Bass Test_Saiten
Test
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30.05.2018

Vergleichstest: Flatwound-Saiten für E-Bass

"Welche Flatwound Strings sind die richtigen für mich?"

15 Sets geschliffene Basssaiten im Direktvergleich

Bis weit in die 70er-Jahre hinein waren Flatwound-Saiten auf dem E-Bass absoluter Standard. Ab dann verloren sie von Dekade zu Dekade immer mehr an Bedeutung und wichen nach und nach nahezu vollständig der Roundwound-Saite. Gemeinsam mit weiterentwickelten Verstärker- und Lautsprechertechnologien erlaubten die ungeschliffenen Roundwounds eine neue HiFi-geprägte Klangästhetik, die dem fortschreitenden Zeitgeist entsprach. Doch wer hätte je gedacht, dass Flatwound-Saiten nach einem derart fulminantem Rollenwechsel einmal eine gigantische Renaissance nach der Milleniumwende erfahren würden?

Verantwortlich dafür ist einerseits der seit Jahren boomende Vintage-Trend. Alt, gebraucht, verbraucht oder zur Not auch nachträglich künstlich auf alt getrimmt - diese Features sind en vogue, und Patina ist sexy! Der Lack abgeschabt, der Korpus des Instrumentes mit Kanten und Kratzern übersät, das Holz mit dem Schweiß einer ganzen Generation getränkt, die Hardware korrodiert, der Gesamtlook leicht angegammelt - dazu passen doch eigentlich nur Flatwound-Saiten, oder? Ohne sie kann man in diesem Zusammenhang unmöglich von "authentisch" sprechen!

Die Nostalgie mag sicherlich ein Faktor sein, der diesen Trend umschreibt und erklärt. Nostalgie betrifft aber eher Optik und Haptik - beides Aspekte, die vorrangig leidenschaftlichen Sammlern feuchte Augen bescheren. Die andere Erklärung ist tatsächlich rein musikalischer Natur.

Ein persönliches Erlebnis mag das Phänomen näher erläutern:

2002 ging ich in ein kleines Programmkino, um einen Film zu sehen, den ich mit Spannung erwartet hatte - und war zu meinem Erstaunen der einzige Zuschauer in dem Kino! Der Film, den ich in dieser "Privatvorstellung" zu sehen bekam, hieß "Standing in the Shadow of Motown". Der Filmtitel entsprang einem Tribute-Buch über James Jamerson, das Jahre zuvor erschienen war und vielen Bassisten ein Begriff sein dürfte. Im Vorspann der Kinoversion des Films sah man die schattige Silhouette eines Bassisten auf einem Barhocker, der einen unglaublich mitreißenden Groove auf einem Precision-Bass spielte - wie ich später im Abspann las, war dieser Bassist Pino Palladino.

Schon ab diesem Moment war ich komplett von dem Sound weggeblasen, der eine grandiose Mischung aus vollem, warmen Ton und spürbar starker Perkussivität beinhaltete. Der Film ist eine Hommage an die legendären "Funk Brothers" - jene Studiomusiker, die im Detroiter "Hitsville-Studio" in den 60er- und frühen 70er-Jahren nahezu alle Aufnahmen für das Plattenlabel "Motown" einspielten. Allen voran die Bassisten-Ikone James Jamerson, später aber auch Bob Babbit, Wilton Felder und andere.

Man kann gut und gerne sagen, dass mit diesem Film ein Grundstein für die Flatwound-Renaissance gelegt wurde, verbunden mit einer verdienten, wenn auch stark verspäteten Anerkennung für die enormen musikalischen Leistungen dieser genialen Musikergeneration. Unter diesem Licht betrachtet ändert sich auch der Fokus, und analysiert man aus heutiger Sicht Aufnahmen aus den 60er- und 70er-Jahren, so wird einem bewusst, wie genial einige der Basssounds zu jener Zeit wirklich waren, trotz oder gerade eben aufgrund der Verwendung von Flatwound-Saiten.

Also kam man in den letzten 15 Jahren allmählich zu der Erkenntnis, dass Flatwound-Saiten gewisse tonale Qualitäten aufweisen, welche man jahrelang verkannt hatte und die gegenüber der Roundwound-Saite durchaus als Vorteile verbucht werden können: Einerseits ist es der perkussive Anteil im Ton, der dafür Sorge trägt, dass der Basssound mehr Punch erhält, und der die erste Impulsphase des gespielten Tons deutlicher hervortreten lässt als Roundwound-Saiten. (Dieser Effekt wird häufig sogar noch bewusst verstärkt durch die Verwendung von Schaumstoffdämpfern!)


Hier könnt ihr einen isolierten Basstrack von James Jamerson hören. Der Song heißt "Ain't That Peculiar".

 

Dazu gesellt sich der Vorteil, dass eine Flatwound-Saite wegen ihrer glatten Oberfläche weniger Nebengeräusche erzeugt, also etwa Saitenscheppern, Rutschgeräusche der Greifhand, oder auch Kratzgeräusche beim Plektrumspiel. Zusätzlich punkten Flatwounds aufgrund ihrer glatten Oberfläche dadurch, dass sie schonender für die Bünde sind - und bei Fretless-Bässen extrem sanft zum Griffbrett.

Zwar sind Flatwounds in der Anschaffung meistens etwas teurer als ihre ungeschliffenen Mitbewerber, doch dafür halten sie wesentlich länger (wenn nicht sogar "ewig"), und klingen sogar nach längerer Nutzung noch besser als frisch nach dem Aufziehen. Außerdem muss man anmerken, dass technologische Entwicklungen der letzten 35 Jahre auch nicht grußlos an der Saitenherstellung vorbeigegangen sind. Die Flatwound-Saite von heute hat qualitativ enorm zugelegt!

Wo liegen die Unterschiede im breit gefächerten Angebot?

Mittlerweile gibt es eine beachtliche Zahl an unterschiedlichen Flatwound-Saiten, sodass sich zwangsläufig die Frage stellt: Welche Saiten soll ich für meine Zwecke kaufen? Um euch einen Überblick zu verschaffen und die Qual der Wahl etwas zu erleichtern, haben wir uns der Aufgabe gewidmet, 15 verschiedene Saitensätze miteinander zu vergleichen. Wie immer geht es bei solchen Vergleichstests nicht zwangsläufig um die Frage eines "besser" oder "schlechter", sondern vielmehr um das Herausfiltern bestimmter Eigenschaften und gewisse Empfehlungen für die Verwendung.

Für mich als Tester war es dabei wichtig, meine persönlichen Präferenzen auszublenden und bei jedem neu aufgezogenen Saitensatz neutral zu urteilen. Außerdem habe ich versucht, auch Punkte zu berücksichtigen, die bei scheinbar negativen Eigenschaften bei gewissen Anwendungen als Vorteil erscheinen können. Weist ein Saitensatz zum Beispiel ein geringes Sustainverhalten auf und eine deutlich dumpfer klingende E-Saite, so muss das dennoch kein Drama sein, wenn man die Saiten ohnehin mit einem Mute abdämpft und zusätzlich die passive Höhenblende am Bass zurückdreht.

Ein weiterer Punkt betrifft die Länge der Saite bis zum Aufwickelpunkt an den Mechaniken. Idealerweise sind die Saiten so ausgemessen, dass zwischen Sattel und Mechanikachse - also dem Bereich der Kopfplatte - die äußeren Saitenwicklungen aufhören und nur eine dünnere Kernumwicklung über die Mechanik führt. So zumindest die Theorie. Leider erweisen sich die Kopfplatten und die Anordnung der Mechaniken bei vielen E-Bässen extrem verschieden, und so ist dies eine Frage des gesunden Mittelmaßes. Es kann durchaus vorkommen, dass eine Saite mit der vollen Wicklung bis zu der Mechanik oder weit darüber hinaus reicht und dann über die Achse gewickelt werden muss. Das ist nicht zwangsläufig ein Nachteil, wenngleich dadurch der Komfort eingeschränkt wird, mit dem die Saite aufgezogen werden kann. Allerdings sind kleine Mechanikachsen, wie sie bei geschlossenen bzw. verkapselten Mechaniken üblich sind, mitunter problematisch: Sobald die voll umwickelte Saite um eine solch kleine Achse gewickelt werden muss, ist nicht ausreichend Platz vorhanden!

Hörbare Auswirkungen auf das Schwingverhalten der Saiten können auftreten, wenn die Seidenstoffumwicklung an den Saitenenden ab den Ballends über die Bridge laufen. Dies kann vorkommen, wenn die Strecke der Saite zwischen Bridgeaufhängung und Steg sehr kurz ist. Wann immer dies während dieses Tests der Fall war, wird es in der Bewertung selbstverständlich erwähnt.


Bernard Edwards von der Gruppe Chic war bekannt für den Sound seinen Music Man Stingray-Basses, den er ebenfalls mit Flatwound-Strings bespannte.

 

Testsituation:

Für den Test habe ich mich für ein möglichst unkompliziertes Setup entschieden: Testbass war ein Fender Precision American Standard Bass mit immer voll aufgedrehter, passiver Tonblende. Das Signal wurde aufgenommen über eine A-Design Reddi Röhren-DI-Box. Auch wenn man bei Precision-Bässen insbesondere bei Vintage-Sounds die Tonblende gerne etwas zudreht, habe ich sie zur besseren Beurteilung der Klangeigenschaften der Saiten immer offen gelassen (mit Ausnahme der Beispiele im Videoclip). Die Soundfiles wurden über dies hinaus nicht nachbearbeitet, also weder komprimiert, equalized, normalisiert etc. - zu hören ist stets das reine und unverfälschte Basssignal.

Zu jedem Satz Flatwounds wurden vier kurze Soundbeispiele unter möglichst identischen Bedingungen bzgl. Anschlagstärke und Anschlagposition aufgenommen. Zwei Beispiele wurden mit Fingern eingespielt, zwei mit Plektrum (eines davon mit einem Schaumstoffdämpfer, der vor der Bridge unter die Saiten geführt wurde).

  1. Klassischer Fingeranschlag im Motown-Stil
  2. Fingeranschlag kombiniert mit Leersaite und Zweiklängen
  3. Plektrumanschlag im Stil eines Classic-Rock-Riffs
  4. Plektrumanschlag kombiniert mit einem Saitendämpfer aus Schaumstoff

Zuletzt sei noch einmal erwähnt, dass Flatwound-Saiten erst nach einer längeren Nutzungsphase beginnen, ihr volles Klangverhalten zu entwickeln. Diese Einspielzeit ließ sich für den Test zu meinem großen Bedauern leider nicht mit beurteilen, denn dazu hätte man logischerweise jeden Satz erst einmal ein paar Wochen lang spielen müssen. In diesem Fall wäre der Test wohl erst 2025 fertig geworden!

Saiten bilden einen der wichtigsten Soundfaktoren überhaupt, denn von ihnen geht das Signal aus, das von den Tonabnehmern in elektrische Impulse umgewandelt, durch den Verstärker hochtransformiert und schließlich über die Lautsprecher wieder zurück in akustische Schwingungen verwandelt wird. Die korrekte Wahl der passenden Saiten für den individuellen Sound und das persönliches Spielgefühl zu treffen, ist also enorm wichtig! Gerade am Anfang sollte man sich daher nicht scheuen, mit verschiedenen Saitenstärken und Saitenvarianten zu experimentieren. Erst nach einer Weile wird sich dann herauskristallisieren, welche Saiten dem eigenen Bass und dem persönlichen Spielstil am besten entsprechen.


Auch die amerikanische Studiobassistin Carol Kaye trug massiv zur Popularität des Flatwound-Sounds bei, wobei sie im Gegensatz zu James Jamerson ausschließlich mit dem Pick spielte.

 

Geschichtliches

Saiteninstrumente der Antike waren meist mit Rosshaar oder Sehnen bespannt - Materialien also, die seinerzeit auch für militärische und Jagdzwecke (wie zur Bespannung von Bögen) genutzt wurden. In Ägypten fand man im Grab des Musikers "Harmosis" (ca. 1500 v. Chr.) eine gut erhaltene Laute, die bereits mit Darmsaiten ausgestattet war. Grundkenntnisse der Natursaitengewinnung waren, wie dieses Beispiel zeigt, zuerst bei den orientalischen und ägyptischen Kulturen nachweisbar vorhanden.

In Europa entwickelte sich im Mittelalter zunächst Italien zum führenden Darmsaitenhersteller. Erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts tauchten in Transportlisten von Kaufleuten auch Darmsaiten aus Deutschland, Frankreich und Spanien auf. Obwohl die Herstellung von Drähten seit nahezu 3000 Jahren bekannt ist, wurden die ersten brauchbaren Metallsaiten frühestens ab Mitte des 14. Jahrhunderts produziert - und zwar in Form von Eisen- und Messingsaiten für Basslauten, Gitarren, Zithern u.ä.

Mitte des 17. Jahrhunderts begann man, Darm- und Seidensaiten mit Draht zu umwickeln, um bei verschiedenen Instrumenten den Klang der Basssaiten zu verbessern. Das grundsätzliche Problem lautete: Zur Erzeugung tiefer Frequenzen in ausreichender Lautstärke muss eine Saite relativ viel Masse besitzen, ihre Zugspannung sollte aber möglichst identisch oder ähnlich zu der Spannung aller übrigen Saiten sein. Die Lösung war, dünnen Saitenseelen bzw. Saitenkernen mit günstigen Zugeigenschaften durch Metallumwicklungen mehr Masse zu verleihen. Eine solche Saite besitzt stets die Zugeigenschaften des Saitenkerns, ungeachtet der Wicklungen um den Kern. So konnten trotz unterschiedlicher Saitenquerschnitte ausgewogene Saitenspannungen erzielt werden. Bald darauf wurden auch Metallseelen bzw. -kerne mit Draht umwickelt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden zwei Neuerungen in der Drahtproduktion eingeführt, die auch die Saitenproduktion entscheidend veränderten. Die Erste war die Erfindung des Ziehsteines durch den Engländer Brockedon im Jahr 1819. Der Ziehstein ersetzte das stählerne Zieheisen bzw. wurde in dieses Zieheisen eingesetzt. Mithilfe dieses Ziehsteines, der zu Beginn aus Halbedelsteinen bestand, später aus Diamant, und seit 1926 aus Widia (Wolframcarbid), war man in der Lage, dünnere Drähte zu ziehen als je zuvor.

Die zweite Neuerung war die Verwendung von Stahl anstelle von Eisen bei der Drahtgewinnung, etwa zu Beginn des 19. Jahrhunderts. So kamen 1834 in England die ersten Saiten aus Stahldraht auf den Markt. Sie wiesen eine wesentlich größere Zugfestigkeit als die herkömmlichen Eisen- und Messingsaiten auf und bewirkten zunächst in der Klavierindustrie und in der Folge fast im gesamten Saiteninstrumentenbau eine klangliche Revolution.

Für E-Bässe gab es in den frühen Jahren kaum Alternativen zu den bereits existierenden Kontrabass-Flachdrahtsaiten. Roundwound-Saiten hätten zu dieser Zeit ohnehin nicht viel gebracht, denn die Verstärker- und Lautsprechertechnologie waren lange noch nicht weit genug entwickelt, um die Klangqualitäten einer Roundwound-Saite adäquat zu reproduzieren. So begnügte man sich als Bassist damals damit, einen Satz Saiten als Anschaffung für das halbe Leben zu betrachten.

Erst mit den ungeschliffenen Roundwound-Saiten und dem kompromisslosen Sound von John Entwistle von der Band The Who begann sich das Blatt zu wenden. Der Legende nach soll John von den ungeschliffenen Saiten auf Danelectro-Bässen begeistert gewesen sein, die es damals jedoch noch nicht in England zu kaufen gab. Als Folge soll er sich gleich mehrere solcher Bässe gekauft haben, bevor er dann gemeinsam mit der britischen Firma Rotosound die Produktion der ersten Roundwound-Stahlsaite für E-Bass auf europäischen Boden ankurbelte: die Revolution im Basssound konnte beginnen! Seit den 80er-Jahren des letzten Jahrtausends haben Roundwound-Saiten den größten Marktanteil auf dem Basssaiten-Sektor.


Das Gegenteil von Flatwound: In diesem isolierten Basstrack hört ihr den brachialen Roundwound-Sound von John Entwistle auf der "Live At Leeds"-Scheibe - natürlich von The Who.

 

Herstellung

Wäre die Herstellung von Saiten ein Klacks, dann würden alle Firmen ausnahmslos gute Ware produzieren, ohne jeglichen Ausschuss und in konstanter Qualität. Dem ist natürlich nicht so! Die Details der einzelnen Herstellungskomponenten und Produktionsverfahren bilden zusammen mit den verschiedenen Metall-Legierungen für Kern und Umspinnung das gut gehütete Firmengeheimnis erfolgreicher Saitenhersteller.

Dennoch sind alle Basssaiten im Wesentlichen gleich aufgebaut: Ihre Produktion verläuft so, dass zunächst ein Kerndraht an einem oder an beiden Enden um ein "Ballend" gewickelt wird. Dann werden je nach Bedarf eine bis vier weitere Drahtwicklungen um den Kern gesponnen. Der Kern (die Saitenseele) wird dabei zwischen zwei Zahnräder gespannt, die im Abstand einer Saitenlänge auf einer Welle angeordnet sind. Beginnen sie nun in gleicher Drehrichtung zu rotieren, so nehmen sie den umwickelnden Draht mit und spindeln ihn fest auf den Kerndraht.

Kerndraht gibt es in verschiedenen Ausführungen. Es gibt glatten runden Kerndraht - das ist der "klassische" Kerndraht. Ferner gibt es hexagonalen (sechskantigen) Kerndraht, der dazu dient, der Umwicklung noch festeren Halt zu geben. Der Saitenkern kann jedoch auch aus mehreren geflochtenen Drähten bestehen. Die Dimensionierung des Kernes ist entscheidend für die Ausgewogenheit der Zugspannung innerhalb eines Saitensatzes. Ein Stahldraht beginnt erst bei ca. 50% bis 70% seiner maximalen Belastbarkeit optimale Klangeigenschaften auszubilden. Deshalb müssen Saitenspannung, Elastizität, Bespielbarkeit und Zugbelastung genau berücksichtigt werden. Die Zusammensetzung der Legierung wirkt sich ebenso vielfältig auf die genannten Faktoren aus.

Die Wicklungen einer Roundwound-Saite bestehen in erster Linie aus Runddraht, bei einer Flatwound-Saite aus Flachdraht (allerdings nicht zwangsläufig). Eine Basssaite kann bis zu vier Wicklungen enthalten. Die Drahtstärke nimmt gewöhnlich in Richtung der äußeren Wicklungen zu. Die inneren Wicklungen können entweder alle in die gleiche Richtung verlaufen, oder sie können gegeneinander gewickelt werden. Letzteres wird häufiger praktiziert, denn dadurch wird die Saite in sich fester, was ihr ein besseres Schwing- und Intonationsverhalten geben soll. An beiden Enden werden die Saiten schließlich häufig zusätzlich mit Seidenfaden umsponnen, um ein eventuelles Abwickeln zu vermeiden. Einige Hersteller verzichten jedoch auf Stoffumspinnungen und lösen die Aufgabe ausschließlich durch die Wicklung selbst.

Der wesentliche Unterschied zwischen den Saitentypen besteht in der Gestaltung der äußeren Wicklung. Hierbei unterscheidet man Wicklungen aus Flachdraht (Flatwound), aus geschliffenem oder gepresstem Runddraht (Halfwound oder Groundwound), oder schließlich aus unbehandeltem Runddraht (Roundwound). Dabei sind die Hersteller erfinderisch, was die unterschiedliche Bezeichnungen der Saitentypen angeht - was allerdings auch durchaus Verwirrung stiften kann. Für den Test haben wir neben den reinen Flatwound-Saiten auch die Mischtypen berücksichtigt, um herauszufinden, inwiefern sie den Eigenschaften von Flatwound-Saiten entsprechen.

Weiterhin unterscheiden sich die Saitentypen durch ihre Materiallegierungen, wie Stahl, Nickel, Kupfer, Bronze, u.ä. Die stärkste magnetische Wirkung und Induktionskraft für die Tonabnehmer besitzt die Stahlsaite. Sie ist allerdings auch die härteste, was nicht unbedingt am komfortabelsten ist. Außerdem verschleißen Roundwound-Stahlsaiten am stärksten die Bünde und das Griffbrett (bei bundlosen Instrumenten).

Auch bei unserem Test erwiesen sich bestimmte Saitentypen lauter als andere. Doch hohe Lautstärke muss nicht zwangsläufig ein Vorteil sein, denn natürlich lassen sich Lautstärkeunterschiede am Amp ausgleichen - heutzutage sogar ohne nennenswertes Hinzufügen von Rauschen.

Bundverschleiß und die Misshandlung von Fretless-Griffbrettern waren der Auslöser für die Produktion von Halfwound-Saiten, welche die Soundeigenschaften von Roundwound-Saiten mit den angenehmen Eigenschaften von Flatwound-Saiten verbinden sollten, also wenig Bund- bzw. Griffbrettverschleiß und vor allem geringere oder gar keine Finger-Rutschgeräusche beim Spielen. Tatsächlich kommen einige Halfwound-Saiten nahe an den Sound von Roundwound-Saiten heran. Man muss also nicht mehr zwangsweise mit dem einen oder anderen Kompromiss leben: schonendere Flatwounds mit flacherem Sound oder drahtigere Roundwounds mit höherem Verschleiß.

Durch die geschlossen aufeinander liegende Flachdrahtwicklung erscheinen Flatwound-Saiten stets etwas steifer als Roundwound-Saiten. Sie besitzen demnach auch ein anderes Intonationsverhalten und erzeugen weniger Obertöne als Roundwounds. Sie produzieren so gut wie gar keine dissonanten Obertöne, die für die extrem metallischen Slapsounds so wichtig sind und eignen sich daher auch nur sehr bedingt für diese Spielweise. Wobei der Test gezeigt hat, dass es Flatwound-Saiten gibt, die sehr wohl nahe an Roundwound-Klangeigenschaften heranreichen können.

Neben der Mensurlänge des verwendeten Basses entscheidet die Stärke der Saite (bzw. des Saitenkernes) darüber, wie hoch die Zugspannung ist, wie hart oder weich sich die Saite anfühlt und wie leicht sich der Bass dementsprechend spielen lässt. Nicht alle Mechaniken sind gleich weit von der Brücke entfernt und so übt auch die Anordnung der Mechaniken einen Einfluss auf die Spannung der Saiten aus. Die Anordnung der Mechaniken bei der klassischen Fender-Kopfplatte ist so, dass die Saitenstrecke von tiefer zu hoher Saite zunimmt. Entsprechend fühlt sich die Spannung eines identischen Satzes auf einem solchen Bass anders an, als beispielsweise bei einem Bass, auf dessen Kopfplatte die Mechaniken paarweise angeordnet sind - oder gar bei einem Headless-Bass, bei dem die Saitenlängen alle identisch sind, weil die Mechaniken an der Bridge sitzen.

Dicke Saiten erzeugen einen stärkeren Bassanteil im Signal und sind lauter. Die berühmte Abstimmung 45er-G-Saite (0.045 Inch) auf 105er-E-Saite (0,105 Inch) wird insofern von Bassisten benutzt, die einen kräftigen Ton erwarten und ein festes Spielgefühl bevorzugen. Dünnere Saiten klingen dagegen transparenter, sind für gewöhnlich leichter spielbar, und werden insbesondere für Slap- und Tap-Techniken eingesetzt.

Das Problemkind Nummer 1 bleibt nach wie vor die tiefe H-Saite des 5- oder 6-Saiters. Während die einen sagen, eine dünne H-Saite, etwa eine 120er, käme der Transparenz entgegen, bevorzugen andere wiederum H-Saiten bis zu Stärke 140. Hier gibt es wohl keine Pauschalantwort. Jeder Bass verhält sich bezüglich der tiefen H-Saite anders und man muss wohl oder übel ausprobieren, was am besten passt.

Eine entscheidende Verbesserung auch dickerer H-Saiten wurde allerdings erzielt, als man begann, Saiten zu konstruieren, bei denen nur der Kern oder die inneren Wicklungen über den Stegreiter laufen und die erst ab dieser Stelle ihre volle Wicklungszahl entfalten (Taperwound). Dadurch kann die Saite erheblich flexibler über den Steg geleitet werden und auch freier schwingen. Taperwound-Saiten findet man allerdings nahezu ausschließlich bei Roundwound-Ausführungen.

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