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22.01.2021

Pimp My Bass - Billigbass mit Replacement-Parts aufwerten

Bass-Sound verbessern mit Replacement-Parts

Bessere Basssaiten, Brücke, Pickups - lohnt sich ein Austausch?

Kann man Sound und Bespielbarkeit eines günstigen E-Basses durch den Austausch gewisser Teile am Instrument verbessern? Heute führen wir einmal ein kleines Experiment im Sinne der Wissenschaft durch! Zu diesem Zweck haben einen preisgünstigen Bass gekauft und werden ihn mit verschiedenen Maßnahmen tunen. Der Fokus liegt dabei nicht auf optischen Aspekten wie Farbe, Schlagbrett, Ralley-Streifen etc., sondern auf Anbauteilen, welche den Klang verbessern sollen. Voraussetzung dafür ist, dass diese Replacement-Parts für E-Bass problemlos auf dem sogenannten "After Market" erhältlich sind und keine großen Fräsarbeiten am Instrument erfordern. In der Summe kosten die ausgewählten Tuning-Maßnahmen doppelt so viel wie der Bass selbst. Das führt zwangsläufig zu der Frage: "Macht das Sinn?", doch der eigentliche Zweck dieses Experiments besteht darin, zu zeigen, was jedes einzelne Teil bewirken kann - oder eben nicht.

Fender vs. der Rest

Der Markt an Pickups, Hardware, Schlagbrettern usw. orientiert sich aus offensichtlichen Gründen hauptsächlich an den Klassikern "Fender Precision" und "Fender Jazz Bass". Für diese sind die meisten Anbauteile standardisiert und können daher problemlos ausgetauscht werden. Häufig sind dafür keinerlei Kenntnisse oder handwerkliche Fähigkeiten erforderlich.

Bei zahlreichen anderen Marken vor allem im preiswerten Sektor gibt es diese Standards jedoch nicht. Der Gang zu einer professionellen Werkstatt ist natürlich sinnvoll, würde aber preislich ohne Frage nicht mehr in Relation zum günstigen Instrument stehen. Möchte man einen Bass aus diesem Preissegment aufwerten, sind daher Mut, handwerkliches Geschick sowie passendes Werkzeug gefragt. Die gute Nachricht: Auch hier steht man keineswegs vor unlösbaren Aufgaben!

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Ich habe schon häufiger mal Brücken oder Pickups auf meinen Instrumenten getauscht, allerdings nur mit äußerst geringem handwerklichen Aufwand (keine Fräsungen etc.). Alle in unserem Experiment angefallenen Arbeiten waren für mich daher komplett neue Herausforderungen. Auch hatte ich lediglich mein haushaltsübliches Werkzeug sowie meine recht bescheidenen handwerklichen Fähigkeiten zur Verfügung.

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Die Ausgangslage: Harley Benton HB-20

Harley Benton ist die Eigenmarke des Musikhaus Thomann und der HB-20 ist der günstigste Viersaiter-Bass, den es dort zu kaufen gibt. Aktuell legt sein Preis bei läppischen 89,- Euro ‑ ein idealer Kandidat also für eine kleine Tuning-Session! 

Kurz anmerken muss ich an dieser Stelle, dass der HB-20 durchaus auch ohne Tuning schon richtig Spaß macht und durchaus ordentlich klingt. Ein bisschen Einstellarbeit musste ich vornehmen, dann war auch die Bespielbarkeit angenehm.

Der HB-20 ist ein P-Style-Bass, lehnt sich also stark an den Fender Precision Bass an. Das hat den Vorteil, dass auch eine Vielzahl diverser Anbauteile am Markt erhältlich ist. Zunächst halten wir allerdings einmal die Optik sowie den Sound des noch "jungfräulichen" HB-20 als Referenz fest:

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1. Schritt: Rotosound Swing Bass Saiten

Natürlich kommt ein Bass für einen Verkaufspreis von gerade mal 89,- Euro nicht mit allzu hochwertigen Basssaiten daher. Da man diese ohnehin irgendwann wechselt, ist das auch kein Problem. Diese relativ preiswerte Maßnahme wird wohl immer die erste sein, die man vornimmt. In ihr liegt aber häufig schon ein enormes Potenzial!

Wir haben uns bei den Saiten für einen absoluten Klassiker entschieden, der auch preislich im Rahmen bleibt (19,90 Euro): Rotosound Swing Bass 66 in den Stärken 45-105.

Wow, neben einem deutlichen klanglichen Unterschied lassen sich höherwertige Saiten auch leichter spielen, wie ich umgehend feststelle. Sie "arbeiten" beim Spiel besser mit und gerade bei Artikulationen der Greifhand benötigt man spürbar weniger Energie.

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2. Schritt: Fender High Mass Bridge

Etwas teurer, aber immer noch preislich im Rahmen eines Weihnachtsgeschenks ist das Upgrade mit einer neuen Bassbrücke - einer Fender Hi Mass Bridge. Hier kann man natürlich bei anderen Produkten auch noch deutlich mehr investieren als die 33,- Euro für unsere Wahl. Aber wie gesagt, es soll ja in Relation zum Preis des HB-20 bleiben. 

Die Fender High Mass Bridge orientiert sich an einem Klassiker, welche kein Geringerer als Bass-Superstar Marcus Miller schon in den 1980er-Jahren berühmt machte. Die höhere Masse verspricht verbesserte Schwingungseigenschaften und mehr Sustain. Probieren wir's aus:

Die Bohrlöcher beider Bridges sind leider gänzlich verschieden und es gibt auch keine Ersatzbrücke, die exakt in die Bohrlöcher des HB-20 passen würde. Ich habe daher die Position der alten Brücke mit Gewebeband markiert, um so die Fender High Mass Bridge zu platzieren und bohren zu können. Das mag zwar nicht 100% genau sein, aber mit etwas Geduld und Augenmaß wurde das Ergebnis ziemlich gut. Das erste der Löcher habe ich noch vorgebohrt, aber der Pappelkorpus des HB-20 ist relativ weich, sodass ich danach ohne Bohrlöcher direkt ins Holz geschraubt habe

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3. Schritt: Seymour Duncan SPB-1-Tonabnehmer

Die teuerste Maßnahme bei unserem Experiment war mit Abstand der Replacement-Tonabnehmer. 93,- Euro kostet der Seymour Duncan SPB-1, welcher der Standard P-Bass-Pickup im Programm des renommierten US-Herstellers ist, aktuell. Auch an diesem Punkt kann man natürlich noch deutlich mehr Geld investieren, aber das Verhältnis zum HB-20 sollte ja gewahrt bleiben.

Aber dieser Stelle wurde es dann wirklich lustig, denn der Aufbau der Harley-Benton-Pickups ist deutlich höher. Ich musste also die Seymour Duncans gezwungenermaßen unterfüttern. Das hatte jedoch zur Folge, dass die Schrauben nicht mehr lang genug waren, um in den Korpus zu greifen. Meine einzige Lösung war daher, eine weitere Lage Holz (ca. 1 cm dick) in der Fräsung der Tonabnehmer anzubringen. Auf diesem konnte ich dann wiederum die neuen Pickups befestigen.

Aufgrund des passgenauen Zuschneidens des Holzes gestaltete sich das Ganze dann allerdings doch etwas aufwendiger. Auch sieht das Resultat nicht gerade besonders hübsch aus - es funktioniert aber! Mit Schlagbrett sieht man den ganzen Aufwand dann ohnehin nicht mehr, und außer mir weiß es ja keiner.

Lötarbeiten sind für mich generell ein ganz dunkelrotes Tuch, da greife ich stets auf die Dienste eines Freundes zurück. Aber natürlich soll erwähnt werden, dass beim Austausch des Tonabnehmers selbstverständlich auch zwei Kabel ab- und zwei neue angelötet werden müssen. Ich habe mein Bestes gegeben ...

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4. Schritt: Gotoh GB2 4L-Mechaniken

Stimmmechaniken haben sicher tendenziell eher wenig Einfluss auf den Sound. Da sie aber die Stimmstabilität verbessern und auch den Stimmvorgang selbst erleichtern, haben wir sie dennoch mit in unser Experiment aufgenommen. Meine Wahl fiel auf die Gotoh GB2 4L zum gegenwärtigen Preis von 46,- Euro.

Zu diesem Punkt gibt es keine Soundbeispiele, sondern nur einen kurzen Erfahrungsbericht: Das Stimmen des Basses fiel mir dank des erhöhten Wirkungsgrades der Replacement-Tuner tatsächlich wesentlich leichter und ging schneller und genauer vonstatten. Man kann mit den Gotohs deutlich feinfühliger und exakter zu Werke gehen, was sich eben auch in einem genaueren Pitch niederschlägt!

Beim Einbau wurde es jedoch knifflig, da von den 16 vorhandenen Bohrlöchern an der Kopfplatte kein einziges (!) zu den Gotohs passte. Ich habe mir daher mehrere parallele Linien auf der Rückseite des Headstocks angezeichnet, um eine Hilfe bei der Ausrichtung der Mechaniken zu haben.

Dies stellte sich als sehr hilfreich heraus - wenn die erste Mechanik erstmal sitzt, kann man sich sehr gut an dieser orientieren, da die Grundplatten natürlich ebenfalls parallel laufen sollen. Dieser Aufwand plus das Vorbohren von 16 Löchern hat zwar einige Zeit gedauert, war aber auch kein Hexenwerk!

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Pimp my bass - Fazit

Die Summer aller Teile besitzt nun einen Gesamtwert von 280,90 Euro (Stand Dezember 2020). Im Einzelnen sind dies:

Wie eingangs schon erwähnt ist es durchaus fraglich, ob man einen E-Bass in dieser Preisklasse überhaupt auf diese von uns vorgenommene Weise aufwerten muss oder sollte - oder nicht vielleicht lieber gleich in ein höherwertiges Instrument investiert.

Diese Entscheidung soll uns hier und heute aber gar nicht beschäftigen, sondern wir wollten zeigen, was jede Tuning-Maßnahme für sich genommen klanglich bewirkt - oder eben nicht. Meiner Meinung nach hat sich bei jedem Schritt durchaus einiges im Sound getan, zum Teil waren die Unterschiede sogar erheblich! Die Bewertung möchte ich gerne jedem einzelnen Leser überlassen, da man ja selbst entscheiden muss, ob einem diese Ergebnisse das Geld wert sind oder nicht.

Ein durchaus wichtiger Aspekt bei Tuning-Maßnahmen ist aber auch, dass man sein Instrument auf diese Weise nach seinen ganz speziellen Bedürfnissen individualisieren kann und am Ende ein Unikat sein Eigen nennt, welches garantiert niemand sonst besitzt. Und das hat doch auch was!

Bis zum nächsten Mal,

euer Thomas Meinlschmidt

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