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21.04.2021

Mixfallen umschiffen: Wie ihr Intros, Off-Beats und Drum-Fills im DJ-Mix perfekt mischt

Was tun, wenn der Mix durch Off-Beats, Intros, Drum Fills und Co. aus dem Ruder läuft?

Viele DJs verlassen sich beim Beatmixen zunehmend auf  analysierte Track-Wellenformen einer DJ-Software als auf ihr Gehör beziehungsweise Rhythmus-Empfinden, sofern es zu wenig geschult wurde. Das mag daran liegen, dass die virtuellen Stützräder der DJ-Software einem das Auflegen erleichtern, aber es somit mehr dem „Malen nach Zahlen“ als einer Kunst gleicht. Der Sync-Funktion und der visualisierten Phasen- und Phrasengenauigkeit während kann man während eines Übergangs sicherlich vertrauen, wenn ein Track mit einer Kick beginnt und sich der anschließende Bumm-Tschack-Beat quasi ohne Änderungen fortsetzt.

Diese Marschrichtung mag für nicht wenige DJs ein Segen sein, für Produzenten aber manchmal wohl auch ein Fluch, der ihren Intros Eintönigkeit und Vorhersehbarkeit unterstellt und damit ihren Anspruch verletzt. Daher gehen Producer oft einen Kompromiss ein: den der mixtauglichen Extended- oder Clubversions. 

Aber nicht immer gibt der Producer klein bei und setzt daher lieber sein episches Intro durch, was nicht nur euch, sondern auch selbst die Algorithmen der Software zum Festlegen der Beatgrids durcheinanderbringen kann, wenn sie beispielsweise eine frequenzielle Spitze respektive eine Transiente irrtümlich als Downbeat und den Phrasenbeginn interpretiert. Den Mix mit dieser falschen „1“ gestartet, verlaufen die Phrasen im Mix nicht synchron, sodass euch im schlimmsten Fall die holpernden Beats komplett um die Ohren fliegen. Verhöhnende Blicke seitens des Publikums sind garantiert. Damit euch dies nicht widerfährt, hier ein paar nützliche Tipps.

Tracks analysieren

Tracks sollte man nicht aus der Kalten beim Gig auflegen, falls man deren Aufbau nicht kennt. Vorbereitung ist die halbe Miete. Werft einen Blick auf den Track im Practice-Player und erkennt, ob der Downbeat auf ein Intro gelegt wurde:

Auftakt

Unter einem Auftakt, auch Upbeat genannt, versteht man einen unvollständigen Takt, der vor dem offiziellen ersten Beat und damit vor der ersten Phrase eines Tracks platziert ist, um den Song zu eröffnen. Darunter fallen markante Sequenzen, wie die Bläser-Sätze in Miami Sounds Machines „Conga“, aber auch Vocals, zum Beispiel die drei vorgezogenen „I Got A“-Silben bei Taio Cruz „Hangover“ 

Gitarrenriffs, beispielsweise Prince „Kiss“, aber auch Drum-Fills, wie bei Michael Jacksons „Rock With You“, die im Speziellen zwar aufgrund ihrer Länge von einem vollen Takt nicht klassisch als Auftakt bezeichnet werden, interpretiert man auch als Intro.

Flächen, Lead-Sounds und Off-Beats

Wenn der Song langsam mit einer flächigen Harmonie eröffnet, baut er Spannung auf. Der auf über acht Minuten ausgedehnte „Epic-Mix“ von Faithless „Insomnia“ lässt ganze vier Phrasen auf den Half-Time-Beat warten.

Aber auch Röyksopps „Sordid Affair“ kündigt sich zunächst mit einer Fläche ein. Solche Intros lassen sich ohne visuelle Hilfe der Wellenformen und markierter Beatgrids nur sehr schwer mixen, vor allem, wenn sich die Fläche ohne deutlich hörbaren Anschlag langsam in den Gehörgang mogelt, auch weitere Akkordwechsel sehr weich gebunden und daher nicht einer genauen Zählzeit im Takt zuordenbar sind. 

Der Leadsound bei „Little By Little“ von Fritz Kalkbrenner spannt einen ganze fünf Phrasen auf die Folter, bis der Beat einsetzt. Wer den ersten Anschlag des Lead-Sounds als Downbeat interpretiert, dem wird die im 41. Takt folgende Kick eines Besseren belehren, da sie um eine halbe Zählzeit im sogenannten „Off-Beat“ versetzt spielt.

Off-Beats und Hi-Hats, die oft als Solist den Track einleiten, laden ebenfalls zur algorithmischen, aber auch akustischen Fehlinterpretation des Downbeats ein. Gleiches gilt auch für Vocals wie bei Reel 2 Real „I Like To Move It“, deren erste Silbe zwischen der ersten und zweiten Zählzeit des Taktes platziert ist.

Kontrolle der Beatgrids und des Downbeat-Hotcues

Die DJ-Software setzt beim Analysieren ihre Marker, sogenannte Beatgrids, mitunter auch einen Hotcue auf den sogenannten Downbeat, dem ersten Schlag, mit dem euer Mix beginnen sollte. Leider deuten die Programme die oben genannten Intros oft als die Eins, also den Downbeat. Daher checkt den dramaturgischen und strukturellen Aufbau des Tracks bis zum ersten Breakdown oder den einsetzenden Vocals, eben den Parts, bei denen man am häufigsten die Blende beendet.

Sucht besagte Stellen in der Wellenform auf und springt mittels Beatjumps um jeweils 32 Beats bis zum Anfang des Tracks zurück. Landet ihr auf dem bereits gesetzten Downbeat-Hotcue und dem ersten Grid, ist alles Roger und für den Mix gilt: Feuer frei. Liegt der Downbeat und der Anfang der Beatgrids allerdings ein paar Zählzeiten davor oder dahinter, verschiebt entsprechend die Grids und den Hotcue auf den Punkt, den ihn durch eure Sprünge als wirklichen Anfangspunkt ausgemacht habt.   

Gleiches gilt auch für Intros mit streicherartigen Pad-Sounds, wie in dem folgenden Video: Sucht mit dem Abspielkopf im Player der DJ-Software die erste hörbare Kick. Nutzt abermals die Beatjumps, um in ganzen Phrasen an den Anfang des Intros zu springen. Sollte die Fläche bereits ein paar Takte zuvor leicht einfaden, ignoriert dies und platziert genau zu Beginn der ersten Phrase euren Downbeat-Hotcue.

Eine böse Falle stellen auch im Off-Beat spielende Hi-Hats als Intro dar, die DJs auf eine falsche Kick-Fährte locken. Auch hier gilt: Erste Bassdrum aufspüren und bis zum Beginn des Tracks in 8-Takt-Rastern zurückspringen. In der Regel trefft ihr auf eine halbe Zählzeit vor der ersten Hi-Hat, die euch folglich als Downbeat dient.

Start auf dem Downbeat oder mit dem Intro

DJ-Anfänger sollten sich zunächst immer am Downbeat orientieren, um damit den Mix zu starten. Falls der Auftakt jedoch aus Vocals besteht, steigt mit dem Auftakt ein. Denn vor allem bei bekannten Songs fällt es auf, wenn durch euer Handwerk ein Teil der Songzeile verschluckt wird. Daher markiert für den Auftakt vor dem eigentlichen Downbeat einen Hotcue als Pre-Downbeat, der einen ganzen Takt vor der eigentlichen Eins liegt, selbst auch bei dessen kürzerer Länge. Folglich startet ihr den zu mixenden Auftakt-Track nicht mit dem Beginn einer neuen Phrase oder den Auftakt, sondern mit dem Pre-Downbeat auf die erste Zählzeit des achten Takts der vorherigen Phrase.

Zwei Möglichkeiten, um im Off-Beat spielende Hi-Hats zu mixen

Besitzt der Auftakt-Track allerdings nicht genügend Spielzeit, um den Pre-Downbeat einen ganzen Takt vor dem Downbeat zu setzen, verpasst dem ersten Sound des Auftakts einen Hotcue. Um diesen trotzdem sauber auf dem anderen Track zu platzieren, markiert die Position des Auftakts im anderen Track per Hotcue: Einfach den Downbeat-Hotcue des zu mixenden Tracks und den ersten Beat der Mixphrase des Mastertracks in der parallelen Wellenformdarstellung übereinanderlegen und dann die Position des Auftakt-Hotcues auf die Wellenform des Master-Tracks übertragen.

Natürlich entspricht diese Prozedur dem zuvor von mir angekreideten „Malen nach Zahlen“, aber warum nicht auf Nummer sicher gehen? Durch Zählen der Beats im Mastertrack findet ihr ebenfalls den richtigen Einstieg mit dem Auftakt. Entspricht dieser einem halben Takt oder Vierteltakt, startet den Auftakt auf den dritten oder vierten Beat des achten Taktes der Phrase.

Beim Mixen mit Flächen als Intro legt ihr mit dem abgespeicherten Downbeat los. Während der Mixphase haltet die Beatgrids beider Tracks im Auge, denn ohne hörbare Anschläge helfen sie euch, um zu sehen, ob die Marker in der Fläche genau auf den Beats des anderen Tracks liegen.   

Singt im Kopf mit

Ultrakurze Auftakte mit prägnanten Sequenzen, Drum-Fills oder Hi-Hats, die eine ungerade Beatlänge besitzen beziehungsweise im Off-Beat beginnen, lassen sich nur schwer durch zählen auf den richten Beat des anderen Tracks einsetzen. Daher verlasst euch auf euer Taktgefühl und Gesangstalent: Prägt euch den kurzen Auftaktschnipsel im Kopf ein, sodass ihr ihn buchstäblich singen könnt. Trällert anschließend diesen Auftakt gedanklich immer wieder an strukturell passenden Stellen des anderen Tracks, sodass ihr durch diese zunächst stummen Wiederholungen in den sogenannten Flow kommt. Seid ihr sicher, fahrt ihr nun den Auftakt mehrmals probeweise unter Kopfhörer und später auch zum Anteasen des Tracks mit offenem Fader ab, bis der Master-Track die für den Übergang auserkorene Mixstelle erreicht und der Folge-Track mit seinem Auftakt durch aufgezogenen Fader endgültig anschließt.

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