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Workshop Korg Pa4X-Serie OS 2.0 #2: KAOSS-Funktion

Seit Sommer 2017 gibt es mit dem umfangreichen und kostenlosen Betriebssystemupdate OS 2.0 für alle Modelle der Korg Pa4X-Serie eine Funktion, die unter der Bezeichnung “KAOSS”  nicht nur in die Entertainerkeyboards der Korg Pa4X-Serie Einzug gehalten hat, sondern mittlerweile auch in die Mittelklassemodellen Pa1000 und Pa700 integriert wurde. Das aus gutem Grund:  Als “unique” zu bezeichnen, macht sie ihren Dienst bereits in abgewandelter Form in den KORG DJ-Produkten der Kaossilator-Serie. Die nachfolgenden Beschreibungen sind somit auch für die aktuellen Mittelklassemodelle Korg Pa1000 und Pa700 Modelle zu verwenden, die KAOSS-Funktion ist hier bereits werksseitig implementiert.

Workshop Korg Pa4X-Serie OS 2.0 #2: KAOSS-Funktion. (Foto XXXXXXX)

Erste Erläuterungen und ein Überblick über die KAOSS-Funktion sind schon in meinem vorhergehenden Workshop „Korg Pa4X-Serie OS 2.0 #1: Überblick“ zu lesen, somit beziehe ich mich in diesem Workshop auf das zuvor Beschriebene.
Kompatibel kann dieser Workshop auch für die folgenden Korg Pa-Serien Keyboards verwendet werden:

DETAILS

Sicherlich hat der ein oder andere bereits Bekanntschaft mit einem Korg Kaoss Pad oder einem Kaossilator gemacht. Diese Sound- und Effekt-„Maschinen“ gibt es bereits in mehreren Ausführungen und Versionen. Sie werden von DJs, Produzenten und Live-Performern wegen ihrer Vielseitigkeit, der intuitiven Bedienung und den erstaunlichen Effekten immer wieder gern eingesetzt. Die Besonderheit dieser Geräte bzw. Instrumente ist, dass man musikalisch und rhythmisch in die laufende Musik eingreifen kann, und zwar ohne Tastatur, nämlich hauptsächlich mit dem Finger auf einer berührungsempfindlichen (“Touch”-) Fläche.
Die Arbeits- und Funktionsweise eines KORG Kaoss Pad ist nun für die oben genannten Keyboards spezialisiert worden. Hier laden besondere und speziell auf die Verwendung in Keyboards vorbereitete Effekte sowie Mechanismen zum spontanen Jammen ein. Während in den Modellen Pa1000 und Pa700 die KAOSS-Funktion bereits werksseitig vorhanden ist, benötigen die Modelle der Pa4X-Serie die Betriebsversion 2.0, deren Umfang und Inhalt ich in meinem vorangegangenen Workshop beschrieben habe.
Gut zu wissen:  Die Funktion KAOSS ist im Styleplay- und Songplay-Modus immer aktiv und im Hauptbildschirm am unteren Bildschirmrand schnell zu finden. Mit EXIT kommt man übrigens immer wieder schnell zurück in die oberste Display-Ebene!

So funktioniert KAOSS

Ein Tippen auf KAOSS zeigt nun einen zweigeteilten Bildschirm, links Auswahlmöglichkeiten für KAOSS-Effekte, rechts die „Aktionsfläche“. Mutig voran: Einfach mal einen Style oder Song laufen lassen und ein bisschen auf dem Display herum tippen, schieben, ziehen … Meine ersten KAOSS-Ergebnisse waren eher experimenteller Natur, aber nach einem kurzen Studium und Verständnis für die diversen Effekte konnte ich bereits beeindruckende Live DJ-Effekte erzielen. Das durch das Display zu bedienende Pad bzw. die Fläche reagiert punktgenau und blitzschnell. Dies ist dem kapazitiven Aufbau des Displays zu verdanken, das anders als bei früheren Modellen oder aktuellen Mitbewerbern nicht mehr resistiv arbeitet und somit keinen Druck benötigt. Hier genügt die einfache Berührung – genau wie bei einem modernen Tablet oder Smartphone.
Für den Songplay-Modus stehen insgesamt 43 Effekte zur Auswahl, im Styleplay-Modus sind es sogar 67, dies wegen der zusätzlichen Einbindung der vier Variationen pro Style und der Pads, die dem Style zugeschaltet werden können. Links oben im KAOSS-Display weist eine Zeile auf den aktuell eingestellten Effekt hin. Durch Tippen auf das kleine Dreieck klappt die Zeile auf und gibt mir die weiteren Effekte zur Auswahl frei.
Acht meiner Lieblings-Effekte kann ich mir in diesem Bildschirm auf Favoritenplätzen unterbringen: einfach aus den angebotenen Effekten einen auswählen, danach ASSIGN drücken und einen der acht Plätze wählen. Die belegten Favoritenplätze bleiben übrigens auch nach dem Ausschalten erhalten, so dass man diese nicht neu belegen muss. Diese Favoritenplätze sind allerdings im Songbook des Instruments nicht speicherbar.

Wie weise ich meine Effekt-Favoriten der KAOSS-Funktion zu?

Die meisten der angebotenen Effekte sind Kombinationen aus zwei Effekten. Diese werden auf der Aktionsfläche meist auch in hellgrau und dunkelgrau unterteilt. Die wichtigsten Effekt-Kategorien möchte ich euch jetzt einmal vorstellen und deren Wirkungsweise in den folgenden Videos darstellen.
Gezeigt werden hier Beispiele im Styleplay-Modus, diese sind aber auch – bis auf Density und Var (Var = Variation) – im Songplay-Modus verfügbar!

Repeater: Hier wird die Musik in Achtel, Sechzehntel, Triolen usw. „zerhackt“

Ending: Ein Ende wird generiert, solange man den Finger aufs Display legt.

Tape Machine: Das Verhalten eines schneller oder langsamer laufenden Tonbands wird simuliert.

Tripletizer: Ein binärer (Achtel-)Groove wird zu einer ternären (Triolen-) Rhythmik gewandelt.

Rhythm Rig: Drums und Bass werden im Style/File durch Fingertipp neu instrumentiert.

Time Mirror: die Musik scheint rückwärts zu spielen.

Half Double: dieser Effekt halbiert oder verdoppelt die vorliegende Rhythmik.

Decim(ator): hier wird das Arrangement ausgedünnt

Arpeggio: Aus den aktuell gewählten Spielsounds (Upper 1, 2, 3) wird ein Arpeggio erzeugt.
Anmerkung:  Im Songplay-Modus muss hierfür zusätzlich ein Akkord gespielt werden.

Density (nur im Styleplay-Modus): Schaltet zwischen den vier Variationen und den Pads.

Var … (nur im Styleplay-Modus): ruft die vier Variationen auf und verändert diese mit dem zweiten kombinierten Effekt

“Freeze” oder einfrieren von Effekteinstellungen

Diese Effekte sind meist kombiniert mit z.B. LFO, Hall, Hüllkurve, Filter, u.s.w. Welche Fingerbewegung (rechts / links bzw. X / Y-Achse) welchen Effekt hervorruft, wird unterhalb der Aktionsfläche in Wort und Zahlen dokumentiert.
Gefällt mir eine Uminstrumentierung oder vielleicht ein aus den Effekten resultierender Shuffle-Groove, kann ich diesen Punkt auf dem Display einfrieren. Einfach SHIFT halten und auf dem Display an die entsprechende Stelle tippen. Die Markierung ändert sich von gelb zu blau und ein „F“ kennzeichnet den “Freeze”-Punkt. Nun kann ich alle Variationen des Styles schalten und spielen, FREEZE verschwindet erst wieder, wenn ich wieder in das Feld tippe oder das Display verlasse. 

KAOSS-Funktion mit einem Midifile verwenden

In meinem ersten Workshop (Korg Pa4X-Serie OS 2.0 #1: Überblick) habe ich schon einen Tipp zur Nutzung der KAOSS-Funktion mit einem Midifile gegeben: Hier einfach innerhalb zweier Loop-Marker das File nach Belieben verändern, verlängern, neu gestalten usw. Schaut euch einmal das folgende Video dazu an, hier sieht man genau, wie das funktioniert.

Was bedeuten die Kürzel der Effektbezeichnungen innerhalb der KAOSS-Funktion?

Die in der KAOSS-Funktion angebotenen Effektnamen zeigen u. a. besondere Bezeichnung. Die wichtigsten Kürzel habe ich hier einmal aufgegriffen, um sie in ihrer Funktionsweise zu erklären:

  • LFO: das Arrangement bekommt ein (LFO)-Vibrato
  • Transp: das Arrangement wird in Halbtonschritten transponiert
  • Halo: der Hallanteil wird verändert von Null bis Maximum
  • Balance: Lautstärkeverhältnis zwischen Bass/Drums und Begleitspuren
  • Delay: ein Echo/Delay-Effekt wird hinzu gefügt
  • Mute: Spuren werden stumm geschaltet
  • Weird Shift: verrückte/seltsame Tonhöhenänderung
  • Bend/Bending: das komplette Arrangement wird in der Tonhöhe bis zu einer Oktave stufenlos geändert

KAOSS im Sequenzer-Modus

Die Kaoss-Effekte sowie deren musikalischen und rhythmischen Änderungen basieren alle auf Midi-Daten und -Controllern. Da die erzeugten Datenmengen recht klein sind, reagiert die Kaoss-Funktion auf dem Display auch so blitzschnell und exakt. 
Anmerkung:  Im Sequenzer-Modus „Backing-Sequence“ ist die KAOSS-Funktion ebenfalls verfügbar. Alles was KAOSS erzeugt, sind Midi-Daten, die hier als Controllerdaten aufgezeichnet werden. Diese werden nach der Aufnahme im Songplay-Modus auch genauso wiedergegeben. 
Die Daten von komplexen Filter- und/oder Hüllkurvenverläufen, die hier mit dem Finger auf dem Display erzeugt werden, kann man anschließend in einer DAW (z. B. für moderne Produktionen) bequem weiterverarbeiten.

FAZIT

Die KAOSS-Funktion in den aktuellen KORG-Keyboards der Pa4X-Serie, dem Pa1000 und dem Pa700 bereichert diese Entertainerkeyboards um ein außergewöhnliches musikalisches Werkzeug. In erster Linie moderne Pop-, Disco- und Dance-Rhythmen lassen sich auf eine für Entertainerkeyboards völlig eigenständige Art verändern und bereichern. Unspektakuläre Standard-Rhythmen erhalten mit der KAOSS-Funktion neuen Schliff, deshalb sollte man sich auch einmal an diese heranwagen, um sie mit KAOSS zu bearbeiten. Das Experimentieren und Ausprobieren macht großen Spaß und inspiriert zu völlig neuen Interpretationen, selbst dann, wenn man diese Funktionen nicht für sich auf der Bühne nutzen möchte. Progressiven Keyboardern eröffnet die KAOSS-Funktion neue Wege, sodass sie diese im live-Einsatz oder bei Studioarbeiten nicht mehr missen mögen.

Weitere Informationen zur Korg Pa4X-Serie findest du auf der Webseite des Herstellers.

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von Jürgen Sartorius

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