Test
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01.10.2009

Praxis

Quicktest
Bei der Installation hatte sich das VDJ-Steel-Bundle bereits als einsteigerfreundlich erwiesen. Nun sollte der Quicktest hoffentlich ähnlich gut verlaufen. Erste Handgriffe bestätigen: Der Controller wurde automatisch erkannt und sämtliche Bedienelemente der Software automatisch zugewiesen. Damit für den anstehenden Live-Mix genaue BPM-Daten zur Verfügung stehen, habe ich die Tracks zuvor einer Tempoanalyse unterzogen. Der interne Algorithmus benötigte für 18 Songs respektable zwei Minuten und 47 Sekunden, also weniger als zehn Sekunden pro Track. Basis DJ-Manöver wie Überblendungen und EQ-Steuerung gelangen ohne Komplikationen, doch sprachen die EQ- und Gain-Regler unter Virtual DJ ziemlich stark an. Daher ist Vorsicht beim Aussteuern geboten, denn es werden leider keine Reglerwerte auf dem Notebook-Monitor angezeigt. Da haben anderen Softwares mehr zu bieten. Mich störte persönlich auch der mittig angebrachte Hauptlautstärke-Fader, da ich oft mit den Linefadern arbeite. Wer sich da verschiebt, reißt eben mal die Gesamtlautstärke runter. Stille und Autsch. Latenz- oder MIDI- bedingte Verzögerungen störten den Ablauf des Tests nicht.

Zwischen Housegebrauch und Kammermusik

Match and Sync
Beat Matching ist das manuelle oder computergestützte Angleichen von Tempo und Takt zweier Tracks, um dann einen Übergang zwischen beiden zu ermöglichen, ohne den Zuhörer aus dem Rhythmus zu bringen. Der Takt wird dabei von den Signalspitzen vorgegeben, im Dance-Genre sind dies in der Regel die Bassdrums. VDJ gibt dem DJ vier Möglichkeiten zur Tempomanipulation an die Hand. So kann er manuell zu Pitchfader, Pitchbend-Buttons und Jogdial greifen. Die Jogdials reichen zu diesem Zweck aus. Auch ohne die unterstützende BPM-Anzeige auf dem Computer-Monitor liefen die Musikstücke in kürzester Zeit im Gleichschritt. Für einen automatischen Gleichlauf reicht ein Druck auf die Sync-Taste – oder etwa doch nicht? Das hängt einerseits von der Qualität der internen Dateianalyse andererseits vom Gehör und den persönlichen Ansprüchen des DJs ab. Sind die errechneten BPM-Werte korrekt, synchronisiert die Software die Tracks in der Regel automatisch.

Virtual DJ verfügt über eine interne Tonhöhenkorrektur, das sogenannte Master-Tempo. Es soll Freddy Krüger oder Tweetie-Stimmen beim Anpassen der Geschwindigkeit vermeiden. Wie Praxistauglich die vorliegende Lösung ist, zeigen Soundbeispiele, die bei Tempoveränderungen von drei und sechs Prozent in beide Richtungen aufgezeichnet wurden.

Der Keylock macht sich ab drei Prozent Tempoänderung durch hörbare Artefakte bemerkbar. Damit ist er für die Praxis nur bedingt zu gebrauchen, denn vier Prozent sollte er hier schon bringen. Das entspricht fünf von 120 BPM – also einem "GAF"-Bereich von 115-125 BPM.
(GAF= Garantiert Artefakt Frei ;-)

Scratching
Obwohl die Jogwheels durchaus flott reagieren, ist kein professionelles Scratching möglich, weil einfach keine adäquate Auflagefläche vorhanden ist und sich das Laufverhalten der Jogs auch nicht wirklich anpassen lässt. Über eine Bodenschraube kann der Widerstand zwar ein wenig beeinflusst werden, Wunder sollte hier aber niemand erwarten. Die beigepackte Version der Software bietet zudem keine Option zum Anpassen der Scratch-Sensitivität an. Damit reicht es in dieser Disziplin nur für Hausgebrauch und Babyscratches.

Drück mich,  Drück mich, Drück mich ...
Die Atomix DJ-Applikation bringt mit Loop, Sampler und Hotcues erweiterte Funktionen zur kreativen Gestaltung des Mixes mit. Sie besitzt zwar einen eingebauten Sampler, dieser ist jedoch auf ein Sample pro Deck beschnitten. RECORD zeichnet einen 4-Bar-Loop auf, PLAY spielt ihn beatsynchron zum laufenden Deck ab, und erneutes Recording löscht das zuvor aufgenommene Audiomaterial. Allerdings kann der Sampler nur ein Kanalsignal und nicht das Stereo-Mastersignal abgreifen. Ich bin der Meinung, dass der Begriff Sampler hier mit einer Sample-Länge von vier Takten derbe übertrieben ist, 4-Bar-Autoloop würde die Sache wohl eh(rlich)er treffen. Ein Loop ist eine Schleife, die einen Auszug des laufenden Musikstückes wiederholt abspielt. Der Einstieg der Schleife wird über LOOP-IN vom DJ manuell festgelegt, LOOP-OUT bestimmt das Ende des Intervalls. Effektregler Eins verschiebt den ganzen Loop on-the-fly nach vorn oder hinten, Effektregler Zwei vergrößert oder verkleinert die Schleife. Das ist ein wirklich cooles Feature; allerdings fehlt mir hier eine beatgenaue Quantisierung, um gerade im Mix mit einem zweiten Track auch per Hand runde Schleifen zu kreieren, die nicht aus dem Ruder laufen. Normalerweise würde sich hier der 4-Bar-Auto-Loop des Samplers anbieten, dessen Flanken lassen sich jedoch nicht verschieben, er ist daher in seiner Größe nicht skalierbar.

VDJ5 besitzt zwei Hotcues. Für Cue-Juggling ist das zu wenig - um die zwei wichtigsten Song-Positionen zu markieren, genügt es aber allemal.

Max has FX on the Dex – they can make his life complex
Zwar werden die zuvor besprochenen kreativen Features in VDJ allesamt den Effekten zugeordnet, im klassischen Sinn sind dies aber eher die Nachfolgenden:

BEATGRID sampelt vier Beats des laufenden Tracks und spielt sie als Loop-Overlay zerhackt ab.

BRAKE bremst den Track, so lange der Button gedrückt gehalten wird, bis zum Stillstand ab. Das Bremsverhalten ist über einen Regler anpassbar.

FLIPPING DOUBLE wiederholt das Audiomaterial mit einem Versatz von einem halben Takt.

OVERLOOP erstellt einen 4-Bar-Loop des aktuellen Tracks und spielt diesen überlagert ab.

FLANGER lässt sich in Zeit und Frequenz regeln.

PITCH RESET bringt das aktuelle Tempo schrittweise zum Basiswert zurück.

BACKSPIN spielt das Musikstück kurzzeitig, mit hoher Geschwindigkeit abbremsend, rückwärts ab. Das rechte Poti definiert die Geschwindigkeit des Spins, das linke die Länge.

Horch was kommt von draußen rein – wird das wohl ein MIDI-Signal sein?
Der Control Steel lässt sich mit jeder lernfähigen DJ-Software betreiben, ist aber aufgrund des angepassten Layouts am Besten zum Betrieb mit VDJ geeignet. Da aber VDJ nicht jedermanns Sache ist, schauen wir uns natürlich auch die Kommunikation mit anderen DJ-Softwares kurz an. Dongle-Apps wie Itch bleiben leider außen vor.

Mixvibes
Leider ließ sich Steel unter Mixvibes Cross nicht starten (kein Learn), wurde jedoch unter Mixvibes DVS 7.2 erkannt und unter Verwendung des Rmx-MIDI-Setups gestartet. Die Transportsteuerung, Scratch, Nudge, der komplette Mixer mit EQs, Gain, Killswitches und Fadern funktionierten auf Anhieb, dazu bekommt der Anwender noch Loop In/Out, zwei Reloop-Bänke und zwei Locators an die Hand. Wer möchte, kann die Belegung umprogrammieren. Dies ist allerdings nicht ganz so leicht wie bei Deckadance oder Traktor, da der DJ mit einem Editor vorliebnehmen muss.

Deckadance
Deckadance von Imageline ließ sich ganz einfach durch Auswählen des DJC-Steel-Icons im MIDI- Setup aktivieren. Die gesamte Mixer-Sektion lief einwandfrei, sogar an Punch-Buttons haben die Programmierer gedacht. Auch die Funktionen zur Tempoänderung, also Pitch, Pitch-Bend und Nudge waren ausgezeichnet kalibriert. Scratching, Sampler, Loop und Leap, inklusive Flankenanpassung, beflügeln die Kreativität des DJs, bei aktivierten Shift-Buttons legt er mit dem Sechser-Block bis zu vier Cuepunkte an, die jederzeit on-the-fly angesprungen und wieder gelöscht werden können. Deckadance besitzt eine Kaosspad-ähnliche Effektsteuerung mit X/Y-Touchpad, für die die linken Drehregler gemappt wurden. Sie ermöglichen es, die Parameter zu steuern und auch die Effekte im laufenden Betrieb zu wechseln. Insgesamt ist die Umsetzung in meinen Augen sehr gut gelungen.

Traktor
Hercules bietet auf seiner Website ein fertiges Mapping für Traktor Pro zum kostenlosen Download an, allerdings ist die Bedienung der Konsole, wenn man an Vestax VCI-100 und Xponent gewöhnt ist, gerade im Effekt-Bereich etwas umständlich, denn es lässt sich immer nur ein verketteter Effekt in einem Parameter zeitgleich steuern. Das ist in meinen Augen nicht optimal gelöst, denn Steel bringt ausreichend Bedienelemente mit und Traktor lässt bekanntlich Mehrfachbelegungen zu. Anstelle der beiden Steel-FX-Potis könnten die drei EQ-Regler mit ihren Killswitches nebst Gain bei aktivierter Shift-Taste die Effektsteuerung übernehmen. Sind dann die vorgesehenen Effekt-Potis an der Hardware frei, könnten diese für die bipolaren Kanalfilter genutzt werden. Den Hauptlautstärkeregler verwende ich während eines DJ-Sets so gut wie nie, nachdem ich ihn vorab eingepegelt habe. Zum Angleichen der Tracks stehen ja noch Channel-Volume und Gain zur Verfügung. Der mittlere Fader der Mixersektion könnte stattdessen die Kopfhörerlautstärke regeln. Monitor-Mix wird in die Mitte auf den Master-Balance Regler verschoben. Die so freigewordenen Drehcontroller rechts oben könnten dann die Länge der Loops ändern und sie on-the-fly verschieben. Da Mixkonsole von Hercules Jogdials mitbringt, benötigt mancher keine expliziten Tasten für Pitchbending, stattdessen könnten die Buttons Zugriff auf Key-Correction und Sync-Master-Selection ermöglichen.

Download Datei steelcontrol.tsi

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