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27.04.2018

Notenlesen verständlich erklärt

Wie lernt man eigentlich Notenlesen?

Hier lernst du in kurzer Zeit Notenlesen und alles, was damit zusammenhängt

Man hört immer wieder von Musikern, die ihr Instrument toll spielen, aber trotzdem keine Noten lesen können. Theoretisch ist das absolut möglich, denn schließlich geht es bei der Musik immer nur um den Klang, also um das Zusammenspiel möglichst harmonischer Klanggebilde, die man mit den Händen greift. Getroffen habe ich persönlich aber ehrlich gesagt noch nie einen dieser sagenumwobenen Musiker. Im Gegenteil waren die Musiker, die mich musikalisch beeindruckt haben alle samt auch Meister im Fach der Musiktheorie, zu dem ja auch die Notenlehre gehört.

Quick Facts: Note

Was bedeutet der Begriff Note in der Musik?

In der Musik ist eine Note ein grafisches Zeichen zur schriftlichen Aufzeichnung eines Tones oder eines Schlages in einem System von Linien, dem Notensystem. Die Platzierung der Note im Notensystem zeigt im Zusammenhang mit einem Notenschlüssel den Ton an, der gespielt werden soll. In ihrer äußeren Gestalt bezeichnet sie den Notenwert, aus dem sich, in Abhängigkeit des gewählten Tempos, die Dauer des Tons ergibt.

Woraus besteht eine Note?

Jede Note besitzt mindestens einen Notenkopf. Ein hohler Notenkopf (schwarzer Rand, innen weiße Fläche) wird für ganze und halbe Noten verwendet. Ein ausgefüllter Notenkopf (komplett schwarz) wird für kleinere Notenwerte verwendet, wie Viertelnoten, Achtelnoten usw. Eine ganze Note besteht nur aus einem einzigen Notenkopf, der auch etwas größer und fetter gedruckt ist.

Alle Notenwerte kleiner als ganze Noten verfügen über einen Notenhals, ein senkrechter Strich, der seitlich am Notenkopf ansetzt. Bei Notenköpfen im höheren Bereich, in der Regel ab der dritten Notenlinie, setzt der Hals links am Kopf an und führt nach unten. Bei tiefer stehenden Notenköpfen setzt der Hals rechts am Kopf an und führt nach oben. Ausnahmen ergeben sich, wenn mehrere Stimmen im selben Notensystem notiert werden: Dann zeigen die Hälse der höheren Stimme nach oben und die der tieferen nach unten. Auch im Fall einer Stimmkreuzung lässt sich somit die Stimmführung in der Regel deutlich ablesen.

Kurze Noten ab der Achtelnote zeigen, wenn sie als einzelne Noten geschrieben werden, zusätzlich ein oder mehrere Fähnchen seitlich am Hals, die immer nach rechts weisen: Achtelnoten haben ein Fähnchen, Sechzehntelnoten haben zwei Fähnchen etc. Häufig stehen jedoch mehrere kurze Noten mit demselben Notenwert hintereinander. Dann werden die Notenhälse in der Regel nicht einzeln mit Fähnchen versehen, sondern zu Gruppen mit entsprechend vielen Balken verbunden. Dadurch erspart man dem Musiker das Erkennen zahlreicher einzelner Fähnchen.

Was bedeutet der Punkt hinter einer Note?

Ein Punkt rechts hinter einem beliebigen Notenkopf verlängert den Notenwert um die Hälfte des eigenen Wertes.

Was bedeuten grafische Zeichen über oder unter dem Notenkopf?

Grafische Zeichen über oder unter dem Notenkopf können die gewünschte Artikulation oder die Lautstärke eines Tons angeben.

Wie stellt man Pausen in der Musik in der Notenschreibweise dar?

Jedem Notenwert stehen entsprechende Pausenwerte zur Verfügung, die mit besonders geformten Pausensymbolen notiert werden. Selbst Pausen können durch einen Punkt um die Hälfte ihres eigenen Wertes verlängert werden.

Lesen und Schreiben in der Musik

Nehmen wir als Beispiel den noch recht jungen Jacob Collier. Er gehört zu den besten Musikern, die ich je gehört habe und bewegt sich in traumwandlerischer Sicherheit durch komplizierteste Harmonien, die gesamte Musiktheorie und kann dies auch noch verständlich erklären. Das scheint undenkbar, wenn man nicht Noten lesen und schreiben kann, oder seine liebe Mühe damit hat. Zumindest wird dadurch alles viel schwieriger und anstrengender.

Hier ein Video zu Jacob Collier am Piano.

 

In anderen Bereichen ist klar, dass zum Schreiben eben auch Lesen gehört. Die beiden Dinge sind untrennbar miteinander verbunden. Oder kannst du dir einen guten Schriftsteller vorstellen, der nicht lesen kann? Klingt irgendwie komisch, oder? Woher bezieht er seine Ideen und Informationen? Woher weiß er über Satzbau und Grammatik Bescheid? Vielleicht gibt es irgendwo einen solchen Schriftsteller, trotzdem solltest du dir das nicht zum Vorbild nehmen, besonders, wenn du ein Instrument spielst.

Musik ist eine Sprache, die Töne sind das Alphabet. Damit sind die Töne die Basis jeglicher musikalischen Kommunikation. Wenn du im Urlaub in einem fremden Land und in einer fremden Sprache schon mal versucht hast, mit Hilfe von Passanten den Bahnhof zu finden, sie dich aber nur fragend angeschaut haben, weißt du, wie schwer es ist, eine Sprache zu sprechen, die du nicht lesen kannst.

Jacob Collier spricht über Musik.

Ich sehe bei neuen Schülern oft, wie schwer sie sich beim Notenlesen tun. Das ist absolut nicht nötig! Tue dir das nicht an, wirklich schwer ist das Ganze nämlich nicht, schließlich gibt es nur zwölf verschiedene Töne, und nur sieben davon können auf den Notenlinien dargestellt werden. Aber wie immer im Leben sind die Dinge schwer, die man nicht versteht oder nicht ausreichend eingeübt hat. Dabei kann ich dir helfen. Ich erkläre dir genau, wie Noten lesen funktioniert und was du tun musst. Mit etwas Übung schaffst auch du es. Legen wir los.

Notenschlüssel und ihre Bedeutung

Hast du dich je gefragt, wozu es Notenschlüssel gibt? Verschönern sie einfach das Notenbild oder zeigen sie dir, was beim Klavier mit rechter und linker Hand gespielt wird? Sowas höre ich oft im Unterricht und beides ist natürlich auch richtig. Allerdings machen Notenschlüssel noch viel mehr und das muss zuvor klar sein, damit du richtig und irgendwann auch schnell Noten lesen kannst.

Jeder Notenschlüssel hat seine Basis oder Referenz auf einem bestimmten Ton im Notensystem, das ist seine spezifische Aufgabe. Deshalb heißt er auch so, wie der Ton, den er anzeigt. Ähnlich wie bei einem Berechnungsschlüssel in anderen Bereichen, macht dieser Schlüssel das tatsächliche Festlegen einer Sache erst möglich. Und genau so ist das in der Musik auch. Nur weil der Notenschlüssel den Namen eines bestimmten Tones benennt und auch konkret zeigt, wo dieser liegt, bekommen alle anderen Töne erst ihren Namen und ihre Lage. Deshalb musst du, auch wenn du nur einen Ton notierst, immer einen Notenschlüssel am Zeilenanfang schreiben. Es ist also sehr wichtig, dass du alle bei deinem Instrument verwendeten Schlüssel sehr gut kennst. Die beiden in Klaviernoten verwendeten Schlüssel schauen wir uns jetzt genau an.

Der Violinschlüssel

Der wohl bekannteste Schlüssel ist der Violinschlüssel. Der Name leitet sich von der Geige, auch Violine genannt, ab. Sie ist das höchste Instrument aus der Streicher Familie. Und da im Violinschlüssel die hohen und sehr hohen Töne notiert werden, ging der Name des Instruments auf den Schlüssel über. Da aber, wie eben erklärt, jeder Schlüssel einen bestimmten (Referenz) Ton anzeigt, heißt er auch immer genau wie dieser Ton. Im Falle des Violinschlüssels ist der zweite Name „G-Schlüssel“, denn er zeigt das G an. In der Mitte des Schlüssels siehst du einen Kreis, dort beginnt der Schlüssel. Dieser Kreis befindet sich zwischen der untersten und der mittleren Notenlinie und schließt somit mittig die zweite Linie von unten ein. Es entsteht ein Kreuz aus der Linie und dem Schlüssel selbst, fast wie ein Fadenkreuz. Und genau an dieser Stelle liegt das G.

Notenbeispiel: Violinschlüssel mit Ton „G“

Der Bassschlüssel

Im Gegensatz zum Violinschlüssel sieht der Bassschlüssel völlig anders aus. Auch sein Name leitet sich von einem Streichinstrument ab, dem Kontrabass. Im Bassschlüssel werden die tiefen und sehr tiefen Töne notiert. Aber auch er zeigt einen bestimmten Ton an, in seinem Fall das F. Hinter dem Bassschlüssel befindet sich ein Doppelpunkt, der die zweite Linie von oben markiert. Diese Linie zeigt das F an. Deshalb heißt der Bassschlüssel auch „F-Schlüssel“.

Notenbeispiel: Bassschlüssel mit Ton „F“

Es gibt noch andere Notenschlüssel, allerdings sind für das Klavier und für die meisten anderen Instrumente nur diese beiden von Bedeutung. Pianisten haben es immer mit zwei Schlüsseln zu tun, weil die linke Hand anatomisch immer im tieferen Bereich auf der Tastatur liegt als die rechte, darum bekommt die linke Hand einen anderen Notenschlüssel. Vielen Anfängern ist das nicht klar, aber dadurch wird das Lesen der Noten tatsächlich einfacher, schon das „kleine c“ hätte im Violinschlüssel bereits vier Hilfslinien. Und wie der Namen schon sagt, lesen sich Töne über die Hilfslinien nicht so angenehm und leicht wie bei den großen Linien.

Notenbeispiel: "Kleines c" im Violinschlüssel notiert

Mit der Erweiterung des Klangspektrums des Klaviers durch die Hammermechanik und vor allem durch den gusseisernen Rahmen (ca. 1840), kamen immer mehr spielbare Töne hinzu, bis zu den 88 Tasten, die wir heute kennen. Spielst du romantische Literatur, wirst du es oft mit Tönen zu tun haben, die jenseits der Notenlinien liegen, entweder besonders hoch darüber oder tief darunter. Durch die Hilfslinien wird die Position einer Note aber auch dann genau angezeigt, wenn diese nicht innerhalb der vorgegebenen fünf Notenlinien liegt. Das konkrete Vorgehen des Lesens bleibt in diesem Fall auf jeden Fall exakt gleich. Und wie genau das funktioniert, lernst du jetzt.

Tonnamen und ihre Reihenfolge

Zuerst machen wir uns noch einmal die Töne selbst, ihre Namen und ihre Reihenfolge klar. Wir beginnen beim C. Wie im Alphabet kommen danach das D, das E, das F und dann das G. Vor das H drängt sich dann allerdings noch das A, schließlich kommt dann das H. Dann folgt wieder das C und alles beginnt von vorne. Das sind gleichzeitig auch die Töne der C-Dur Tonleiter.

Notenbeispiel: Tonleiter "C" bis zum nächsten "C" mit Tonnamen für die linke und die rechte Hand.

Audiobeispiel: Die C-Dur Tonleiter gleichzeitig mit linker und rechter Hand gespielt.

Die Linien funktionieren dabei wie eine Art Leiter, allerdings kann man in der Musik auch zwischen den Sprossen stehen. Ein Ton kann also auf einer Linie liegen, das heißt, die Linie geht durch ihn durch, oder er liegt zwischen zwei Linien. Um von einer Linie zur nächsten Linie zu kommen bedarf es also zwei Tonschritten. Wie bereits erwähnt, wird der Umfang der eigentlichen Notenlinien durch die Hilfslinien erweitert, um besonders hohe und tiefe Töne anzeigen und aufschreiben zu können. 

Kommen wir nun zum eigentlichen Prozess des Notenlesens.

Wie lernt man ein sicheres Notenlesen?

Die Vorgehensweise zu einem sicheren Notenlesen ist recht einfach. Als erstes schaust du dir den Notenschlüssel an, der am Zeilenanfang steht und benennst ihn. Dann zählst du als zweites einfach die Entfernung vom durch den Notenschlüssel angezeigten, bis zum zu lesenden Ton in Tonschritten. Jetzt kannst in Ruhe überlegen, wie der Ton heißt. Lass uns das am folgendem Beispiel einmal durchgehen.

Notenbeispiel: Rechte Hand – notierter Ton E'' (das "zweigestrichene" E)

Hier haben wir einen Violinschlüssel auch G-Schlüssel genannt. Er zeigt das G mit dem Kreis an, den er bildet. An der Stelle des entstehenden Kreuzes liegt das G. Der notierte Ton liegt fünf Schritte höher. Ein Schritt über dem G liegt das A, dann folgen das H, C und D mit den Schritten zwei, drei und vier. Jetzt kommt noch der fünfte Schritt und wir landen beim E. Der Ton heißt also E.  

Zum Schluss solltest du dir die Lage des gelesenen Tons noch einmal genau anschauen und einprägen. Mit der Zeit entsteht so eine Orientierung - mit Hilfe der Linien - die dich die Töne irgendwann sehr schnell lesen lässt. Auf diese Weise kannst du dir im Laufe der Zeit die Positionen der Töne einfach merken.

Tipp:

Lass dir beim Notenlesen üben Zeit und finde in Ruhe heraus, wie der Ton  heißt. In meinem Unterricht höre ich oft falsche Tonnamen, obwohl meine Schüler wissen, wie man Töne liest. Sie wollen sich jedoch die Arbeit ersparen und raten einfach schnell, bevor sie den korrekten Ton durch Abzählen im Notensystem bestimmen. Das Problem dabei ist, dass du damit keinen Lerneffekt erzielst, da du ja nicht zum richtigen Ergebnis gekommen bist. Darüber hinaus dauert das Notenlesen lernen so viel länger, weil du dich ständig mit falschen Tonnamen verwirrst. Also, rate niemals, lies den Ton richtig. Dann lernst du am schnellsten.

Tricks zur Schnellbestimmung von Noten

zum Abschluss noch zwei kurze Tipps, oder Eselbrücken, die dir das Notenlesen weiter erleichtern. Im zweiten Zwischenraum von oben in der rechten Hand und im zweiten Zwischenraum von unten in der linken Hand befindet sich jeweils ein C. 

 Notenbeispiel: C‘‘ (zweigestrichenes C) und kleines C  

Und wenn du einen Ton oben auf die Linien der rechten Hand legst, heißt dieser Ton G, genau wie der Schlüssel der rechten Hand. Legst du wiederum einen Ton unten an die Linien der linken Hand, heißt dieser F, genau wie der Schlüssel der linken Hand.

Notenbeispiel: G‘‘ (zweigestrichenes G) und großes F

Steht vor dem zu lesenden Ton oder am Anfang der Zeile ein Vorzeichen, gehst du am besten genau wie oben beschrieben vor. Finde zuerst heraus, wie der Ton ohne Vorzeichen heißt. Im Anschluss wendest du das Vorzeichen auf den gelesenen Ton an.

Notenwerte und ihre Bedeutung

Bisher haben wir uns mit den Tonhöhen beschäftigt, also wo die Note steht und wie der Ton heißt. Aber jede Note enthält noch eine weitere Information, nämlich wie lange man sie spielen muss. Das ist der sogenannte Notenwert und man erkennt ihn am Aussehen der jeweiligen Note. Je größer der Notenwert, desto länger wird die Note gespielt, also nach ihrem Anschlag gehalten.

Es gibt verschiedenste Notenwerte, deren Namen auf die Mathematik zurückgehen. Die Begriffe sind dir daher alle bekannt, deshalb ist das Ganze auch ziemlich leicht. Und da sind wir auch schon mitten drin, die längste Note heißt nämlich ganze Note, oder die Ganze. Den nächst kleineren Notenwert erhält man, indem man den vorherigen halbiert. Nach der Ganzen kommt also die Halbe, die auch nur halb so lange gespielt wird. Dann kommt die Viertel, die Achtel, die Sechzehntel, die Zweiunddreißigstel und zum Schluss die Vierundsechzigstel

Wenn du Noten schreiben möchtest, kannst du dir beim Aussehen der Notenwerte mit folgender Eselsbrücke behelfen. Die nächst kleinere Note sieht erst einmal genau so aus, wie der ursprüngliche Notenwert, allerdings wird sie durch ein weiteres Zeichen ergänzt. Die Ganze zum Beispiel wird nicht ausgemalt und hat keinen Hals. Willst du eine Halbe notieren, schreibst du zuerst eine Ganze, die dann aber durch den Hals ergänzt wird. Willst du nun eine Viertel schreiben, notierst du zuerst eine Halbe, die dann ausgefüllt wird. Bei einer Achtel schreibst du erst eine Viertel und ergänzt sie durch das Fähnchen, und so weiter. Mit etwas Übung kennst du aber schnell jeden Notenwert auswendig und kannst diese leicht lesen und schreiben. Schau dir diese Zusammenhänge in der folgenden Grafik noch einmal genau an. 

Da der Wert der nächst kleineren Note halbiert wird, braucht man deshalb doppelt so viele Noten, um insgesamt den gleichen Wert zu erhalten. Hat man zum Beispiel einen 4/4-Takt, benötigt man nur eine ganze Note, um diesen Takt zu füllen. Schreibt man allerdings Halbe, sind schon zwei von Nöten, bei Viertel brauchst du vier, usw. Jetzt verstehst du auch, woher die Namen der Notenwerte kommen. Das Kürzel –tel, das ab der Viertel bei jedem Notenwert zum Einsatz kommt, bedeutet: Teil von. Ein Viertel, oder die Viertel in der Musik, ist also der vierte Teil von etwas Ganzem, oder der ganzen Note. Deshalb braucht man vier Viertelnoten, um wieder eine Ganze zu erhalten.    

Hier siehst du auch, dass bei Notenwerten mit Fähnchen, dieses durch einen Balken ersetzt wird, sobald man mehrere Noten nacheinander schreibt. Da Musik früher von Hand notiert wurde, sparte man dadurch viel Zeit. Bei den ersten Noten wurden zur Veranschaulichung aber noch einzelne Fähnchen notiert.

Hier nun noch eine Übersicht über die Noten und wie viele Schläge sie haben, wie lange man sie also spielen muss.  

Bei kleineren Notenwerten ist es besser, wenn du eine andere Zähltechnik anwendest, denn wer kann schon einen Achtelschlag zählen. Diese und noch mehr Hilfe zu diesem Thema findest du im Artikel Rhythmus und Takt lernen beim Klavierspielen. Er enthält eine genaue Schritt-für-Schritt-Anleitung, mit der du auch komplizierteste Rhythmen entschlüsseln kannst.

Pausenzeichen in der Notenschreibweise

In sehr vielen Stücken, sei es für das Klavier oder für ein anderes Instrument, wird aber nicht permanent gespielt. Auch wenn Johann Sebastian Bach manchmal die Idee einer nicht enden wollenden Aneinanderreihung von Tönen praktiziert hat, findet man eigentlich in so gut wie jedem Klavierstück mindestens eine Anweisung, nicht zu spielen. Und schon Mozart sagte: „Die Stille zwischen den Noten ist genauso wichtig wie die Noten selbst.“

Dass du beim Klavierspielen nicht spielen sollst, zeigen dir die Pausen an. Diese heißen genau wie die Noten, es gibt also eine ganze Pause, eine halbe Pause, eine Viertelpause, usw.

Optisch sind die Pausen etwas komplexer als die Noten. Nehmen wir zum Beispiel die Viertelpause, die aussieht wie ein kleiner Blitz. Damit hat ihr Aussehen mit keiner anderen Note auch nur im Ansatz irgendwelche Gemeinsamkeiten. Und auch die ganze und halbe Pause sind speziell, denn sie sehen quasi identisch aus, bis auf ein kleines Detail zumindest. Die ganze Pause hängt, die halbe Pause liegt.

Ab der Achtelpause allerdings wird das System der Noten mit ihren Fähnchen übernommen, auch wenn es bei den Pausen Punkte oder Haken sind. Hier noch einmal alle Pausen und wie lange sie gezählt werden müssen.

Wenn du noch nicht alle Pausenzeichen auswendig kannst, ist das nicht schlimm, denn du kannst die Länge einer Note oder Pause auch immer ausrechnen. Nehmen wir dieses Beispiel.

Wie du siehst haben wir hier einen 4/4-Takt, also vier Viertelschläge in jedem Takt. Die halbe Note am Anfang hat zwei Schläge, die letzte Note ist eine Viertel, die einen Schlag hat. Alle Noten zusammen haben also drei Viertelschläge. Also fehlt nur noch ein Schlag, um den 4/4-Takt voll zu bekommen, die Pause hat also einen Schlag. Welche Note hat einen Schlag? Richtig, die Viertelnote. Also haben wir in unserem Beispiel offensichtlich eine Viertelpause. So kannst du natürlich auch die Länge unbekannter Noten ausrechnen. 

Artikulationszeichen und ihre Bedeutung

Außer den Noten und Pausen gibt es in der Klavierliteratur noch einige Zeichen, die dir noch mehr über die Musik und wie man diese spielen soll, verraten. Den Ausdruck. Im Vergleich zu Streich- oder Blasinstrumenten sind diese Zeichen beim Klavier aber überschaubar.

Ohne Dynamik ist Musik in der Regel nicht besonders spannend, deshalb findet man in vielen Noten Angaben zur Lautstärke in Form von verschiedenen Zeichen. Außerdem kommt kein Pianist ohne Fingersatz aus, also der Information, welcher Finger welche Taste spielt. Besonders bei schwierigen Stücken erleichtert einem der Fingersatz das Spielen des Stücks enorm. 

Darüber hinaus gibt es aber auch in Klaviernoten Artikulationszeichen (Ausdruckszeichen), die dir zeigen, wie man etwas zu spielen hat, oder wie man die Musik gestalten soll.

Staccato, Legato und Portato

Zum einen gibt es Staccato, Legato Portato. Staccato bedeutet, dass man die Note kurz spielt, abgestoßen und abgesetzt. Das Zeichen dieser Anweisung ist ein Punkt, der sich entweder unter oder über der jeweiligen Note befindet, je nachdem, in welche Richtung der Hals der Note zeigt. Wichtig dabei ist, dass man die nächste Note deshalb aber nicht früher als notiert spielt. Auch wenn, wie im folgenden Beispiel,  eine Staccato-Viertelnote kurz gespielt wird, erfolgt die zweite Note erst auf den zweiten Schlag des Taktes, usw. 

Das Gegenteil davon ist Legato. Eigentlich wird dieser Begriff eher im Zusammenhang mit einem Bogen und mehreren Tönen eingesetzt. Bezieht sich Legato nur auf einen Ton, wird ein Strich notiert, wieder unter oder über der Note, anhängig vom Hals der Note. In diesem Fall spielt man den Ton breit und auf keinen Fall kürzer als notiert.

Portato ist dann eine Mischung aus beiden Spieltechniken. Die Töne sollen dann nicht komplett abgesetzt, aber auch nicht gebunden werden. Für diese Anweisung schreibt man einen Bogen über Noten mit Staccato-Punkt, wie Takt drei des folgenden Beispiels zeigt.

Vortragsangaben

Im Gegensatz zu kurzzeitigen Tempoänderungen gibt die Vortragsangabe das grundsätzliche Tempo und die Stimmung des Stücks an. Darum steht sie immer über dem ersten Takt. Es gibt langsame Tempi wie zum Beispiel Largo (breit, langsam) oder Grave (schwer), mittlere Tempi wie Andante (gehend, schreitend) oder Moderato (mäßig) und schnelle Tempi wie Allegro (schnell, munter, fröhlich) oder Presto (sehr schnell, geschwind).

Hinzu kommen Begriffe wie con fuoco (mit Feuer), espressivo (ausdrucksvoll), molto (viel, sehr) oder poco (etwas, ein wenig), um dem Komponisten noch mehr Spielraum bei der Wahl seiner Tempi, und dem Pianisten noch mehr Informationen zum gewünschten Tempo und der der gewünschten Stimmung zu geben. 

Tempoänderungen

Kurzzeitige Tempoänderungen ermöglichen punktuelle Eingriffe in die Tempogestaltung eines Stücks. Wenn also auf dem Weg zum Höhepunkt des Stücks etwas schneller, oder am Ende eines Stücks langsamer gespielt werden soll, wird dies in den Noten angezeigt. Wie auch bei den Vortragsangaben werden hier italienische Begriffe benutzt. Accelerando steht zum Beispiel für beschleunigen, ritenuto für zurückhaltend und ritardando für langsamer werden. A Tempo steht dafür, dass zum Beispiel nach einer Verlangsamung, wieder das ursprüngliche Tempo aufgenommen werden soll.

Pedal

Zum Schluss trägt beim Klavier auch das Pedal zur Artikulation bei, damit ist das Dämpferpedal gemeint. Egal wie viele Pedale dein Klavier hat, das Dämpferpedal ist immer ganz rechts. Für das Pedal gibt es in den Noten zwei Zeichen, eines wenn du das Pedal treten sollst (Ped.), und eines, wenn du es wieder loslassen sollst. In moderneren Noten wird das Pedal manchmal durch einen Strich dargestellt. 

Wenn du mehr Informationen dazu haben möchtest und du dich dafür interessierst, wie ein Klavier funktioniert und wie dort der Ton überhaupt entsteht, kannst du das im Artikel „Wie funktioniert ein Klavier?“ nachlesen.

Schlusswort

Jetzt hast du einen großen Überblick erhalten, was es über das Notenlesen zu wissen gibt. Wenn du Noten lesen lernen, oder deine Fähigkeiten in diesem Bereich verbessern willst, hilft nur eines - üben, üben, üben.

In diesem Zusammenhang solltest nicht Verstehen mit Können verwechseln. Hier empfehle ich dir als Lektüre den Artikel „8 Tipps zum Üben wie die Profis“. Nur die Übung macht bekanntlich den Meister. Wie es geht, weißt du jetzt. 

Um Notenlesen zu lernen, brauchst du auch nicht immer dein Instrument. Notenlesen kann man überall üben, auf dem Sofa, in der Bahn, im Wartezimmer oder am Strand. Mittlerweile sind auch sehr viele Noten online zu finden, sodass man auch unterwegs am Handy, Laptop und Tablet sein tägliches Übungspensum absolvieren kann. Wenn du jeden Tag nur fünf bis zehn Minuten intensiv übst, gehörst du sehr bald zu den Profis. 

Viel Erfolg!

Tipp:  Weitere interessante Themen rund um das Klavier lernen und spielen findet ihr in unserem Artikel: Klavier lernen – Tipps für Anfänger und Profis

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