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27.04.2018

Notenlesen verständlich erklärt

Wie liest man eigentlich Noten?

So lernst du in kurzer Zeit Noten lesen, für fast jedes Instrument!

Man hört immer wieder von Musikern, die ihr Instrument toll spielen, aber trotzdem keine Noten lesen können. Theoretisch ist das absolut möglich, denn schließlich geht es bei der Musik immer nur um den Klang, also um das Zusammenspiel möglichst harmonischer Klanggebilde, die man mit den Händen greift. Getroffen habe ich persönlich aber ehrlich gesagt noch nie einen dieser sagenumwobenen Musiker. Im Gegenteil waren die Musiker, die mich musikalisch beeindruckt haben alle samt auch Meister im Fach der Musiktheorie, zu dem ja auch die Notenlehre gehört.

Nehmen wir als Beispiel den noch recht jungen Jacob Collier. Er gehört zu den besten Musikern, die ich je gehört habe und bewegt sich in traumwandlerischer Sicherheit durch komplizierteste Harmonien, die gesamte Musiktheorie und kann dies auch noch verständlich erklären. Das scheint undenkbar, wenn man nicht Noten lesen kann oder seine liebe Mühe damit hat. Zumindest wird dadurch alles viel schwieriger und anstrengender.

Hier ein Video zu Jacob Collier am Piano.

 

In anderen Bereichen ist klar, dass zum Schreiben eben auch Lesen gehört. Die beiden Dinge sind untrennbar miteinander verbunden. Oder kannst du dir einen guten Schriftsteller vorstellen, der nicht lesen kann? Klingt irgendwie komisch, oder? Woher bezieht er seine Ideen und Informationen? Woher weiß er über Satzbau und Grammatik Bescheid? Vielleicht gibt es irgendwo einen solchen Schriftsteller, trotzdem solltest du dir das nicht zum Vorbild nehmen, besonders, wenn du ein Instrument spielst.

Musik ist eine Sprache, die Töne sind das Alphabet. Damit sind die Töne die Basis jeglicher musikalischen Kommunikation. Wenn du im Urlaub in einem fremden Land und in einer fremden Sprache schon mal versucht hast, mit Hilfe von Passanten den Bahnhof zu finden, sie dich aber nur fragend angeschaut haben, weißt du, wie schwer es ist, eine Sprache zu sprechen, die du nicht lesen kannst.

Jacob Collier spricht über Musik.

 

Ich sehe bei neuen Schülern oft, wie schwer sie sich beim Notenlesen tun. Das ist absolut nicht nötig! Tue dir das nicht an, wirklich schwer ist das Ganze nämlich nicht, schließlich gibt es nur zwölf verschiedene Töne, und nur sieben davon können auf den Notenlinien dargestellt werden. Aber wie immer im Leben sind die Dinge schwer, die man nicht versteht oder nicht ausreichend eingeübt hat. Dabei kann ich dir helfen. Ich erkläre dir genau, wie Noten lesen funktioniert und was du tun musst. Mit etwas Übung schaffst auch du es. Legen wir los.

Notenschlüssel und ihre Bedeutung

Hast du dich je gefragt, wozu es Notenschlüssel gibt? Verschönern sie einfach das Notenbild oder zeigen sie dir, was beim Klavier mit rechter und linker Hand gespielt wird? Sowas höre ich oft im Unterricht und beides ist natürlich auch richtig. Allerdings machen Notenschlüssel noch viel mehr und das muss dir klar sein, damit du richtig und irgendwann auch schnell Noten lesen kannst.

Jeder Notenschlüssel hat seine Basis oder Referenz auf einem bestimmten Ton, das ist seine Aufgabe. Deshalb heißt er auch so, wie der Ton, den er anzeigt. Ähnlich wie bei einem Berechnungsschlüssel in anderen Bereichen, macht dieser Schlüssel das tatsächliche Festlegen einer Sache erst möglich. Und genau so ist das in der Musik auch. Nur weil der Notenschlüssel den Namen eines bestimmten Tones benennt und auch konkret zeigt, wo dieser liegt, bekommen alle anderen Töne erst ihren Namen und ihre Lage. Deshalb musst du, auch wenn du nur einen Ton notierst, immer einen Notenschlüssel am Zeilenanfang schreiben. Es ist also sehr wichtig, dass du alle bei deinem Instrument verwendeten Schlüssel sehr gut kennst. Die beiden in Klaviernoten verwendeten Schlüssel schauen wir uns jetzt genau an.

Der wohl bekannteste Schlüssel ist der Violinschlüssel. Der Name leitet sich von der Geige, auch Violine genannt, ab. Sie ist das höchste Instrument aus der Streicher Familie. Und da im Violinschlüssel die hohen und sehr hohen Töne notiert werden, ging der Name des Instruments auf den Schlüssel über. Da aber, wie eben erklärt, jeder Schlüssel einen bestimmten (Referenz) Ton anzeigt, heißt er auch immer genau wie dieser Ton. Im Falle des Violinschlüssels ist der zweite Name „G-Schlüssel“, denn er zeigt das G an. In der Mitte des Schlüssels siehst du einen Kreis, dort beginnt der Schlüssel. Dieser Kreis befindet sich zwischen der untersten und der mittleren Notenlinie und schließt somit mittig die zweite Linie von unten ein. Es entsteht ein Kreuz aus der Linie und dem Schlüssel selbst, fast wie ein Fadenkreuz. Und genau an dieser Stelle liegt das G.

Notenbeispiel: Violinschlüssel mit Ton „G“

Der Bassschlüssel sieht völlig anders aus. Auch sein Name leitet sich von einem Streichinstrument ab, dem Kontrabass. Im Bassschlüssel werden die tiefen und sehr tiefen Töne notiert. Aber auch er zeigt einen bestimmten Ton an, in seinem Fall das F. Hinter dem Bassschlüssel befindet sich ein Doppelpunkt, der die zweite Linie von oben markiert. Diese Linie zeigt das F an. Deshalb heißt der Bassschlüssel auch „F-Schlüssel“.

Notenbeispiel: Bassschlüssel mit Ton „F“

Es gibt noch andere Notenschlüssel, allerdings sind für das Klavier und für die meisten anderen Instrumente nur diese beiden von Bedeutung. Pianisten haben es immer mit zwei Schlüsseln zu tun, weil die linke Hand anatomisch immer im tieferen Bereich auf der Tastatur liegt als die rechte, darum bekommt die linke Hand einen anderen Notenschlüssel. Vielen Anfängern ist das nicht klar, aber dadurch wird das Lesen der Noten tatsächlich einfacher, schon das „kleine c“ hätte im Violinschlüssel bereits vier Hilfslinien. Und wie der Namen schon sagt, lesen sich Töne über die Hilfslinien nicht so angenehm und leicht wie bei den großen Linien.

Notenbeispiel: "Kleines c" im Violinschlüssel notiert

Mit der Erweiterung des Klangspektrums des Klaviers durch die Hammermechanik und vor allem durch den gusseisernen Rahmen (ca. 1840), kamen immer mehr spielbare Töne hinzu, bis zu den 88 Tasten, die wir heute kennen. Spielst du romantische Literatur, wirst du es oft mit Tönen zu tun haben, die jenseits der Notenlinien liegen, entweder besonders hoch darüber oder tief darunter. Durch die Hilfslinien wird die Position einer Note aber auch dann genau angezeigt, wenn diese nicht innerhalb der vorgegebenen fünf Notenlinien liegt. Das konkrete Vorgehen des Lesens bleibt in diesem Fall auf jeden Fall exakt gleich. Und wie genau das funktioniert, lernst du jetzt.

Tonnamen und ihre Reihenfolge

Zuerst machen wir uns noch einmal die Töne, ihre Namen und ihre Reihenfolge klar. Wir beginnen beim C. Wie im Alphabet kommen danach das D, das E, das F und dann das G. Vor das H drängt sich dann allerdings noch das A, schließlich kommt dann das H. Dann folgt wieder das C und alles beginnt von vorne. Das sind gleichzeitig auch die Töne der C-Dur Tonleiter.

Notenbeispiel: Tonleiter "C" bis zum nächsten "C" mit Tonnamen für die linke und die rechte Hand.

Audiobeispiel: Die C-Dur Tonleiter gleichzeitig mit linker und rechter Hand gespielt.

Die Linien funktionieren dabei wie eine Art Leiter, allerdings kann man in der Musik auch zwischen den Sprossen stehen. Ein Ton kann also auf einer Linie liegen, das heißt, die Linie geht durch ihn durch, oder er liegt zwischen zwei Linien. Um von einer Linie zur nächsten Linie zu kommen bedarf es also zwei Tonschritten. Wie bereits erwähnt, wird der Umfang der eigentlichen Notenlinien durch die Hilfslinien erweitert, um besonders hohe und tiefe Töne anzeigen und aufschreiben zu können. 

Kommen wir nun zum eigentlichen Prozess des Notenlesens.

So kann beim Notenlesen nichts mehr schiefgehen

Die Vorgehensweise ist recht einfach. Als erstes schaust du dir den Notenschlüssel an, der am Zeilenanfang steht und benennst ihn. Dann zählst du als zweites einfach die Entfernung vom durch den Notenschlüssel angezeigten, bis zum zu lesenden Ton in Tonschritten. Jetzt kannst in Ruhe überlegen, wie der Ton heißt. Lass uns das am folgendem Beispiel einmal durchgehen.

Notenbeispiel: Rechte Hand – notierter Ton E'' (das "zweigestrichene" E)

Hier haben wir einen Violinschlüssel auch G-Schlüssel genannt. Er zeigt das G mit dem Kreis an, den er bildet. An der Stelle des entstehenden Kreuzes liegt das G. Der notierte Ton liegt fünf Schritte höher. Ein Schritt über dem G liegt das A, dann folgen das H, C und D mit den Schritten zwei, drei und vier. Jetzt kommt noch der fünfte Schritt und wir landen beim E. Der Ton heißt also E.  

Zum Schluss solltest du dir die Lage des gelesenen Tons noch einmal genau anschauen und einprägen. Mit der Zeit entsteht so eine Orientierung - mit Hilfe der Linien - die dich die Töne irgendwann sehr schnell lesen lässt. Auf diese Weise kannst du dir im Laufe der Zeit die Positionen der Töne einfach merken.

Niemals raten, immer zählen!

Eine Sache ist dabei aber noch äußerst wichtig. Gewöhne dir vollständig ab zu raten. Du musst am Anfang nicht schnell sein. Lass dir Zeit und finde in Ruhe heraus, wie der Ton wirklich heißt. Im Unterricht höre ich oft falsche Tonnamen, obwohl meine Schüler wissen, wie man Töne liest. Sie wollen sich jedoch die Arbeit ersparen und raten einfach schnell. Das Problem dabei ist, dass du damit keinen Lerneffekt erzielst, da du ja nicht zum richtigen Ergebnis gekommen bist. Darüber hinaus dauert das Notenlesen lernen so viel länger, weil du dich ständig mit falschen Tonnamen verwirrst. Also, rate niemals, lies den Ton richtig. Dann lernst du am schnellsten.

Diese Tricks solltest du noch kennen

Nun noch zwei kurze Tipps, oder Eselbrücken, wenn du so willst, die dir das Lesen weiter erleichtern. Im zweiten Zwischenraum von oben in der rechten Hand und im zweiten Zwischenraum von unten in der linken Hand befindet sich jeweils ein C. 

 Notenbeispiel: C‘‘ (zweigestrichenes C) und kleines C  

Und wenn du einen Ton oben auf die Linien der rechten Hand legst, heißt dieser Ton G, genau wie der Schlüssel der rechten Hand. Legst du wiederum einen Ton unten an die Linien der linken Hand, heißt dieser F, genau wie der Schlüssel der linken Hand.

Notenbeispiel: G‘‘ (zweigestrichenes G) und großes F

Steht vor dem zu lesenden Ton oder am Anfang der Zeile ein Vorzeichen, gehst du am besten genau wie oben beschrieben vor. Finde zuerst heraus, wie der Ton ohne Vorzeichen heißt. Im Anschluss wendest du das Vorzeichen auf den gelesenen Ton an.

Jetzt bist du gefragt

So, jetzt weißt du Bescheid und damit alles, was es über Noten lesen zu wissen gibt. Und so abgedroschen das klingen mag, jetzt bist du gefragt. Wenn du Noten lesen lernen oder deine Fähigkeiten in diesem Bereich verbessern willst, hilft nur eines - üben, üben, üben.

Du solltest nicht Verstehen mit Können verwechseln. Lies dazu auch unbedingt den Artikel „8 Tipps zum Üben wie die Profis“. Nur die Übung macht bekanntlich den Meister. Wie es geht, weißt du jetzt. 

Um Notenlesen zu lernen, brauchst du auch nicht immer dein Instrument. Noten lesen kann man überall, auf dem Sofa, in der Bahn, im Wartezimmer oder am Strand. Wenn du dich vor den Fernseher setzt und gerade mal nichts Gutes läuft, hole dir doch einfach ein paar Noten. Es sind inzwischen auch sehr viele Noten online zu finden. Lies einfach jeden Tag fünf Minuten Noten, dann gehörst du sehr schnell zu den Profis. Andere vor dir haben es geschafft und wenn du dich an den oben beschriebenen Ablauf hältst, wirst auch du es schaffen.

Viel Erfolg!

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