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Test
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20.07.2021

Korg Modwave Test

Digitaler Synthesizer

Enormes Kreativpotenzial!

Das Triumvirat der kompakten digitalen Tastatur-Synthesizer mit erstaunlich gutem Preis-Leistungs-Faktor scheint bei Korg jetzt perfekt zu werden. Nach Korg Wavestate (Wave Sequencing 2.0 und Vectorsynthese) und Korg Opsix (FM-Synthese) erscheint der schon länger angekündigte Korg modwave mit einer aktuellen und sehr ausgeklügelten Interpretation der klassischen Wavetable-Synthese. Eigentlich soll der „moDWave“ an den hybriden Klassiker DW-8000 anknüpfen oder dessen Entwicklung zumindest durch diesen 80er-Synth inspiriert worden sein. Eigentlich ein netter Scherz, denn soviel sei schon verraten: Diese beiden Synthesizer haben etwa so viel gemeinsam wie ein uraltes Bonanza-Fahrrad und ein neuwertiger E-Scooter. Viel näher am DW-8000 sind heute neben dem microKorg die Logue-Synthesizer bei entsprechender Oszillator-Expansion. Mit dem Korg Modwave kommt man bedeutend schneller in Fahrt, wenn es in Richtung elektronische Musik mit modulierbaren Soundphrasen gehen soll. Man entdeckt bei ihm weniger offensichtliche Retro-Anleihen als bei Korg Wavestate und Opsix.

Über den deutschen Korg-Vertrieb konnten wir einen der ersten Modwave erhalten, ausgestattet mit OS-Version 1.0. Ab September 2021 wird bereits ein OS-Update erwartet und auch die Sound Librarian/Editor-Software wird offiziell verfügbar sein. Sobald die Installer zum Download bereitstehen, aktualisieren wir diesen Test und legen mit einem No-Talking-Video nach. Bis dahin geben die über 30 Audio-Demos einen umfangreichen Eindruck von den klanglichen Eigenschaften des Wavetable-Synthesizers. 

Details

Erste Kontaktaufnahme

Der Korg Wavetable-Synthesizer harmoniert optisch bestens mit Wavestate und Opsix und ist ein Leichtgewicht, das mit einer Breite von knapp 57 Zentimetern lediglich 2,9 Kilogramm auf die Waage bringt. Im engen Projektstudio sollte somit immer ein Platz zu finden sein, als Tourbegleiter hinterlässt der Synthesizer mit seinem robusten Kunststoffgehäuse einen guten Eindruck. Als Spielhilfen sind ein klassisches Handräder-Paar sowie ein XY-Pad und vier Mod Knobs vorgesehen. Das OLED-Display ist zwar nicht besonders groß, aber bleiben wir realistisch, bei den meisten Wavetable-Synthesizer fällt der Bildschirm noch kleiner aus. Die Tastatur aus drei Oktaven reagiert nicht auf Aftertouch, kann aber passabel gespielt werden und geht qualitativ in Ordnung. Hier geht es praktisch nicht ums virtuose Klavierspiel, sondern um das Halten von Akkorden oder Triggern rhythmischer Phrasen.

Auf der Gehäuserückseite findet sich neben dem Sustainpedal-Anschluss ein Stereo-Ausgang (TRS-Klinkenbuchsen) und ein Kopfhörer-Anschluss (Stereoklinkenbuchse). Auf Einzelausgänge muss man verzichten, was aber leicht zu verschmerzen ist, da sich auch einzelne Teilklänge effizient mit der Effekt-Sektion des Modwave bearbeiten und mischen lassen. Ansonsten gibt es ein 5-Pol DIN MIDI-Duo (IN/OUT), die Anschlussbuchse für das externe 12-Volt-Netzteil sowie ein USB-B-Port zu erwähnen.

Anstelle einer Print-Version kann man eine deutschsprachige Bedienungsanleitung als PDF herunterladen. Die Hardware ist übrigens nicht alles. Korg spendiert - neben einem Bundle aus der DAW Reason Lite, dem Mastering-Programm Ozone Elements und weiteren Programmen - einen Sound Librarian kombiniert mit einem Editor als Software (Win/Mac), der allerdings derzeit (Mitte Juli 2021) noch nicht offiziell zur Verfügung steht. Entsprechende Aktualisierungen wird jeder Besitzer selber erledigen können. Es müssen lediglich der Computer und der Modwave per USB-Kabel verbunden und das Updater-Programm gestartet werden. Für alle künftigen Dokumente und Daten sollte man auf der Korg Support-Seite nachschauen:

Klangarchitektur

Die höchste Klangebene des Modwave ist die Performance. Sie umfasst zwei Ebenen (Layer A und B) sowie Kaoss Physics, Master Reverb und EQ. Für jede der beiden Ebenen lässt sich neben einem separaten Arpeggiator ein umfangreiches Program anwählen. Es besteht aus zwei Oszillatoren, die eine oder zwei Wavetables (A und B) oder ein Multisample, einen Suboszillator/Rauschgenerator sowie Filter, Verstärker, Motion-Sequenz, Modulationsmatrix und überdies noch drei Insert-Effekte (Pre FX, Mod FX und Delay) beinhalten. Mit diesem üppigen Aufgebot lassen sich viele Sound-Arrangements erstellen: Eine Performance kann einfache Klänge aus einzelnen Elementen oder auch komplexe Split- und Layer-Kombinationen haben. Das folgende Schaubild (Quelle. Bedienungsanleitung) erklärt die gesamte Struktur des Korg Modwave.

Die Klangerzeugung mit 32 Stereo-Stimmen leistet mehr als ein herkömmlicher Wavetable-Synthesizer. Sie lässt sich zusätzlich als Sample-ROM-Player nutzen, erzeugt mit dem Motion Sequencing 2.0 rhythmisierbare Klangabläufe und ermöglicht per Kaoss Physics (XY-Pad) und vier Mod-Knobs eine physikalische Kontrolle über den Wavetable-Sound. Natürlich gibt es auch LFOs, Hüllkurven und Filter wie bei einem klassischen Synthesizer. Serienmäßig hat man eine Auswahl von über 200 Wellensätze. Wenn das nicht genügen sollte, lassen sich weitere Wavetables im Serum- oder WaveEdit-Format per Sound Librarian-Software importieren. Jeder der beiden Oszillatoren arbeitet in drei Modi: Er gibt einen Wellensatz wieder (Modus A), steuert zwei mischbare Wellensätze (A/B Blend) und erlaubt ein Morphing (Modus A/B) oder spielt einfach ein Multisample (Mode Sample) ab.

So klingt es an der Basis des Korg Modwave. Wir haben einmal sechs verschiedene Wellensätze gleichermaßen per LFO (OSC1-MORPH) moduliert und alle Morphing-Typen durchprobiert. Filter und Effekte beiben außen vor, es ist der pure Basissound im Wavetable-Modus.

Beim Anspielen der Factory Sounds vermutet man eigentlich kaum, dass der Korg Modwave über einige Gigabytes an Samples (die genaue Speichergröße bleibt ein Geheimnis) verfügt. Dieser Sample-Fundus aus sehr vielen akustischen und elektronischen Klangquellen kommt dem Wellenform-Aufgebot des Korg Wavestate ziemlich nahe. Darunter finden sich etwa bekanntes Material von PluginGuru sowie aus der originalen Korg Wavestation und speziell für den Modwave sind einige neue Multisamples produziert worden.

Motion Sequencing 2.0 und Kaoss Physics

Abgeleitet vom Wave Sequencing 2.0 der Korg Wavestate offeriert der Modwave ein so genanntes „Motion Sequencing 2.0“. Dass man Klangphrasen mit verschiedenen Parametern sehr musikalisch und ausdrucksvoll modulieren kann, zeigte beispielsweise schon der Korg Minilogue XD. Im Kontext der Wavetable-Synthese geht aber eindeutig mehr. Beim Modwave gibt es separate Lanes (Zeilen) für Timing, Tonhöhe, Form und für vier Step-Datensätze mit frei wählbaren Loop-Positionen. Viele Parameter der Sequenz mit bis zu 64 Schritten lassen sich per Anschlagdynamik, LFOs, Hüllkurven oder beliebigen Midi-Controllern steuern. Damit entstehen spannende rhythmische Muster oder ungewöhnliche Klangabläufe. Sehr gut: Motion-Sequenzen lassen sich eigenhändig per Tastatur und Reglerbewegungen aufzeichnen und bearbeiten. Wer selber Sequenzen programmieren möchte, kann übrigens die 16 Taster auf der rechten Seite des Bedienpanels zur direkten Anwahl einzelner Sequencer-Steps verwenden. Es tut sich ein riesiges Spielfeld für musikalische Experimente auf, nachdem man den entsprechenden Abschnitt des Benutzerhandbuchs studiert hat.

Eigentlich muss man aber zunächst nicht aktiv werden. Im Speicher des Korg Modwave warten auch beim Motion Sequencing eine Menge an Presets. Diese Motion-Sequenzen aufzuspüren kann den neugierigen User schon für viele Stunden beschäftigen. Wie sich dieses Presets klanglich auswirken, demonstrieren wir anhand eines ROM-Sample-Sounds und nochmals per Wavetable-Klang. Zuerst ist der Akkord ohne Sequenz, danach einige Variation mit Motion Sequencing zu hören.

Wenn man es einmal recht simpel betrachtet, liefert das „Kaoss Physics“-Feature zunächst ein XY-Pad, das wie herkömmlich mit dem Wischen eines Fingers verwendet wird, um in Echtzeit bis zu vier Modulationssignale zu erzeugen. Beim Korg Modwave geht das Kaoss-Prinzip aber noch einen Schritt weiter, da sich die Bewegungen zur Modulation nun automatisieren lassen. Dieses physikalische Modell (eine über eine Oberfläche rollende Kugel, abgeleitet aus den von der Mechanik bekannten Naturgesetzen) schafft noch mehr Bewegung im Klangbild, ohne ständig die eigenen Finger dynamisch über das XY-Pad gleiten lassen zu müssen. Zum Glück muss man sich nicht mit den Newtonschen Gesetzen beschäftigt haben, um Spaß mit diesem Feature des Korg Modwave zu haben.

Wir halten einzelne Töne oder Akkorde und wischen den Zeigefinger über Kaoss Physics. So klingen die live entstandenen „Klangverbiegungen“:

Filter und Effekte

Souverän zeigen sich auch Filter und Effekte. Der Korg Modwave gefällt mit einem kurzweiligen Aufgebot in der Filtersektion. Über ein Dutzend an Filtertypen prägen den Klang (2-pole LPF/HPF/BPF/ Band Reject, 4-pole LPF/HPF/BPF/Band Reject, Multi Filter, MS-20 LPF, MS-20 HPF, Polysix). Sie arbeiten gut mit den Wavetable-Oszillatoren zusammen.

Akustisch noch eindrucksvoller als die Filtersektion sind die Effekte des Korg Modwave. Gegenüber der aktuellen Version der Korg Wavestate findet sich ein praktischer Vorteil: Der Master-Reverb lässt sich für die beiden Layer unterschiedlich dosieren, was eine Tiefenstaffelung ermöglicht. Der Reverb bietet neben einigen Early Reflections den Typ „Overb“ (vom Korg Oasys übernommen), der durchaus weiche lange Hallwolken in sehr guter Qualität zustande bringt. Atmosphärische Wavetable-Flächen des Korg Modwave lassen sich mit den Revebs wohltuend umhüllen. Jede der beiden Ebenen einer Performance bietet einen Pre FX, Mod FX sowie ein Delay. Viele Mixing-Tricks sind mit 14 gleichzeitig verfügbaren Effekten sehr gut realisierbar. Bei Pre FX stehen Kompressor, EQ, Guitar Amps, Tremolo, Wave Shaper und auch ein Ringmodulator zur Auswahl. Die üblichen Modulationseffekte wie Chorus, Phaser, Flanger oder WahWah sind als Mod FX vorhanden. Bei den Delay-Effekten gibt es auch Reverse-Varianten. In allen Bereichen der FX-Sektion kann man sich die vorhandenen Presets zunutze machen. Man hat daher die Effekte schnell und sicher im Griff.

Arpeggiator und Modulation

Wie bei der Korg Wavestate steht für jeden Layer einer Performance ein Arpeggiator bereit. Die Parametrisierung entspricht dem Standard. Es gibt fünf einfache Notenmuster (Up, Down. Alt1, Alt2 und Random) und die üblichen Parameter wie Swing, Oktave und Gate. Eine solche Einfachheit ist gut, schließlich kann man sich beim Modulieren der Wavetables austoben. Bei geschickter Programmierung entsteht eine tolle Symbiose aus möglichst langen und einfachen Trigger-Noten und modulierten Wellensätzen. Das Modulieren liegt dem Modwave natürlich sehr: In einer Modulationsmatrix lassen sich quasi sämtliche Parameter, die im Display ersichtlich sind, per fünf LFOs, vier Hüllkurven oder Midi-Controllern steuern. Auch die Effekte lassen sich neben den Wavetables einbeziehen. Anhand der vier roten Mod Knobs, die bei den Factory Sounds bestens zur Tragen kommen, lassen sich die Performances so effizient modulieren, dass teilweise fast schon neue Klänge entstehen. Was es sich damit konkret auf sich hat, zeigen verschiedene Beispiele. Wir halten Akkorde und drehen an den Mod Knobs.

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