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06.03.2019

Kaufberater: Die besten Add-on-Controller für DJs

DVS-, Pad- und Effekt-Controller für Pioneer rekordbox, NI Traktor, Serato etc. im Vergleich

Controlleristen, DJs und Turntablisten, die mit einem digitalen Vinyl System (DVS), Laufwerken und einem Battlemixer Clubmixer oder DVS-Mixer auflegen und aus ihrer Performance mehr als Scheiben scratchen oder Tracks mixen herausholen wollen, greifen oftmals zu einem Add-on MIDI-Controller, mit dem sie Cuepoints, Effekte oder Samples steuern können. Mittlerweile gibt es eine stattliche Auswahl an Produkten, die sich vor, neben oder hinter dem Turntable, CD-Player oder Mixer aufstellen lassen.

Manche Geräte sind Generalisten, die so ziemlich jedes Feature über verschachtelte Tastenkombinationen erreichen, manche widmen sich bestimmten Aufgabenfeldern. Beim Kaufentscheid spielen schließlich noch die individuellen Ansprüche und Geschmäcker, die verwendete Software und das Budget eine Rolle.

Wieso eigentlich Add-On-Controller?

Im Gegensatz zum voll ausgestatteten DJ-Controller, der mit einem Mischpult, Jogwheels und oftmals auch mit einem integrierten Audiointerface aufwartet, möchten Add-ons nicht das komplette analoge Set ersetzen. Daher fehlen ihnen meist die zuvor genannten Ausstattungsmerkmale. Auch auf Fader wird in der Regel verzichtet, da die Lautstärkeregelung am Mixer erfolgt und der Geschwindigkeitsabgleich am Laufwerk. Vielmehr tummeln sich auf den Bedienoberflächen vornehmlich Drehregler und Tasten zur Parametersteuerung der Kreativsektionen sowie zur Titelauswahl.

 

Knobs, Pots und Pads

Drehregler übernehmen Effekt, Loop und Filtersteuerungen. Kappen mit Gummiüberzug fassen sich besser an, sind aber, anders als Hartplastik-Modelle, echte Fusselfänger; Kunststoffstifte/Achsen bruchanfälliger als Metall. Regler mit größerem Durchmesser bieten mehr Feingefühl, zum Beispiel wenn es darum geht, ein Kombifilter filigran zu steuern. Hier darf es dann gern eine einrastende Nullposition mit Markierungsnabe geben. Kleinere "Pots" sind die bessere Wahl für schnelle Effektschraubereien und können in der Regel auf diese Kenntlichmachung verzichten. Für FX-Timings (1/32 ... 32)  bieten sich Encoder an.

Neuerdings verbauen die Hersteller Berührungssensoren, die erkennen, ob das Poti angefasst wurde und folglich dem Computer Bericht erstatten. Mal spart dies einen Tastendruck ein (Effekt An/Aus), ein anderes Mal öffnet sich beispielsweise die Vollbildansicht der Musikbibliothek, wenn der Browser-Encoder berührt wird, wie beim Traktor Kontrol X1 MK2. Praktisch. Wer viele Effekte schrauben möchte, sollte darauf achten, dass sein Controller zwei FX-Racks bedienen kann, also 2 x 4 Potis nebst Tasten mitbringt.

Endlos-Encoder eignen sich sehr gut für schrittweise (+1, +10, *2, /2) auszuführende Aktionen, zum Beispiel, um sich in einer Playliste von Titel zu Titel zu bewegen, gern auch mal schneller, aber immer kontrolliert. Ist eine Button-Funktion integriert, lassen sich damit Musikstücke ins Deck laden, Ordner in Verzeichnisbäumen der Musikbibliothek öffnen oder eben auch Effekte in mehreren Racks dirigieren, ohne dass es zu ungewollten Parametersprüngen beim Wechsel zwischen Instanzen kommt. Ebenfalls sehr beliebt ist der Loop-Encoder. Er setzt auf Tastendruck eine Schleife voreingestellter Größe und halbiert bzw. verdoppelt diese je nach Drehrichtung.

Es ist schon sehr praktisch, wenn man seine Tracks ohne den Griff zum Notebook selektieren kann. Einen Browser-Encoder würde ich persönlich nicht vermissen wollen. Allerdings bietet Traktor beispielsweise auch die sogenannte Browse Zone auf dem Vinyl. Sitzt die Plattenspielernadel in dieser Zone, blättert ihr durch Vor- und Zurückdrehen des Tiimecode-Vinyls durch die Playlist und selektiert via Needle Drop. Auch eine Lösung.

Ein Touchstrip bietet sich als Fader- und Jogwheel-Alternative an, beispielsweise um in der Wellenform zu spulen – ja, sogar Scratches hat man damit schon performt oder Effekte gesteuert.

Push that Button

Sind beim Mischpult die Fader Chef im Ring, sind dies beim DVS-Controller die Tasten. Sie übernehmen zahlreiche Aufgaben vom Sync-Befehl über die Effektzuweisung am Kanal bis hin zum Anfahren von Sprungmarken, dem Abfeuern von Loop-Rolls oder Slicen von Tracks. Sie sind in diversen Güteklassen und Ausführungen anzutreffen, wobei sich halbtransparente, gummierte Buttons mittlerweile durchgesetzt haben. Nicht zuletzt aufgrund der Möglichkeit, durch mehrfarbige LED-Beleuchtung Statusmeldungen abzugeben.

Beim DVS Add-on auch wünschenswert: Taster für den relativen, absoluten und internen Modus, wie sie am Akai AFX zu finden sind. Sie bestimmen, wie der „Abspielkopf“ des Software-Players auf die Nadelposition des Turntables reagiert.

Performance Pads sind schwer in Mode. Sie feuern Samples, Rolls und Hotcues ab oder schneiden einen Track in verschiedene, direkt anspielbare „Slices“. Zum Anfahren von Cuepoints, Loops und Slices reichen einfache Pads aus, wer jedoch die Lautstärke eines Samples über die Druckintensität dirigieren möchte (immerhin lässt sich so ein Fader einsparen) braucht „Velocity“ oder zu deutsch Anschlagdynamik. Sie tritt oft begleitet von Aftertouch in Erscheinung, einer zweiten Auslösefunktion. Sind Velocity und Aftertouch an Bord, können die Pads auch Effektregler ersetzen, da sie in der Lage sind, die Effektintensität oder jedwedes anderes Attribut steuern. Reloops Neon beispielsweise bedient FX via Pads.

Wer seine Tracks gern live neu zusammenstückelt, Cue-Marker für Scratches anfährt oder Loop-Rolls abfeuert, ist mit Performance Pads auf der richtigen Seite. Sollen dann auch noch Samples ins Set einfließen, kommt ihr um eine Pad-Matrix kaum herum.

Formfaktor: vorne, hinten, obendrauf

Ein weiteres Entscheidungskriterium ist der Formfaktor und damit einhergehend die Positionierung des Kontrollwerkzeuges im restlichen Setup. Hochformat gegen Querformat, was sich zunächst ziemlich unspektakulär anhört, hat doch entscheidende Auswirkungen auf den Arbeitsablauf. Anschlagdynamisch auf einem Sample-Controller einzuhämmern, der wie ein Fels in der Brandung neben den Mixer steht, ist eine Sache, dies auf einem wackelig hinter einem Turntable angebrachten 10-Euro-Laptopständer durchziehen zu wollen, eine andere.

Controller, die auf ein vertikales, langes und schmales Format setzen, sind in der Regel bestens neben dem Mixer aufgehoben. Und siehe da: manche Hersteller verwenden das gängige Mischpultmaß, damit auch alles nahtlos aneinander gereiht werden kann. Da in letzter Zeit der Trend zu immer flacheren Geräten geht, ist ein Ständer empfehlenswert, der den Controller auf die gleiche Höhe wie den Club- oder Battlemixer bringt. Dies hat den Vorteil, dass man auf einer Arbeitsebene bleibt und auch gut an die Bedienelemente herankommt.

Die Hersteller bieten hierfür teils Transportaschen, die auf den Kopf gestellt als „Bock“ dienen. Ebenso gibt es maßgeschneiderte Kunststoffständer wie die Traktor Kontrol Stands für Native Instruments Flotte. Die kosten zwar gut 30 Euro, aber glaubt mir, eine ausgediente Zigarrenkiste ist die schlechtere Option.

Setzt ein Controller auf das Querformat, empfiehlt sich eine Aufstellung vor oder hinter dem Mischpult, im letzten Fall meist auf einem Laptopständer. Ebenso ist eine Aufstellung hinter dem Plattenspieler möglich, jedoch hängt dies natürlich auch von der Art und Weise ab, wie der DJ mit seinem Werkzeug umgeht. Nadeln tendieren zum springen und wenn der Controller die Kräfte über den Ständer zum Plattenspieler weiterleitet, sollte zumindest DJ-Eisenfaust eine andere Lösung anstreben.

Querformat-Controller bieten mitunter den Vorteil, dass sie mehr oder größere Performance Pads an Bord haben. Hochformate orientieren sich hingegen eher am Kanalzug eines Mischpults mit untereinander liegenden Drehreglern, gefolgt von diversen Tasten. Also was kaufen?

Die Traktor Kommandanten: Traktor Kontrol F1 und X1 MK2

Eine hervorragende Lösung für Traktor Scratch DJs, die eine Add-on MIDI-Schaltzentrale suchen, ist Traktor Kontrol X1 MK2. Das Gerät bietet ein sehr gutes visuelles Feedback und eignet sich sowohl für Profis als auch für Einsteiger. Es reiht sich autokonfigurierend in ein bestehendes Hardware Line-up ein. Zahlreiche Drehregler, RGB-Buttons, ein Touch-sensitiver Encoder und Touchstrips gewähren Zugriff auf Traktors Software-Funktionen, darunter Decks, Loops und Effekte.

Der Kontrol F1 hingegen wendet sich in erster Linie an all diejenigen, die auf der Suche nach einem kompakten Kommandogeber für Stems und Remix-Decks sind, Samples abfeuern wollen und diese live zusammenschrauben und tweaken möchten. Der Controller funktioniert ebenfalls Plug’n’ Play, das visuelle Konzept überzeugt und die Performance stimmt. Kostenpunkt: jeweils 199 Euro UVP.

Traktor Kontrol F1 (Produktseite auf thomann.de)

Kontrol X1 MK2 (Produktseite auf thomann.de

Die Serato Liga: Reloop Neon, Akai AFX und DDJ-SP1

Für Serato DJ sind mittlerweile eine gute Handvoll an sogenannten „Accesoires“ erhätlich. Reloop Neon ist so ein kompakter und vielseitiger MIDI-Controller, der sich mit der Stellfläche einer Tafel Schokolade zufrieden gibt und weit über 100 Befehlszuweisungen zulässt. Er besitzt acht anschlagdynamische multifunktionale RGB Pads zum Steuern von Cues, Loops und Effekten, mehrere Funktionstasten und zwei Encoder. Im Test überzeugte er durch sein gelungenes Layout, die solide Performance und den attraktiver Preis. Besonders auch die multifunktionale, anschlagdynamische Pad-Sektion und die SP6 LED-Anzeigen dürften so manches DJ-Herz höher schlagen lassen. Obendrein ist er modular erweiterbar und kann zwei Einheiten via System-Link synchronisieren. Durchaus denkbar also, einen Reloop Neon an jedem Turntable zu platzieren. Mit 139 Euro UVP seid ihr dabei.

Akai AFX ist ein idealer Spielgefährte, wenn ihr mit Samples, Effekten und Hotcues arbeiten wollt. Die Regler reagieren auf Drehung und Berührung, eine Pad-Matrix erlaubt das Triggern diverser Performance-Modi, der Parameter-Encoder ist mit einem Nummern-Display ausgestattet und dem Ribbon-Controller wurden gleich drei unterschiedliche Betriebsarten anheim gestellt. Ihr könnt slicen, Samples abfeuern, Flips aufzeichnen und auf zwei von vier Serato Decks simultan zugreifen. Ein ausgezeichneter Live Remix Controller, der inklusive Timecode-Modus-Tasten so ziemlich alles hat, was es braucht, um als DVS-Compagnon durchzugehen. Akai AFX kostet 215 Euro UVP.

Dieser Controller wurde zwar für Serato entwickelt, funktioniert aber ebenso mit rekordbox dj dvs. Damit lassen sich unter anderem Effekte, Loops, Rolls und Samples abfeuern. Das Gerät legt ein Pioneer-typisches Qualitätsbewusstsein bei den verbauten Komponenten und der Verarbeitung an den Tag. Das visuelle Feedback ist gelungen. Die Bedienelemente sind durchdacht angeordnet und intuitiv zu handhaben, der Freiraum auf der Oberfläche ist angemessen. Wer mit Serato oder rekordbox dvs auflegt und sich an den aufgerufenen 299 Euro nicht stört, sollte den DDJ-SP1 in Augenschein nehmen. Er passt wunderbar auf einen Ständer hinterm Pult und ist ein hervorragender Partner für die Live-Remix-Performance.

Reloop Neon (Produktseite auf thomann.de)

Allen & Heath Xone:K2 (Produktseite auf thomann.de)

Der rekordboxer: Pioneer DDJ-XP1

Pioneer DDJ-XP1 ist ein Add-on-Controller, speziell für rekordbox dj entwickelt, der je 16 mehrfarbige Performance-Pads pro Seite für kreative Sound-Frickeleien auf bis zu vier Decks zur Verfügung stellt. Naturgemäß fühlt sich das Gerät am wohlsten zwischen zwei Turntables mit Pioneer Interface 2 respektive einem rekordbox dvs zertifizierten DJ-Mixer. Genausogut kann man das teil aber auch mit einem DJ-Controller einsetzen, dem es an Bedienelementen mangelt. Pad-FX, Hotcues, Beat-Loops, Keyboard- und Key-Shift Mode, Sampler und Slicer sind nur einige Disziplinen, die der XP1 dirigieren kann, festlegbar im eigens entwickelten Pad-Editor. Der Controller kostet 259 Euro inklusive Lizenzen für rekordbox dj und dvs. Hier bei uns im Test.

Der Minimalist: Novation Dicer

DJs, die keinen großen Wert auf Effektfeuerwerke und Slicing legen, dafür aber eine simple Lösung zum Anfahren von Loops und Cues suchen, sollten die Novation Dicer in Betracht ziehen – ganz ohne Zweifel ein außergewöhnliches Controller-Konzept. Ob Traktor oder Serato Anwender, die kompakten USB-Würfler lassen sich direkt am jeweiligen Turntable platzieren und dirigieren Cuepoints, Loops und Co. in unterschiedlicher Farbgebung sehr effizient und hell genug für dunkle Clubs. Wer Technics MK2 Turntables oder Klone besitzt, steckt die Dicer einfach in den Puckhalter des Plattenspielers, sollte dann allerdings nicht zu grobmotorisch darauf einhämmern. Die UVP beträgt 99 Euro.

Der Flexibilist: Allen & Heath Xone:K2

Wer nicht nur mit einer DJ-Software wie Traktor oder Serato auflegt, sondern auch Ableton nutzt, könnte Gefallen am Allen and Heath Xone:K2 finden, bietet dieser doch eine Flexibilität sondergleichen, sofern man jenseits von Traktor und Ableton geneigt ist, selbst Hand anzulegen und die benötigten Befehle zu mappen. Der universelle MIDI-Controller beeindruckt mit 12 Potentiometern, 6 Encodern, 4 Fadern und 30 Tastern – macht 52 Bedienelemente, die satte 171 MIDI-Kommandos über drei virtuelle Layer mit Shift-Funktionen aufrufen können. Genug also, um nahezu jede Cuepoint-, Effekt-, Sample- oder Loop-Funktion einer Software einem MIDI-Befehl zu unterwerfen. Außerdem an Bord ist ein integriertes Vierkanal-Interface. Mehrere K2s lassen sich untereinander und auch mit anderen Geräten aus der Xone-Serie kaskadieren. Im Bonedo-Test überzeugte die robuste Hardware unter anderem durch ihr klares, neutrales Design, ihre Flexibilität und die Qualität der Bedienelemente. 249 Euro werden aufgerufen.

Happy Mixing

Euer Peter Westermeier

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