Bass
Test
7
25.10.2019

Fazit

Fazit und Anmerkungen Vergleichstest 4x10-Bassboxen

Es wird Zeit für ein persönliches Fazit. Um es kurz zu machen: Die Ergebnisse, die ich erwartet hatte, sind auch eingetreten! Keine der Boxen tut sich als besonderes Preis-Leistungs-Wunder hervor, will heißen: Gibt man ein paar Euro mehr aus, bekommt man auch spürbar "mehr Box" in Bezug auf Materialanmutung, Verarbeitung und Sound. Ist der Geldbeutel schmal, muss man sich leider auch mit weniger zufriedengeben.

Gute Qualität bei 4x10-Bassboxen - selbst im Günstigsegment!

Allerdings finde ich es gleichzeitig wirklich erstaunlich, wie viel gute Qualität man heutzutage schon für wenig Geld bekommt. Auch alle preiswerten Kandidaten lieferten einen brauchbaren Sound ‑ wenn auch nicht von der edelsten Sorte. Abstriche muss man hier etwa in punkto Detailtreue, Auflösung, Ausgewogenheit etc. machen. Jedoch gab es für mich klanglich keinen unangenehmen Ausreißer, gespart wurde in diesem Preissegment vermutlich eher bei der Ausstattung und der Robustheit.

Echte Tour-Tauglichkeit erst ab der Mittelklasse!

Für ein langes Leben "on the road" erschien mir tatsächlich keine Box unter 800,- Euro dauerhaft geeignet. Aber das ist ja auch nicht immer gefragt! Wer nicht viele Gigs spielt und sein Equipment im eigenen Auto transportiert, der dürfte auch kaum Probleme bekommen. Und wie oft habe ich mir schon eine Box im Proberaum gewünscht, die ich einfach stehenlassen kann, um nie mehr schleppen zu müssen! Spielt man in mehreren Bands, so wird man schnell mal in zwei oder drei Proberäumen aktiv sein. Genau hier sind günstige Boxen natürlich ein verlockendes Angebot! Und ob im lauten Bandkontext das letzte Quäntchen Feinzeichnung entscheidend ist, sei mal dahingestellt.

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Deutlicher Qualitätssprung bei 4x10-Bassboxen ab ca. 800,- Euro

Einen deutlichen Sprung in Sachen Qualität und Sound gibt es ab der 800-Euro-Marke zu verzeichnen. Im direkten Vergleich lässt sich dies sowohl optisch wie auch haptisch sofort feststellen. Das ändert sich auch bis zur teuersten Box nicht mehr. Für mich entsprachen alle Boxen ab 800,- Euro allgemeinen professionellen Ansprüchen. Die Unterschiede liegen dann eher in der geschmacklichen Ausrichtung - oder ob man z.B. bereit ist, ein paar Euro mehr für das Attribut "made in Germany" auszugeben.

Der eigene Geschmack entscheided beim Thema Sound!

Klanglich nahmen sich alle Kandidaten unter oder knapp über 500,- Euro wenig. Natürlich weist jede Box einen gewissen Charakter auf. Wirklich qualitative Unterschiede in Sachen Ausgewogenheit, Auflösung, Detailtreue, Impulsverhalten etc. waren jedoch nicht auszumachen. Hier spielen dann eher der eigene Geschmack oder die Sympathie für eine spezielle Marke eine Rolle. Im Vergleich zu den teureren Kandidaten wirkten alle günstigen Boxen etwas bedeckter. Der Vergleich mit dem "Handtuch vor der Box" trifft es wohl am besten.

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Beim Mittenbereich einer 4x10-Bassbox trennt sich die Spreu vom Weizen!

Die Spreu vom Weizen trennt sich bei Boxen häufig bei der Wiedergabe des Mittenbereiches. Tiefbass und Höhen sind mit Bassreflex und Hochtonhorn leicht zu erreichen - wenn auch in unterschiedlichen Qualitätsstufen! Gerade im Mittenbereich aber konnte keine der günstigen Boxen wirklich glänzen. Entweder gab es eine Überbetonung, was zu einem leicht "hupenden" Effekt führt, oder es war eine Absenkung der Mitten zu verzeichnen, die natürlich zu Lasten der Durchsetzungsfähigkeit geht.

Richtig ausgewogen klang für meine Ohren kein Kandidat unter 800,- Euro. In punkto Detailreichtum und Auflösung (zeigt sich gerade bei mehrstimmigen Spiel!) darf man hier also keine Wunder erwarten. Jedoch muss man bei aller Kritik immer den aufgerufenen Preis berücksichtigen. Und der ist bei so mancher Box wirklich erstaunlich niedrig.

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Grenzen dieses Vergleichstests

Natürlich bleibt ein Test wie dieser auf halber Strecke stehen. Für ein umfangreicheres Urteil in punkto Sound müssten man mit allen zwölf Boxen den gleichen Gig spielen bzw. am besten mehrere Gigs in verschiedenen Besetzungen und Räumlichkeiten. Um ihre Road-Tauglichkeit zu bewerten, müsste man zudem mit jedem Cab ein paar Jahre unterwegs sein. Das ist logischerweise so nicht machbar.

Dennoch lassen sich viele Kriterien (Haptik, Verarbeitung, Materialanmut, Herstellungsland, grundlegender Sound etc.) natürlich gut beurteilen. Für mich war es auf alle Fälle eine sehr interessante Erfahrung, zwölf 4x10er-Boxen direkt miteinander zu vergleichen. Eine solche Möglichkeit hat man nicht alle Tage.

Abschließend möchte ich euch noch ein paar Anmerkungen und Kaufempfehlungen mit auf den Weg geben - und wünsche euch viel Spaß und Erfolg auf der Suche nach eurer Traumbox!

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Kaufempfehlungen

Einzig die Hartke HyDrive bildete in diesem Preissegment eine Ausnahme. Sie klang deutlich ausgewogener und in den Höhen offener und feinzeichnender - für mich ein echter Preis-Leistungs-Sieger im Günstigsegment!

Die Fender- und Orange-Boxen besaßen für mich am meisten eigenen Charakter, färbten den Basston also am stärksten ein. Beide positionieren sich mit ihren ausgeprägten Hochmitten in der Rock-Ecke und sind somit keine wirklichen Allrounder. Wer eine Rockbox sucht, wird hier allerdings am besten bedient.

Die Ampeg fiel mit deutlich betontem Bass und leichter Absenkung der Mitten auf, auch das Hochtonhorn war hier in der Mittelstellung am stärksten im Klangbild präsent. Mit den räumlichen Gegebenheiten kam am besten die Markbass-Box zurecht. Sie konnte sich mit ihrer rückseitigen Bassreflexöffnung am organischsten mit dem Raum verbinden und lieferte ein wunderbar rundes Low End bei gleichzeitig hervorragender Verarbeitung - ohne Frage ein echter Winner im mittleren bis höheren Preissegment!

Die Gallien Krueger empfand ich als relativ neutral, ohne Positionierung in eine bestimmte Richtung. Mein persönlicher Favorit war die Eich-Box - zusammen mit der Glockenklang war sie sehr ausgewogen, besaß aber für meine Ohren eine schöne eigene Färbung. Bei beiden Boxen wurden alle Frequenzbereiche ausgeglichen wiedergegeben, ohne dass ein Frequenzbereich unangenehm herausstach oder fehlte. Die Eich fügt noch eine eigene Note hinzu, die dem Ohr schmeichelt und für einen gewissen Wohlfühl-Faktor sorgt.

Die Glockenklang bringt die Attribute, für die sie bekannt ist: Ein neutraler, nüchterner Partner, der das wiedergibt, was man reinsteckt. Hier wird nichts beschönigt - auch jede Unsauberkeit wird sofort aufgedeckt! Zu Recht gilt diese Box nach wie vor als Referenz, wenn es um Linearität geht.

Diese Boxen von Eich und Glockenklang genügen ohne Frage höchsten Ansprüchen - aber natürlich hat diese hohe Qualität auch ihren Preis!

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