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Test
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24.11.2020

Praxis

Tastatur

So, wie schon beim ES-8, setzt Kawai auch bei dem neuen ES 920 auf die bewährte Response Hammer III (RHIII) Tastatur. Neben einer sehr authentischen Hammermechanik bietet diese Tastatur eine Druckpunkt-Simulation sowie einen Dreifach-Sensor. In der Praxis bescheinigt das ein sehr authentisches Spielgefühl mit einer Menge Klavier-Feeling. Die Gewichtung ist gut gewählt, nicht zu schwer, dennoch schwer genug um mit einer echten Flügeltastatur mitzuhalten. Trotz alledem lassen sich alle anderen Klänge noch sehr gut darauf spielen. 

Wie klingt das ES-920?

Pianos

Beginnen wir direkt mit einer Auswahl an Pianosounds. Hier greift Kawai auf deren „Harmonic Imaging XL (HI-XL)“-Technologie zurück, bei der zahlreiche Flügelmodelle sehr hochauflösend wiedergegeben werden. Jede Taste wurde hier einzeln gesampelt, was zu einem besonders detaillierten und sehr individuellen Klang führt. Darunter befindet sich sogar das Top-Modell Shigeru Kawai EX - im ES 920 als „SK Concert Grand“ benannt. Zusätzlich bietet das Klangangebot zahlreiche weitere Flügel- und Upright-Samples.

Die Auswahl der verschiedenen Pianos ist wirklich vielseitig. Dabei besitzt jedes Modell seinen ganz eigenen Charakter. Beim Spielen mit einem Kopfhörer hatte ich selbst sogar fast den Eindruck, ich säße vor einem echten Flügel. Das kann man tatsächlich nicht von jedem Digitalpiano behaupten. Neben dem Grundsound haben mir besonders die Details im Diskant gefallen. Egal ob verträumt und dumpf oder rockig und brillant - das ES 920 beherbergt insgesamt zehn verschiedene Pianos, die auf zwei Bänke verteilt sind und ganz einfach per Drucktaster „durchgesteppt“ werden können. Auch das Upright-Piano gefällt mir sehr gut, weil es die Klang-Palette noch deutlich erweitert.

Virtual Technician

Im Menü des Kawai ES 920 befindet sich der „Virtual Technician“, der die Regulation und Intonation des Flügels vornimmt. In zahlreichen Menüpunkten werden hier nicht nur Intonation, sondern auch zahlreiche ergänzende Nebengeräusche und klangliche Finessen eingestellt. Das Menü umfasst knapp 20 Parameter, zu denen u. a. Dämpfer- und Saiten-Geräusche gehören. Auch lässt sich ein „Hammer Delay“ einstellen, oder gar der Wirkungsbereich des Soft-Pedals. Sofern man mit der Dreifachpedaleinheit spielt ist das wirklich klasse. Die Details sind jeweils von 0 bis 10 einstellbar und zeigen in der Maximaleinstellung, warum man die Dosierung eher vorsichtig vornehmen sollte - zur Vorführung dieser Effekte ist das jedoch eindrucksvoll und demonstriert was alles möglich ist. 

E-Pianos

Schauen wir uns die Auswahl der E-Pianos an. Auch hier wartet das ES 920 mit einer Menge an Klängen auf den Spieler. Darunter habe ich, neben den klassischen Rhodes-, Wurlitzer- und DX-Sounds, sogar ein Hohner Pianet gefunden - was in einem Digitalpiano wirklich selten ist.

Auch die E-Pianos können beeindrucken. Sie zeigen sich nicht ganz so detailreich wie die wirklich tollen Piano-Samples, aber es macht viel Spaß mit ihnen zu spielen. Im Unterschied zu den akustischen Pianos kommen hier die schönen Modulationseffekte des ES 920 zum Einsatz, welche sehr gut zu den einzelnen Klängen passen. Zu den Effekten kommen wir gleich noch ausführlicher. Weiter geht es mit den Klängen, die sich in den Kategorien Organ, Mallets, Strings und Bass finden. Hier gibt es jede Menge weiterer Sounds, welche das Klangkontingent noch zusätzlich ergänzen. Dabei funktionieren viele dieser Klänge in Gestalt von Layer- oder Split-Sounds recht gut in Kombination mit den akustischen Pianos.

Automatische Begleitung

Kommen wir zur Begleitsektion des ES 920. Zwar fällt diese nicht so üppig wie bei einem Entertainer-Keyboard aus, allerdings ist die Auswahl mit 100 integrierten Rhythmen doch schon recht groß. Ich bin mir sicher, dass man damit durchaus ein abendfüllendes Programm bestreiten kann. Abstriche muss man hier allerdings bei den Variationen der Rhythmen machen, denn hier bietet jeder Rhythmus lediglich eine Variation im Unterschied zur Begleitautomatik eines gängigen Arranger-Keyboards. Andererseits handelt es sich bei den Begleitrhythmen um eine willkommene Erweiterung, um sich auch mal fernab des üblichen Klavierspiels zu betätigen.        

Effekte

Ausgestattet ist das Kawai ES 920 mit drei Effekten, die sich über die zugehörigen Taster Amp, Effects und Reverb hinzuschalten lassen. Über einmaliges Betätigen der Taster aktiviert bzw. deaktiviert man den Effekt. Sobald man diese Taster länger gedrückt hält, gelangt man in das jeweilige Untermenü, von welchem aus verschiedene Effekt-Typen und spezifische Einstellungen wie Intensität, Geschwindigkeit und Delay- sowie Nachhallzeit über die beiden Menu- und Value-Taster vorgenommen werden. 

Amp-Simulation

Hinter der Amp-Simulation zeigen sich mehrere Verstärker-Simulationen, die quasi wie ein EQ und eine dazugehörige Verzerrung wirken. Anhand eines E-Pianos hört man die Veränderungen - zunächst ohne Effekt und anschließend mit Verzerrung, die ich hier in drei Stufen erhöht habe. 70’s Sound pur! 

Reverb

Für das Verhallen von Klängen bietet das Kawai ES 920 unterschiedliche Reverb-Varianten wie z. B. Room, Concert Hall und Cathedral .

Modulationseffekte

Hinter dem mittig sitzenden „Effects“-Taster befinden sich eine Menge Modulationseffekte, zu denen u. a. Phaser, Flanger, Delay und Chorus gehören. Die einzelnen Effekte klingen sehr schön und lassen sich nicht nur in ihrer Intensität, sondern zusätzlich in vielen Details verstellen. So gehören Parameter wie Speed, Feedback und Delay Time zu den Einstellmöglichkeiten. 

Registrierungen

Eigene Klangkonstellationen, oder Bearbeitungen, darunter Layer-Sounds, Splits, Effekte sowie Begleitrhythmen und diverse weitere Einstellungen lassen sich in 28 Speicherplätzen sichern.

Songrecorder und USB-Medien

Über den internen Songrecorder des Kawai ES 920 lassen sich bis zu zehn Songs in den internen Speicher des Digitalpianos aufnehmen. Dabei besteht jeder Song aus zwei separaten Spuren, die unabhängig voneinander aufgenommen werden können. So lassen sich Songs und Ideen aufnehmen, indem man z. B. erst die linke und dann die rechte Hand einspielt. Die Songideen können auf einem USB-Stick gespeichert werden, sowohl als MIDI- und als Audio-Datei. Darüber lassen sich mit dem ES 920 MIDI-Dateien in Audio-Dateien wandeln: Die Formate mp3 und WAV stehen hier zur Verfügung. Außerdem können Audiodateien über den USB-Stick abgespielt werden - das ist praktisch, wenn man zu einem Song dazu spielen möchte. Alternativ lässt sich über die Stereo-In-Buchse auf der Rückseite eine externe Audio-Quelle über das ES 920 wiedergeben.  

Bluetooth-Audio

Das Menü des Kawai ES 920 bietet u. a. den Menüpunkt Bluetooth. Hier lässt sich einstellen, ob MIDI- und Audio-Daten drahtlos übertragen werden - und zwar in beide Richtungen. Ist etwa ein Tablet mit dem Kawai ES 920 verbunden, dann können Audiodaten über das Lautsprechersystem bzw. den Kopfhörer des Pianos wiedergegeben werden. Ein praktisches Feature!  

Lautsprecher

Beim Soundsystem des ES 920 hat Kawai nachgelegt: Über die integrierten Lautsprecher kommt jetzt deutlich mehr Druck, denn im Vergleich zum Vorgänger hat man die Leistung auf 2x 20Watt erhöht. In diesem Punkt hat Kawai mit dem Hifi-Spezialisten Onkyo kooperiert, um das Konzept für einen druckvollen Klang zu renovieren. Tatsächlich ist das Lautsprechersystem für ein Digitalpiano sehr ausgewogen, kann auch recht laut werden, ohne das Verzerrungen auftreten. Außerdem bietet der 4-Band-EQ sowie der spezielle „Wall EQ“ für die Aufstellung in Wandnähe einige Möglichkeiten, den Klang individuell anzupassen. 

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