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Slide Guitar Workshop Vol.2 – Tunings

In der zweiten Ausgabe unseres Slide Guitar Workshops möchte ich euch verschiedene Stimmungsvarianten vorstellen, die speziell von Slidegitarristen verwendet werden. Die Vielfalt der Tunings ist so variabel wie die Materialen, mit denen die Gitarristen dieser Welt versuchen, den “Flaschenhals-Sound” zu verwirklichen. Im Testmarathon Bottlenecks haben wir übrigens Slides aus unterschiedlichen Materialien auf ihr Klangverhalten und ihre Spielbarkeit hin überprüft.

(Bild: © Fotolia / MIGUEL GARCIA SAAVED)
(Bild: © Fotolia / MIGUEL GARCIA SAAVED)


Ziel dieses Workshops ist es, euch mit den gängigen Stimmungen vertraut zu machen. Ihr werdet euch nicht in jedem Tuning gleich zuhause fühlen und manche Stimmungen werdet ihr vielleicht auch nicht noch einmal anrühren. Aber allein das Gefühl, wieder Neues auf dem Griffbrett zu entdecken und andere Wege zu gehen, um zum Beispiel Akkorde zu spielen und neue Klänge kennenzulernen, ist den Aufwand wert. Im übrigen ist nicht jeder Slidegitarrist mit allen Tunings unterwegs. Die meisten haben über die Jahre ein oder zwei Wege gefunden, ihr Instrument so zu stimmen, dass sie ihren Sound produzieren können und sich wohlfühlen, und dabei bleiben sie auch. Aber natürlich ist ein große Zahl auch von bekannten Spielern mit dem Standardtuning völlig zufrieden. Wer sich von euch bereits mit dem Thema Slidegitarre beschäftigt hat oder bei der ersten Ausgabe dieses Workshops schon mit dabei war, wird sicher einige der Namen kennen, die ich in den folgenden Beispielen anführen werde.

Open E

Sicher eine der ersten Varianten, über die ihr stolpern werdet, wenn ihr die Begriffe Slide, Gitarre und Tuning in eure Suchmaschine einspeist, ist das sogenannte Open E Tuning. “Open” bedeutet dabei, dass die Leersaiten so gestimmte werden, dass sie ungegriffen einen Akkord bilden. Bei Open E ist das der Akkord E-Dur. Die tiefe E-Saite bleibt wie sie ist, die A-Saite wird einen Ganzton höher gestimmt auf die Quinte B, ebenso die D-Saite auf den Grundton E. Aus der G-Saite wird ein Halbton höher unsere Terz G#, B- und hohe E-Saite bleiben wie gehabt. Das Tuning geht also wie folgt:
E – B – E – G# – b – e
Das praktische an den Open Tunings ist, wie bereits erwähnt, die schon als Akkord klingenden Leersaiten. Wollen wir andere Dur-Akkorde spielen, brauchen wir also nur das Slide über alle Saiten zu legen und können unseren Durakkord einfach verschieben:

Die E-Dur oder C#-Moll Pentatonik liegt in dieser Stimmung wie folgt:

Oder die E-Dur Tonleiter:

Einer der bekanntesten Vertreter dieses Slide-Tunings ist der Gitarrist Derek Trucks. Mit seiner Frau Susan Tedesci ist er seit einigen Jahren mit der Tedesci Trucks Band auf der ganzen Welt unterwegs. Seine Slidesoli sind einmalig und den unverkennbaren Sound kann man sofort zuordnen. Seine Instrumente sind grundsätzlich in Open E gestimmt. Ab und an greift er auf ein Standardtuning zurück. Sein Sound entsteht auch durch das vom ihm verwendete Coricidinröhrchen. Der Legende nach bekam er das erste von Duane Allman (Gitarrist der Allman Brothers), der Derek maßgeblich beeinflusst hat. Duane spielte auf der E-Gitarre entweder in Open E oder im Standardtuning. Als Beispiel, wie das klingen kann, hier das kurze Solo von Duane bei 1:06 min auf Don’t keep me wonderin’ (Idlewild South – Allman Brothers).

Audio Samples
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Don’t keep me wonderin’

Oder ihr probiert dieses kleine Bluesbeispiel:

Audio Samples
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Open E Blues

Open A

Das Open A Tuning funktioniert ähnlich wie die offene E Stimmung, hier liegt aber der Grundton des offenen Akkordes auf der A-Saite. Diese bleibt auf A gestimmt. Unsere tiefe E-Saite bleibt auch, wie sie ist. Verändert werden die D-Saite, sie wird wie in Open E einen Ganzton höher auf den E gestimmt. Wir können Grundtöne gut gebrauchen, darum wird unsere G-Saite einen Ganzton höher, also auf A gestimmt. Um unserem Akkord eine Terz zu verpassen, wandert die B-Saite jetzt noch einen Ganzton höher auf C#. Die hohe E-Saite bleibt unverändert. Im Überblick hier noch einmal das Tuning:
E – A – E – A – C# – e
Ihr erkennt sicherlich schon, das dieses Tuning etwas anders funktioniert als Open E. Die Grundtöne unserer mit einem Finger oder dem Slide gegriffenen Durakkorde liegen nun auf der A-Saite. Wenn ihr in offenen Dur-Stimmungen Mollakkorde spielen wollt oder müsst, helfen übrigens meist die parallelen Durakkorde. So könnt ihr zum Beispiel über A einen C-Dur Akkord spielen, und schon habt ihr auch das Moll-Feeling in der ansonsten von einer Dur-Harmonie beherrschten Stimmung. Das funktioniert auch in allen anderen offenen Stimmungen.

Die Blues-Grundakkorde findet ihr hier:

Und die Pentatonik und Dur-Tonleiter liegen wie folgt:

Robert Johnson, der Bluesgitarrist, der seine Seele an den Teufel verkauft haben will, damit er den Blues spielen kann, ist bekannt dafür, in einer Vielzahl von verschiedenen Stimmungen gespielt zu haben. Als kleines Beispiel für einen Song in Open A habt ihr hier das Intro von Last Fair Deal. Hört man Johnson zu, rückt die Möglichkeit, dass er wirklich ein teuflisches Abkommen mit dem Beelzebub gemacht hat, in gar nicht allzu weite Ferne, denn dieser Typ hat den Blues! In Last Fair Deal nutzt er nach dem Intro nur die A- und maximal die E-Saite als Haupttöne, um die Harmonien klarzumachen, der Rest sind kleine Fills mit dem Bottleneck. Das Beispiel ist recht einfach, aber es macht Spaß, ein bisschen über den Leersaiten herumzuprobieren.

Audio Samples
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Last fair deal

Ihr könnt euch aber auch einige der Aufnahmen von Jack White anhören. Der Gitarrist und Sänger der White Stripes, der mittlerweile eine florierende Solokarriere betreibt, nutzt dieses Tuning ausgiebig.

Open D und Open G

Um das Ganze etwas abzukürzen, möchte ich die nächsten beiden Slide-Tunings gesammelt abhandeln. Open D und Open G sind nämlich im Grunde nichts anderes als die beiden oben erwähnten Stimmungen. Open D funktioniert zum Beispiel so wie das Open E Tuning, nur einen Ganzton tiefer gestimmt. Beginnen wir also wieder mit der tiefen E-Saite, die einen Ganzton tiefer auf den Grundton D gestimmt wird. Unsere A-Saite bleibt auf A, das Gleiche gilt für die D-Saite. Damit wir die Terz in unserem Akkord nicht vermissen, wird die G-Saite auf F# gestimmt, B-Saite und e-Saite wandern beide einen Ganzton runter auf A und D. Es ergibt sich daraus folgendes Tuning:
D – A – D – F# – a – d
Pentatonik, Tonleiter und die Akkorde liegen wie in der Open E Stimmung:

Zum Ausprobieren und Kennenlernen dieses neuen Saitengefühls hier noch ein kleines Bluesbeispiel:

Audio Samples
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Open D Blues

Malted Milk von Robert Johnson kann man sich zu diesem Thema zu Gemüte führen.
Open G basiert wiederum auf demselben Prinzip wie Open A, nur dass wir auch hier alles einen Ganzton tiefer stimmen. Im Detail heißt dies dann, dass unsere E-Saite auf D gestimmt wird, die A-Saite muss einen Ganzton tiefer auf den Grundton G, unsere D-Saite und auch unsere G-Saite bleiben auf D und G. Mit der B-Saite haben wir schon unsere Akkordterz, müssen also hier auch nichts verändern. Die hohe e-Saite wiederum muss nochmal runter auf D. Hier der Überblick:
D – G – D – G – b – d
Ihr seht schon: Wenn wir Open A beherrschen, kommen wir auch in Open G wunderbar klar. Tonleiter, Pentatonik und Bluesakkorde liegen an denselben Stellen auf dem Griffbrett wie in Open A.

Open G ist auf der Dobro eine weit verbreitete Stimmung. Und falls ihr mal so klingen wolltet wie Keith Richards, seid ihr in diesem Tuning genau richtig. Open G ist die Hauptstimmung auf den meisten Gitarren des Rolling Stones Gitarristen. Hört euch zum Beispiel mal Happy von den Stones an, da wird sogar Slidegitarre gespielt, aber nicht von Keith, sondern von Mick Taylor. In Open G hab ich noch einen schönen Blues gefunden. Dallas von Johnny Winter, ich habe für euch den Anfang transkribiert.

Audio Samples
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Dallas

Open Em

Natürlich lässt sich das Open Tuning auch auf Mollakkorde adaptieren. So lässt sich beispielsweise Open Em leicht umsetzen, indem wir die G-Saite auf G gestimmt lassen. Von tief nach hoch liest sich dieses Tuning dann wie folgt:
E – B – E – G – h – e
Bis auf die A – und D- Saite unterscheidet sich diese Stimmung nicht von einem Standard-Tuning, was uns das Arbeiten mit ihr natürlich um einiges erleichtert. Pentatonik, Tonleiter und die Bluesakkorde liegen hier, natürlich in Moll, an den folgenden Stellen:

Hier ist es ganz schön, wenn wir bei der Pentatonik noch die None, also das F# hinzufügen.

Hört euch mal dazu Hellbound on my Trail von Robert Johnson an. Alternativ könnt ihr auch eines der ersten Bluesbeispiele adaptieren, das dann einfach nur in Moll gespielt wird.

Open E7

Ein etwas exotischeres Tuning ist dann noch diese offene Dominantseptakkord-Stimmung. Wir nehmen dazu Open E, lassen aber die D-Saite auf dem Ton D gestimmt. Insofern liest sich das Tuning dann so:
E – B – D -G# – b – e
Wir haben also in jedem Bund einen Dominantseptakkord, wenn wir alle Saiten greifen/sliden.

Vor allem bei echten Hawaiigitarren, also auf Lap-Steel-Gitarren und in hawaiianischer Musik, kommt dieses Tuning gerne und oft zum Einsatz.

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Lapsteel Blues

Die beiden als die Slidegitarristen geltenden Musiker, Derek Trucks und Duane Allman, arbeiteten am häufigsten mit dem Open E Tuning. Vor allem Derek Trucks spielt seine Instrumente eigentlich nie in einer anderen Stimmung, maximal vielleicht noch auf Standard gestimmt. Die Allman Brothers haben zwar auch einige Stücke wie zum Beispiel Little Martha, die in einem alternativen Tuning gespielt wurden, die meisten Slide-Einsätze von Duane fanden aber in Open E oder im Standardtuning statt. Letzteres, also E – A – D – G – b – e, sollte aber auch keinen Fall vernachlässigt werden. Wir erleichtern uns wahrhaftig das Leben, wenn wir auch hier unser Slide-Repertoire anbieten können, falls in einem Song nicht nur geslidet, sondern auch viel normal gegriffen werden soll. Natürlich können alle Akkorde auch in einer offenen Stimmung gegriffen werden, was aber viel Übung und Konzentration erfordert, vor allem, wenn man zwischen unterschiedlichen Stimmungen hin- und her springt.
Damit sind wir auch schon am Ende unseres kleinen Workshops angelangt und ich hoffe, ich konnte euch ein wenig zum Ausprobieren motivieren. Alternative Stimmungen sind für mich auch immer wieder eine Inspiration, etwas neues zu versuchen. Oft ergeben sich wegen der unterschiedlichen Saitenbelegungen neue Akkord- oder Melodiefolgen. Oder ich entdecke einen ganz neuen Akkord, in dessen Klang ich für ein paar Stunden eintauchen kann. Experimentiert doch mal ein bisschen herum. Zum Abschluss gibts hier noch eine meiner Lieblings-Solostrecken von Derek Trucks als Komplett-Transkription. Zu hören gibt es das bei Midnight in Harlem ab 3:56 min auf der Platte Revelator.
Viel Spaß!

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Midnight in Harlem Midnight in Harlem – Playback
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(Bild: © Fotolia / MIGUEL GARCIA SAAVED)

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von Florian Fleischer

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