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28.10.2020

Schritt für Schritt zum perfekten String Skipping

String Skipping Tipps, Tricks und Konzepte

In diesem Workshop soll es um eine Technik gehen, die von Gitarristen wie Paul Gilbert, Eric Johnson, Nuno Bettencourt oder Shawn Lane in den 80er- und 90er-Jahren eingesetzt wurde und jüngst durch moderne Rockgitarristen wie John Petrucci oder Guthrie Govan wieder in Mode gekommen ist, nämlich das "String Skipping".
Prinzipiell ist hier der Name Programm, denn es geht bei dieser Spielweise darum, größere Intervallsprünge zu realisieren, indem man Saiten überspringt, was auf Englisch "to skip" bedeutet. Einerseits birgt diese Technik diverse Anforderungen, die es zu meistern gilt, andererseits hat jede Spieltechnik relativ wenig Bedeutung, wenn man sie nicht in einen musikalischen Kontext einbetten kann. Aus diesen Gründen möchte euch ein paar coole String Skipping-Konzepte, aber auch einige Tipps und Tricks an die Hand geben, wie ihr auch musikalisch den maximalen Nutzen aus dieser Grundidee ziehen könnt.

1. Grundlegendes und Vorübungen

Letzten Endes kann man natürlich ganz unabhängig davon, ob man Skalenläufe oder bestimmte Licks spielt, irgendwelche Saiten überspringen, um auf unorthodoxe Sounds zu kommen. Besonders gut klingt die Technik jedoch bei bekannten melodischen Strukturen, die ohnehin schon gewisse Intervallsprünge in sich tragen, und das wären beispielsweise Arpeggios oder Pentatoniken.

Bei Drei- oder Vierklangsarpeggios stellt sich das technische Problem, dass man in der Regel nur ein oder zwei Töne pro Saite zur Verfügung hat, was sowohl die Wechselschlagtechnik als auch das Legatospiel extrem erschwert. Viele Gitarristen weichen aus diesem Grund für das Arpeggiospiel auf die Sweeppicking- oder Economy-Picking-Technik aus, die aber wiederum andere Einschränkungen und auch einen speziellen Sound mit sich bringt. Gerade für Guthrie Govan und Paul Gilbert waren diese beiden Punkte entscheidend, um eine alternative Technik für das Spiel von Akkordzerlegungen hinzuzunehmen, die eventuelle Nachteile des Sweepens geschickt umschifft.

Beim Spiel mit der Pentatonik ist das Problem ähnlich gelagert. Da man in den CAGED-Standardfingersätzen jeweils nur zwei Töne pro Saite benötigt, erweist sich das Spielen von lang angelegten Skalenläufen als schwierig. Gitarristen wie Zakk Wylde oder Greg Howe fassen daher gerne zwei Pentatonikpattern zusammen, um mithilfe von Stretchpentatoniken die beliebten "Three-Note-Per-String"-Runs umsetzen zu können. Möchte man dies jedoch über alle sechs Saiten anwenden, wird man zwangsläufig bei einem Pattern landen, das sich diagonal über das halbe Griffbrett erstreckt und innerhalb einer Lage so nicht spielbar ist. Auch hier kann String Skipping zumindest ein stückweit Abhilfe schaffen.

Um uns der Technik anzunähern, stelle ich euch hier zwei kleine Übungen aus der Am-Pentatonik vor, die ihr sowohl mit Wechselschlag als auch legato probieren solltet. Spielt diese Übungen zunächst clean und später mit einem High-Gain-Sound und geht dabei nicht zu sparsam mit Verzerrung um, denn die deckt ziemlich schonungslos auf, ob ihr die leeren, geskippten Saiten richtig abgedämpft habt! Ihr hört die Beispiele zunächst mit konsequentem Wechselschlag und anschließend legato:

Übung 1:

Übung 2:

2. Dreiklang-Arpeggios

Kommen wir nun zum Spiel mit Arpeggios, genauer gesagt, dem Spiel von Dreiklängen.
In der Dur-Tonleiter finden wir drei diatonische Strukturen, nämlich Dur, Moll und vermindert. Der übermäßige Dreiklang fehlt im ionischen System und soll für die folgenden Übungen auch erstmal ausgeklammert werden, wobei die Erhöhung der Quinte im Durdreiklang auch kein allzu schwerer Transfer mehr ist. Für die String Skipping-Technik erweisen sich vor allem die Grundstellungen mit Grundton auf der A- und auf der D- Saite als besonders praktikabel.

Dur-Dreiklang:

Moll-Dreiklang:

Verminderter Dreiklang:

Nun kann man diese Dreiklänge natürlich ganz schlicht auf- und abwärts spielen, allerdings, und das ist nun der Vorteil gegenüber dem Sweep-Picking, können die Arpeggiotöne dabei auch in beliebiger Reihenfolge und in Sequenzen angeordnet werden.
Hier ist ein Beispiel dazu mit allen Akkordgeschlechtern. Ihr hört die Arpeggios zuerst langsam und dann in höherem Tempo:

Hier findet ihr eine kleine Etüde in C-Dur, bei der ihr alle Dreiklangstypen anwenden könnt. Die Akkordprogression lautet:

|| C | Am | F | G B0 ||

Nun mag es für den einen oder anderen sehr mager wirken, dass wir für jeden Akkordtyp nur jeweils eine Arpeggio-Umkehrung mit Grundton auf A- und D-Saite zur Verfügung haben, aber das ist natürlich nicht der Weisheit letzter Schluss, denn jede Akkordstufe besteht aus sogenannten Lower- und Upper-Structures.

Betrachten wir z.B. einen Cmaj7 Akkord, so sehen wir, dass die Töne dieses Vierklangs (c e g b) aus einem C-Dur-Dreiklang (c e g ) und einem Em-Dreiklang (e g b) bestehen, was bedeutet, dass ich, um den Akkordtypus des maj7 Klanges auszudrücken, den Dur-Akkord auf der ersten Stufe und den Mollakkord auf der dritten Stufe zur Verfügung habe. Doch das Spiel kann noch weiter getrieben werden: Was passiert, wenn ich noch eine Terzschichtung obendrauf packe? Ich lande bei einem Cmaj9 Akkord, bestehend aus den Tönen c e g b d. Nun habe ich sogar drei Dreiklänge, die ich über diese Harmonie spielen kann, nämlich C-Dur, Em und G-Dur, usw.

Hier findet ihr eine Übersicht über gängige Dreiklangskombinationen:

Akkordtyp Oberstruktur In relativen Stufen
Cmaj7 ionisch C, Em, G, Am I, IIIm, V, Vim
Fmaj7 lydisch F, Am, C, Em, G, Dm I, IIIm, V, VIIm, II, VIm
Dm7 dorisch Dm, F, Am, C, Em, G Im, III, Vm, VII, IIm, IV
Am7 aeolisch Am, C, Em, G Im, III, Vm, VII
G7 mixolydisch G, Bdim, Dm, Em I, IIIdim,Vm, VIm

Nun liegt es an euch, kreativ die obigen Dreiklänge miteinander zu kombinieren.
Hier ein Beispiel meinerseits für ein String-Skipping-Lick über Em unter Verwendung von Lower- und Upperstructures. Ich kombiniere hierbei ein G-Dur, Bm- und Em-Arpeggio:

3. Pentatonik

Kommen wir nun zur Pentatonik. Hier lassen sich durch die Kombination aus Stretchpentatonik und dem Überspringen von Saiten tolle Lines kreieren, die wesentlich imposanter klingen, als sie eigentlich sind.
Das Prinzip ist dasselbe: ich spiele drei Töne pro Saite, überspringe die nächsthöhere Saite, spiele wieder drei Töne usw.
Dieses Vorgehen zieht notwendigerweise die Konsequenz nach sich, dass jeweils eine Note in der Pentatonik ausgelassen werden muss, um das Prinzip durchhalten zu können. Hier findet ihr ein Beispiel für die Gm-Pentatonik in der 10. Lage mit dem Grundton auf der A-Saite. Diese Struktur solltet ihr aber natürlich auch mit Grundton auf der E-Saite und in jeweils allen fünf Pattern und Tonarten üben:

Als Variation könnt ihr natürlich auf jeder Saite noch eine „Extrarunde“ drehen, um das Lick zu verlängern. Das macht das Spielen der Phrase auch etwas einfacher, da die Saitenwechsel nicht so schnell daherkommen:

Die obigen Beispiele waren vertikale Ausführungen, aber es gibt auch lineare, bzw. horizontale Varianten, um pentatonische Licks abzufeuern. Hierzu knöpft man sich ein nicht-benachbartes Saitenpaar vor und spielt die Phrase durch die Pentatonik-Pattern.

Hier ein paar Beispiele mit Lagenwechsel auf der tieferen Saite:

Und ein Beispiel mit dem Lagenwechsel auf der höheren Saite:

4. String Skipping und Tapping

Nun geht es um Arpeggio- bzw. Pentatonikshapes, die das String Skipping mit Tapping verknüpfen, eine Technik, die man bei vielen modernen Playern, allen voran Guthrie Govan, regelmäßig beobachten kann.

Beim Erlernen der Fingersätze, solltet ihr zwei Punkte besonders beachten:

1. Prägt euch den Fingersatz der Greif- und der Tap-Hand separat ein und lernt, welche Funktionstöne von welcher Hand gespielt werden. Da die Tap-Hand in den folgenden Arpeggio Shapes immer Quinte, Terz und Grundton spielt, sind die Fingerings dieser Hand für maj7 und Dominant 7 identisch.

2. Eine besondere Herausforderung trifft den Zeigefinger der Greifhand, der nämlich sogenannte „Tappings from Nowhere“ ausführen, also "aus der Luft" auf die Saite klopfen muss. Da dieser Finger es in der Regel nicht gewöhnt ist, Hammer-On-Bewegungen auszuführen, solltet ihr genau das erst einmal separat üben und darauf achten, dass er die gleiche Kraft wie die restlichen Finger entwickelt.

a) Vierklangsarpeggios

Hier findet ihr eine Übersicht über die gängige Vierklang-Arpeggio-Shapes, die ihr zunächst einzeln auswendig beherrschen solltet:

• Major 7

• Dominant 7

• Moll 7

• Halbvermindert

• Vollvermindert

Nun lassen sich auch hier Phrasen bilden, bei denen man zwei oder mehrere Arpeggio-Shapes miteinander kombiniert, so wie wir es bereits mit den Dreiklangsarpeggios (Punkt 2) getan haben:

b) Pentatoniken

Für die Pentatonik gilt das gleiche Prinzip, allerdings kommt für die Greifhand ein weiterer Ton hinzu, sodass wir bei einem Stretchpentatonik-Pattern landen. So klingt Pattern 1 der Gm-Pentatonik in der 10. Lage mit Grundton auf der a-Saite.

Natürlich müssen wir auch hier alle anderen Shapes einüben, allerdings würde ich diese Phrasen nicht unterhalb des 5. Bundes spielen, da hier einiges an Dehnarbeit anfällt. Am sinnvollsten erscheint es, in den hohen Lagen zu beginnen und sich langsam nach unten vorzuarbeiten. Hier findet ihr eine Übersicht über alle fünf Pentatonikshapes:

Damit sind wir am Ende unseres Workshops zum Thema String Skipping angelangt.
Versucht, diese Übungen akkurat und zu Beginn mit einem Tempo zu spielen, bei dem ihr das Gefühl habt, noch vollkommene Kontrolle über die Phrasen zu besitzen.
Mein Tipp: Bleibt dann jeweils eine Woche bei einem Tempo und steigert euch in Zehner-BPM-Schritten, bis ihr euch eurer persönlichen Zielgeschwindigkeit annähert. Wenn ihr euch halbwegs fit fühlt, solltet ihr alles zu einem Playback spielen, um den Sound im Kontext kennenzulernen und ein Gespür für die Klangästhetik zu bekommen.

Gutes Gelingen und viel Spaß dabei!

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