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Test
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27.01.2021

Praxis

Vieles etwas anders

Schaut man sich die Specs des neuen Prophet-5/-10 an, wird man nach Features, die bei heutigen Synthesizern fast schon zur Standardausrüstung gehören, vergeblich suchen: Effekte, Sequenzer und Arpeggiator. Und konsequenterweise gibt es nur einen Monoausgang für das Audiosignal. Persönlich halte ich dies keineswegs für ein Manko. Der Sequential Prophet-5/-10 ist kein ‚Synth-to-go‘, den man einfach mal so kauft. Wer so viel Geld in einen analogen Synthesizer investiert, der verfügt in der Regel über die entsprechende Peripherie, die den integrierten Effekten heutiger Synthesizer meist überlegen ist. Insofern hat das Instrument es auch nicht nötig, sich beim ersten Hör-Check im Laden direkt mit „wilden“ Sounds und Effekten Gehör und Respekt zu verschaffen. Viele aktuelle Klangerzeuger machen mit ihren Performance-Sounds das gesamte Frequenzspektrum bereits so dicht, dass in einem etwaigen Playback gar kein Platz mehr für weitere Klangelemente (Instrumente, Vocals …) ist. Das ist allerdings so gewünscht, denn Stereoklänge sind Verkaufsargumente. Schön dann, wenn man diese Effekte auch abschalten kann, wenn es zu einer professionelleren Aufnahmesituation komme sollte. Beim Prophet fehlt diese Peripherie. Sequenzer und Arpeggiator kann man heute mithilfe jeder DAW dazu schalten.

Verbindung mit der Eurorackwelt

Steuert man den Prophet über die CV/Gate-Anschlüsse mit einem Eurorack-Sequencer an, dann ist die 5. Stimme dafür reserviert. Der Prophet-10 ist in diesem Moment „nur“ noch 9-stimmig spielbar, die 5er-Version demnach vierstimmig. Gute Sache. Leider hat Sequential keine weiteren Steuermöglichkeiten integriert. Die CV/Gate-Anschlüsse sind übrigens in normaler Klinkengröße ausgelegt, sodass man für die Eurorackwelt einen Adapter benötigt. Den hätte man bei dem Preis allerdings dazu packen können.

Die Bedienung

Bis auf einige Funktionen (z. B. Global) hat jede Funktion ihr dediziertes Bedienelement, der Aufbau ist klar und nachvollziehbar. Das macht den Umgang mit diesem Synthesizer so einfach. Die Struktur der GUI lädt förmlich dazu ein, an eigenen Klangfarben zu schrauben. Sehr hilfreich dabei sind die Compare-Funktion und die Möglichkeit, im Panel-Mode den Synth so zu hören, wie die aktuelle Einstellung sie darstellt. Auch die Varianten, wie die Regler bei Veränderung eines Parametes reagieren sollen, sollten hervorgehoben werden. Im Global Modus wird eingestellt, ob der Wert sich bei Betätigung abrupt ändert oder „weich“, relativ zu dem gespeicherten Wert.

Ein wenig hadere ich mit der Logik der 400 Speicherplätze, die man mit Group, Bank und Program umschaltet.  Wechselt man beispielsweise von #134 auf #358, so muss man drei Taster durchsteppen. Und ein Programm #179 gibt es demnach gar nicht. Die höchste Programmnummer lautet #558 bei maximal 400 Sounds. Beim „alten“ Prophet war das mit zwei Stellen kein Problem, mit drei Stellen wirkt es schon weniger elegant. Daneben finde ich das Display nicht mehr zweitgemäß, eine Bezeichnung der Klangprogramme in Klarschrift wäre schon toll. Echte Puristen werden bei dieser Anmerkung wahrscheinlich aufschreien, aber muss man bei einem Nachbau selbst die Schwächen der damaligen Zeit übernehmen? Beim Tuning hat man ja auch vermieden die Probleme zu kopieren.

Stimmstabilität

Unser Vergleichs-Prophet hatte schon erkennbare Stimmungsschwankungen, da musste man wirklich regelmäßig den Herzschrittmacher aktivieren und den Tune-Knopf drücken, der den alten Herrn wieder auf Trab brachte. Die Stimmstabilität des Prophet-10 war dagegen ausgezeichnet. Man kann die Oszillatoren kalibrieren, was man nach dem Einschalten regelmäßig durchführen sollte und muss dann mit rund zwei Minuten Kaffeepause rechnen.

Die Tastatur

Dem Anwender stehen in beiden neuen Prophets (-5/-10) 61 Tasten in Normalgröße mit hinzuschaltbarem Aftertouch und Velocity zur Verfügung. Bei der Tastatur selbst handelt sich um eine halbgewichtete Fatar-Tastatur von guter Qualität. Die schönen Analogsounds dynamisch spielen zu können, macht sie natürlich noch wertvoller. Das ist ohne Zweifel ein Riesen-Pluspunkt gegenüber der alten Version. 

Klangvergleich: Rev 1/2 mit Rev 3 und der Vintage Knob

Der Charakter der alten Systeme wurde durch Revisionen/Updates und selbst durch ein nicht vorhersehbares Verhalten und gewisse Unzulänglichkeiten der Bauteile früherer analoger Systeme verursacht. Diesem Umstand trägt Sequential bei der neuen Version mit den Filtervarianten Rev 1/2 und 3 sowie mit einem Vintage Knob Rechnung. Wie das erste Klangbeispiele zeigt, sind die Unterschiede zwischen den Versionen recht gering. Das ändert sich erst, wenn man die Resonance mit aufdreht, dann wird der Klangunterschied zwischen den Revisionen deutlicher.

Der Vintage-Regler ist eine Art Zeitmaschine, die man von Version 4 bis in die 1980er Jahre zurückdrehen kann. Damit wird der „eigene Charakter“ der damaligen Bauteile nachempfunden. Da passiert wieder speziell bei aufgedrehter Resonanz einiges. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich mit diesem Regler auseinanderzusetzen, denn dadurch lässt sich der Charakter des Prophet-5/-10 beeinflussen.

Klangvergleich: Alter Prophet / Neuer Prophet

Es wird oft unterschätzt, wie sehr sich analoge Bauteile und damit der Klang eines Instruments im Lauf der Zeit verändern. Klingt unser alter Prophet wirklich noch so, wie er es vor 40 Jahren tat? Hat sich insbesondere beim Filter etwas verändert? Startet man nur mit den VCOs bei voll aufgedrehtem Filter, dann sind eigentlich keine Unterschiede zu hören. Das war zu erwarten. Nicht viel anders verhielt es sich, wenn wir den neuen Prophet mit Variante 1/2 und den alten Prophet verglichen (obwohl uns dieser als Rev 3-Version angekündigt war). Erst der Vergleich „Neu Rev 3“ und „Alt“ förderte klangliche Unterschiede zutage (wir hören je 2x Rev 1/2 – alter Prophet und dann 2x Rev 3 - alter Prophet).

Die Unterschiede sind marginal, und es ist wirklich fraglich, ob man diese später, wenn sich der Prophet-Sound in ein Playback einbettet, überhaupt noch hört. Etwas deutlicher wird es, wenn man den Resonance-Regler aufdreht. Beide Filter verloren deutlich an Tiefen (was normal ist), wobei die alte Variante vielleicht ein wenig „dreckiger“ ist. Nähme man einen weiteren alten Prophet dazu, könnte das alles anders aussehen oder besser gesagt, anders klingen. Gerade das macht den Reiz der alten Kisten aus, sie sind ein wenig unberechenbar. Insofern sind die Vergleiche alt/neu immer mit Vorsicht zu betrachten. Hinzu kommt noch, dass man mit der Feststellung eines (kleinen) Unterschieds ja noch lange nicht entschieden hat, welche Version den nun heute besser klingt? Und - bei allen kleinen Unterschieden, der Prophet-Charakter geht dabei nie verloren. Und das ist ein Kompliment.

Audiobeispiele zu Prophet-5 und Prophet-10

Sequential Prophet-10 Sound Demo (no talking)

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