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13.07.2018

Reloop RP-4000 MK2 Test

DJ-Plattenspieler

Oft werde ich gefragt, welche Plattenspieler ich jungen, ambitionierten Hobby-DJs ans Herz legen würde. Ein PLX-1000 kostet knapp 700,- Tacken und ein gebrauchter, gut erhaltener 1200er ist kaum günstiger zu haben. Da ist es legitim, eine paar Fächer tiefer im Regal zu schauen, wo es Turntables gibt, die nur die Hälfte kosten. Zum Beispiel bei Reloop. Reloop „mark-two-ed“ sich durch die eigene Plattenspielerpalette und stellte nach dem neuen Top-Modell RP-7000 MK2 und dem RP-2000 MK2 auf der diesjährigen Musikmesse nun auch den Nachfolger des Reloop RP-4000 vor. Der quarzgesteuerte Turntable mit High-Torque-Direktantrieb richtet sich vor allem an ambitionierte Hobby-DJs, die für den Preis eines Profi-Players gleich das fürs Mixen nötige Pärchen bekommen.

Details

Reloop, die Eigenmarke des Münsteraner DJ-Versands Elevator, hat sich schon immer darum verdient gemacht, vernünftige Technik zum bezahlbaren Preis anzubieten. Den Vorgänger RP-4000 M3D hatte ich selbst mal vor Jahren einer kleinen Berliner Bar empfohlen, die nicht gleich in teure Technics investieren wollten. Mittlerweile ist das Preissegment bis 300,- Euro aber hart umkämpft. Mal sehen, wie sich Reloops Neuer hier bewährt.

Der RP-4000 MK2 wurde auf der diesjährigen Frankfurter Musikmesse vorgestellt und wird erfreulich komplett mit Plattenteller, Reloop OM Black Tonabnehmersystem von Ortofon, Headshell, Slipmat, Gegengewicht, Netzkabel und Bedienungsanleitung geliefert. Lediglich die Staubschutzhaube fehlt, ist Reloop-like aber optional erhältlich und wird rückwärtig an den dafür vorgesehenen Schraublöchern befestigt. Ein Single-Puck fehlt ebenso, es ist auch keine Mulde dafür vorgesehen.

Das Design orientiert sich wie schon beim Vorgänger RP-4000 M3D am klassischen DJ-Plattenspieler-Layout, aber mit einigen Extra-Features. Die Abmessungen von 450 x 352 x 144 mm (B x T x H) entsprechen dem großen Vorbild. Mit nur 9,8 kg ist er allerdings etwas leichter als ein 11 kg schwerer SL-1200 MK2 oder das hauseigene Topmodell RP-7000 MK2, das gleich 11,7 kg auf die Waage bringt.

Im Gegensatz zum Vorgänger M3D, der mit einem Pitch-Bereich von +/-10 und +/-20 Prozent protzte, hat der MK2 einen etwas stärkeren Motor von bis zu 1,8 kg Drehmoment, aber einen reduzierten Pitch-Bereich von +/-8 (umschaltbar auf +/-16) und bewegt sich damit auf Technics 1200er-Niveau. Eine gute Entscheidung, wie ich finde.

Per Reverse-Button legt das Laufwerk den Rückwärtsgang ein. Der Pitchfader ist nicht nullgerastert. Eine grüne LED leuchtet, wenn der Plattenspieler auf „Null-Prozent“ läuft. Aktiviert DJ den Reset-Button, wird die Platte unabhängig von der Pitchfader-Position mit der Originalgeschwindigkeit abgespielt. Genauso ist das beim aktuellen Reloop Topmodell RP-7000 MK2.

Anders als beim großen Bruder und auch beim Technics-Vorbild läuft der Pitchfader aber nicht in einer Mulde, sondern direkt auf der Oberfläche und fühlt sich auch nicht so geschmeidig an. Vernünftiges Pitchen ist natürlich trotzdem möglich.

Links befindet sich das mit Rotlicht ausgestattete Stroboskoptürmchen, dessen Metallmantel bis über den vom Technics-Turntable sattsam bekannten Power-Drehschalter gezogen sind, damit DJ beim Pitchen und Scratchen nicht versehentlich den Plattenspieler ausschaltet. Darunter lauert der Start/Stopp-Button auf seinen Einsatz. Die beiden Schalter für die Geschwindigkeiten (33 und 45 RPM) haben integrierte rote Status-LEDs, die wie alle übrigen Schalter im klassischen eckigen, metallgebürsteten Look gehalten sind. Drückt DJ beide Speed-Buttons, läuft der Plattenspieler auf 78 RPM.

Die Schalter fühlen sich ganz okay an, natürlich ist das Klickgefühl nicht so wertig wie bei einem doppelt so teuren Turntable. Weiter rechts gibt’s das ausfahrbare Periskop-Lämpchen. Flutscht nicht so smooth raus wie bei teureren Turnies, aber es macht, was es soll.

Rückseitig bietet der Reloop RP-7000 MK2 einen versenkten Anschluss für das mitgelieferte Euronetzkabel. Das Audiokabel mit seinen vergoldeten Cinch-Steckern und dem integriertem Massekabel ist fest mit dem Plattenspieler verbunden und wird auf der Unterseite aus einer kreisrunden Öffnung herausgeführt. Links und rechts auf der Unterseite befinden sich zwei praktische Griffmulden, um den Plattenspieler komfortabel greifen und anheben zu können. Unter dem Plattenteller logiert sich ein Umschalter (230 und 115 Volt), so dass auch DJs in Japan und USA Freude am RP-4000 MK2 haben können.

Beim Plattenteller selbst trifft Grandmaster Flashs berühmte Bezeichnung „wheels of steel“ übrigens vollends: Er besteht lediglich aus Aluminium-Druckguss. Unterseitig ist keinerlei Dämpfung angebracht, es glänzt das nackte Metall. Dadurch ist der Plattenteller sehr leicht und fühlt sich beim Mixen nicht so schön an. Auch Vibrationen werden nur unzureichend abgedämpft.

Während die metallic-schwarze Oberfläche des RP-4000 MK2 tatsächlich aus Metall besteht, ist an anderen Ecken sehr viel Hartplastik verbaut, z. B. der gesamte Unterboden und auch der Tonarmturm. Das Rändelrädchen des Turms ist leider nur eine Attrappe und lässt sich nicht verstellen. Schade, denn zum perfekten Einstellen des Plattenspielers ist auch die korrekte Höhe des Turms unerlässlich.

Die vier Plastikbeine sind sehr flexibel und zur besseren Dämpfung auf Gummipuffern gelagert. Sie federn kleinere Stöße gegen den Tisch ganz gut ab, aber lassen sich leider nicht in der Höhe verstellen. Sollte der Turntable-Tisch also leicht schräg stehen, muss DJ sich mit anderen Tricks behelfen, z. B. ein Stück Pappe unters Reloop-Bein schieben. Nicht optimal und natürlich ebenfalls dem günstigen Preis geschuldet. So bleiben dann nur das Tonarmgewicht und das kleine Antiskating-Rädchen zum Einstellen des Plattenspielers.

Der s-förmige Tonarm ist statisch ausbalanciert und kommt mit einem universellen SME-Bajonettverschluss für alle gängigen Tonabnehmersysteme. Damit DJ gleich losmixen kann, ist eine Headshell und ein Reloop OM Black by Ortofon Tonabnehmer bereits im Lieferumfang enthalten. Dieser sphärisch geschliffene Pickup wird tatsächlich bei Ortofon in Dänemark für Reloop gebaut, liefert laut Hersteller eine weite Frequenzübertragung von 20 Hz bis 22 kHz und ist für alle möglichen DJ-Tätigkeiten verwendbar, also auch fürs Scratching. Solide Technik zum kleinen Preis. Die Nadel wird dann schließlich entweder per Hand oder per hydraulischem Lift auf das Vinyl gesenkt. Der Lift fühlt sich okay an. 

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