Hersteller_Korg
Test
3
15.01.2018

Korg Pa700 Test

Entertainer-Keyboard

Ist das noch Mittelklasse?

Vor einigen Monaten hat Korg einige neue Arranger-Keyboards in der Mittelklasse vorgestellt. Das hier getestete Pa700 schließt die Lücke zwischen dem ebenfalls neuen Pa1000 und dem Pa600, das – mit Ausnahme der Oriental-Version Pa600 QT – übrigens vorerst weiterhin erhältlich sein soll. Welche neuen Funktionen das Korg Pa700 mitbringt und wie es klingt, haben wir in diesem Testbericht untersucht.

Das Korg Pa700 ist in zwei Versionen erhältlich: Neben der universellen Variante, die Korg uns zum Test zur Verfügung gestellt hat und die für knapp 1.300 Euro zu haben ist, gibt es das Keyboard für rund 100 Euro Aufpreis auch als Oriental-Version. Letztere ist zusätzlich mit einer kleinen Mini-“Tastatur“ zum schnellen Einstellen und Abrufen von Viertelton-Skalen ausgestattet und verfügt über einen speziell für orientalische Musik erweiterten Klang- und Style-Vorrat.

Details

Äußeres

In seinem Kunststoffgehäuse bringt das Korg Pa700 knapp 10 kg auf die Waage und wirkt ausgesprochen stabil. Die leicht abgerundeten Kanten und das angenehm anzufassende Material machen das Instrument zu einem Handschmeichler. Die Lautsprecher ruhen hinter soliden Metallgittern und rufen mit ihren weißen Membranen Erinnerungen an die ehrwürdigen Yamaha NS-10M Studiomonitore hervor. Das Bedienfeld ist in einem braunen Farbton gehalten, der sicherlich nicht jeden Geschmack treffen wird, aber doch einen optischen Akzent im grauen Keyboard-Allerlei setzt. In der Mitte thront der 7 Zoll große, farbige Touchscreen, der genauso groß ist wie der des Pa4X – das ist schon mal eine Ansage. Alle Bedienelemente fühlen sich hochwertig an und wirken langlebig. Zum Lieferumfang gehört ein Notenpult, das hinten eingesteckt wird und ebenfalls einen haltbaren Eindruck macht.

Bedienfeld

Beim Bedienfeld bleibt Korg sich treu: Das Pa700 liegt bei der Anzahl der Knöpfe zwischen dem Pa600 und den etwas überfrachtet wirkenden Pa900 und Pa1000, und wer grundsätzlich mit den Keyboards der Pa-Serie vertraut ist, wird sich sofort zurechtfinden. Auf der linken Seite fallen zunächst vier Drehregler ins Auge, von denen sich einer um die Gesamtlautstärke kümmert und ein zweiter um die schnelle Anpassung des Mischungsverhältnisses zwischen Keyboard-Parts und Begleitung, auch dieses praktische Detail hat bei Korg Tradition. Die beiden verbleibenden Regler sind frei zuweisbar. Ebenfalls keine Überraschungen gibt es bei den Mode-Tastern, mit denen sich das Keyboard zwischen den Betriebsarten Style Play, Song Play, Sequencer und Sound umschalten lässt. Rechts daneben sind die Knöpfe für globale Einstellungen und den Zugriff auf Speichermedien zu finden, darunter die Transporttasten für den Player.

In der Mitte liegt das berührungsempfindliche Farbdisplay, auf dem man alles im Blick hat und die meisten Funktionen wie Mixer, Keyboard Sets und die neuen KAOSS-Effekte mit wenigen Fingertipps erreichen kann. Die Auflösung ist nicht überragend, reicht aber aus, um alles mit dem nötigen Detailreichtum darzustellen. Einzig die virtuellen Fader des Mixers sind sehr kurz geraten und auch wer viel mit der Zugriegel-Simulation arbeitet, würde sich eventuell echte, „anfassbare“ Fader wünschen.

Rechts vom Display gibt es drei Taster für Lyrics, Marker und Score sowie ein großes, silbrig glänzendes Datenrad zur Werteeingabe, flankiert von Exit- und Menu-Buttons. In diesem Zusammenhang sollten auch die Taster Search und Shift erwähnt werden, die sich unterhalb des Displays befinden. Ersterer ermöglicht die Suche nach beliebigen Inhalten, während letzterer vor allem eingesetzt wird, um innerhalb von Listen zum nächsten Buchstaben oder zur nächsten Kategorie etc. zu springen und damit das Blättern zu beschleunigen.

Alle Funktionen, auf die man beim Spielen schnell zugreifen können muss, sind in zwei Reihen oberhalb der Tastatur versammelt. Auf der linken Seite geht es hier vornehmlich um die Begleitfunktionen, mit Tastern für die verschiedenen Style-Elemente (Intros, Variationen, Endings etc.), den Chord Sequencer und die vier sogenannten Pads, die sich mit schnell abrufbaren Phrasen belegen lassen. Nicht fehlen darf bei Korg der praktische Taster Manual Bass, der es erlaubt, den Bass-Part zu einem Style selbst zu spielen. Im Gegensatz zu den größeren Pa900 und Pa1000 verfügt das Pa700 nicht über Kategorien-Taster zur Style-Auswahl. Mit dem Taster Style Select lässt sich das entsprechende Menü im Display aber schnell erreichen.

Unterhalb des Displays befinden sich vier Buttons für vier „Keyboard Sets“, die vom Pa4X bekannt sind und nun auch in der Mittelklasse an die Stelle der bisherigen „Single Touch Settings“ STS 1-4 getreten sind. Ein Keyboard Set enthält alle Einstellungen der Tastatur, wie Klangzuordnungen für die drei Upper-Parts und die Lower-Zone, Effekte, Transposition etc., und lässt sich in einer Library abspeichern und Styles sowie Songbook-Einträgen zuordnen. Jeder Style und jeder Songbook-Eintrag enthält bereits vier vorbereitete Keyboard Sets. Passend dazu gibt es den Taster Style to KBD Set, der an die Stelle des STS Mode getreten ist und es erlaubt, die Keyboard Sets beim Wechsel von Styles bzw. Variationen automatisch umzuschalten.

Auf der rechten Seite sind erwartungsgemäß die Knöpfe zur Auswahl von Klangfarben und zur Beeinflussung der live auf der Tastatur gespielten Parts zu finden. Mit neun Kategorien-Tastern werden die wichtigsten Bereiche der Keyboard-Set-Library schnell erreicht. Diese Knöpfe haben eine zweite Verwendung für den ebenfalls vom Pa4X übernommenen Setlisten-Modus. Auch der Taster für das Songbook, ein Favoriten-Knopf namens My Setting und Bedienelemente für Split, Ensemble (z.B. automatische Harmonisierung), Oktavtaster für die Upper-Parts und die Transpositionstaster sind hier angeordnet.

Links von der Tastatur findet man schließlich noch den allseits bekannten Korg-Joystick und drei programmierbare Buttons. Sie kommen insbesondere bei Verwendung der vielen DNC-Klangfarben („Dynamic Nuance Control“) zum Einsatz und ermöglichen dann den spontanen Wechsel zu einer anderen Spielweise bzw. Artikulation. Die in diese Buttons eingelassenen LEDs informieren auf den ersten Blick darüber, ob der gewählte Sound DNC-Spielweisen bereitstellt und ob diese aktiviert sind.

Insgesamt finde ich die Kombination aus vielen direkten Bedienelementen und dem Touchscreen beim Pa700 sehr gut umgesetzt. Sobald man sich einmal an das Layout der Bedienoberfläche gewöhnt hat, lässt es sich mit dem Keyboard sehr flüssig arbeiten und kaum eine wichtige Funktion ist mehr als einen Tastendruck oder einen Fingertipp weit entfernt. Die vielen beleuchteten Buttons verbessern die Übersicht zusätzlich.

Anschlüsse

Auf der Rückseite erwartet uns das für diese Klasse zweckmäßig bestückte Anschlussfeld. Sehr löblich ist die Verwendung einer Standard-Kaltgerätebuchse für den Stromanschluss, die das Keyboard unabhängig von einem externen Netzteil macht und dank einer Eingangsspannung von 100-240 Volt weltweit genutzt werden kann. Als Audioausgänge stehen zwei 6,3mm-Klinkenbuchsen zur Verfügung. Zwei weitere Klinkenbuchsen bilden den Stereo-Audioeingang, an dessen linken Kanal alternativ ein dynamisches Mikrofon oder eine E-Gitarre angeschlossen werden können, um beispielsweise die neuen, integrierten Gitarreneffekte zu nutzen. Zur Justierung der Eingangsverstärkung gibt es daneben ein kleines Poti. Noch besser wäre an dieser Stelle natürlich eine Klinken-XLR-Combobuchse gewesen, wie sie der Pa4X bietet, aber diesen Trumpf wollte Korg wohl dem Flaggschiff vorbehalten. 

Desweiteren besitzt das Pa700 zwei Pedalanschlüsse (Haltepedal sowie ein frei zuweisbarer Anschluss, z.B. für ein Expression-Pedal). Bei Verwendung des optional erhältlichen Korg DS-1H Pedals ist der Sustainpedal-Anschluss bei bestimmten Flügel- und Klavierklängen Halbpedal-fähig. MIDI darf natürlich nicht fehlen und ist beim Pa700 in Form zweier klassischer DIN-Buchsen für In und Out sowie über die USB-Device-Schnittstelle verfügbar. Ein zweiter USB-Port macht das Keyboard zum USB-Host, sodass man beispielsweise externe MIDI-Controller direkt an das Instrument anschließen kann. Natürlich kann hier auch ein Speicherstick eingesteckt werden. Als Speichermedium für Nutzerdaten empfiehlt sich aber idealerweise eine Micro-SD-Karte, die in einem durch einen Schraubdeckel geschützten Slot Platz findet. Nun fehlen nur noch der Video-Ausgang (Cinch) sowie der Kopfhörerausgang, der praktischerweise auf der Vorderseite zu finden ist.

Tastatur

Die Tastatur des Pa700 ist eine gut spielbare, leicht gewichtete Keyboardtastatur mit 61 Tasten. Den immer etwas kritischen Kompromiss zwischen den Anforderungen verschiedener Sounds wie Klavier, Orgel und Synthesizer finde ich hier gut gelungen. Die Klaviatur lässt sich sensibel kontrollieren und reagiert präzise, sodass schnelle Synthesizer-Passagen, opulente Streicherflächen und gefühlvolle pianistische Darbietungen gleichermaßen gut gelingen. Bei einem langen Auftritt sorgt die angenehme, leichte Gewichtung für ein ermüdungsfreies Spiel.

Lautsprecher

Die beiden Dual-Cone-Lautsprecher leisten 2x 25 Watt und liefern wohl auch dank des Bassreflex-Systems einen überraschend satten Sound. Ihr Klang gefällt mir für ein Mittelklasse-Keyboard gut und ich habe es während der Testphase nicht geschafft, die Lautsprecher in die Verzerrung zu treiben. Für das Üben zu Hause und zu Monitoring-Zwecken reichen die Speaker absolut aus und es ist gut möglich, dass man selbst eine kleinere Chorprobe damit bestreiten könnte. Wenn es nötig ist, kann das Keyboard ganz schön laut werden und klingt dann immer noch erstaunlich souverän.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare