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03.05.2018

Quintenzirkel einfach erklärt!

Was genau ist eigentlich dieser Quintenzirkel und wie funktioniert er?

So lernst du in kurzer Zeit Tonarten zu bestimmen und Tonleitern zu spielen, ganz ohne Hilfsmittel!

Sobald im Unterricht der Begriff Quintenzirkel fällt, gerät so mancher Musikschüler in eine unbegründete Panik. Besonders unter Klavierschülern ist dieses Phänomen häufig zu beobachten, ist es doch auch bei Tasteninstrumenten wichtig, sich mit den Zusammenhängen der unterschiedlichen Tonarten und Akkordverwandtschaften auszukennen. Sehen bei der Gitarre noch alle Töne auf dem Griffbrett gleich aus, vermittelt schon der rein optische Eindruck einer Klaviertastatur mit ihren weißen und schwarzen Tasten, dass man ein besonderes System benötigt, das erklärt, wann man eine weiße oder schwarze Taste drücken muss. Der Quintenzirkel ist das „System“, das dir dabei hilft, genau die richtigen Tasten zu finden, genauso hilft er dir beim Finden der Töne einer Tonleiter.

Viele verlassen sich bei der Verwendung des Zirkels allerdings nur auf seine Eigenschaft als reines Hilfsmittel. Daran ist grundsätzlich nichts einzuwenden, aber auch dabei verhält es sich wie mit allem anderen. Man muss verstehen, wie etwas funktioniert, erst dann kann man es auch richtig anwenden und seinen Nutzen daraus ziehen. Aus diesem Grund schauen wir uns den Quintenzirkel erst ausführlich an und dann erkläre ich dir genau, wie er funktioniert. Wenn du das System dann verstanden hast, musst du in Zukunft gar nicht mehr auf diese Übersicht zurückgreifen, sondern kannst dir die Tonart und deren Vorzeichen selbst bestimmen.

Im Prinzip arbeitet der Quintenzirkel nur als Hilfsmittel, so, wie ein Taschenrechner. Wenn du gut im Kopfrechnen bist, brauchst du keine Hilfsmittel mehr und kannst alle Rechenaufgaben schnell selbst im Kopf erledigen. Und wie so oft in der Musik, sind die eigentlichen Sachverhalte nicht allzu kompliziert. Du musst das Ganze nur einmal richtig erklärt bekommen und danach verstehen. Und auch, wenn du bisher so deine liebe Mühe mit dem Quintenzirkel hattest, lies einfach weiter, und schon bald gehören diese Probleme der Vergangenheit an. Los geht’s!

Details

Was ist der Quintenzirkel und wieso heißt er so?

Grundsätzlich ist der Quintenzirkel eine Übersicht, die dir anzeigt, welche Tonart wie viele Vorzeichen hat und wie diese Vorzeichen heißen. Aber wie bereits erwähnt, ist es im Endeffekt wichtig, dass du verstehst, wie diese Übersicht funktioniert. Dann brauchst du sie nämlich überhaupt nicht mehr für die Bestimmung der Tonarten oder für die Tonzusammensetzung einer Tonleiter. Zuerst ist es allerdings ebenfalls sehr wichtig, dass du verstehst, wie der Name Quintenzirkel überhaupt zustande kommt.

Zirkel ist ein altes Wort für Kreis, die Tonarten sind nämlich im Kreis angeordnet. Und der Begriff Quinte führt uns in die Welt der Intervalle. Ein Intervall wiederum ist in der Musik der Abstand zweier Töne zu einander. Und so sehen sie aus.

Das Intervall Quinte steht für die Zahl "5". Das bedeutet: Nimmst du den ersten und fünften Ton einer Tonleiter, so erhältst du eine Quinte.

 

Für die Genauigkeit zerlegen wir jetzt die Quinte in Halbtonschritte.

Eine Quinte besteht also aus sieben Halbtonschritten. Es ist wichtig, dass du das im Kopf behältst, so findest du später immer den richtigen Abstand. Kommt der Begriff Quinte also im Namen der Übersicht vor, ist dieses Intervall für den Quintenzirkel offensichtlich sehr wichtig. Warum, untersuchen wir später. Jetzt schauen wir uns den „Fünf-Kreis“ (Quintenzirkel) erst einmal genau an.

Wie der andere Teil des Namens bereits erwähnt, sind die Tonarten in einem Kreis angeordnet. Startpunkt ist immer das C. C steht für C-Dur. Das Besondere an dieser Tonart ist: Sie verwendet keine Vorzeichen. Sie steht ganz oben in der Mitte, wie bei einer Uhr in der 12 Uhr Stellung. Auf der rechten Seite des Zirkels befinden sich die „Kreuz“-Tonarten (#), auf der linken dann die B-Tonarten (b). Besonders interessant ist die Stelle in der Mitte unten. Hier treffen sich zwei Tonarten, nämlich Fis- und Ges-Dur. Als Pianist kennst du das Phänomen längst, dass besonders die schwarzen Tasten mehrere Namen haben. Dieses Phänomen wird auch als enharmonische Verwechslung bezeichnet.

 

Spielt man beide Noten, hört man jeweils den gleichen Ton, allerdings heißen sie anders, da der Ausgangston jeweils ein anderer ist. Erhöht man das F um einen halben Ton, entsteht ein Fis, erniedrigt man das G um einen halben Ton, entsteht ein Ges. Klingend sind die Töne aber gleich. Genau das passiert an dieser Stelle auch im Quintenzirkel. Die Tonarten Fis- und Ges-Dur sehen völlig unterschiedlich aus, da die eine mit sechs Kreuzen (#) und die andere mit sechs B‘s (b) ausgestattet ist, beide klingen aber völlig identisch.

 

Im Inneren des Zirkels siehst du nun noch weitere Tonarten, dieses Mal allerdings mit kleinen Buchstaben gekennzeichnet. Hierbei handelt es sich um die parallelen Molltonarten. Jede Durtonart hat also eine parallele Molltonart. Das bedeutet, dass es immer zwei Tonarten mit derselben Anzahl an Vorzeichen gibt: Eine Dur- und eine Molltonart. Am Beispiel von C-Dur ist erkennbar, dass a-moll die parallele Molltonart ist. Beide Tonarten kommen ohne Vorzeichen aus. Sie teilen sich also die gleichen Töne, verwenden allerdings unterschiedliche Starttöne. Deshalb sind parallele Tonarten auch miteinander verwandt. Die parallele Molltonart liegt immer drei Halbtonschritte unter der Durtonart. Warum das wichtig ist, und was wir mit dieser Information machen, folgt im nächsten Teil.

Die praktische Nutzung des Quintenzirkels

Wenn auch du den Quintenzirkel als reines Hilfsmittel verwenden möchtest, ergibt sich daraus das Problem, dass du ihn immer bei dir tragen musst, um die Tonart des Stückes zu bestimmen, dass du gerade spielen möchtest. Oder du musst ihn auswendig lernen. Viele Schüler behelfen sich mit Merksätzen, die du bestimmt auch schon mal gehört hast.

Für die Bestimmung der Kreuz-Tonarten wird oft die Eselsbrücke „Geh-Du-Alter-Esel-Hole-Fische“ verwendet. Der Satz zur Bestimmung der B-Tonarten lautet in der Sprache der Eselsbrücken: „Feine-Braune-Esskastanien-Ass-Desmond-Gestern“.

Die Anfangsbuchstaben der Wörter zeigen dir die Tonarten an. G-Dur ist die erste Tonart mit einem Kreuz (#), D-Dur verwende zwei Kreuze, usw. F-Dur ist die Tonart mit einem B (b), B-Dur hat schon zwei „Bs“ usw. Aber selbst diese Eselsbrücken musst du dir ja merken und auswendig lernen. Aus meiner Sicht ist es also besser, wenn du verstehst, wie genau der Quintenzirkel funktioniert und wie du selbstständig „ausrechnen“ kannst, um welche Tonart es sich handelt. Und genau das zeige ich dir jetzt.

Machen wir uns nun also noch einmal klar, wie der Name des Quintenzirkels zustande kommt. Zirkel bedeutet Kreis, das bezieht sich auf die Form der Übersicht. Und Quinte deshalb, weil sich hier alles in Quinten bewegt. Wie bei der Uhr die Sekunde ist also die Quinte die Einheit des Quintenzirkels. Die Tonart mit einem Kreuz (G-Dur) ist also nur eine Quinte von der Tonart entfernt, die kein Kreuz hat (C-Dur). 

 

Was musst du jetzt konkret tun, um die Tonart eines Stückes zu bestimmen? 

  1. Du schaust dir die Art der Vorzeichen an und zählst sie.
  2. Du suchst ein „C“ auf der Klaviatur.
  3. Bei Kreuzen bewegst du dich vom C aus nach rechts oder nach oben, bei Bs nach links oder nach unten.
  4. So viele Vorzeichen du gezählt hast, so oft bewegst du dich eine Quinte vom C weg. Eine Quinte besteht aus sieben Halbtonschritten.
  5. Der Ton, bei dem du ankommst, zeigt dir die mögliche Tonart, in der du dich befindest. Möglich deshalb, weil es noch eine Tonart gibt, die genau gleich viele Vorzeichen hat, nämlich die parallele Molltonart. Diese findest du immer drei Halbtöne tiefer, egal ob du Kreuze oder Bs als Vorzeichen hast.
  6. Jetzt gehst du in den letzten Takt deines Stückes und suchst den Ton der Mollparallele. Findest du ihn, ist dein Stück in eben dieser Molltonart geschrieben. Findest du ihn nicht, bist du in der parallelen Durtonart. Bei fast allen Stücken zeigt sich im Schlussakkord auch die eigentliche Tonart. Warum du den Ton der Mollparallele suchen musst, siehst du hier:

D-Dur und h-moll verwenden zwei gemeinsame Töne. Suchst du nach dem Ton der Durtonart, also nach dem D, wirst du in beiden Fällen fündig, kannst aber keine abschließende Zuordnung vornehmen. Nur ein Ton, der in einem Akkord vorkommt, gibt dir wirkliche Klarheit über die verwendete Tonart. Am besten nimmst du dafür den Ton der Mollparallele, schließlich kennst du den ja bereits. Das Ganze werden wir jetzt noch einmal an einem praktischen Beispiel durchgehen.

Was kann man erkennen und wie gehst du vor?

  1. Du siehst in diesem Stück ein Kreuz. 
  2. Du suchst dir ein C auf der Klaviatur.
  3. Da dieses Stück ein Kreuz als Vorzeichen hat, bewegst du dich nach rechts, bzw. nach oben.
  4. Bei nur einem Kreuz gehst du also nur eine Quinte höher, das sind sieben Halbtonschritte.
  5. Du landest bei einem G. Das Stück kann also in G-Dur geschrieben worden sein. Jetzt bestimmst du die parallele Molltonart, indem du drei Halbtöne nach unten zählst. Hier gelangst du zu einem E, die zweite mögliche Tonart lautet also e-moll.  
  6. Jetzt suchst du im letzten Takt den Ton der Mollparallele, also nach einem E.
  7. Im letzten Takt ist kein E zu sehen, deshalb steht das Stück in G-Dur

Du siehst, wenn du dich an diesen Plan hältst, findest du bei jedem Stück ganz leicht die Tonart heraus. Mit etwas Übung wird das sogar sehr schnell gehen.

Tonleitern und ihre Töne bestimmen

Es gibt im Quintenzirkel aber noch etwas, das sich in Quinten bewegt. Und zwar sind das die Vorzeichen selbst. Das erste Kreuz (#) heißt immer „Fis“, das zweite dann „Cis“, das dritte „Gis“ usw. Bei den Bs (b) hast du als erstes immer den Ton „B“, dann folgt „Es“, danach „As“ usw. Möchtest du also herausfinden, wie eine F-Dur-Tonleiter aussieht, bestimmst du als erstes die Anzahl der Vorzeichen. Der Ton F liegt genau sieben Halbtonschritte unter dem C. Das ist eine reine Quinte. Das bedeutet zunächst: F-Dur hat nur ein Vorzeichen, nämlich ein „b“. Das befindet sich direkt beim Ton H, der dadurch zum B wird. Das Vorzeichen und der Ton selbst haben denselben Namen. Spielst du nun vom Ton F aufwärts zum nächsten F, verwendest du zunächst nur weiße Tasten, lediglich das H wird durch das B ersetzt. Das ist die erste schwarze Taste unterhalb des Tons H.

Du siehst, auch dieser Vorgang ist mit dem richtigen Vorgehen und dem entsprechenden Hintergrundwissen überhaupt kein Problem mehr. Bei allen anderen Tonleitern gehst du genau gleich vor, lediglich die Anzahl der Vorzeichen und damit auch die Anzahl der zu erniedrigenden Töne steigt dabei an. Spielst du eine Tonleiter mit Kreuzen, musst du die Töne natürlich entsprechend erhöhen. Schauen wir uns das konkret an.

Jetzt geht es an die D-Dur Tonleiter. Du startest wieder beim Ausgangston C, gehst eine Quinte höher (sieben Halbtöne) und landest somit beim G. Jetzt steigst du eine weitere Quinte höher und kommst beim D an. D-Dur hat also zwei Kreuze. Du weißt, dass das erste Kreuz immer mit Fis benannt wird und das zweite Kreuz wiederum eine Quinte höher zu finden ist. Hier landest du beim Cis. Alles was du jetzt noch tun musst, ist von einem D zum nächst höheren D zu spielen. Bis auf das Fis und das Cis, spielst du dabei nur weiße Tasten.

Fazit

Nachdem dir der Quintenzirkel richtig erklärt wurde, ist auch dieses Thema nicht wirklich schwer zu verstehen. Halte dich immer an diesen Plan, dann findest du leicht und schnell die Tonart eines Stücks heraus und kannst ebenso leicht die entsprechende Tonleiter konstruieren. 

Jetzt bist du gefragt

Um zu einem Erfolg zu kommen, solltest du das neu gewonnene Wissen so oft wie möglich anwenden. Eine gute Übung ist es, von jedem Stück, das du in die Finger bekommst, die Tonart bestimmen. Zusätzlich solltest du nach oben beschriebenem Prinzip jeden Tag ein paar Tonleitern bauen und spielen. Ziehst du das konsequent durch, werden sich innerhalb weniger Wochen alle Probleme mit der Materie komplett in Luft auflösen. Du kannst dann irgendwann aus dem Stehgreif Tonarten bestimmen und Tonleitern spielen. Bleib fleißig, es lohnt sich!

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