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Vergleichstest: Flatwound-Saiten für E-Bass

Einzeltests

In diesem Video zeigt bonedo-Autor Oliver Poschmann die vier verschiedenen Grooves, die er für die Audiobeispiele der verschiedenen Flatwound-Sets verwendet hat.

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Nachfolgend könnt ihr euch ein PDF-Dokument mit einer Übersichtstabelle downloaden. In dieser Tabelle erhaltet ihr alle relevanten Infos des großen bonedo-Vergleichstests zum Thema “Flatwoundsaiten für Bass” auf einen Blick:

  • Saiten-Marke und -Typ
  • Stärke
  • Länge der E-Saite von Ballend bis zur ausgedünnten Mechanikwicklung
  • klangliche Ausrichtung
  • Preis
  • Kurzbeschreibung

Und los geht’s – viel Spaß mit dem großen Flatwound-Vergleichstest!

Fender

Über die Entstehung der Firma Fender muss man nicht viele Worte verlieren, denn sie dürfte jedem Bassisten ein Begriff sein. Dennoch ist es bemerkenswert, dass es viele Anwender zu geben scheint, die zwar Fender-Bässe spielen, aber noch nie Fender-Saiten verwendet haben. Nach der Vorstellung des Fender Precision Bass im Jahr 1951 beauftragte Fender den zu jener Zeit etablierten Saitenhersteller “V.C. Squier Company” mit der Herstellung von Saiten für das seinerzeit völlig neue Instrument. In den 60er-Jahren kaufte die Firma Fender diesen Saitenhersteller. Wiederum später begann Fender damit, unter eigenem Namen und Logo Saiten zu vermarkten.

Natürlich hat Fender auch einige Stärkenabstufungen von Flatwound-Stahlsaiten im Angebot. Interessant ist hierbei, dass man in den meisten angebotenen Kombinationen eher mit einer dünneren E-Saite bestückt wird, die im Normalfall 0,100 Inch (100er) oder 0,105 (105er) beträgt. Oftmals wird besonders gerne in Verbindung zu Flatwound-Saiten behauptet, dass die E-Saite eher stärker sein sollte, um den typischen Flatwound-Sound zu erzielen. Dass dies eine wenig haltbare Behauptung darstellt, beweisen diese Saiten.

1) Fender Stainless 9050L – .045, .060, .080, .100

Für den Test erhielt ich die relativ sanfte Abstufung 045, 060, 080, 100 unter der Bezeichnung “9050L”. Die Verpackung besteht aus einer Pappschachtel, in der sich die Saiten gemeinsam verpackt in einer einzigen verschweißten Plastikhülle befinden, auf welcher die Farbcodes der Ballends erläutert werden. Beim 4-Saiter-Satz ist die farbliche Zuordnung der Ballends wie folgt:

1) G-Saite = Seafoam (grün)
2) D-Saite = Nickel (silber)
3) A-Saite = Candy Apple Red (rot)
4) E-Saite = Brass (gold)

Die Saiten sind an den Enden grün umsponnen. Obwohl es Fender spezifische Saiten sind, bin ich überrascht, dass sich die E-Saite beim Aufziehen bis zu 5mm über die Mechanik wickelt!

Die Festigkeit auf G- und D-Saite wirkt sehr hoch, bei der A-Saite medium, und bei der E-Saite relativ sanft. Das ist natürlich ein Resultat dieser spezifischen Abstufung und ich muss relativierend hinzufügen, dass ich selber schon seit längerer Zeit Fender-Flatwounds der Abstufung 50-65-85-100 unter der Bezeichnung “9050ML” spiele, bei denen die Spannungsverhältnisse sehr ausgeglichen wirken.

Insgesamt zeigen die Fender 9050L wesentlich mehr Höhen im Sound als vergleichsweise Roundwound-Saiten, was mich sehr überrascht. Besonders am Beispiel 3 (Pick Bass Classic Rock) kann man im Vergleich zum Roundwound-Beispiel hören, dass das Attack im Sound bei den Flatwounds deutlicher hervortritt. Allerdings zeigt das Beispiel 2 (mit Zweiklängen und Leersaite), dass sich die Höhen nicht harsch, sondern eher sanft verhalten, was ich als sehr angenehm empfinde. E- und A-Saite verfügen über geringfügig mehr Brillanz als D- und G-Saite, insgesamt aber klingt der Satz dennoch recht ausgewogen und liefert auch ein angenehmes Spielgefühl.

Soundbeispiele Fender Stainless 9050L:

Audio Samples
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Klassischer Fingeranschlag im Motown-Stil Fingeranschlag kombiniert mit Leersaite und Zweiklängen Plektrumanschlag im Stil eines Classic-Rock-Riffs Plektrumanschlag kombiniert mit einem Saitendämpfer aus Schaumstoff
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GHS

Das Familienunternehmen GHS, dessen Name sich aus den Initialen der Gründer “Gould, Holcomb und Solko” ableitet, existiert seit 1964. Der Sitz der Firma ist in der Kleinstadt Battle Creek in Michigan – nahezu in der Mitte zwischen Chicago und Detroit. Ein weiterer Ableger befindet sich ca. 160 km südwestlich vom Hauptsitz im etwas größeren Ort South Bend im Bundesstaat Indiana. Im Bassbereich bietet GHS vier Saitenvarianten an: Roundwound, Rollerwound (Pressurewound), Groundwound (Brite Flats) und Flatwound.

Für den Test erhielt ich zwei unterschiedliche Sätze:

2) GHS Precision Flatwound M3050 – .045, .065, .085, .105

Die Saiten kommen in einer nicht verschweißten Klarsichthülle mit bedrucktem Papier-Innencover und sind einzeln in Papierhüllen verpackt, die Saitentyp und -stärke anzeigen.

Dieser Satz wird als “Stainless Steel Precision Flatwound” bezeichnet. Das sind reinrassige Flatwound-Stahlsaiten mit violettfarbener Umwicklung am Mechanikende. Die Ballends sind frei von Stoffumwicklung. Die E-Saite ist für fenderartige Kopfplatten sehr lang ausgelegt, und so windet sich der dicke Teil der Saite einmal voll um die Mechanik. Das liegt in erster Linie daran, dass man diese Saiten sowohl für 34″-, als auch 35″-Mensur ausgerichtet hat, wie auch auf der Verpackung angegeben.

2) GHS M3050 - .045, .065, .085, .105
2) GHS M3050 – .045, .065, .085, .105

Der seidenumwundene schlanke Aufwickelteil der Saite kommt also bei der E-Saite auf einer 34″-Mensur kaum zum Einsatz. Die Saitenspannung ist relativ fest, aber sehr ausgewogen. Der Sound ist dumpf, wobei die E-Saite etwas matter klingt als die restlichen Saiten. Klanglich entsprechen diese Strings bereits ohne Schaumstoffdämpfer an der Bridge ziemlich genau dem, was man von Flatwounds erwartet. Sie besitzen ein kürzeres Sustain und klingen von Natur aus bereits etwas gedämpft. Am deutlichsten bemerkt man die unterschiedlich klingende E-Saite beim Spiel mit dem Plektrum.

Soundbeispiele GHS Precision Flatwound M3050:

Audio Samples
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Klassischer Fingeranschlag im Motown-Stil Fingeranschlag kombiniert mit Leersaite und Zweiklängen Plektrumanschlag im Stil eines Classic-Rock-Riffs Plektrumanschlag kombiniert mit einem Saitendämpfer aus Schaumstoff

3) GHS Pressure Wound M7200 – .044, .062, .084, .106

Die Saiten kommen in einer nicht verschweißten Klarsichthülle mit bedrucktem Papier-Innencover und sind einzeln in Papierhüllen verpackt, die Saitentyp und -stärke anzeigen.

Bei diesem Saitentyp werden die Wicklungen um den Kern mit hohem Druck ausgeführt, so dass der ursprüngliche Runddraht oval erscheint. Die Saitenoberfläche entspricht einer sehr sanften Roundwound-Saite bzw. einer rauen Flatwound-Saite. In der Tat unterscheiden sich diese Saiten wenig von Roundwounds – sie klingen ähnlich aggressiv, genau genommen sogar noch aggressiver als Roundwound-Saiten und fühlen sich rau und haftend an. Im Sound liefern sie etwas mehr Attack als Roundwounds, dafür aber etwas weniger Tiefbass.

3) GHS Pressure Wound M7200 - .044, .062, .084, .106
3) GHS Pressure Wound M7200 – .044, .062, .084, .106

Der Satz klingt sehr ausgewogen und auch die Saitenspannung ist gleichmäßig verteilt. Sowohl am Mechanikende als auch an den Ballends sind die Saiten schwarz umwickelt. Der Kerndraht ist sehr steif, die gesamte Saite ist extrem fest und verhält sich beim Aufziehen mitunter etwas störrisch. Insgesamt ist diese Saite wohl eher interessant für Roundwound-Spieler, die nach einer offen und ausgewogen klingenden Alternative mit spieltechnisch ähnlichen Eigenschaften suchen. Die typische Spiel- und Soundästhetik von Flatwounds wird hier jedoch nicht bedient!

Soundbeispiele GHS Pressure Wound M7200:

Audio Samples
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Klassischer Fingeranschlag im Motown-Stil Fingeranschlag kombiniert mit Leersaite und Zweiklängen Plektrumanschlag im Stil eines Classic-Rock-Riffs Plektrumanschlag kombiniert mit einem Saitendämpfer aus Schaumstoff
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La Bella

Die Firma La Bella hat ihre Wurzeln im winzigen italienischen Dorf Salle in Abruzzen. Die Anfänge der Company reichen zurück bis in das 17. Jahrhundert, denn in dieser italienischen Region lag damals eines der Zentren für die Saitenherstellung in Europa. Die Brüder Emilio und Olinto Mari wanderten 1913 in die USA aus und begannen in New York ihre Laufbahn als Saitenhersteller mit dem in ihrer Heimat gelernten Handwerk. Schnell etablierten sie sich in ihrer neuen Umgebung.

Der Name La Bella taucht zum ersten Mal im Jahr 1920 auf und wird später zum offiziellen Firmennamen. Seit 1981 hat La Bella den Firmensitz in Newburgh, einer Kleinstadt am Hudson River, ca. 100 km nördlich von New York City. Zu den Flatwound-Verwendern von La Bella zählten laut Firmenchronik legendäre Bassisten wie James Jamerson, Bob Babbit und Donald “Duck” Dunn.

Zwei Sätze wurden getestet:

4) La Bella Deep Talkin’ Bass 760FS – .045, .065, .085, .105

Die LaBella-Flatwounds kommen vakuumverpackt. In der Vakuumhülle stecken neben dem bedruckten Papiercover die einzeln verpackten Saiten in beschrifteten Papierhüllen. Auf diesen Hüllen werden die Saiten von 1-4 beziffert, jedoch wird dort die jeweilige Saitenstärke nicht nochmals spezifiziert.

Die LaBella 760FS-Saiten sind sehr weich und flexibel, was das Aufziehen zu einem wahren Genuss macht. Während die Strings an den Ballends keine Stoffumwicklung besitzen, sind sie an den Mechaniken schwarz umwickelt. Auf einem Precision sind die Saiten in der Länge der Wicklungen perfekt angepasst. Ausschließlich die seidenstoffumwobene verjüngte Wicklung läuft über die Mechaniken.

LaBella Deep Talkin Bass 760FS
LaBella Deep Talkin Bass 760FS

Der Sound ist über das komplette Griffbrett erstaunlich ausgewogen und die sehr glatte Saitenoberfläche liefert ein sehr angenehmes Spielgefühl. Ich würde die Haptik dieser Saiten als sensationell bezeichnen. Die Saiten machen sowohl eine gute Figur beim Finger-, als auch beim Plektrumspiel und besitzen eine gute Durchsetzungskraft. Auch wenn sie durchaus mit reichlich Höhen ausgestattet sind, wirken sie nicht aufdringlich und erfüllen definitiv alle Erwartungen an eine Flatwoundsaite, vor allem mit einem satten Tiefmittenanteil.

Soundbeispiele La Bella Deep Talkin’ Bass 760FS:

Audio Samples
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Klassischer Fingeranschlag im Motown-Stil Fingeranschlag kombiniert mit Leersaite und Zweiklängen Plektrumanschlag im Stil eines Classic-Rock-Riffs Plektrumanschlag kombiniert mit einem Saitendämpfer aus Schaumstoff

5) La Bella Deep Talkin’ Bass 0760M – .052, .073, .095, .110

Die LaBella-Flatwounds kommen vakuumverpackt. In der Vakuumhülle stecken neben dem bedruckten Papiercover die einzeln verpackten Saiten in beschrifteten Papierhüllen. Auf diesen Hüllen werden die Saiten von 1-4 beziffert, jedoch wird dort die jeweilige Saitenstärke nicht nochmals spezifiziert.

Die LaBella 0760M werden auch als “1954 Vintage” oder auch “James Jamerson Set” bezeichnet. Genau diese Saiten sollen Jamerson und “Duck” Dunn seinerzeit gespielt haben. Die Wicklungen laufen über einen starken Saitenkern und die Saitenstärken sind gleichfalls sehr massiv ausgerichtet. Im Mechanikbereich sind die Saiten mit blauem Seidenstoff umwickelt. Die Saiten sind im Gegensatz zu den LaBella 760FS sehr steif. Durch den dicken Kern bedingt verhalten sie sich insbesondere im Aufwickelbereich der Mechaniken sehr störrisch, was das Aufziehen etwas mühselig gestaltet.

Der Sound liefert extrem ausgeprägte Bässe bei Fingerspiel, allerdings ist die Spannung der Saiten enorm hoch und fordert der Greifhand ein gutes Stück Arbeit ab. Kontrabassisten dürften keine Probleme haben sich hier zu adaptieren – E-Bassisten hingegen könnten sich schnell überfordert fühlen. Diese Saiten sind definitiv nichts für Anfänger!

Während der Fingersound wirklich rund und massiv klingt – obwohl bei Akkordspiel schon mit Abstrichen – so ist das Spiel mit Plektrum nicht ganz so überzeugend. Vor allem rockiger orientierte Basslinien kommen nicht so gut wie bei den leichteren LaBella 760FS, und das Spiel bei der massiven Saitenspannung gestaltet sich besonders bei filigraneren Basslinien problematisch.

Soundbeispiele La Bella Deep Talkin’ Bass 0760M:

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Klassischer Fingeranschlag im Motown-Stil Fingeranschlag kombiniert mit Leersaite und Zweiklängen Plektrumanschlag im Stil eines Classic-Rock-Riffs Plektrumanschlag kombiniert mit einem Saitendämpfer aus Schaumstoff
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Ernie Ball

1957 war Ernie Ball der Erste in den USA, der einen reinen Gitarrenladen gründete – und zwar im kalifornischen Tarzana. Viele seiner Gitarrenschüler, aber auch gestandene Profis, die seinen Laden aufsuchten, hatten damals Probleme mit den verfügbaren Saitensätzen, vor allem bei der Zusammenstellung der Saitenstärken.

Zunächst gelang es Ernie Ball, über gezielte Bestellungen bei existierenden Saitenherstellern konkreter auf Kundenwünsche eingehen zu können. Die Nachfrage wurde jedoch innerhalb kurzer Zeit so hoch, dass er sich 1962 entschied, seine eigene Saitenproduktion zu realisieren, die bis zum heutigen Tag zu den führenden Herstellern zählt. 1984 kaufte Ernie Ball dann zusätzlich die Instrumentenmanufaktur Music Man. Das mittlerweile im südlich von Los Angeles liegenden Coachella angesiedelte Unternehmen wird heute geführt von Sohn Sterling Ball und Enkel Brian Ball.

6) Ernie Ball 2804 Group II Flatwounds – .050, .070, .085, .105

Die Flatwounds von Ernie Ball werden in vier unterschiedlichen Stärken angeboten. Der hier vorliegende Satz ist der zweitstärkste im Sortiment und wird als “Group II” gelistet. Die Verpackung besteht aus unverschweißter Klarsichthülle, Papiercover und vier Papiereinzelhüllen, auf denen neben der Saitenstärke auch noch die Einzelsaiten-Produktnummern angegeben werden.

Steg- und Mechanikbereich sind mit blauer Seide umsponnen. Die E-Saite ist in der Länge perfekt für Precision-Bässe ausgerichtet, so dass die Hauptwicklung nur gerade bis zur Mechanik reicht. Die Saiten sind sehr flexibel und biegsam, wirken daher beim Aufziehen sehr weich und angenehm. Sie klingen sehr ausgewogen mit hoher Brillanz und sie verfügen für Flatwound-Saiten über ein ungewöhnlich langes Sustain.

Von der Grundausrichtung des Sounds sind es eher moderne Strings, die auch moderne Stilrichtungen gestatten. Sie wirken vor allem sehr offen und balanciert beim Plektrumspiel. Die Saitenoberfläche fühlt sich angenehm glatt an, wenngleich nicht vollkommen poliert. G- und D-Saite sind bei der vorliegenden Stärkenabstufung sehr straff. Diese Saiten funktionieren besonders gut für rockige Stilistiken.

Soundbeispiele Ernie Ball 2804 Group II Flatwounds:

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Klassischer Fingeranschlag im Motown-Stil Fingeranschlag kombiniert mit Leersaite und Zweiklängen Plektrumanschlag im Stil eines Classic-Rock-Riffs Plektrumanschlag kombiniert mit einem Saitendämpfer aus Schaumstoff

7) Ernie Ball 2813 Slinky Flatwound (Cobalt) – .045, .065, .085, .105