8-Takt ausgesucht:

(Bild: SOPA Images Limited / Alamy Stock Photo)
▶ 6/8-Takt mit Subdivisions
Ebenfalls in die Kategorie „Taktart“ fällt der 6/8-Takt. Er ist sowohl bei Balladen als auch bei schnelleren Tempi beliebt. Hier werden die Achtel gerne noch einmal in Sechzehntel oder Sechzehnteltriolen unterteilt. Gitarre und Bass doppeln dann häufig den Rhythmus der Bassdrum.
Das war’s für heute! Im demnächst erscheinenden zweiten Teil unseres Metal-Bass-Workshops beschäftigen wir uns mit speziellen Equipment für dieses Genre.
Viel Spaß und bis dahin, Thomas Meinlschmidt







