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Test
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08.06.2015

Roland JD-Xi Test

Synthesizer

Analog-digitale Patternmaschine

Der Roland JD-Xi ist ein kompakter Hybrid-Synthesizer mit einer analogen und einer digitalen Klangerzeugung. Moment – Roland und analog? Der letzte analoge Synthesizer des Traditionsherstellers liegt Jahrzehnte zurück. Seit Mitte der 80er Jahre konzentrierte sich Roland auf Sample-basierte und virtuell-analoge Verfahren, zuletzt mit Instrumenten wie dem Jupiter-80 und der FA-Serie. Doch das Analog-Revival ist in voller Fahrt und hat nun also auch Roland mitgerissen, die im JD-Xi und im größeren JD-XA erstmals wieder analoge Oszillatoren und Filter verbauen.

Bei aller Analog-Euphorie sollte man jedoch den digitalen Teil des JD-Xi nicht unterschlagen, der auf den aus dem Jupiter-80 bekannten SuperNATURAL Synth Tones basiert. In Rolands Museum steht zudem mit dem JP-8000 ein heute noch sehr gefragter Klassiker der virtuell-analogen Technik – dass die Firma dieses Metier beherrscht, muss sie eigentlich nicht mehr beweisen. Hinzu kommen eine Drum-Abteilung, ein Pattern-Sequencer und Vocal-Effekte. Man darf also gespannt sein, wie diese Komponenten im JD-Xi zusammenwirken. Wir haben den Roland JD-Xi für euch getestet und es herausgefunden.

Details

Gehäuse

37 Minitasten, ein paar Drehregler, ein Anschluss für ein Schwanenhalsmikrofon – kennen wir das nicht irgendwoher? Tatsächlich hat der Roland JD-Xi äußerlich viele Gemeinsamkeiten mit den erfolgreichen Mini-Synthesizern rund um microKORG XL und Novation MiniNova. Das Kunststoffgehäuse hat ein ähnliches Format und ist mit gut 2 kg sehr leicht, sodass man den JD-Xi wie einen microKORG unter den Arm klemmen und überall hin mitnehmen kann. Trotz des geringen Gewichts macht die Verarbeitungsqualität einen guten Eindruck, wie man es von Roland erwartet. Das Gehäuse ist stabil und die Bedienelemente wackeln nicht und fühlen sich wertig an. Allerdings sind die Potis nicht mit dem Gehäuse verschraubt, daher sollte man den JD-Xi lieber nicht mit der Oberseite auf den Boden fallen lassen. In den Seitenteilen funkeln metallisch-rote Zierelemente. Hier wurde nicht auf Retro-Design gesetzt, sondern auf ein modernes, fast ein bisschen futuristisches Äußeres. Im Lieferumfang befindet sich neben dem externen Netzteil das besagte Schwanenhalsmikro.

Struktur

Die oberste hierarchische Ebene des JD-Xi ist das „Program“, wofür es 256 nicht überschreibbare Presets und 256 User-Speicherplätze gibt. Ein Programm umfasst vier Parts bzw. Tones (Digital 1 und 2, Drums und Analog) und ein Sequencer-Pattern. Die beiden digitalen Parts und die Drums teilen sich 128 Stimmen Polyphonie, während der analoge Teil monophon ist.

Jeweils einer der Parts kann ausgewählt und live auf der Tastatur gespielt werden. Es ist also nicht möglich, einen einzelnen spielbaren Sound aus digitalen und analogen Komponenten zusammenzusetzen, wie es die Werbung vielleicht suggeriert. Die Struktur des JD-Xi legt eher nahe, dass Roland den Pattern-Sequencer als das zentrale Element betrachtet: Man speichert im Grunde genommen ein Pattern mit den vier Tracks Digital 1 und 2, Drums und Analog und den dazugehörigen Sounds als Programm ab. Der JD-Xi befindet sich also permanent im Multimode. Tones (also die Einzelsounds der digitalen und analogen Klangerzeuger bzw. das Drumkit) lassen sich nicht einzeln sichern, sondern nur als Teil eines Programms. Allerdings gibt es 256 Preset Tones für den digitalen Teil und 64 Preset Tones im analogen Bereich sowie 33 Preset Drum Kits.

Bedienfeld

Auch das Bedienfeld des JD-Xi verzichtet auf Retro-Romantik und wirkt modern. Es ist leicht zum Benutzer hin geneigt. Viele Taster sind rot beleuchtet, was neben einer verbesserten Übersicht auch für eine effektvolle Lightshow sorgt, vor allem bei Benutzung des Sequencers.

Links neben den 37 Minitasten findet man Räder für Pitch Bend und Modulation, die beim JD-Xi ebenfalls etwas kleiner als üblich ausgeführt sind und an die Stelle des klassischen Roland-Hebels treten. Der linke Bereich der Bedienoberfläche wird von dem zweizeiligen, rot beleuchteten Display dominiert, unter dem sich acht Taster zur Navigation durch die Menüs befinden. Der Shift-Button bietet Zugriff auf die Zweitbelegungen diverser anderer Taster, unter anderem wird er zum Muten von Parts benötigt. Rechts daneben findet man vier Taster zur Anwahl der vier Parts (Digital 1 und 2, Drums und Analog), zwei Plus-/Minus-Buttons zur Auswahl von Tones und einen Drehschalter zur Auswahl von Klangkategorien (Strings/Pad, Lead, Bass etc.), wie es ihn beispielsweise auch beim microKORG XL und beim Novation MiniNova gibt. Er bezieht sich auf die beiden digitalen Parts, für den analogen Strang gibt es darunter zwei Buttons zur Auswahl der Oszillator-Schwingungsform und einen kleinen Drehregler für die Pulsbreite. In der Leiste darunter findet man den Regler für die Gesamtlautstärke, ein weiteres Poti und einen Tap-Button für das Tempo, zwei Oktav-Buttons, zwei Knöpfe für den Arpeggiator und die Transport-Buttons des Pattern-Sequencers.

Der rechte Bereich lädt mit neun Drehpotis und fünf Tastern zum Schrauben an Sounds und Effekten ein. Es sind längst nicht alle Klangparameter im direkten Zugriff – speziellere Einstellungen findet man nur im Menü. Aber hier kann man an Filter, Amp und LFO drehen und schnell mal die Effektanteile justieren. Schade finde ich, dass die Hüllkurven hier eindeutig unterrepräsentiert sind. Es gibt lediglich ein Poti, mit dem man grob die Amp-Envelope beeinflussen kann. Einstellmöglichkeiten für die Filter-Envelope und ihre Intensität fehlen auf dem Bedienfeld beispielsweise ganz – diese findet man nur im Menü. Den Abschluss bilden 16 Taster für den Step-Sequencer, die natürlich ebenfalls beleuchtet sind. Links daneben findet man einen Favorite-Knopf, mit dem man auf diesen Step-Tastern eine Sammlung von 16 Lieblingsklängen ablegen und aufrufen kann. Sehr praktisch für die Bühne!

SuperNATURAL Synth Tones

Die beiden digitalen Blöcke arbeiten mit der gleichen Technik und Struktur wie die SuperNATURAL Synth Tones des Jupiter-80. Ein Tone besteht aus bis zu drei „Partials“, die jeweils einen Oszillator, ein Multimode-Filter (Tiefpass, Hochpass, Bandpass, Peaking), einen Amp und einen LFO umfassen. Die digitalen Oszillatoren liefern die virtuell-analogen Schwingungsformen Sägezahn, Rechteck, variable Pulsschwingung mit PWM, Dreieck, Sinus oder den allseits beliebten Super Saw aus dem erwähnten JP-8000. Alternativ stehen Rauschen oder eines von 160 PCM-Samples als Klangquellen zur Verfügung. Darunter sind viele synthetische Sounds, aber auch einige Naturinstrumente, sodass man auf dem JD-Xi notfalls auch Klavier oder Slap-Bass spielen kann. Ob man das möchte, ist eine andere Frage.

Analoge Klangerzeugung

Der monophone, analoge Strang des JD-Xi ist recht simpel aufgebaut. Er verfügt über einen analogen Oszillator mit den Schwingungsformen Sägezahn, Dreieck oder variable Pulsschwingung. Dazu gibt es einen zuschaltbaren Suboszillator mit einer Rechteckschwingung, der eine oder zwei Oktaven tiefer klingen kann. In der Lautstärke regeln kann man den Sub leider nicht. Danach folgt ein analoges Tiefpassfilter mit Resonanz. Für Filter und Amp stehen zwei ADSR-Hüllkurven zur Verfügung, während die Pitch-Hüllkurve mit Attack und Decay auskommen muss. Ein zur Clock synchonisierbarer LFO mit den Schwingungsformen Dreieck, Sinus, Sägezahn steigend, Rechteck, Sample&Hold und Random (fließend) steht zu Modulationszwecken bereit und kann auf Pitch, Filter und/oder Amp wirken. Nur der Oszillator, der Suboszillator und das Filter sind tatsächlich analog. Die Hüllkurven und der LFO werden digital erzeugt, greifen ja aber auch nur indirekt in das Klanggeschehen ein.

Drums

Die Drum-Sektion des JD-Xi arbeitet mit Samples, von denen 453 im Speicher liegen. Der Schwerpunkt liegt auf Samples von Rolands zahlreichen berühmten Drum-Machines, aber es sind auch „natürliche“ Schlagzeugsounds dabei. Ein Drumkit umfasst 26 Tasten, wobei Roland bei den Presets von der GM-Tastaturbelegung zugunsten von mehr Bassdrums und Snares abgewichen ist. Auf jeder Note können bis zu vier gelayerte und/oder mit Velocity-Crossfades versehene Samples zum Einsatz kommen. Samples lassen sich verstimmen (auch eine leichte, zufällige Verstimmung bei jeder Note ist möglich) und mit einer recht komplexen Pitch-Hüllkurve mit zwei Decay-Phasen (ADDSR) bearbeiten. Zur weiteren Klangformung gibt es ein Multimode-Filter mit sechs Varianten und Hüllkurve sowie eine Amp-Envelope.

Vocoder und Vocal-Effekte

Das vom Mikrofon- oder Audioeingang kommende Signal kann mit einem Vocoder oder einem Auto-Pitch-Effekt bearbeitet werden. Bei Verwendung dieser Effekte tritt das Vocal-Signal an die Stelle eines der beiden digitalen Blöcke der Klangerzeugung, der dann ggf. auch das Carrier-Signal für den Vocoder liefert. Sowohl für Vocoder als auch für Auto Pitch gibt es etliche Presets, die Effekte lassen sich im Menü aber auch in einigen Parametern einstellen.

Effekte

Vier Effektblöcke bilden den Abschluss und lassen sich den vier Parts der Klangerzeugung flexibel zuweisen. Auch das von den Audioeingängen und den Vocal-Effekten kommende Signal kann mit dieser Effektsektion weiter bearbeitet werden. Effect 1 wartet mit Distortion, Fuzz, Compressor und Bitcrusher auf, während Effect 2 Flanger, Phaser, Ringmodulator und Slicer im Angebot hat. Block 3 ist ein Delay, das sich selbstverständlich zum Tempo synchronisieren lässt, Block 4 besteht aus einem Reverb mit sechs verschiedenen Typen. Die Blöcke 1 und 2 lassen sich als Inserts einzelnen oder mehreren Tones zuweisen, während Delay und Reverb als Send-Effekte arbeiten. Beim Drumkit lassen sich die Effekt-Sends für jede Taste bzw. jeden Sound separat einstellen.

Anschlüsse

Die rückseitigen Anschlüssen des JD-Xi muss man unter der weit überstehenden Gehäusekante ertasten, wenn man sich von vorn über den Synthesizer beugt. Zum Glück sind die Anschlüsse aber auch oben auf dem Bedienfeld beschriftet. Man findet hier zunächst den Anschluss für das Netzteil und einen kleinen Power-Schiebeschalter, der für mein Empfinden das am billigsten wirkende Bedienelement des Synthesizers ist. Aber er verrichtet seinen Dienst wie erwartet. Danach folgt eine USB-Buchse, über die der JD-Xi nicht nur MIDI senden und empfangen kann, sondern auch Audio. Außerdem dient die Buchse zum Aufspielen von Software-Updates und seit dem Update auf die Version 1.10 auch zum Sichern von Einstellungen auf dem Rechner und zum Laden von Sounds aus Rolands Axial-Soundlibrary. Daneben liegen die beiden MIDI-Buchsen In und Out. Auf der anderen Seite findet man einen Kopfhöreranschluss, ein Stereo-Ausgangspärchen und einen Mono-Audioeingang, der zwischen Line und Gitarre (Hi-Z) umgeschaltet werden kann. Einen Hardware-Regler zur Pegeljustierung gibt es leider nicht, man findet diese Einstellung aber im System-Menü. Nun fehlt noch der Mikrofoneingang, der oben auf dem Bedienfeld in Form einer XLR-Buchse zu finden ist. Hier kann man natürlich nicht nur das mitgelieferte Schwanenhalsmikrofon anschließen, sondern ein beliebiges dynamisches Mikro. Leider lassen sich der rückseitige Audioeingang und der Mikrofoneingang nicht gleichzeitig verwenden.

Was Roland leider genauso „vergessen“ hat wie Korg beim microKORG, ist der Anschluss für ein Sustainpedal. Wer den JD-Xi als die Pattern-Maschine benutzt, als die er konzipiert ist, wird das Pedal selten brauchen. Wenn man den Synthesizer aber wirklich spielen möchte, vermisst man es schnell, zumal gerade Flächensounds eine Stärke der SuperNATURAL Synth Engine sind.

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