Workshop_Folge Workshop_Thema Bass
Workshop
7
11.10.2021

Groove und Timing verbessern - Teil 3

Mit diesen Übungen kannst du dein Rhythmusgefühl schulen

Rhythmusübungen: Richtig üben mit Metronom

In Teil 1 und Teil 2 dieser Workshop-Serie verbesserten wir unser Timing mithilfe verschiedener Übungen, die wir komplett alleine durchführen konnten. Heute nehmen wir einen gnadenlos humorlosen und unbarmherzigen Zuchtmeister zur Hilfe, welcher schon den ein oder anderen Musiker in den Wahnsinn getrieben hat: das Metronom! Aber keine Sorge, auch hier sollen die Kreativität, der Spaß und die richtige Motivation im Vordergrund stehen. Ein weiterer unbestechlicher Übungspartner sind Drumloops - also ein virtueller Schlagzeuger - entweder in Form einer App auf dem Handy, als Software im Computer oder ganz "Old School" in Form eines Drumcomputers. Auch mit diesen Helferlein kann man viel Spaß haben und auf kreative Art und Weise das eigene Timing verbessern.

Auch interessant:

So spielst du optimal mit deinem Drummer zusammen!

Üben mit Metronom - wie geht das eigentlich?

Was genau ist denn eigentlich unser Ziel, wenn wir mit einem Metronom üben? Ganz klar, wir wollen unser eigenes Timing stärken, unseren eigenen musikalischen Puls. In anderen Worten: Wir möchten eigentlich unabhängig vom Metronom werden. Wenn wir das Metronom als Taktgeber ansehen, an den wir uns stets "anlehnen", so wird sich der Erfolg jedoch eher in Grenzen halten.

Daher ist es wichtig, wie folgt an die Sache heranzugehen: Wir betrachten uns als die "rhythmische Instanz" und das Metronom als Helfer, mit welchem wir uns synchronisieren. Es soll nur wichtig werden und für uns in Erscheinung treten, wenn wir im Timing schwanken. Das klingt vielleicht etwas esoterisch, macht aber tatsächlich einen großen Unterschied, da man die ganze "Puls-Arbeit" selbst erledigt und nicht schnöde dem Metronom überlässt.

Diese Herangehensweise fühlt sich zu Beginn etwas seltsam an, beschleunigt aber unseren Lernerfolg. Generell ist es sinnvoll, sich für das Üben Grooves zu suchen, welche man technisch mühelos und auswendig beherrscht. Auf diese Weise kann man sich voll aufs Timing konzentrieren und hat nicht mehrere Baustellen gleichzeitig zu beackern.

Auch interessant:

Bach, Mozart & Co. auf dem Bass spielen

Üben mit Metronom - Level 1

Die gängigste Art, ein Metronom zu nutzen, sind Viertelschläge, und damit wollen wir auch beginnen. Als Beispiel soll uns dieser eintaktige Groove dienen, der aus nur zwei Tönen besteht und schön luftig ist. So haben wir mit dem Metronom einige Akzente mit dem Metronom zusammen und andere eben nicht.

Bei Sechzehntel-Grooves in langsamen und mittleren Tempi kann es hilfreich sein, sich zu Beginn noch zusätzliche rhythmische Marker vom Metronom geben zu lassen. Die nächste kleinere Unterteilung wären Achtelnoten. Diese lassen sich in einer Metronom-App oder in einem modernen digitalen Metronom in der Regel ganz einfach aktivieren, bei einem "Old School"-Metronom muss man das Tempo verdoppeln.

Und nicht vergessen, WIR sind die rhythmische Instanz - das Metronom nur unser Helferlein. Hier ist unser leicht modifizierter Groove mit Sechzehnteln:

Üben mit Metronom - Level 2

Um seinen eigenen Puls zu verstärken, kann man sich nun nach und nach immer weniger Informationen vom Metronom geben lassen. Oder man kann sein Ticken auch als andere Zählzeiten interpretieren und nicht mehr als Viertelschläge.

Bei allen folgenden Varianten gilt, dass man erst einmal nur den Puls klopfen und/oder zum Metronom zählen sollte, um sich an die neue Situation zu gewöhnen. Nur wenn dies problemlos klappt, macht es Sinn, auch mit dem Spielen zu beginnen.

Deuten wir nun also die vier Schläge eines 4/4-Taktes um und sehen sie jetzt als "und"-Werte, also die Achtel zwischen zwei Vierteln. Das heißt, wir müssen die Pulsschläge selbstständig empfinden. So sieht das mit unserem Groove aus:

Reduzieren wir die Anzahl der Schläge pro Takt auf die Hälfte, so kann man diese z. B. als die Zählzeiten 2 und 4 deuten (möglich wären auch 1 und 3, das wäre aber schon irgendwie sehr "deutsch"). Am einfachsten funktioniert dies mit Metronom-Apps, da man hier meistens die einzelnen Schläge stummschalten kann. Bei einem herkömmlichen Metronom muss man das Tempo halbieren.

Jetzt noch ein Hammer für die ganz Mutigen als Abschluss zu diesem Thema: Natürlich lassen sich zwei Schläge analog zu den vier Schlägen vorher auch als "und"-Werte umdeuten, z. B. als 2+ und 4+. Hier gilt noch vielmehr, dass man erst einmal Viertel klopft und zählt, bis man sich sicher fühlt.

So sieht es aus und klingt es mit dem Metronom als 2+ und 4+:

Auch interessant:

So unterschiedlich klingen Precision und Jazz Bass im Bandmix!

Üben mit Drumloops

Ein virtueller Drummer ist ein wunderbarer Übungspartner! Auch hier gibt es mittlerweile unzählige Apps, man muss nur mal "Drums", "Drumloops", "Drummer" oder "Drumcomputer" in die Suche des App Stores eingeben und wird ganz sicher schnell fündig werden.

Sogar noch komfortabler sind Software-Drummer für den Computer wie EZ Drummer oder Addictive Drums. Die klingen natürlich besser und lassen sich einfacher den individuellen Bedürfnissen anpassen. Auch gibt es fertige Drumloops (Samples) für alle Stilistiken auf diversen Plattformen zu kaufen.

Was letztendlich die Bezugsquelle ist, spielt für unseren Workshop keine Rolle. Hier geht es um den kreativen Umgang mit ihnen und natürlich gilt das Gleiche wie beim Metronom: Wenn ich mich nur an die Drums anlehne, wird der Lerneffekt gering bleiben. Daher macht es Sinn, sich Tracks zu programmieren, in denen die Drums zumindest ab und an pausieren.

Falls ihr keinerlei Option wie App oder Drum-Software nutzt, habe ich euch hier ein paar solcher Tracks in jeweils drei verschiedenen Tempi zusammengestellt:

Drumloop-Übung 1: 4 Takte Drums zum Eingrooven, dann 3 Takte Drums, dann 1 Takt Drums Pause in der Schleife

Drumloop-Übung 2: 4 Takte Drums zum Eingrooven, dann 2 Takte Drums, dann 2 Takte Drums Pause in der Schleife

Drumloop-Übung 3: 4 Takte Drums zum Eingrooven, dann 1 Takte Drums, dann 3 Takte Drums Pause in der Schleife

Unsere Aufgabe ist es, in den Takten, in welchen die Drums pausieren, den Groove selbstständig stabil zu halten. Diese Übung (gerade mit den längeren Pausen) zeigt schön, ob wir dazu tendieren, etwas schneller oder langsamer zu werden.

Keine Sorge, wir sind alle Menschen - niemand besitzt ein perfektes Timing! Wichtig ist aber herauszufinden, zu was man neigt. Ist einem bewusst, dass man z. B. gerne etwas schneller wird, kann man auch beim Spielen entsprechend aufmerksam sein und dieser Tendenz entgegenwirken. Wenn man dafür jedoch gar nicht sensibilisiert ist, werde man es auch kaum verhindern können!

Auch interessant:

Üben mit der Snare

Bei jeder Drum-App oder Drum-Software lassen sich die einzelnen Instrumente stummschalten. Auf diese Weise kann man auf einfachem Wege die Snare isolieren, welche den Backbeat auf den Zählzeiten 2 und 4 spielt. Dieser ist, wie in Teil 1 dieser Workshop-Reihe bereits erwähnt, das zentrale rhythmische Element der Stilistiken Rock, Pop, Funk, Blues, Soul etc.

Spielen wir nur zu einer Snare, so schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen verbessern wir unser Timing, da wir lediglich die 2 und die 4 als rhythmische Information erhalten. Zum anderen entwickeln wir auch unser Gefühl für den Backbeat, da wir nur diesen hören. Kurz gesagt: Wir schulen nicht nur unser Timing, sondern auch ein gewisses Feeling - diese Übung kann daher ein echter "Game Changer" sein!

Vor allem wird uns dadurch auch deutlich, wie sich unsere Bassline zum Backbeat verhält. Falls ihr euch selbst keine Snare-Tracks erstellen könnt, bekommt ihr hier von mir ein paar Vorlagen in verschiedenen Tempi:

Das war's mit meiner dreiteiligen Workshop-Reihe zum Thema "Groove und Timing verbessern". Ich hoffe, ihr hattet eine Menge Spaß und könnt nachhaltig von den Übungen profitieren und nach einiger Zeit einen echten Lerneffekt an euch feststellen!

Alles Gute und viele Grüße, Thomas Meinlschmidt

Verwandte Artikel

User Kommentare